mini|321x321px|Ansicht von Nordwesten (2016) mini|Innenraum, Blick nach Osten mini|Innenraum, Blick nach Westen, im Jahr 2017, links die Marienstatue Die römisch-katholische Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in Andernach ist eine mächtige Emporenbasilika mit vier Türmen, Westbau und Chor. Sie liegt am westlichen Rand der Stadt in direkter Nähe zur Stadtmauer und damit auch an der Westseite des in römischer Zeit dort befindlichen Kastells Antunnacum, aus dem die spätere Siedlung hervorging. Stets war sie Stadtkirche und seit 1194 Eigenkirche des Erzbischofs von Trier in Andernach, der (offiziell) hier auch Pfarrer war. Im Andernacher Volksmund sind auch die Bezeichnungen Liebfrauenkirche und Mariendom oder nur kurz „Dom“ geläufig.Josef Busley, Heinrich Neu (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des Kreises Mayen. 1. Halbband, Druck und Verlag von L. Schwann, Düsseldorf 1941, unveränderter Nachdruck 1983, ISBN 3-590-32143-1, S. 88.

Geschichte Vorgeschichte Karolingische Grabstellen unter der heutigen Kirche belegen, dass es sich um eine frühere Gründung handelt. Über das Aussehen dieser Kirche und auch des Nachfolgebaus aus dem frühen 12. Jahrhundert, von dem der freistehende Nordostturm (Glockenturm) erhalten ist, ist nur wenig bekannt.

Der Vorgängerbau (St. Michael), 1194 von Kaiser Heinrich VI. dem Trierer Erzbischof Johann I. geschenkt, der als erster Bischof Triers zugleich auch den Titel eines Kurfürsten trug, wurde 1198 infolge eines Streites zwischen Otto IV., der 1197 in Andernach zum König ausgerufen worden war, und Philipp dem Staufer, der Andernach eroberte und brandschatzte, ein Opfer der Flammen. Das Kirchengebäude der alten Stadtkirche wurde dabei bis auf den freistehenden Glockenturm großteils zerstört.

Bauperiode An der Stelle der niedergebrannten Kirche, deren freistehender Glockenturm als Nordostturm und ältester Gebäudeteil in den Kirchenneubau integriert wurde, ließ der Erzbischof und Kurfürst von Trier Johann I. die heutige Marienkirche bis etwa 1220 als dreischiffige Emporenbasilika im rheinischen ÜbergangsstilAndernach. In: rheinreise.de. Abgerufen am 30. August 2014. neu errichten.

Die Form des Südostturmes scheint darauf hinzuweisen, dass beim Kirchenneubau am Ende des 12. Jahrhunderts zunächst auf ein niedrigeres, das heißt älteres Kirchenschiff Rücksicht genommen wurde, bevor dann auch das Langhaus und das Westwerk mit beiden Westtürmen neu errichtet wurde. Der alte Westbau hatte vermutlich nur eingeschossige Türme und im Erdgeschoss eine offene Halle. Um 1220 wurde der südöstliche Turm dem älteren Nordostturm auf der anderen Seite des Chors in der Höhe angeglichen. Auch die beiden ursprünglich wohl niedriger geplanten Westtürme erhielten damals ihre endgültige Höhe. Die Vollendung des Kirchenneubaus ist um 1250 anzunehmen. Dennoch wurde die Kirche wahrscheinlich schon 1220 geweiht.

Die eigentliche Baugeschichte scheint mit der Vollendung der spätromanischen Domkirche abgeschlossen, doch Urkunden belegen eine längere Bautätigkeit.

Restaurierungen mini|Chorraum mit Fresko von Georg Kau; Blick von der Kanzel aus Trotz ihres sehr einheitlich wirkenden Erscheinungsbildes lässt die Liebfrauenkirche bei genauerer Betrachtung recht gut die verschiedenen Bauabschnitte erkennen, in denen sie entstand. Ablesbar sind (durch unterschiedliche Mauertechniken und Steinbearbeitungen) die seit dem Mittelalter bis in die heutige Zeit durchgeführten Teil- und Komplettrestaurierungen am Dom.

Bereits im späten 13. bis frühen 14. Jahrhundert stürzten einige Gewölbefelder ein. Grund dafür ist der schlechte Baugrund, auf dem die Kirche steht. Der Westbau zeigte starke Rissbildung, daraufhin wurden im Zuge der damals durchgeführten Maßnahmen die Gewölbe und die Westfassade instand gesetzt. Dabei wurde auch die große Fensterrose durch ein gotisches Spitzbogenfenster ersetzt. Außerdem erhielten die Westtürme zusätzliche Verankerungen zur Stabilisierung.Josef Busley, Heinrich Neu (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des Kreises Mayen. 1. Halbband, Druck und Verlag von L. Schwann, Düsseldorf 1941, unveränderter Nachdruck 1983, ISBN 3-590-32143-1, S. 89–90. Quellen berichten von weiteren Restaurierungen in den folgenden Jahrhunderten.

