Eduard Weitsch (* 25. Mai 1883 in Dresden; † 29. Juli 1955 in Deisenhofen bei München) war ein deutscher Pädagoge, Volksschullehrer und Theoretiker der Volksbildung. Er gilt als Hauptvertreter der Neuen Richtung in der Volksbildung zur Weimarer Zeit.Josef Olbrich 2001, S. 446

Leben und Wirken Nach seiner Lehrertätigkeit und erneutem Studium wurde er 1913 Direktor der Handelsschule Meiningen. 1920 gründete er die Heimvolkshochschule Dreißigacker in Thüringen, die in der Weimarer Volksbildung einen Modellcharakter hatte.

Zentrale Aufgaben der Volkshochschularbeit waren für Weitsch die „allgemeine Laienbildung“, die „Bildung des bewußten Staatsbürgers“ und „Elternbildung“. Als Unterrichtsverfahren entwickelte er mit Franz Georg Angermann die „Arbeitsgemeinschaft“. Sein Wahlspruch war: „Sei ein Mann und folge mir nicht nach!“ku-eichstaett.de

Seit 1926 war er Herausgeber der Zeitschrift Freie Volksbildung mit Robert von ErdbergDie Zusammenarbeit mit v. Erdberg wird von Laack als „Zwangsehe“ bezeichnet. Laack 1984, S. 522 und Angermann. Im Jahr 1930 wurde Weitsch durch die Nationalsozialisten in den „Wartestand“ versetzt.Faulstich 2001, S. 233

Dem Hohenrodter Bund stand er eher kritisch gegenüber, beteiligte sich erst gegen Ende und hat bei der Gründung der Deutschen Schule mitgewirkt, in deren Rat er 1930 gewählt wurde.Vgl. Laack 1984, S. 521ff.

1933 wurde Dreißigacker geschlossen.

Danach lebte er mit seiner Frau, der Redakteurin Ilse Weitsch in München. Das Paar hatte vier Kinder. Weitsch starb 1955, Ilse Weitsch 1958, die Urnen des Paares wurden in Dreißigacker bestattet.Nicole Luthardt: "Meine lieben Zuhörer". Ilse Weitsch und der Frauenfunk bei Radio München / Bayerischer Rundfunk (1945-1958) (PDF), abgerufen am 19. Dezember 2025

Ehrungen 1953 Verleihung des Bundesverdienstkreuzes (Steckkreuz) anlässlich seines 70. Geburtstags.

Einen Eduard-Weitsch-Weg gibt es in Dreißigacker und in Marl am ersten eigenen Gebäude einer Volkshochschule (heute Sitz des Grimme-Instituts).

Werke (Auswahl) 1918 Was soll eine deutsche Volkshochschule sein und leisten? Ein Programm. Jena: Diederichs. Wiederabdruck des ersten Teils in: Tietgens (1969) 1920 Grundfragen der Volkshochschulmethode. Jena 1926 Zur Technik des Volkshochschulunterrichts. In: Freie Volksbildung, S. 279–300 1952 Dreißigacker. Die Schule ohne Katheder. Pädagogische Schnappschüsse aus der Praxis eines Volkshochschulheims von 1920 bis 1933. Hamburg

Literatur Faulstich, Peter; Zeuner, Christine (2001): Erwachsenenbildung und soziales Engagement: historisch-biographische Zugänge. Hrsg. von: Deutsches Institut für Erwachsenenbildung. Bielefeld: Bertelsmann. ISBN 3-7639-1820-5 Laack, Fritz (1984): Das Zwischenspiel freier Erwachsenenbildung: Hohenrodter Bund u. Dt. Schule für Volksforschung und Erwachsenenbildung in der Weimarer Epoche. Bad Heilbrunn/Obb.: Klinkhardt. ISBN 3-7815-0543-X. Olbrich, Josef (2001): Geschichte der Erwachsenenbildung in Deutschland. Opladen: Leske ISBN 3-8100-3349-9. Tietgens, Hans (Hrsg.) (1969): Erwachsenenbildung zwischen Romantik und Aufklärung. Göttingen.

Weblinks Peter Faulstich/Christine Zeune: Theorie und Praxis der Erwachsenenbildung, 2001 mit Kapitel über Eduard Weitsch Eduard Weitsch Stationen, Homepage der Stadt Meiningen

Einzelnachweise

Kategorie:Pädagoge (20. Jahrhundert) Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1883 Kategorie:Gestorben 1955 Kategorie:Mann