Carl Albrecht Leistner (* 6. November 1887 in Leipzig; † 24. Oktober 1950 ebenda) war ein deutscher Maler, Grafiker und Bildhauer.

Leben Familie Albrecht Leistner war der Sohn des Maßstab-Fabrikanten Emil Leistner (1843–1911) und dessen Ehefrau Hedwig Leistner geborene Reuschel (1852–1932). 1909 heiratete er Hermine Kiessig (1887–1964), die Tochter eines Leipziger Hotelbesitzers. Aus der Ehe gingen zwei Töchter und ein Sohn hervor: Leonore (1910–1997), Siegfried (1914–1970) und Isolde (1920–1989).

Ausbildung Nach dem Besuch der Bürgerschule und des Realgymnasiums begleitete Leistner zunächst seinen Vater auf ausgedehnten Reisen, die beide durch ganz Deutschland, in die skandinavischen Länder und nach Tirol führten. 1905 begab er sich auf eine mehrmonatige Bildungsreise nach Italien. Hier reifte sein Entschluss, sich ganz der Kunst zu widmen. Der Leipziger Illustrator Fedor Flinzer brachte ihm die Grundlagen des Zeichnens bei. An der Leipziger Kunstakademie waren Alois Kolb und Adolf Lehnert seine Lehrer. Anschließend studierte er zwei Semester Anatomie und bildete sich fortan autodidaktisch weiter.

Schaffen mini|Atelierhaus von Albrecht Leistner in Leipzig, erbaut 1912 Als freischaffender Künstler widmete sich der begeisterte Bergsteiger zunächst der Hochgebirgsmalerei. Einen ersten Erfolg als Maler erzielte er 1902 auf der Turiner Weltausstellung, auf der er mit einer Bronzemedaille ausgezeichnet wurde.

In seiner Heimatstadt gehörte er 1910 zu den Gründungsmitgliedern der Leipziger Sezession und rief mit seinem Freund Max Klinger die Leipziger Jahresausstellungen für Kunst ins Leben. Außerdem war er Mitglied des Deutschen Künstlerbunds. (abgerufen am 17. Oktober 2015)

Durch Klinger wurde er zu ersten plastischen Arbeiten angeregt, die fortan zu seiner eigentlichen künstlerischen Ausdrucksform werden sollten. Sein Erstlingswerk, eine Richard-Wagner-Büste, wurde 1911 in Bronze und Gips ausgeformt und durch die Kunsthandlung P. H. Beyer & Sohn sehr erfolgreich verkauft. Anlässlich der 1914 in Leipzig stattfindenden Weltausstellung für Buchgewerbe und Grafik schuf er zwei Aktgruppen, genannt Buchdruck und Radierung. Die Allegorien fanden wegen ihrer humoristischen Darstellung großen Anklang.

Sein künstlerisches Schaffen wurde durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen. Als Soldat erlebte er die Hölle von Verdun. Die Schrecken des Kriegs verarbeitete er künstlerisch in 50 Lithografien, die er als Mappe unter dem Titel Sieben Monate vor Verdun 1916. Erlebnisse aus dem Felde in 50 Steinzeichnungen erzählt von Albrecht Leistner in limitierter Auflage von 100 Stück veröffentlichte.

In den 1920er Jahren erlebte Leistner den Höhepunkt seines Schaffens. Denkmäler, Büsten und Statuen in Bronze und Marmor, Reliefs und Plaketten sowie Grabmäler entstanden in großer Zahl. Dennoch geriet Leistner durch die Folgen der Weltwirtschaftskrise in finanzielle Schwierigkeiten, so dass er sein Haus, in dem sich auch sein Atelier befand, verkaufen musste.

