mini|Sven Lau (2010) Sven Lau (* 14. Oktober 1980 in Mönchengladbach), auch bekannt unter dem Pseudonym Abu Adam (),Abu Adam ist Arabisch und bedeutet „Der Vater Adams“. ist ein islamistischer Prediger und Aktivist. Der Konvertit galt als eines der bekanntesten Gesichter der deutschen Salafismusszene und wurde als Hassprediger bezeichnet. Wegen Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung wurde Lau 2017 zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten verurteilt. Im Mai 2019 wurde er nach dem Verbüßen von zwei Dritteln der Strafe vorzeitig aus der Haft entlassen, da er sich nach Auffassung des Gerichts vom Salafismus distanziert habe und an einem Aussteigerprogramm teilnehme. Nach Ende der Bewährungszeit wandte Lau sich erneut dem Islamismus zu.
Ausbildung, Beruf, Familie Lau stammt aus einem katholischen Elternhaus. Er erwarb 1998 die Fachoberschulreife und absolvierte danach eine Ausbildung zum Industriemechaniker. Laut seiner eigenen Aussage konvertierte er während dieser Zeit zum sunnitischen Islam. Nach dem Grundwehrdienst war Lau von 2003 bis 2008 Angehöriger der Berufsfeuerwehr Mönchengladbach und wurde dort zum Brandmeister im mittleren Dienst ausgebildet.Vgl. Anja Krüger: Sven Lau alias Abu Adam. Konvertit und Menschenfischer. taz.de, 7. September 2014, abgerufen am 8. September 2014.
Lau ist in zweiter Ehe verheiratet und hat fünf Kinder.Jörg Diehl, Julia Jüttner: Ein Verführer vor Gericht. In: Spiegel Online, 6. September 2016, abgerufen am 6. September 2016. Medienberichten zufolge lebte er seit September 2014 in Düsseldorf.Wohnsitz verlegt: Salafisten-Prediger Sven Lau lebt jetzt in Düsseldorf. In: RP Online, 11. September 2014.
Lau ist nach islamischem Recht mit der ehemaligen Profiboxerin Hanna Hansen verheiratet, die seine dritte Ehefrau ist. Sie betreibt aktiv islamische Missionierung."Islamistische Influencerin Hansen ist mit "Scharia-Polizist" Sven Lau verheiratet" focus.de, 26. August 2025
mini|Sven Lau (links) zusammen mit Pierre Vogel bei einer Kundgebung in Freiburg im Juni 2014
Aktivist in der deutschen Salafistenszene Mit Mitte zwanzig begann Lau, sich ganz der islamischen Mission (Daʿwa) zu widmen und wurde eine der bekanntesten Vertreter des Salafismus in der Bundesrepublik Deutschland.Nina Wiedl, Carmen Becker: Populäre Prediger im deutschen Salafismus – Sven Lau: Daʿwa mit Emotion. In: Thorsten Gerald Schneiders (Hrsg.): Salafismus in Deutschland. Ursprünge und Gefahren einer islamisch-fundamentalistischen Bewegung. Transcript, Bielefeld 2014, ISBN 978-3-8376-2711-4, S. 197–201. Er betrieb ein Geschäft zum Verkauf islamischer Kleidung, Literatur und religiösen Accessoires in Mönchengladbach.Jörg Lau: Willkommen im Paradies: Wie die Salafisten in Mönchengladbach scheiterten. In: Die Zeit, Nr. 42, 13. Oktober 2011.
Lau war Anhänger des deutschen salafistischen Konvertiten und Predigers Pierre Vogel. Wie Vogel verbreitete Lau islamistische Botschaften in Moscheen, auf Kundgebungen und in YouTube-Videos.Frauenfeindliche Bücher beschlagnahmt – Bundesweite Polizei-Razzien in Moscheen. Welt.de, 20. Januar 2010.
Auseinandersetzungen um Einladung zum Paradies in Mönchengladbach Lau war zeitweise der Vorsitzende des in Mönchengladbach registrierten und inzwischen aufgelösten salafistischen Vereins Einladung zum Paradies e. V. (EZP).Mönchengladbach: Islamisten werben Jugendliche an. rp-online.de, 6. August 2010. Im August 2010 wurde bekannt, dass der Verein EZP im Mönchengladbacher Stadtteil Eicken den Bau einer „Islamschule“ plante. Daraufhin kam es zu Protesten von Anwohnern und zur Gründung einer Bürgerinitiative gegen das maßgeblich von dem salafistischen Imam Muhamed Ciftci und Lau betriebene und im August 2011 schließlich aufgegebene Vorhaben.