1722 wurde der Zustand der Kirche als ruinös bezeichnet. Nach langen Überlegungen erstellte letztlich der kurtrierische Hofbaumeister Johann Georg Seitz, Vater des Baumeisters Johannes Seiz, 1739 ein Gutachten zur Schadensbehebung, das aus Kostengründen auch die Abtragung der Türme und die Entfernung der eingestürzten Seitenschiffe erwog. Das Engagement von Andernacher Bürgern bewahrte „ihren Dom“ jedoch vor einem „Rückbau“ zu einem Torso mit Teilabriss der Westtürme und Entfernung der Seitenschiffe, sodass er sich heute in voller Größe zeigt. In den Jahren 1740 bis 1742 wurde die Wiederherstellung der beschädigten Kirchenabschnitte konsequent betrieben, vor allem der Wiederaufbau der eingestürzten Seitenschiffe.Josef Busley, Heinrich Neu (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des Kreises Mayen. 1. Halbband, Druck und Verlag von L. Schwann, Düsseldorf 1941, unveränderter Nachdruck 1983, ISBN 3-590-32143-1, S. 90.

Umfassende Restaurierungsarbeiten erfolgten im späten 19. Jahrhundert. Sie begannen 1877 an der Chorapsis und den 1740 bis 1742 nur provisorisch instand gesetzten Abschnitten, ebenso wurde 1894 die Rekonstruktion (romanischer Rückbau) der reich gestalteten Westfassade 1893/1894 mit Einlassung der großen Rosette, die eines der schönsten Beispiele der kölnisch-rheinischen Architektur vom Beginn des 13. Jahrhunderts bildet, betrieben. 1899 wurden die Restaurierungsarbeiten mit der Ausmalung des Innenraums beendet. Damit entspricht der heute sichtbare Zustand etwa dem aus der Mitte des 13. Jahrhunderts.

1960 wurde eine zweite große Komplettrestaurierung begonnen. Grund dafür war wie auch 1877 Verwitterung. Am Außenbau waren Arbeiten wie Steinauswechslung, Steinkonservierung, Sicherungs- und Dacharbeiten nötig. Das Ausmaß der Schäden forderte teils eine völlige Außenhauterneuerung, so am Nordwestturm. 1978 konnten die Außenarbeiten abgeschlossen werden. Von 1987 bis 1991 wurden in die Gewölbe des Langhauses und der Seitenemporen Betonbalken und Queranker zur Stabilisierung eingelassen.

Kleinere Restaurierungen, Sanierungen und Renovierungen führt heutzutage der Förderverein Mariendom Andernach e. V. aus.

Neuere Geschichte Im Zusammenhang mit dem Neubau des Pfarrheims unmittelbar neben der Kirche wurden 2006 die Reste einer römischen Badeanlage aus dem 4. Jahrhundert entdeckt.Annika Graf: Wellnessanlage aus der Antike freigelegt. In: Rhein-Zeitung online. 28. November 2006. Sie wurden in das Gebäude integriert und 2009 auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ein Teil der Badeanlage kann durch eine Glaskuppel vor dem Pfarrheim besichtigt werden.

In den Jahren 2013/2014 wurde der gesamte Domplatz mit Anbindung an das Pfarrhaus und den Domspielplatz neu gestaltet. Die Kosten für den Ausbau des hauptsächlich öffentlichen Platzes trug die Stadt Andernach. Am Patronatsfest Maria Himmelfahrt 2014 (15. August) wurde der Domplatz eingeweiht. In der Feier erwähnte der Prediger „die Umgestaltung von einer Nachkriegstrümmerlandschaft zu einem angemessenen Domplatz.“ Der Dom brauche Platz zum Atmen, und der Dom habe jetzt Platz zum Atmen.

2018 begannen umfassende Arbeiten zur Umgestaltung, Sanierung und Renovierung, die bis zum 800-jährigen Weihejubiläum 2020 abgeschlossen sein sollen. Als erste Maßnahme wurde im März 2018 der Taufstein umgesetzt. In der nun freien ehemaligen Taufkapelle entstand im Laufe des Sommers eine Marienkapelle. Diese ist fortan der Gebetsraum im Dom. Die Kapelle wurde am Patronatsfest Maria Himmelfahrt eingeweiht.

