Emi Koussi (auch bekannt als Emi KoussouHellmich 1972, S. 10) ist ein hoher pyroklastischer Schildvulkan am südöstlichen Ende des Tibesti-Gebirges in der mittleren Sahara in der nördlichen Provinz Tibesti des nördlichen Tschad. Mit einer Höhe von 3445 Metern ist er der höchste Berg der Sahara. Er erhebt sich 3 Kilometer über die Sandsteinebene um den Vulkan herum, hat einen Durchmesser von 60–70 Kilometern und erreicht ein Volumen von 2500 Kubikkilometern.

Zwei überlappende Calderen bilden die Spitze des Vulkans, die äußere ist etwa 15 mal 11 Kilometer breit. Innerhalb dieser Caldera, und zwar auf der Südostseite, liegt eine kleinere Caldera, bekannt als Era Kohor; diese ist 2 Kilometer breit und 350 Meter tief. In den Calderen und auf den Flanken des Schildes gibt es mehrere Aschenkegel, Lavaströme, Maare und Quellkuppen. Era Kohor enthält Ablagerungen von Trona, und Emi Koussi ist als Analogon des Marsvulkans Elysium Mons erforscht worden. Emi Koussi war vor über einer Million Jahren aktiv, aber einige Ausbrüche könnten rezenter sein, so sind sowohl Fumarolen als auch Thermalquellen vorhanden.

Geographie und Geomorphologie Emi Koussi liegt im Tschad und ist Teil des Tibesti-GebirgesGourgaud und Vincent, 2004. S. 261, dessen höchster GipfelMalin 1977. S. 908 und damit auch der der ganzen Sahara;Pachur und Altmann 2006. S. 88 viele Gipfel im Tibesti sind höher als 2000 Meter.Malin 1977. S. 908 Der Vulkanismus des Tibesti ist kaum erforscht, denn die Region ist abgelegen und aus politischen Gründen ist der Zugang schwierig.Permenter und Oppenheimer 2007. S. 609 Nach Berichten lebten die Tubu in seiner Gipfelcaldera und in künstlichen Höhlen.Pachur und Altmann 2006. S. 103 In der Tedaga-Sprache bedeutet Emi „Berge“, „Massiv“.Pachur und Altmann 2006. S. 88

Der Emi Koussi erreicht auf seiner südlichen Seite eine Höhe von 3445 Metern, er erhebt sich drei Kilometer über das Umland.Gourgaud und Vincent, 2004. S. 264 Einige Astronauten bezeichnen Emi Koussi als die von der Umlaufbahn auffälligste Struktur der Erde.Gourgaud und Vincent, 2004. S. 264 Angeblich kann man von den nördlichen Gipfeln des Emi Koussi das gesamte Tibesti sehen.Tilho 1920. S. 172

Er ist ein Schildvulkan mit einem Durchmesser von 60–70 KilometernGourgaud und Vincent, 2004. S. 264 und einem angenommenen Volumen von 2500 Kubikkilometern.Hellmich 1972. S. 21 Die Spitze des Emi Koussi wird durch zwei überlappende Calderen gebildet, die zusammenGourgaud und Vincent, 2004. S. 263 eine breiteGourgaud und Vincent, 2004. S. 264 elliptische Caldera bilden, welche sich in Nordwest-Südost-Richtung erstreckt.Gourgaud und Vincent, 2004. S. 263 Die nördliche Caldera bildete sich zuerst, dann kam die südliche Caldera, welche um 50 Meter unter der nördlichen Caldera eingetieft ist. 400–300 Meter hohe Felswände bilden den inneren Rand der südlichen Caldera,Gourgaud und Vincent, 2004. S. 267 deren Boden auf einer Höhe von 2970 Metern liegt. Vor der Bildung der Calderen könnte der Vulkan eine Höhe von 4000 Metern erreicht haben. Ein Talabfluss schneidet sich durch den Rand der Caldera, die Porte de Modiounga.Hellmich 1972. S. 172

