Die Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung in Ettenberg ist eine römisch-katholische, denkmalgeschützte Wallfahrtskirche im Stil des Rokoko und gehört als Filialkirche zur Pfarrei in Marktschellenberg.
Lage miniatur|hochkant=0.6|Deckenfresko (Ausschnitt): von Rehlingen (li.), dahinter vermutlich Cajetan Notthafft von Weißenstein Die Kirche steht auf einem Hochplateau Ettenberg, das unter anderem über die Almbachklamm zu erreichen ist. Neben der Kirche befindet sich das Messnergütl.
Baugeschichte Die Wallfahrtskirche im Stil des Rokoko wurde im Zuge der Gegenreformation während der Amts- und Regierungszeit des Fürstpropstes von Berchtesgaden Julius Heinrich von Rehlingen-Radau erbaut.Manfred Feulner: Berchtesgaden – Geschichte des Landes und seiner Bewohner. S. 176–179 Die Grundsteinlegung erfolgte am 17. März 1724 und der Dachstuhl wurde am 13. Mai 1725 aufgesetzt. (Am Querbogen der Decke über dem Altar befindet sich der Wahlspruch „aCCeDIte thronVM gratIae VnIVersI VIatores“ (Besucher, ihr sollt kommen zum Thron der allmächtigen Gnade), dessen Chronogramm die römischen Zahlen (M D CC VVVV IIIII) für das „Erbauungsjahr 1725“ enthältAnton Mayer (1818–1877) u. Georg Westermayer (1836–1893): Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising / 1. Die Decanate Abens bis Laufen inclus., G. J. Manz Verlag, München 1874, online, s. S. 119, zweiter Abschnitt. ergibt.) Ihre erste Orgel richtete 1746 vermutlich noch Johann Christoph Egedacher oder ein anderer aus dieser in Salzburg ansässigen Orgelbauerfamilie ein. Der Kirchturm ist erst zwischen 1834 und 1836 angebaut worden und entbehrt deshalb einer für das übrige Gebäude eigentlich typischen barocken Zwiebelhaube. Das Dach ist stattdessen schlicht und schmucklos in Form einer achtseitigen Schindelpyramide gehalten. Zwischen 1979 und 1980 wurden Kirche und Orgel von Grund auf renoviert bzw. überholt.Hellmut Schöner: Berchtesgaden im Wandel der Zeit. Ergänzungsband I, 1982, S. 264–265Webseite der Gemeinde: Wallfahrtskirche Ettenberg mit Kurzinformationen und Fotos online unter marktschellenberg.de
Ausstattung Die einschiffige Kirche hat fünf Altäre. Ihr Hochaltar weist einen spätbarocken Aufbau mit marmorierten Säulen auf. Über dem Kapitell ist das namensgebende Bild von der Heimsuchung Mariens, flankiert von Marias Eltern Joachim und Anna. Auf dem Altarumgang sind der hl. Florian und der hl. Georg.
Das Gnadenbild des Altars wurde laut Pfarrchronik am 9. September 1733 von der Ramsauer Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt (auch bekannt als Maria Kunterweg) in die Ettenberger Kirche übertragen.
Das große Deckenfresko stammt von Innozenz Anton Warathy, der seinerzeit in Burghausen lebte. Thematisch geht es um Verheißung und Erfüllung, sowie die Verehrung des „unbefleckten Herzens Mariä“. Die Ankündigungen des Alten Testaments (Königin Ester) vollenden sich im Neuen Testament (Maria). Ester rettet durch ihre mutige Fürsprache bei ihrem Mann, dem Perserkönig Ahasver, ihrem Jüdischen Volks das Leben. Maria kniend auf einer Wolke, ist dargestellt als Fürsprecherin für die hinter ihr versammelte Propstei Berchtesgaden (Wappen in der Hand des Knaben im rechten unteren Bildrand). Unter anderem dargestellt sind rechts der Madonna der Bauherr Fürstpropst Julius Heinrich von Rehlingen-Radau und vermutlich auch dessen Nachfolger Cajetan Anton Notthafft von Weißenstein, seinerzeit noch im Amt des Stiftsdekans.Wallfahrtskirche Maria Heimsuchung in Ettenberg
Seitlich davon befinden sich vier kleinere Fresken samt Inschriften, die die besonderen Tugenden und Hilfen der Gottesmutter hervorheben, die aus der Lauretanischen Litanei entnommen sind: Salus Infirmorum (Heil der Kranken), Refugium Peccatorum (Zuflucht der Sünder), Consolatrix afflictorum (Trost der Betrübten) und Auxilium Christinaorum (Hilfe der Christen). Die vier Fresken nehmen Bezug auf die Krankheiten oder Katastrophen, die die Menschen heimsuchen. Durch Verehrung der Maria und Wallfahrt, insbesondere am Fest „Mariä Heimsuchung“, findet man Hilfe, Trost und Erlösung.
