mini|Jakobikirche Kirchrode Die Evangelisch-lutherische Jakobikirche ist ein Kirchenbau in Hannover-Kirchrode.

Geschichte Wann der erste Kirchbau auf der Erhebung des Kleinen Hillen im heutigen Kirchrode stand, ist unklar. Erstmalige urkundliche Erwähnung findet der Name „Rhoden“ in der Tauschurkunde von 1296, in der Bischof Siegfried von Hildesheim das Patronatsrecht der Kirche in Groß Freden gegen dasselbe Recht an Kirchrode eintauschte, das vom Kloster Marienrode erworben wurde. Eine einfache Sedes- und Taufkirche wird also bereits viel früher errichtet worden sein. Nicht unwahrscheinlich ist, dass ein Kirchenbau bereits in der Zeit um 990 stand, als sich die Bistümer Minden und Hildesheim um Einfluss in der Gegend stritten. Nach einer kaiserlichen Klärung wurde im Jahr 990 die Schnede (Grenze) unter Beteiligung des Grenzkundigen Deddi de Rothun (Rhodhen?) festgelegt.Claessen/Schäfer, ebenda Aus der mittelalterlichen Zeit stammt der heutige Kirchturm. Nach der Reformation wurde die Gemeinde um 1540 lutherisch. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurden die Sakristei und einige Vorbauten abgebrochen und nur teilweise wiederhergestellt. So fehlte bis 1777 eine Sakristei.

Die Wiederherstellung des Inneren der Kirche mit dem Bau einer neuen Kanzel, Emporen und Malereien dauerte bis Ende des 17. Jahrhunderts. 1679/80 schuf H. J. Schrader Bilder unter anderem mit Darstellungen der zwölf Apostel, Historien nach den Zehn Geboten, Passionsbilder, das Jüngste Gericht, Johannes der Täufer und Paulus.

Im Jahre 1701/02 erhielt die Kirche ihre erste Orgel. 1782 wurde das Kirchenschiff abgerissen, 1784 erfolgte die Einweihung des im Stil des Altbarock neugebauten Kirchenschiffes. Im Jahr 1809 erhielt die Kirche eine neue Orgel, die 1888 von einer monumentalen neugotischen Schleifladenorgel (F. Becker) abgelöst wurde.

Schon zuvor war der Friedhof um die Jakobikirche für weitere Bestattung zu klein geworden; 1864 wurde daher der neue, heute ebenfalls denkmalgeschützte Kirchröder Friedhof angelegt.Wolfgang Neß: Das alte Dorf, in: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Baudenkmale in Niedersachsen, Stadt Hannover, Teil 2, Band 10.2, ISBN 3-528-06208-8, S. 92f., sowie Kirchrode in der Anlage Verzeichnis der Baudenkmale gem. § 4 (NDSchG) (ausgenommen Baudenkmale der archäologischen Denkmalpflege), Stand 1. Juli 1985, Stadt Hannover. Niedersächsisches Landesverwaltungsamt - Institut für Denkmalpflege, S. 19

Bei einem der Luftangriffe auf Hannover im Zweiten Weltkrieg zerstörte am 4. November 1944 eine Luftmine die Kirche bis auf Turm und die Außenmauern. In den 1950er Jahren wurde die Kirche zunächst schrittweise wiederhergestellt und seit 1980 weiter restauriert.

Mit den Jahren wurden immer mehr Gemeindeteile als eigenständige Kirchengemeinden ausgegliedert. Bis zur Selbstständigkeit der St.-Johannis-Kirchengemeinde von Hannover-Bemerode im Jahr 1950 war die Jakobikirche Hauptkirche für Kirchrode und das Dorf Bemerode.