Innerhalb dieser paarigen Caldera liegt die Era Kohor-Caldera,Gourgaud und Vincent, 2004. S. 263 die 300 Meter tief und 2 Kilometer weit ist und wie ein riesiges Loch aussieht.Gourgaud und Vincent, 2004. S. 267 Diese Caldera ist auch als NatronlochTilho 1920. S. 172 oder Trou au Natron bekannt.Gèze et al. 1959. S. 137 Lavaströme aus Trachyt sind in seinen Wänden aufgeschlossen,Gourgaud und Vincent, 2004. S. 267 und Natriumcarbonat hat sich auf dessen Grund niedergeschlagen,Malin 1977. S. 909 welcher auf 2670 Metern Höhe liegt und einen Salzsee enthält.Pachur und Altmann 2006. S. 103 Der Grund von Era Kohor ist deshalb rein weiß.Hellmich 1972. S. 172 Drei Maare und einige Schlackenkegel kommen innerhalb des Calderenkomplexes ebenfalls vor,Gourgaud und Vincent, 2004. S. 267 begleitet von Lavaströmen und Quellkuppen. Auswurf einer explosiven Eruption füllt die Calderen.Gèze et al. 1959. S. 139

Der Kohor-Bims und zwei Ignimbrite bedecken die Flanken des Emi Koussi,Gourgaud und Vincent, 2004. S. 263 die zum Gipfel hin steiler werden.Permenter und Oppenheimer 2007. S. 621 Schlackenkegel auf den Hängen werden von Lavaströmen begleitet.Gourgaud und Vincent, 2004. S. 263 Im oberen Bereich des Vulkans ist die Lava durch Spalten zerfurcht, die als „Lappiaz“ bekannt sind.Poli 1974. S. 225 Im Terrain rund um den Vulkan ist Sandstein aufgeschlossen.Gourgaud und Vincent, 2004. S. 263 Nördlich des Emi Koussi liegen weitere Vulkane wie Tarso Ahon und Tarso Emi Chi,Permenter und Oppenheimer 2007. S. 616 ersterer ist durch einen schmalen Bergrücken mit Emi Koussi verbunden.Gèze et al. 1959. S. 137

Geologie Tektonische Ereignisse fanden in dem Tibesti-Gebirge bereits zwischen dem Karbon und der Kreide statt,Malin 1977. S. 908 das heißt zwischen und 66 Millionen Jahren. In der Frühphase des Tibesti-Vulkanismus bildete Alkalibasalt weite Plateaus. Später bildeten sich Zentralvulkane auf diesen Plateaus.Gourgaud und Vincent, 2004. S. 264 Der Vulkanismus im Tibesti wurde mit einem Mantle plume erklärt wie in anderen afrikanischen Vulkanen auch,Gourgaud und Vincent, 2004. S. 288 aber kürzlich (2015) wurde vorgeschlagen, dass die Auswirkungen der Kollision zwischen Europa und Afrika für den Tibesti-Vulkanismus verantwortlich sein könnten.Deniel et al. 2015. S. 3

Die ältesten Gesteine unterhalb des Tibesti sind präkambrische Diorite, Glimmerschiefer und Granite,Permenter und Oppenheimer 2007. S. 616 die wahrscheinlich aus dem Neoproterozoikum stammen und in zwei Einheiten eingeteilt werden.Deniel et al. 2015. S. 3 Die vulkanischen Gesteine ruhen auf einem gehobenen Sockel aus kretazischemMalin 1977. S. 908 und paläozoischem Sandstein.Gourgaud und Vincent, 2004. S. 264 Letztere sind am südwestlichen Fuß des Emi Koussi aufgeschlossen, während nördlich des Vulkans Vulkangestein dominiert und das Tibestimassiv im Osten und Südosten des Emi Koussi.Permenter und Oppenheimer 2007. S. 616 Ältere Vulkangesteine erscheinen in Tälern.Gèze et al. 1959. S. 138