Auf der Orgelempore steht eine spätgotische Kolossalfigur des hl. Christophorus aus dem 17. Jahrhundert mit einer Höhe von 4,30 m.
Kulturelle Traditionen Die erblindete Witwe Maria Euphrosina Knoblachin, geb. von Höfl, aus Salzburg stiftete 1746 ein größeres Vermögen für ein auf „ewige Zeiten“ alljährlich in der Wallfahrtskirche abzuhaltendes so genanntes „40-stündiges Gebet“. Als sich die Stiftungssumme wegen diverser Wirtschaftskrisen verringert hatte, kürzte man das bis dahin drei Tage währende Beten auf einen Tag, nämlich den ersten Sonntag nach dem Annentag am 26. Juli. Das daraus resultierende „Ettenberger Annafest“ entwickelte sich zum festen Bestandteil des Berchtesgadener Brauchtums.Hellmut Schöner: Berchtesgaden im Wandel der Zeit. Ergänzungsband I, 1982, S. 265 Bereits am Vorabend des Annentages findet eine Lichterprozession statt, die die Ettenberger Weihnachtsschützen von ihrem Standplatz am Kocherfeld (oberhalb des Kocherlehens) mit Böllerschüssen und Salven begleiten. Nach der Prozession am Annentag selbst schießen die Ettenberger Weihnachtsschützen vor der Kirche Ehrensalven für Freunde, Gönner und Gäste.
Pfarrei und Pfarrverband Neben der Pfarrkirche St. Nikolaus und der Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung als Filialkirche, gehören auch die Pfarrkirche Zur Heiligen Familie und die Franziskuskirche als Teil der Pfarrei Heilige Familie im Berchtesgadener Ortsteil Au zum Pfarrverband Marktschellenberg in Marktschellenberg.Walter Brugger (Hrsg.) u. a.: Geschichte von Berchtesgaden. Band III/1, 1999, S. 246. Zum Pfarrverband Marktschellenberg. Am 1. November 2015 wurde der Pfarrverband Stiftsland Berchtesgaden begründet, zu dem sich die drei Pfarreien St. Andreas Berchtesgaden, Hl. Familie Au und St. Nikolaus Marktschellenberg zusammenschlossen,https://www.berchtesgadener-anzeiger.de/region-und-lokal/lokales-berchtesgadener-land_artikel,-pfarrverband-stiftsland-berchtesgaden-offiziell-errichtet-_arid,241495.html und der am 1. Juni 2019Pfarrverband Stiftsland Berchtesgaden neu gegründet, Rückblick auf Feierliche Pontifikalvesper mit Weihbischof Wolfgang Bischof in der Stiftskirche, online unter stiftsland.de um den ehemaligen Pfarrverband BischofswiesenStiftsland Berchtesgaden – ehem. Pfarrverband Bischofswiesen, online unter erzbistum-muenchen.de erweitert wurde.Stiftsland Berchtesgaden, Pfarrverbandsstruktur erscheint nach Anklicken von „Pfarrverband“, online unter stiftsland.de.
Literatur Manfred Feulner: Berchtesgaden – Geschichte des Landes und seiner Bewohner. Verlag Berchtesgadener Anzeiger, Berchtesgaden 1986, ISBN 3-925647-00-7, S. 176–179 Hellmut Schöner (Hrsg.): Berchtesgaden im Wandel der Zeit – Ergänzungsband I. Verein für Heimatkunde d. Berchtesgadener Landes. Verlag Berchtesgadener Anzeiger sowie Karl M. Lipp Verlag, München 1982, ISBN 3-87490-528-4, S. 264–265
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Einzelnachweise
Marktschellenberg Maria Heimsuchung Marktschellenberg Mariä Heimsuchung Kategorie:Erbaut 1725 Ettenberg Ettenberg Marktschellenberg Kategorie:Kirchengebäude in Europa