hochkant|mini|Deniz Yücel auf der Frankfurter Buchmesse 2025 Deniz Yücel [] (* 10. September 1973 in Flörsheim am Main) ist ein deutsch-türkischer Journalist und Publizist. Er war von 2007 bis 2015 Redakteur der taz und von 2015 bis 2026 Korrespondent und Autor der WeltN24-Gruppe des Axel Springer Verlags. Zudem ist er langjähriger Mitherausgeber der Wochenzeitung Jungle World. Von 2021 bis zu seinem Rücktritt 2022 war er Präsident des PEN-Zentrums Deutschland und ist seit Juni 2022 mit Eva Menasse, seit November 2024 mit Thea Dorn Sprecher des PEN Berlin.PEN Berlin Pressemitteilung vom 1. November 2024: Neue Sprecherin Thea Dorn für Eva Menasse, abgerufen am 7. November 2025.
Vom 27. Februar 2017 bis zum 16. Februar 2018 befand sich Yücel als Türkei-Korrespondent wegen angeblicher „Terrorpropaganda“ in türkischer Untersuchungshaft.300 Tage türkischer Knast: So geht es Deniz Yücel wirklich. merkur.de, 9. Dezember 2017. In Deutschland gab es zahlreiche Solidaritätskundgebungen für eine sofortige Freilassung. Er saß über 290 Tage in strenger Einzelhaft. Seine Inhaftierung führte zu einer Verschlechterung des politischen Verhältnisses zwischen Deutschland und der Türkei.Hannes Schrader: Fünf Fragen zum Fall Yücel. Zeit Online, 17. Februar 2018.
Am 16. Februar 2018 wurde Yücel aus der Haft entlassen, nachdem die türkische Staatsanwaltschaft Anklage erhoben hatte, in der sie bis zu 18 Jahre Haft für ihn forderte.WELT-Korrespondent Deniz Yücel kommt frei. Welt Online, 16. Februar 2018.Deniz Yücel in Berlin gelandet. Spiegel Online, 16. Februar 2018. Yücel kehrte am selben Tag nach Deutschland zurück. Am ersten Tag des Gerichtsverfahrens in Istanbul am 28. Juni 2018 lehnte das Gericht einen sofortigen Freispruch des Angeklagten ab. Auf Yücels Antrag befasst sich der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte mit dem Fall.Daniel-Dylan Böhmer: Bundesregierung bezieht Stellung im Yücel-Prozess. Welt Online, 1. Februar 2018; abgerufen am 17. Februar 2018.Christiane Schlötzer: Deniz Yücel bleibt angeklagt. sueddeutsche.de, 28. Juni 2018. Am 16. Juli 2020 verurteilte die 32. Große Strafkammer in Istanbul Yücel in Abwesenheit zu einer Haftstrafe von zwei Jahren, neun Monaten und 22 Tagen wegen Terrorpropaganda.Son dakika… Deniz Yücel davasında karar! İşte cezası… In: Milliyet, 16. Juli 2020; abgerufen am 20. Juli 2020 (türkisch).
Herkunft und Familie mini|Yücels Schwester Ilkay Yücel (2017) bei der Solidaritätslesung „Wir wollen das Meer sehen“ in Köln Yücel wurde 1973 als Sohn türkischer Gastarbeiterfaz.net in Flörsheim am Main geboren und besitzt die deutsche und die türkische Staatsbürgerschaft. 1996 ging er nach Berlin und studierte an der FU Berlin Politikwissenschaft.
Seine Schwester Ilkay engagierte sich für ihn und die anderen Inhaftierten, indem sie Solidaritätsevents organisierte und bundesweit veranstaltete.
Yücel ist mit der Fernsehproduzentin Dilek Mayatürk verheiratet; die Trauung fand am 12. April 2017 während Yücels Untersuchungshaft im Gefängnis statt.
Kurze Zeit nach der Haftentlassung verstarb sein während der Haft schwer erkrankter, aus einem mazedonischen Dorf stammender Vater.
Berufliche Tätigkeit
Journalist Seit 1999 ist Yücel als freier Autor für Jungle World, konkret, den Tagesspiegel, die Jüdische Allgemeine, qantara.de, die taz, die Süddeutsche Zeitung, amnesty journal, den Standard, Blond sowie den BR, den NDR und den WDR tätig. Zwischen 2002 und 2007 war er Redakteur der Wochenzeitung Jungle World, zwischen Juli 2007 und März 2015Deniz Yücel: Mach’s gut, taz! In: Die Tageszeitung, 30. März 2015. Redakteur der Berliner Tageszeitung taz, für die er mehrere bisweilen satirische Kolumnen wie Vuvuzela, Trikottausch und Besser verfasste.Deniz Yücel, Kolumne VuvuzelaDeniz Yücel, Kolumne Trikottausch Von 2015 bis 30. April 2026 war Yücel Türkei-Korrespondent der WeltN24-Gruppe.Bülend Ürük: Von der „taz“ zur „Welt“. Deniz Yücel wird Türkei-Korrespondent für Axel Springer. In: Kress.de, 1. April 2015.