Der Emi Koussi hat Phonolith, Trachyandesit und Trachyt gefördert,Gourgaud und Vincent, 2004. S. 264 aber auch mafische Gesteine wie Basanit und Tephrit. Die geförderten Gesteine definieren basische Vulkanitfamilien. Die Chemie der Einsprenglinge und deren Zusammensetzung variiert zwischen den verschiedenen Gesteinen; unter den Mineralen sind Alkalifeldspat, Amphibol, Biotit, Klinopyroxen, Olivin, Oxide und Plagioklas. Alkalifeldspat, Apatit, Klinopyroxen, Olivin, Magnetit, Glimmer, Nephelin, Oxide, Plagioklas, Quarz, Sodalith, Titanit und Zirkon bilden auch die Grundmasse von Mikrolithen in geförderten Gesteinen.Gourgaud und Vincent, 2004, S. 268–269 An der Bildung des Magmas war vor allem Fraktionierte Kristallisation beteiligt.Gourgaud und Vincent, 2004. S. 288 Steine von Emi Koussi wurden durch regionale Gesellschaften des Neolithikums als Rohmaterial verwendet.

Im frühen HolozänPachur und Altmann 2006. S. 159 wurde der Era Kohor von einem kreisrunden, tiefen See gefüllt.Pachur und Altmann 2006. S. 119 Diatomeenablagerungen wurden 125 Meter über dem Grund des Era Kohor gefunden sowie in Senken ohne Ausfluss anderswo in der Caldera,Hellmich 1972. S. 56 sie erreichen Dicken von 4–5 Meter.Pachur und Altmann 2006. S. 119 Weiter unten am Berg erscheinen ab 2800 Meter Höhe Erosionsrinnen und werden bergab ab 2000 bis 2500 Metern Höhe tiefe Schluchten.Hellmich 1972. S. 21 Das Wadi Elleboe hat auf dem Emi Koussi seinen Ursprung,Tilho 1920. S. 171 und einige episodische Bäche auf der Westflanke führen in den Enneri Miski, der südwärts abfließt und südlich der Berge verschwindet.Dumont 1987. S. 135 Kleine Seen finden sich rund um Emi Koussi.Dumont 1987. S. 141

Chronologie der Aktivität Der Emi Koussi brach zwischen 2,4 und 1,3 Millionen Jahren aus;Gourgaud und Vincent, 2004. S. 266 er gilt als pliozänen- bis quartären Alters.Gourgaud und Vincent, 2004. S. 268 Der Vulkan bildete sich vorab im MiozänHellmich 1972. S. 21Bruneau de Miré und Quézel 1959. S. 135 in einem Zeitrahmen von ungefähr einer Million Jahren.Deniel et al. 2015. S. 17 Radiometrische Datierung hat Alter von 2,42 ± 0,03 – 2,33 ± 0,09 Millionen Jahren für das älteste Stadium des Emi Koussi ergeben. Das dritte Stadium hat Alter von 1,4 ± 0,3 – 1,32 ± 0,2 Millionen Jahren ergeben;Gourgaud und Vincent, 2004. S. 264Deniel et al. 2015. S. 18 zuvor wurde der Era Kohor als holozäner Vulkan aufgefasst.Malin 1977. S. 909