Im ersten Halbjahr 2011 kam es in Mönchengladbach zu mehreren Zwischenfällen, unter anderem zu Brandstiftungen, die von Lau und dem Verein EZP als „Anschläge“ bezeichnet wurden.Mönchengladbach: Prügelei mit Salafisten. rp-online.de, 8. März 2011. Im Juni 2011 wurde Lau vom Staatsschutz kurzzeitig festgenommen und verhört, da er im Verdacht stand, zusammen mit zwei Mittätern Feuer im Keller eines Mehrfamilienhauses gelegt zu haben, um sich anschließend als Opfer eines Brandanschlags darzustellen., express.de, 21. Juni 2011 Im Januar 2012 wurden die Ermittlungen in Ermangelung eines hinreichenden Tatverdachts eingestellt.Jan Schnettler: Mönchengladbach: Sven Lau ist aus dem Schneider. rp-online.de, 7. Januar 2012.
Da Lau im Frühjahr 2012 in einem Prozess um eine Schlägerei vom März 2011 zwischen den Angeklagten (zwei Karnevalisten und ein Salafist) als Zeuge aussagte, dass er selbst einen Mann geschlagen habe, leitete die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach auch gegen ihn ein Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung ein. express.de.
Aufenthalte in Ägypten und Syrien Lau hielt sich seit 2012, gemeinsam mit anderen Salafisten aus Deutschland, zeitweise in Ägypten auf.Vgl.: Takis Würger: Mein Freund, der Salafist. In: Der Spiegel, Nr. 11/2013, 11. März 2013, S. 52–56 (PDF; 799 kB). Im Juni 2013 wurde ihm auf dem Flughafen Kairo-International von ägyptischen Sicherheitskräften die Wiedereinreise verweigert.Egypt deports German Islamist preacher, Meldung vom 8. Juni 2013 Seit September 2013 trat Lau in der Öffentlichkeit wiederholt als Mitglied des Neusser Vereins Helfen in Not auf, eine Organisation, die unter anderem den Transport von ausrangierten Rettungswagen nach Syrien finanziert.Franz Feyder, Rüdiger Franz, Ayla Jacob, Frank Vallender: . In: General-Anzeiger, 1. Dezember 2013, abgerufen am 6. September 2016. Der Verein wird vom Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen beobachtet. Es lägen Anhaltspunkte dafür vor, dass es sich bei der Organisation um eine „extremistische salafistische Bestrebung“ handele.Neusser Salafisten unter Verdacht. In: Rheinische Post, 19. September 2013. In einem Interview mit dem WDR gab Lau im Februar 2014 an, er sei während des Bürgerkriegs bereits dreimal in Syrien gewesen, um dort humanitäre Hilfe zu leisten. Lau gab in dem Interview auch an, die deutschen Behörden hätten ihm seinen Reisepass entzogen, um ihn an weiteren Reisen nach Syrien zu hindern.Salafistischer Prediger war in Syrien. In: Westpol, 9. Februar 2014 (Interview).
Strafverfahren wegen politisch motivierter Straftaten Lau wurde im Februar 2014 in Mönchengladbach von der Polizei festgenommen und kam in Mannheim in Untersuchungshaft. Die zuständige Staatsanwaltschaft Stuttgart warf ihm vor, deutsche Staatsbürger zum Wehrdienst in einer militärischen Einrichtung angeworben zu haben. Hierbei handele es sich um eine „schwere staatsgefährdende Gewalttat“.
Der Generalbundesanwalt – die höchste Instanz zur Verfolgung politisch motivierter Straftaten – erklärte, dass für einen Terrorismusverdacht allenfalls „vage Anhaltspunkte“ vorliegen. Daher wurde das Verfahren von der Staatsanwaltschaft Stuttgart übernommen. In Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen Lau wurde ein Telefonat, welches die Journalistin Marie Delhaes mit ihm führte, vom Landeskriminalamt Baden-Württemberg abgehört und das Protokoll dieses Telefonats anschließend in die Ermittlungsakten aufgenommen. Die Journalistin arbeitete für das Fernsehmagazin Zapp an einer Dokumentation über Lau. Im Rahmen des Strafverfahrens erhielt Delhaes auch eine Vorladung, um als Zeugin einvernommen zu werden. Die Journalistin berief sich auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht und kritisierte das Vorgehen der Sicherheitsbehörden., Webseite des NDR vom 14. Mai 2014 Im Mai 2014 wurde Lau auf Antrag der Staatsanwaltschaft aus der Untersuchungshaft entlassen. Laut Staatsanwaltschaft Stuttgart werde die Anklage gegen ihn zurückgenommen, da Zweifel bestünden, ob die Vorwürfe gegen Lau für eine Verurteilung ausreichen.Sven Lau ist frei: Anklage zurückgenommen, Rheinische Post vom 22. Mai 2014 In Nordrhein-Westfalen lief weiterhin ein Ermittlungsverfahren wegen Terrorverdachts gegen Lau. Bei einer Zeugenaussage am 17. Dezember 2014 vor dem Oberlandesgericht Stuttgart berief er sich aus diesem Grund auf das Aussageverweigerungsrecht.Auftritt eines Hasspredigers, Süddeutsche Zeitung vom 18. Dezember 2014
Lau wurde 2015 von der Stadt Mönchengladbach der Reisepass entzogen, wogegen er klagte, aber verlor.Salafist Sven Lau darf nicht in den Dschihad. welt.de, 30. April 2015.