Zeitweilig trat Yücel (zusammen mit den Journalisten Mely Kiyak, Yassin Musharbash, Özlem Topçu, Özlem Gezer, Hasnain Kazim, Doris Akrap und Ebru Taşdemir) in der „antirassistischen Leseshow“ Hate Poetry hatepoetry.com; abgerufen am 20. Dezember 2014. auf, bei der sie im Stil eines Poetry Slams rassistische Leserbriefe vorlasen.Carlos Hanimann: WOZ Die Wochenzeitung, 8. Oktober 2015 „Selten war Rassismus so unterhaltsam“, urteilte darüber Die Welt,Jan Küveler: „Gehen Sie doch zurück nach Fickdeppenarschland“. In: Die Welt, 1. Februar 2013. und in der taz war von einer „kathartischen Lesung“ die Rede.Philipp Gessler: „Lachen im Fickdeppenarschland“. In: die tageszeitung, 2. April 2012.
2014 veröffentlichte er Taksim ist überall. Die Gezi-Bewegung und die Zukunft der Türkei zu den landesweiten Protesten in der Türkei im Jahr zuvor. Ingo Arend rezensierte das Buch für Deutschlandradio Kultur lobend als ein „Bündel anschauungsgesättigter Reportagen“, das Personen und politische Gruppen vorstellt, „die zugleich paradigmatisch für die Konflikte der türkischen Gesellschaft“ seien. Deshalb sei es „mehr als ein spannendes politisches Sachbuch“, auch ein „aufschlussreiches, sozialpsychologisches Dokument“.Das Phänomen Gezi. Deutschlandradio Kultur, 23. April 2014. 2018 erschien Wir sind ja nicht zum Spaß hier noch während seiner Inhaftierung.
Über die Zeit seiner Haft berichtete er in dem Buch Agentterrorist, das im Oktober 2019 erschien und zugleich die politischen Verhältnisse in der Türkei analysiert. Die Lesereise begann er in der Justizvollzugsanstalt Moabit mit einem Gespräch mit den Inhaftierten. Nach dem Ende der Lesereise nahm er seine journalistische Tätigkeit wieder auf.Andreas Austilat: Deniz Yücel berichtet Berliner Häftlingen von seiner Zeit im türkischen Knast. tagesspiegel.de, 7. Oktober 2019.Deniz Yücel schreibt über seine Zeit im Gefängnis. augsburger-allgemeine.de, 9. Oktober 2019.
PEN-Präsident
Im Mai 2019 wurde Deniz Yücel in die Schriftstellervereinigung PEN-Zentrum Deutschland aufgenommen. deutschlandfunkkultur.de, erschienen und abgerufen am 11. Mai 2019. Am 26. Oktober 2021 wurde er als Nachfolger von Regula Venske zu deren Präsident gewählt.Schriftstellervereinigung: Deniz Yücel zum PEN-Präsidenten gewählt, boersenblatt.net, erschienen und abgerufen am 27. Oktober 2021 Unter der Leitung Yücels gelang es dem deutschen PEN im Februar 2022, den in seiner Heimat verfolgten ugandischen Schriftsteller Kakwenza Rukirabashaija nach Deutschland zu holen.
Im März 2022 geriet Yücel in seiner Rolle als Präsident in Kritik. Petra Reski, Mitglied des PEN, schrieb in einem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), dass ein E-Mail-Verkehr Yücels „versehentlich“ an PEN-Mitglieder verschickt worden sei; in den E-Mails agitiere Yücel gegen den PEN-Generalsekretär Heinrich Peuckmann und andere Präsidiumsmitglieder, um deren Rücktritte zu erwirken. Reski bezeichnete das Verhalten Yücels als Mobbing.Rücktritt des Präsidenten Yücel gefordert. FAZ.net, 20. März 2022; abgerufen am 20. März 2022. Den FAZ-Gastbeitrag wiederum nannte Hannah Pilarczyk im Spiegel „polemisch“. Zudem werde im Text unterschlagen, dass Reski „zuvor selbst eine Rücktrittsforderung“ gestellt habe und „Partei in dem Streit“ sei. Den Mobbing-Vorwurf befand Miryam Schellbach in der Süddeutschen Zeitung als unzutreffend: „Wenn das Mobbing sein soll, dann war es das wohl künftig mit allen lustigen Streits [sic!] dieser Erde.“ Ferner wurden Vorwürfe eines autoritären Führungsstils, des Mobbings zu Lasten des hauptamtlichen Personals des PEN-Zentrums sowie Vorwürfe einer nicht gewissenhaften Haushaltspolitik des Vereins laut.