In der Zeit des Nationalsozialismus war Leistner Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste. Aufgrund seiner kritischen Haltung zum Nationalsozialismus erhielt er jedoch nur wenige Ausstellungsmöglichkeiten. Am 4. Dezember 1943 wurde sein Atelier in Leipzig durch Fliegerbomben schwer beschädigt. Durch weitere Kriegseinwirkungen wurde zudem 1944 ein großer Teil seiner ausgelagerten Werke vernichtet.

mini|Familiengrab Kiessig / Leistner auf dem Südfriedhof in Leipzig Der seit langer Zeit schwer an Gicht leidende und daher arbeitsunfähige Künstler starb wenige Jahre nach Kriegsende. Er wurde im Familiengrab Kiessig-Leistner, mit dessen künstlerische Ausgestaltung seinerzeit Reinhold Carl beauftragt worden war, auf dem Südfriedhof in Leipzig bestattet.

Werk 1910: Nachtwache, Ölgemälde 1910: Spessart-Erinnerung, Ölgemälde 1911: Richard Wagner, Bronzebüste (Kopf) auf Marmorsockel 1914: Skulpturen Buchdruck und Radierung, Marmor 1914: Amazone, Marmor 1915: Fedor Flinzer, Bronzeplakette für das Grabmal auf dem Neuen Johannisfriedhof in Leipzig 1916: Friedhofsdenkmal in Amel 1916: Sieben Monate vor Verdun, Mappenwerk mit 50 Lithografien 1918: Kriegerdenkmal im Park des Krankenhauses St. Georg in Leipzig-Eutritzsch 1920: Max Klinger, Bronzebüste 1920: Max Klinger, Totenmaske und Abguss der Hände, Bronze 1921: Julius Klengel, Bronzebüste 1922: Skulptur Erwachen (Marmor) am Grabmal für Hermann Leistner auf dem Südfriedhof in Leipzig-Probstheida 1923: Hans Soltmann, Bronzebüste auf Marmorsockel 1923: Adolf von Strümpell, Marmorbüste 1924: Erwachende Blume (Marmor) am Grabmal für Robert Stamm auf dem Friedhof Ohlsdorf in HamburgBarbara Leisner, Heiko K. L. Schulze, Ellen Thormann: Der Hamburger Hauptfriedhof Ohlsdorf. Geschichte und Grabmäler. Verlag Hans Christians, Hamburg 1990, Seite 136, Kat.-Nr. 924. (datiert 1921/1922 im Widerspruch zu anderen Quellen) 1925: Franz von Hoeßlin, Bronzebüste 1926: Kreishauptmann Heinrich Lange, Marmorbüste 1926: Eisblumen, Mappenwerk mit 10 Radierungen 1926: Johannes Brahms, Marmorbüste; 1938 auf der Großen Deutschen Kunstausstellung in München 1927: Ludwig van Beethoven, Bronzebüste 1928: Ludwig van Beethoven, Marmorbüste 1928: Karl Straube, Bronzebüste 1930: Ludwig Wüllner, Marmorbüste 1933: Skulptur Auferstehung (Marmor) am Grabmal für Albert Böhme auf dem Südfriedhof in Leipzig-Probstheida 1938: Sommernachmittag (Schlierseer Berge), Ölgemälde 1938: Mondnacht, Ölgemälde

Ausstellung in der Zeit des Nationalsozialismus

1937/1938: Leipzig, Museum der bildenden Künste („7. Große Leipziger Kunstausstellung. Leipziger Künstler unserer Zeit“) 1938: München, Große Deutsche Kunstausstellung 1938/1939: Leipzig, Leipziger Kunstverein („Jahresschau Leipziger Künstler“) 1940: Leipzig, Museum der bildenden Künste („Große Leipziger Kunstausstellung“)

Literatur

Museum der bildenden Künste Leipzig (Hrsg.): Katalog der Bildwerke. Köln 1999, passim. Alfred E. Otto Paul: Die Kunst im Stillen. Kunstschätze auf Leipziger Friedhöfen. Band 1, Leipzig 2009, S. 14 f., S. 22 ff., S. 90 ff.

Weblinks

Grabmale von Albrecht Leistner auf dem Südfriedhof Bedeutender Fund zu Albrecht Leistner Brahms-Büste auf der Großen Kunstausstellung München Verlorene Kunst: Büste Ludwig Wüllner Verlorene Kunst: Gipsbüste Max Klinger Historisches Foto vom Grabmal Kiessig-Leistner in der Objektdatenbank des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig

Einzelnachweise

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