Die heutige Orgel 1989 erhielt die Kirche eine neue Orgel von der Orgelbauwerkstatt Hillebrand (Altwarmbüchen). Die Orgel wurde in Anlehnung an Silbermann-Orgeln disponiert. Das Schleifladen-Instrument hat 24 Register (1374 Pfeifen) auf zwei Manualen und Pedal. Die Spiel- und Registertrakturen sind mechanisch.Nähere Informationen zur Orgel

I Hauptwerk C–g3 1. Prinzipal 8′ 2. Rohrflöte 8′ 3. Oktave 4′ 4. Spitzflöte 4′ 5. Quinte 3′ 6. Cornett III 7. Oktave 2′ 8. Mixtur IV 9. Trompete 8′ II Oberwerk C–g3 10. Gedackt 8′ 11. Quintade 8′ 12. Prinzipal 4′ 13. Rohrflöte 4′ 14. Oktave 2′ 15. Nasard 3′ 16. Larigot ′ 17. Tertia ′ 18. Sifflet 1′ 19. Zimbel II Tremulant Pedalwerk C–f1 20. Prinzipal 16′ 21. Oktavbass 8′ 22. Oktavbass 4′ 23. Posaune 16′ 24. Trompete 8′ Koppeln: II/I, I/P, II/P

Glocken Die älteste dokumentierte Glocke wurde in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts gegossen. Später kamen weitere Glocken dazu. 1917 wurden alle Glocken bis auf die Glocke aus dem 14. Jahrhundert abgegeben. 1923 wurden als Ersatz zwei Stahlglocken beim Bochumer Verein gegossen. Zu diesen mit den Tönen e‘ und g‘ wollte man noch eine mit cis‘ gießen, jedoch konnte dies durch die Inflation nicht ermöglicht werden.

Im Zweiten Weltkrieg wurden die verbliebenen Bronzeglocken, die Glocke aus dem 14. Jahrhundert sowie die Uhrglocke, abgegeben. Nach dem Krieg fand man 1948 die Läuteglocke auf dem Glockenfriedhof in Hamburg wieder, jedoch hatte sie einen 25 cm langen Riss, weshalb man sie eingeschmolzen hat und der Gemeinde den Bronzepreis zahlte. Die Turmuhrenfabrik J. F. Weule beschaffte eine Uhrglocke für die Kirche. 1983 kam eine neue Uhrglocke mit dem Ton g'' in den Turm, die von der Glocken- und Kunstgießerei Rincker in Sinn gegossen wurde. 1984 wurde eine kleine Läuteglocke, 1997 drei große Glocken gegossen. letztere wurden am 21. September 1997 geweiht.

Die große Stahlglocke wurde unter der Glockenstube aufgehängt. Sie wird am Volkstrauertag angeschlagen, die kleine Stahlglocke wurde am Gefallenendenkmal aufgestellt. Die jetzige Uhrglocke, mit dem Ton d‘‘, wurde 2008 ebenfalls bei Rincker gegossen.

Die Uhrglocke von 1983 wurde an die benachbarte Alt-Katholische Kirche St. Maria Angelica abgegeben, wo diese mit einer zugegossenen Glocke in den Dachreiter der Kirche gehängt wurden.

Glocke 1: Auferstehungsglocke, Ton: d‘+9, Durchmesser: 1.387 mm, Gewicht: 1.754 kg, Gießer: Rincker / Sinn, Gussjahr: 1997 Glocke 2: Heimatglocke, e‘+9, 1.255 mm, 1.298 kg, Rincker / Sinn 1997 Glocke 3: Versöhnungsglocke, g‘+10, 1.075 mm, 858 kg, Rincker / Sinn 1997 Glocke 4: Friedensglocke, h‘+9, 820 mm, 346 kg, Rincker / Sinn 1984 Glocke 5: Uhrglocke, d‘‘, 225 kg, Rincker / Sinn 2008

Literatur Wolfgang Puschmann: Jakobikirche, in: Hannovers Kirchen. 140 Kirchen in Stadt und Umland. Hrsg. von Wolfgang Puschmann. Hermannsburg: Ludwig-Harm-Haus 2005, ISBN 3-937301-35-6. Pastor Böttcher: Geschichte des Kirchspiels Kirchrode und der Umgegend, Verlag Schmorl und von Seefeld, Hannover 1858 (Link zum Digitalisat)

Weblinks

Offizielle Website Kleopatra Kuhn: Ursprung im 13. Jahrhundert: So entstand die Jakobikirche in Kirchrode in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 8. März 2026

Einzelnachweise

Hannover Kategorie:Kirchengebäude in Hannover Kategorie:Kirchengebäude des Kirchenkreises Hannover Kategorie:Kirchrode Kategorie:Baudenkmal in Hannover Kirchrode, St. Jakobi Kategorie:Erbaut in den 1780er Jahren