Verlagerung der Wirkungsstätte nach Wuppertal mini|Die sogenannte Darul Arqam Moschee (weißes Gebäude im Hintergrund, linkes Obergeschoss), Wirkungsstätte von Lau ab Mai 2014 Im Mai 2014 wurde in Wuppertal im Obergeschoss eines Gewerbegebäudes an der Klophausstraße eine als Darul Arqam (Haus von Arqam) bezeichnete Moschee und salafistische Begegnungsstätte gegründetPolizei beobachtet neuen Salafisten-Treff am Hesselnberg. In: Westdeutsche Zeitung, Ausgabe Wuppertal, 27. Mai 2014. und von Lau und Vogel, die dort auch predigten, als Sammelpunkt lokaler Islamisten beworben.Prediger Sven Lau: „Wir wussten, dass das Aufmerksamkeit erregt“. Tagesspiegel.de, 7. September 2014.Zu Besuch bei der Scharia-Polizei. In: Westdeutsche Zeitung, 10. September 2014. Mittlerweile wurde der Mietvertrag gekündigt.Vom Kiffer zum Kopf der „Scharia-Polizei“. sueddeutsche.de, 9. September 2014.
Auftritte als Shariah Police in Wuppertal und als Pro Halāl in Düsseldorf Im September 2014 sprachen Lau und weitere salafistische Aktivisten in Wuppertal im Eingangsbereich von Spielhallen und Gastwirtschaften Besucher an und forderten nach Berichten der Westdeutschen Zeitung augenscheinlich muslimische Bürger auf, von Glücksspiel und Alkoholgenuss abzulassen. In: Westdeutsche Zeitung vom 5. September 2014 Zugleich warben sie mit Visitenkarten für den Besuch der Darul Arqam Moschee.Der Scharia-Polizist. handelsblatt.de, 8. September 2014. Dabei trugen sie Signalwesten mit der Aufschrift ( für „Scharia-Polizei“) und gelbe Schilder mit Piktogrammen gegen Alkohol, Glücksspiel, Musik, Pornografie, Drogen und Prostitution unter der Aufschrift (engl. für „Scharia-kontrollierte Zone“). Die Aktion bewirkte ein erhebliches Medienecho. Der Zentralrat der Muslime in Deutschland und der Interessenverband der Wuppertaler Moscheen verurteilten die Aktion.Zentralrat der Muslime schimpft auf „Scharia-Polizei“. rp-online.de, 6. September 2014.Wuppertals Moscheevereine distanzieren sich von „Sharia Police“. In: Westdeutsche Zeitung, Ausgabe Wuppertal, 5. September 2014.
Ein Sprecher der Wuppertaler Staatsanwaltschaft erklärte, dass zwar das „bloße Empfehlen religiöser Regeln“ nicht strafbar ist, aber dennoch gegen elf Aktivisten ein Verfahren wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz eingeleitet worden sei. Der Tagesspiegel kritisierte das Vorgehen der Staatsanwaltschaft und die Berichterstattung der Westdeutschen Zeitung unter Hinweis auf die Religionsfreiheit und vergleichbare Aktionen der Heilsarmee als überzogen und zur Bekämpfung von Extremisten ungeeignet;Malte Lehming: „Scharia-Polizei“ und Religionsfreiheit: Wer sich provozieren lässt, nutzt den Extremisten. tagesspiegel.de, 6. September 2014. die Frankfurter Allgemeine Zeitung kommentierte, dass „Amtsanmaßung kein Schildbürgerstreich“ sei, warnte aber davor, „kalkulierten Provokationen […] auf den Leim zu gehen“.Justus Bender: „Scharia-Polizei“: Kalkulierte Provokation. FAZ.NET, 7. September 2014.