Während des russischen Überfalls auf die Ukraine sprach sich Yücel für eine Flugverbotszone über der Ukraine und damit für ein Eingreifen der NATO aus.Feuer unterm Dach sueddeutsche.de vom 16. März 2022, abgerufen am 20. März 2022. Daraufhin forderten fünf ehemalige PEN-Präsidenten (Regula Venske, Christoph Hein, Johano Strasser, Josef Haslinger und Gert Heidenreich) seinen Rücktritt. Yücel habe, schrieben sie in einem offenen Brief an die PEN-Mitglieder, die „Befugnisse des Dir erteilten Mandats überschritten“ und zudem gegen die Charta des Internationalen PEN verstoßen, die sich dem „Ideal einer in Frieden lebenden Menschheit“ verpflichtet fühle. Ebenfalls in einem an die Mitglieder adressierten Schreiben wies Yücel diesen Vorwurf zurück und lehnte einen Rücktritt ab.; Medien griffen die zunächst vereinsinterne Kontroverse auf. Petra Reski warf Yücel „abenteuerliche militärstrategische Ausführungen“ vor,Rücktritt des Präsidenten Yücel gefordert faz.net, 20. März 2022, abgerufen am 20. März 2022. während Herbert Wiesner, von 2009 bis 2013 Generalsekretär des deutschen PEN, das Recht betonte, sich frei äußern zu können. Yücel vertrete mit seiner Forderung keine isolierte Einzelposition; zudem sei von früheren PEN-Präsidenten, anders als in Yücels Fall, keine Neutralität erwartet worden.Schiller nannte das Gedankenfreiheit. Welt Online, 21. März 2022; abgerufen am 22. März 2022. Ähnlich argumentierten die Präsidiumsmitglieder Joachim Helfer, Ralf Nestmeyer, Christoph Links und Konstantin Küspert in einem Schreiben an die Mitglieder. In der Süddeutschen Zeitung ironisierte Nele Pollatschek: „Skandal! Präsident des Vereins der freien Worte äußert freie Worte!“ Auf der turbulent und emotional verlaufenen Jahrestagung des PEN in Gotha überstand Yücel am 13. Mai 2022 einen Abwahlantrag knapp mit 73 zu 75 Stimmen, trat anschließend aber nach der erfolgreichen Abwahl des amtierenden Schatzmeisters Joachim Helfer mit lautstarken Worten von seinem Präsidentenamt zurück und verließ stürmisch die Mitgliederversammlungfaz.net mit der Begründung, er wolle nicht „Präsident dieser Bratwurstbude sein“. Zugleich erklärte er seinen Austritt aus der Vereinigung.
Er ist Mitbegründer der Schriftstellervereinigung PEN Berlin. Auf der Gründungsversammlung am 10. Juni 2022 wurde er neben Eva Menasse zum Sprecher gewählt.
Texte Yücels (Auswahl)
Über den Bevölkerungsrückgang in Deutschland Im Jahr 2011 spottete Yücel im Rahmen einer satirischen Kolumne unter dem Titel Kolumne Geburtenschwund – Super, Deutschland schafft sich ab! über den Bevölkerungsrückgang in Deutschland. Einzelne Zitate aus dem polemischen Text, wie beispielsweise „Der baldige Abgang der Deutschen aber ist Völkersterben von seiner schönsten Seite“,Denis Yücel: Kolumne Geburtenschwund – Super, Deutschland schafft sich ab!, in: taz, 4. August 2011, abgerufen am 4. März 2018. wurden insbesondere nach Yücels Inhaftierung in der Türkei 2017 kontextfrei von Rechtsextremen und Rechtspopulisten über soziale Netzwerke wie Twitter verbreitet. Auch AfD-Vertreter wie deren Landessprecher in Mecklenburg-Vorpommern Holger Arppe zogen das Zitat heran, um nahezulegen, dass Yücel ein Feind Deutschlands und der Deutschen sei.Christoph Kürbel: Rechte Reaktionen zu Deniz Yücel – AKP und AfD in Häme vereint, taz, 28. Februar 2017, abgerufen am 4. März 2018; Tim Schulze: AfD-Politiker reagieren auf Inhaftierung von Deniz Yücel mit Schadenfreude, Stern, 1. März 2017, abgerufen am 4. März 2018.Christoph Strack: Bundestag schmettert AfD-Antrag gegen Deniz Yücel ab, Deutsche Welle, 22. Februar 2018, abgerufen am 4. März 2018.Tania Röttger: Neue Angriffe auf Deniz Yücel wegen sieben Jahre alter Kolumne, Correctiv, 16. Januar 2018, abgerufen am 4. März 2018. In diesem Zusammenhang erzielte der 2011 veröffentlichte Artikel Yücels im Februar 2018 breite mediale Öffentlichkeit, als in einer Bundestagssitzung auf Antrag der AfD hin darüber debattiert wurde, ob die Bundesregierung Äußerungen Yücels öffentlich missbilligen solle. Der Antrag wurde mit 552 zu 77 Stimmen abgelehnt.tagesschau.de: Kritisierte Yücel-Texte – AfD scheitert mit Missbilligungsantrag, 22. Februar 2018, abgerufen am 4. März 2018.
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