Im ersten Stadium brachen Trachyt und Trachyandesit in der Form von Ignimbriten und basaltischen Lapilli aus dem Emi Koussi aus. Darauf folgten im zweiten Stadium trachytische, graue oder grüne Ignimbrite, Quellkuppen aus Trachyt oder Phonolith sowie zusätzlich Lavaströme aus Basalt.Gourgaud und Vincent, 2004. S. 264 Die Ignimbrite des zweiten Stadiums finden sich in der nördlichen Caldera und auf der Südflanke des Vulkans.Gourgaud und Vincent, 2004. S. 267 Im dritten Stadium wurde vorab Phonolith gefördert, in der Form von Brekzien, Tuffen und Ignimbrit einschließlich des Kohor-Ignimbrits.Gourgaud und Vincent, 2004. S. 264 Die verschiedenen Ignimbrite enthalten Fiammen und sehen oft wie Lavaströme aus.Deniel et al. 2015. S. 8 Während jeden Stadiums fand die Bildung einer Caldera statt,Gourgaud und Vincent, 2004. S. 267 und alle drei Stadien waren von basaltischem Vulkanismus begleitet.Gourgaud und Vincent, 2004. S. 264 Phreatische Explosionen des Era Kohor haben in der Gipfelcaldera große Gesteinsbrocken hinterlassen,Gourgaud und Vincent, 2004. S. 267 darunter auch prächtig gefärbte Syenit-Blöcke.Hellmich 1972. S. 22

Quartärer Vulkanismus hat auf den Hängen des Emi Koussi Kegel gebildet,Gourgaud und Vincent, 2004. S. 263 und innerhalb der Gipfelcaldera stellen die drei Maare den jüngsten Vulkanismus dar,Gourgaud und Vincent, 2004. S. 267 während lange Lavaströme als die gesamthaft jüngsten vulkanischen Produkte des Emi Koussi aufgefasst werden. Die jüngsten Vulkangebilde sind wenig erodiert.Hellmich 1972. S. 22 Im frühen Pleistozän kam es auf den Flanken des Emi Koussi zu Erosion,Malin 1977. S. 908 und im Era Kohor haben sich bis in jüngster Zeit Karbonate abgelagert.Permenter und Oppenheimer 2007. S. 619Gèze et al. 1959. S. 165

Auf dem südlichen Fuß des Vulkans gibt es fumarolische ErscheinungenMalin 1977. S. 908 wie bei Yi Yerra in 850 Meter Höhe auf der Südseite.Gèze et al. 1959. S. 139 Bei Yi Yerra strömt 37 °C warmes Wasser aus Thermalquellen.Dumont 1987. S. 134 Der Emi Koussi gilt als Vulkan holozänen Alters.Permenter und Oppenheimer 2007. S. 619 In seiner Caldera sind Diatomeen-Ablagerungen aus dem Holozän von Lavaströmen überflossen worden;Pachur und Altmann 2006. S. 103 die Radiokarbonmethode hat Alter von 14.790 ± 400 bis 12.400 ± 400 Jahre für die Diatomeen-Ablagerungen ermittelt, welche von Lavaströmen begraben oder beeinflusst wurden.

Klima und Vegetation Im Tibesti-Gebirge herrscht ein Bergwüstenklima. Nahe dem Emi Koussi gibt es keine Wetterstationen und Stationen in niedrigeren Höhenlagen unterschätzen höchstwahrscheinlich den Niederschlag in größerer Höhe,Dumont 1987. S. 135 aber vom Bewölkungsgrad ist ein Jahresniederschlag von 80–120 Millimeter pro Jahr für den Emi Koussi abgeleitet worden;Messerli 1973. S. 146 in der Vergangenheit war er noch höher als heute.Messerli und Winiger 1992. S. 327 Das Klima ist sowohl vom Norden als auch vom Süden her beeinflusst und unterscheidet sich von dem der Wüsten um Emi Koussi. Es gibt keinen Hinweis für Nivation auf dem Emi KoussiMesserli 1973. S. 141 und die Anwesenheit von periglazialen Landformen sind fragwürdig, aber im Pleistozän fanden periglaziale Aktivitäten wahrscheinlich statt; sie könnten bis heute andauern.Dumont 1987. S. 134 Selbst im Pleistozän war an keiner Stelle des Berges die Temperatur ganzjährig unter dem Gefrierpunkt.Messerli und Winiger 1992. S. 317