Sewskoje (, ) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad. Er gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Prawdinsk im Rajon Prawdinsk.
Geografische Lage Sewskoje liegt acht Kilometer südöstlich der Rajonshauptstadt Prawdinsk an der Regionalstraße 27A-083 (ex A 196), die von Kaliningrad bis nach Krylowo an der russisch-polnischen Grenze führt. Bis 1945 war das Dorf Bahnstation an der Bahnstrecke Königsberg–Angerburg.
Geschichte Der ehedem Böttchersdorf genannte Ort wurde am 11. Juni 1874 Amtssitz und damit namensgebender Ort für den neu errichteten Amtsbezirk Böttchersdorf mit damals sechs kommunalen Einheiten.Rolf Jehke: Amtsbezirk Böttchersdorf. In: Territoriale Veränderungen in Deutschland und deutsch verwalteten Gebieten 1874–1945. Gesehen am 5. Oktober 2011. Er gehörte zunächst zum Landkreis Friedland, ab 1927 bis 1945 zum Landkreis Bartenstein (Ostpr.) im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen. Im Jahre 1910 lebten in Böttchersdorf 452 Einwohner.
Am 30. September 1928 schloss sich die Landgemeinde Böttchersdorf mit der Landgemeinde Klein Pothlack sowie den Gutsbezirken Grünthal und Krügerwalde zur neuen Landgemeinde Böttchersdorf zusammen. Im Jahre 1933 betrug die Zahl der Einwohner 620, und 1939 waren es 629.
Bis 1945 war Böttchersdorf Bahnstation an der Bahnstrecke von Königsberg nach Angerburg, die nach dem Zweiten Weltkrieg demontiert wurde.
Infolge des Zweiten Weltkrieges kam Böttchersdorf zur Sowjetunion und wurde 1947 in Sewskoje umbenannt.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 июня 1947 г.«Об образовании сельских советов, городов и рабочих поселков в Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 17. Juni 1947: Über die Bildung von Dorfsowjets, Städten und Arbeitersiedlungen in der Oblast Kaliningrad) Gleichzeitig wurde Sewskoje zentraler Ort eines Dorfsowjets im Rajon Prawdinsk. Von 2004 bis 2015 gehörte der Ort zur städtischen Gemeinde Prawdinskoje gorodskoje posselenije und seither zum Stadtkreis Prawdinsk.
Amtsbezirk Böttchersdorf 1874–1945 Der Amtsbezirk Böttchersdorf bestand von 1874 bis 1945. Er wurde aus folgenden Gemeinden gebildet:
Name BemerkungenLandgemeinden: Böttchersdorf Groß Pothlack 1893 in den Gutsbezirk Groß Wohnsdorf eingegliedertGutsbezirke: Grünthal 1928 in die Landgemeinde Böttchersdorf eingegliedert Heyde ab 1928 zur Landgemeinde umgebildet Hohenstein Lawdt 1928 in die Landgemeinde Heyde eingegliedert
Am 12. Juni 1913 wurde der Gutsbezirk Krügerwalde aus dem Amtsbezirk Groß Wohnsdorf in den Amtsbezirk Böttchersdorf umgegliedert und 1928 in die neue Landgemeinde Böttchersdorf eingegliedert. Am 1. Januar 1945 gehörten noch zwei Gemeinden zum Böttchersdorfer Amtsbezirk: Böttchersdorf selbst und Hohenstein.
Sewski selski Sowet/okrug 1947–2004 Der Dorfsowjet Sewski selski Sowet (ru. Севский сельский Совет) wurde im Juni 1947 eingerichtet. Nach dem Zerfall der Sowjetunion bestand die Verwaltungseinheit als Dorfbezirk Sewski selski okrug (ru. Севский сельский округ). Die sich Ende 2004 noch im Dorfbezirk befindlichen neun Siedlungen wurden dann in die städtische Gemeinde Prawdinskoje gorodskoje posselenije eingegliedert.
Ortsname Name bis 1947/50 Bemerkungen Bytschkowo (Бычково) Kaydann Der Ort wurde 1947 umbenannt. Djatlowo (Дятлово) Sophienberg Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Dworkino (Дворкино) Friedenberg Der Ort wurde 1947 umbenannt. Frunsenskoje (Фрунзенское) bei Böttchersdorf Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Golubewo (Голубево) Keulenburg Der Ort wurde 1950 umbenannt und verlor vor 1975 seine Eigenständigkeit. Karelskoje (Карельское) Klein Rädtkeim Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Klenowoje (Кленовое) Grüneberg Der Ort wurde 1947 umbenannt. Kostjukowka (Костюковка) Heyde Der Ort wurde 1947 umbenannt. Krasnopolje (Краснополье) Hohenstein Der Ort wurde 1947 umbenannt. Olschanka (Ольшанка) Bohlen Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1988 verlassen. Peskowo (Песково) Groß Schönau Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Petrowka (Петровка) Marienberg Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1988 verlassen. Plodowoje (Плодовое) Heinrichshof Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Rasswet (Рассвет) Schönwalde Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1988 verlassen. Selenzowo (Зеленцово) Grünthal Der Ort wurde 1947 umbenannt. Sewskoje (Севское) Böttchersdorf Verwaltungssitz Snegirewo (Снегирево) bei Schönwalde Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Sopkino (Сопкино) Rosenberg Der Ort wurde 1947 umbenannt. Trostniki (Тростники) Schakenhof Der Ort wurde 1947 umbenannt.
