Crenicichla ist eine im tropischen und subtropischen Südamerika weit verbreitete Buntbarschgattung. Der wissenschaftliche Gattungsname nimmt auf den gesägten Vorkiemendeckel Bezug (Griechisch: „krene“ = Kamm + Cichla, eine Buntbarschgattung). Im Deutschen werden die Tiere als Hecht- oder Kammbuntbarsche bezeichnet. Die Gattung umfasste bis Mitte 2023 über 90 Arten, war in dieser Zusammensetzung allerdings paraphyletisch, da die Gattung Teleocichla phylogenetisch innerhalb von Crenicichla stand. Mitte 2023 wurden deshalb die Gattungen Hemeraia, Lugubria, Saxatilia und Wallaciia eingeführt und Crenicichla wurde auf ca. 50 Arten beschränkt.
Merkmale Crenicichla-Arten erreichen eine Standardlänge von 9,5 bis 29,5 Zentimeter. Ihr Körper ist hechtartig langgestreckt, die Anzahl der Wirbel ist hoch. Dabei gibt es mehr Rumpf- als Schwanzwirbel. Mit einem Orbitadurchmesser von 4,6 bis 7,5 % der Standardlänge sind ihre Augen relativ klein, wobei der Augendurchmesser in Bezug zur Gesamtlänge mit zunehmendem Wachstum der Fische noch weiter abnimmt. Die einzige Ausnahme ist die Typusart Crenicichla macrophthalma, die mit einem Orbitadurchmesser von 9,4 bis 10,6 % der Standardlänge relativ große Augen hat. Die Gattung zeigt einen deutlichen Geschlechtsdimorphismus; Weibchen unterscheiden sich von den Männchen durch ihren auffällig orange oder rötlich gefärbten Bauch und eine aus einem oder mehreren dunklen Flecken oder Streifen bestehende Musterung der Rückenflosse. Auch hier bildet Crenicichla macrophthalma eine Ausnahme und zeigt keine auffälligen Geschlechtsunterschiede.
Von Wallaciia, mit Ausnahme von Wallaciia heckeli, unterscheidet sich die Gattung Crenicichla durch das Fehlen einer Sägung am hinteren Rand des Supracleithrums, einem Knochen im Schultergürtel. Vor allem sind die Wallaciia-Arten aber durchweg kleine Hechtbuntbarsche mit einer Standardlänge von 5,2 bis 8,5 Zentimeter und relativ großen Augen (Orbitadurchmesser von 7,8 bis 12,6 % der Standardlänge). Im Unterschied zu Saxatilia besitzen Crenicichla-Arten keinen dunklen Fleck oberhalb der Brustflossen und die ausgewachsenen Männchen von Crenicichla zeigen im Unterschied zu den von Saxatilia keine helle Fleckung auf den Körperseiten. Verglichen mit Lugubria haben Crenicichla-Arten weniger Schuppen in einer Längsreihe entlang der Körperseiten. Bei Crenicichla die Infraorbitalia 4 und 5 (Knöchelchen unterhalb der Augenhöhle) nicht zusammengewachsen, während sie bei Teleocichla und Hemeraia miteinander verschmolzen sind. Ein weiterer Unterschied zu Hemeraia ist, dass die meisten Schuppen auf den Flanken bei Crenicichla Kammschuppen sind, während es bei Hemeraia mehr Rundschuppen sind. Auch hier ist Crenicichla macrophthalma eine Ausnahme. Crenicichla-Arten haben abgerundete Bauchflossen und der zweite Flossenstrahl ist der längste, bei Teleocichla sind die Bauchflossen zugespitzt und der dritte Flossenstrahl ist der längste.
Systematik Die Gattung Crenicichla wurde 1840 durch den österreichischen Ichthyologen Johann Jakob Heckel mit der Erstbeschreibung von Crenicichla macrophthalma eingeführt. Crenicichla gehört innerhalb der Unterfamilie der Neuweltbuntbarsche (Cichlinae) zur Tribus Geophagini und bildet zusammen mit Teleocichla und den vier neuen, von Crenicichla abgespaltenen Gattungen, die Untertribus Crenicichlina. Crenicichla ist die Schwestergattung einer Klade aller von Crenicichla abgetrennter Gattungen plus Teleocichla.