Wegen des durch die Covid-19-Pandemie gebotenen großen Abstandes zwischen den Gottesdienstbesuchern waren die aus der Zeit um 1900 stammenden Kirchenbänke entfernt worden. Im Sommer 2022 wurden sie durch stapelbare Stühle ersetzt; die Zahl der Sitzplätze ist seitdem gegenüber früher auf etwa die Hälfte reduziert. Die alten Bänke wurden nach Kiew transportiert und in einer Kirche aufgestellt, die 1930 zunächst zum Lagerhaus und später zum Konzertsaal umfunktioniert worden war, in dem auch Gottesdienste gehalten werden dürfen.Elvira Bell: Ukrainer freuen sich über Kirchenbänke. In: Rhein-Zeitung. Nr. 258, Koblenz, 7. November 2022.

Architektur mini|Maria Himmelfahrt, Luftaufnahme 2014|258x258pxDer Mariendom ist bis auf den älteren Nordostturm und die im 18. Jahrhundert erneuerten Seitenschiffe einheitlich spätromanisch. Er ist im Lichten 49,70 Meter lang und 19,70 Meter breit. Die Breite des Mittelschiffs beträgt 8,15 Meter, die Höhe des Mittelschiffs 17 Meter und die der Seitenschiffe 5,80 Meter. Die Türme der Westfassade sind 54,90 Meter hoch, Nordost- und Südostturm jeweils 40,80 Meter.Die Kunstdenkmäler des Kreises Mayen. Verlag von L. Schwann, Düsseldorf 1941, unveränderter Nachdruck von 1983, ISBN 3-590-32143-1, S. 92. mini|258x258px|Grundriss (1868)

Westwerk Das Westwerk des Domes besteht aus einer Zweiturmfassade, die im Mittelalter die historische Stadtmauer überragte. Der Westbau, der den drei Schiffen des Langhauses querhausartig vorgelagert ist, weist drei Geschosse auf. Diese sind durch Horizontalgesimse voneinander getrennt. Die Wandflächen sind durch Blendarkaden, von denen manche Rundbogenfenster umrahmen, symmetrisch gegliedert. Durch Doppelarkaden im dritten Geschoss außen entsteht der Eindruck von Eigenständigkeit der Türme. Der dreigeschossige Mittelteil der Fassade mit einem großen Rundfenster im oberen Geschoss wird von einem Giebel abgeschlossen.

Durch Untersuchungen wurde ermittelt, dass das Westwerk in der zweiten Bauperiode (nach 1198) erbaut wurde. Der alte Westbau hatte wahrscheinlich nur eingeschossige Türme und eine offene Eingangshalle. Das heutige Westportal wurde erst später erbaut. Durch unterschiedliche Detailformen kann belegt werden, dass die Türme und ihre Rautendächer erst nach 1220 errichtet wurden. Bis zur großen Restaurierung im späten 19. Jahrhundert enthielt die Westfassade anstelle des Rundbogenfensters ein spitzbogiges Maßwerkfenster aus dem 14. Jahrhundert und Spitzbögen über den Portalen, die wegen bautechnischer und statischer Probleme wieder entfernt wurden, sodass die seitherige Gestaltung jener aus dem 13. Jahrhundert ähnlich sein dürfte.Josef Busley, Heinrich Neu (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des Kreises Mayen. 1. Halbband, Druck und Verlag von L. Schwann, Düsseldorf 1941, unveränderter Nachdruck 1983, ISBN 3-590-32143-1, S. 98–99.

Langhaus Das Langhaus besteht aus drei Doppeljochen und weist eine schlichte Gliederung auf. Die Wandflächen sind durch Rundbogenfenster und Lisenen unterteilt. Im östlichen Teil hat das Langhaus je ein Seitenportal nach Norden und nach Süden.

Während die Wände des Hauptschiffs und die Partien um die Portale noch gleichmäßige Quadermauerwerke aus dem frühen 13. Jahrhundert aufweisen, bestehen die Wände der Seitenschiffe seit der Restaurierung im 18. Jahrhundert aus unverputztem Bruchsteinmauerwerk.Josef Busley, Heinrich Neu (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des Kreises Mayen. 1. Halbband, Druck und Verlag von L. Schwann, Düsseldorf 1941, unveränderter Nachdruck 1983, ISBN 3-590-32143-1, S. 92. An den Portalpartien finden sich auch die für die Romanik charakteristischen Kleeblattfenster.

Ostteile