Der 1947 umbenannte Ort Berjosowo (Schönbaum) und die beiden 1950 umbenannten Orte Kurortnoje (Groß Wohnsdorf und Agnesenhof) und Selzy (Königstann und Klein Neumühl), die laut Erlass ebenfalls dem Sewski selski Sowet zugeordnet worden waren, kamen dann (vor 1975) in den Druschbinski selski Sowet.
Kirche mini|Ruine der Böttchersdorfer Kirche
Kirchengebäude Die Böttchersdorfer Kirche wurde vermutlich zu Beginn des 15. Jahrhunderts vom Hochmeister des Deutschen Ordens Ulrich von Jungingen gegründet. Sie war die Mutterkirche der Kirche in Allenau. Äußerlich war sie recht schlicht, aus Feldsteinen und Ziegeln in gotischem Mauerwerk erbaut. Das Mittelschiff hatte keinen Chor und wurde von einer Holzdecke in Form von Stichbögen abgeschlossen. Die Oberseite des Altars wurde 1645 vom Bildhauer Valentin Hoffman angefertigt. Im Jahr 1650 schenkten der örtliche Kirchenpfarrer Johann Friedrich Weisermehl und seine Frau der Kirche zwei Altarleuchter aus Zinn. Im Jahr 1857 befand sich in der Kirche eine einfache Orgel von Meister Ostermeyer. Die Kirche hatte drei Glocken. Im Jahr 1946 befand sich die Kirche in einem sehr guten Zustand und wurde als Lager genutzt. 1989 begann die örtliche Verwaltung mit der Zerstörung der Kirche.
Kirchengemeinde Böttchersdorf war ein altes Kirchdorf. Die Reformation fand sehr früh Eingang. Lange Zeit gehörte Böttchersdorf zur Inspektion Wehlau (russisch: Snamensk). Dem Kirchspiel Böttchersdorf angegliedert war die Kirchengemeinde Allenau (russisch: Poretschje). Das Kirchspiel Böttchersdorf-Allenau kam zum Kirchenkreis Friedland (Ostpr.) (Prawdinsk), danach bis 1945 zum Kirchenkreis Bartenstein (heute polnisch: Bartoszyce) innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.
Während der Zeit der Sowjetunion wurde kirchliches Leben unmöglich gemacht. Erst in den 1990er Jahren entstanden in der Oblast Kaliningrad wieder evangelische Gemeinden. Die Sewskoje am nächsten liegende Gemeinde ist die in Prawdinsk (Friedland (Ostpr.)), die zur Kirchenregion der Auferstehungskirche in Kaliningrad (Königsberg) innerhalb der Propstei Kaliningrad der Evangelisch-Lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER) gehört.
Kirchspielorte (bis 1945) Sieben Ortschaften bildeten vor 1945 das Kirchspiel Böttchersdorf-Allenau: Name (bis 1946) Russischer Name Allenau Poretschje Böttchersdorf Sewskoje Groß Pothlack -- Grünthal Selenzowo Hohenstein Krasnopolje Klein Pothlack Rasdolje Stadienberg --
Pfarrer (bis 1945) Von der Reformation bis 1945 amtierten in Böttchersdorf und Allenau 22 evangelische GeistlicheFriedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, S. 24 Alexander Magnus, 1546–1574 Martin N., 1550–1574 Johann Marckstein, 1574–1580 Daniel Sperber, 1580–1592 Friedrich Eichmann, 1592–1614 Georg Witte, 1614–1615 Josias Schnepfmüller, 1615–1629 Johann Friedrich Weißermel, 1629–1655 Erich Paisen, 1655–1680 Hermann Lange, 1679–1709 Johann Müller, 1709–1742 Martin Heinrich Feege, 1742–1767 Christoph Richter, 1768–1792 Johann Daniel Besthorn, 1793–1814 Gottfried Wilhelm Steffen, 1804–1807 Friedrich Puttlich, 1814–1836 Otto Heinrich Adolf Graemer, 1832–1867 Hermann Künstler, 1867–1883 Hermann Emil Krause, 1883–1894Krause (1835–1898) war Angehöriger des Corps Masovia. Friedrich Wilhelm K. Kuntze, 1895–1917 Friedrich Otto Bierfreund, 1915–1925 Kurt Steinwender, 1925–1933
In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Sprengel Böttchersdorf-Allenau von Friedenberg (russisch: Dworkino) aus versehen.
Kirchenbücher Zahlreiche Kirchenbüchern aus dem Kirchspiel Böttchersdorf-Allenau haben den Krieg überdauert und sind im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-KreuzbergChrista Stache, Verzeichnis der Kirchenbücher im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin, Teil 1: Die östlichen Kirchenprovinzen der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union, Berlin, 1992³, S. 29 einsehbar: Taufen: 1629 bis 1895 Trauungen: 1687 bis 1767 und 1769 bis 1895 Bestattungen: 1709 bis 1852.
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Rajon Prawdinsk