Das folgende Kladogramm gibt die Systematik der Gattung Crenicichla und ihrer nahen Verwandten wieder. mini|Teleocichla prionogenys
Arten Zu Crenicichla gehören fast 50 Arten, die drei Untergattungen zugeordnet werden. mini|Crenicichla semifasciata mini|Crenicichla gillmorlisi mini|Crenicichla jupiaensis mini|Crenicichla minuano mini|Crenicichla missioneira mini|Crenicichla scottii mini|Crenicichla tingui mini|Crenicichla vittata mini|Crenicichla ypo
Untergattung Crenicichla Heckel, 1840 Crenicichla macrophthalma Heckel, 1840, Typusart Untergattung Batrachops Heckel, 1840; Amazonasbecken, Orinoco, Essequibo, Río Paraguay und Río Paraná. Crenicichla cametana Steindachner, 1911 Crenicichla cyanonotus Cope, 1870 Crenicichla cyclostoma Ploeg, 1986 Crenicichla geayi Pellegrin, 1903 Crenicichla jegui Ploeg, 1986 Crenicichla reticulata (Heckel, 1840) Crenicichla sedentaria Kullander, 1986 Crenicichla semifasciata (Heckel, 1840) Crenicichla stocki Ploeg, 1991 Untergattung Lacustria Varella et al., 2023; Küstenflüsse Brasiliens vom Rio São Francisco im Norden bis zur Lagoa dos Patos im Süden, außerdem Flusssysteme von Río Paraná, Río Uruguay und Río Paraguay. Crenicichla ama Říčan et al., 2023 Crenicichla aravera Říčan et al., 2023 Crenicichla celidochilus Casciotta, 1987 Crenicichla empheres Lucena, 2007 Crenicichla gaucho Lucena & Kullander, 1992 Crenicichla gillmorlisi Kullander & Lucena, 2013 Crenicichla hadrostigma Lucena, 2007 Crenicichla haroldoi Luengo & Britski, 1974 Crenicichla hu Pialek, Rican, Casciotta & Almiron, 2010 Crenicichla igara Lucena & Kullander, 1992 Crenicichla iguapina Kullander & Lucena, 2006 Crenicichla iguassuensis Haseman, 1911 Crenicichla jaguarensis Haseman, 1911 Crenicichla jupiaensis Britski & Luengo, 1968 Crenicichla jurubi Lucena & Kullander, 1992 Crenicichla lacustris (Castelnau, 1855) Crenicichla lucenai Mattos et al., 2014 Crenicichla maculata Kullander & Lucena, 2006 Crenicichla mandelburgeri Kullander, 2009 Crenicichla minuano Lucena & Kullander, 1992 Crenicichla missioneira Lucena & Kullander, 1992 Crenicichla mucuryna Ihering, 1914 Crenicichla niederleinii (Holmberg, 1891) Crenicichla prenda Lucena & Kullander, 1992 Crenicichla punctata Hensel, 1870 Crenicichla scottii (Eigenmann, 1907) Crenicichla taikyra Casciotta et al., 2013 Crenicichla tapii Piálek et al., 2015 Crenicichla tendybaguassu Lucena & Kullander, 1992 Crenicichla tesay Casciotta & Almirón, 2009 Crenicichla tingui Kullander & Lucena, 2006 Crenicichla tuca Piálek et al., 2015 Crenicichla vittata Heckel, 1840 Crenicichla yaha Casciotta, Almirón & Gómez, 2006 Crenicichla yjhui Piálek et al., 2019 Crenicichla ypo Casciotta, Almirón, Piálek, Gómez & Říčan, 2010 Crenicichla zebrina Montaña, López-Fernández & Taphorn, 2008
Die folgenden vier Arten wurden nicht untersucht und deshalb nicht zugeordnet: Crenicichla menezesi Ploeg, 1991, Crenicichla proteus Cope, 1872, Crenicichla vaillanti Pellegrin, 1903 und Crenicichla semicincta Steindachner, 1892.
Einzelnachweise Johann Jakob Heckel (1840): Johann Natterer's neue Flussfische Brasilien's nach den Beobachtungen und Mittheilungen des Entdeckers beschrieben (Erste Abtheilung, Die Labroiden). Annalen des Wiener Museums der Naturgeschichte, 2: 325–471, Pls. 29-30. BHL
Oldřich Říčan, Lubomír Piálek, Adriana Almirón, Jorge Casciotta (2023): Description of two new species forming a sympatric species pair of Crenicichla (Teleostei: Cichlidae) endemic to the Piray Guazú River in the Paraná River Basin, Misiones, Argentina and belonging to the C. mandelburgeri species complex. European Journal of Taxonomy, 879: 38–63.
Henrique Rosa Varella, Sven Kullander, Naercio Menezes, Hernán López-Fernández, Claudio Oliveira: Revision of the generic classification of pike cichlids using an integrative phylogenetic approach (Cichlidae: tribe Geophagini: subtribe Crenicichlina). Zoological Journal of the Linnean Society, zlad021. Juni 2023. doi: 10.1093/zoolinnean/zlad021
Kategorie:Geophagine Buntbarsche Kategorie:Geophagini