Der Staatspreis für Erwachsenenbildung zählt zur Gruppe der Staatspreise der Republik Österreich. Mit ihm werden Personen und Institutionen der österreichischen Erwachsenenbildung vom Bildungsministerium ausgezeichnet.
Beschreibung
Das Bildungsministerium vergibt den Österreichischen Staatspreis für Erwachsenenbildung seit 2008 in einer neu konzipierten Form: Personen und Institutionen werden in bis zu vier Kategorien mit alternierenden thematischen Schwerpunkten von einer unabhängigen Jury von Experten im Bereich der Erwachsenenbildung unter Publikumsbeteiligung ausgezeichnet.
Preiskategorien
In der Kategorie „Erwachsenenbildner“ geht der Preis an Personen, die die österreichische Erwachsenenbildung mitgestaltet, mitgetragen und vorangetrieben haben. In der Kategorie „Innovation“ werden ideenreiche Bildungsangebote, Konzepte, Initiativen und Projekte bzw. Institutionen der Erwachsenenbildung geehrt und in der Kategorie „Wissenschaft und Forschung“ namhafte und einflussreiche österreichische Wissenschaftler und Forscher auf dem Gebiet der Erwachsenenbildung. Hierfür werden abwechselnd das Gesamtwerk und eine wissenschaftliche Einzelleistung ausgezeichnet, wobei der Gewinner durch eine Direktwahl der Jury ermittelt wird. Selbstständige Einreichungen sind nur im zweiten Fall möglich. Beim Preis in der Kategorie „Themenschwerpunkt“ werden jeweils andere Zielgruppen und Einrichtungen der österreichischen Erwachsenenbildung in den Mittelpunkt gerückt und somit einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt.
Preisvergabe
Die Teilnahme steht allen Personen und Institutionen offen und erfolgt ausschließlich online auf „erwachsenenbildung.at“. Die Online-Bewerbungen können bis zur endgültigen Absendung passwortgeschützt weiter bearbeitet werden. Die Jury nominiert die jeweils besten Einreichungen pro Kategorie. Diese werden daraufhin der Öffentlichkeit vorgestellt und stellen sich auf „erwachsenenbildung.at“ dem Publikumsvoting. Alle Interessierten erhalten die Möglichkeit, sich an der Online-Wahl zu beteiligen. Die Ergebnisse des Votings werden von der Jury für die endgültige Entscheidung hinzugezogen. Die Bekanntgabe und Auszeichnung der Preisträger und Siegerprojekte erfolgt im Beisein der Bildungsministerin im Herbst des jeweiligen Jahres im Rahmen einer festlichen Verleihung. Die Gewinner dürfen den Titel „Staatspreisträger für Erwachsenenbildung“ tragen, erhalten eine dekorative Stele und in den jeweiligen Kategorien darüber hinaus ein Preisgeld zwischen 3.000 und 5.000 Euro.
Geschichte
Der Österreichische Staatspreis für Erwachsenenbildung geht auf eine lange Tradition zurück. Die Geschichte seiner wechselnden Namensgebung und die Inhalte der ausgezeichneten Arbeiten spiegeln die Entwicklung der österreichischen Erwachsenenbildung im Übergang von der Volksbildung zur Erwachsenenbildung sowie ihre spätere Konzentration auf die berufliche Weiterbildung hin zum Lebenslangen Lernen gleichwie inhaltliche Trends und die sich verändernde Adressatkonstruktion der letzten 50 Jahre wider (z. B. die Konzentration auf ländliche Regionen in den 1950/60er Jahren und auf „randständige“ Zielgruppen in den 1990ern).
Die zwischen 1956 und 2011 gesamt 232 ausgezeichneten Preisträger – die Ausschreibung und Vergabe pausierte in den Jahren 1988, 1992, 1994, 1995, 1996, 1997 und 2007; 1991 wurde der Preis einmalig nicht angenommen – weisen eine Frauenquote von knapp 16 Prozent (37 Frauen) auf, wobei sich ab 1999 ein verstärkter Anteil weiblicher Preisträger ausmachen lässt. Der „Würdigungspreis“ ging kein einziges Mal in der Geschichte seines Bestehens an eine Frau. Dafür wurden einige Volksbildner/Erwachsenenbildner gleich mehrmals ausgezeichnet: Hans Altenhuber 1966 und 1993, Karl Dillinger 1965 und 1993, Hans Fellinger 1964, 1971 und 1975, Wilhelm Filla 1982 und 2001, Karl Foltinek 1966 und 1986, Valentin Gillich 1983 und 2004, Ernst Glaser 1957 und 1965, Herbert Grau 1971 und 1974, Karl Gutkas 1961 und 1967, Kurt Kojalek 1962 und 1969, Hubert Lendl 1964 und 1986, Werner Lenz 1979, 1987 und 2011, Franz Müller 1956 und 1969, Aladar Pfniß 1962, 1966, 1970 und 1985, Maximilian Piperek 1959 und 1986, Ignaz Zangerle 1975 und 1983 (siehe dazu Preisträger).
Förderungspreis für Volksbildung 1956–1973 Erstmals wurde der Österreichische Staatspreis für Erwachsenenbildung 1956 als „Förderungspreis für Volksbildung“ vom damaligen Bundesministerium für Unterricht verliehen. Zu den ersten Preisträgern zählten der Neurologe und Psychiater Viktor E. Frankl für seine Arbeit „Volksbildung im Rundfunk“ und die Malerin und Kunstpädagogin Gerda Matejka-Felden für „Die künstlerische Volkshochschule“. Unter die gesamt neun ausgezeichneten Volksbildner dieses ersten Jahres reihten sich zudem der Gymnasiallehrer und Begründer des „Verband von Sternfreunden in Österreich“ Hans Eisner (1915–1993), der Lehrer, Kunsterzieher und Schriftsteller Ludwig Prähauser (1877–1961) und Franz Senghofer (1904–1998), der von 1946 bis 1972 als Bildungssekretär des Österreichischen Gewerkschaftsbundes tätig war und 1958 den Preis der Stadt Wien für Volksbildung erhielt.
Den „Würdigungspreis für hervorragende Leistungen im Interesse der österreichischen Volksbildung“ bekam in diesem ersten Jahr seiner Vergabe Prälat Josef Steinberger, seines Zeichens auch Träger des Ehrenring des Landes Steiermark. In den folgenden Jahren zeichnete der „Förderungspreis für Volksbildung“ jährlich zwischen drei und acht österreichische Volksbildner aus.
Unter den gesamt 92 Preisträgern der Jahre 1956 bis 1973 befanden sich fünf Frauen: die bereits genannte Malerin und Kunstpädagogin Gerda Matejka-Felden (Preisträgerin 1956), die 1957 auch den Preis der Stadt Wien für Volksbildung erhielt, Theresia Weiss (Preisträgerin 1957), Hedwig Moritz (Preisträgerin 1958), Elisabeth Baumgartner (Preisträgerin 1965) und Katharina Salzmann (Preisträgerin 1968). Aladar Pfniß wurde in dieser Periode dreimal ausgezeichnet (1962, 1966, 1970), zweimal ausgezeichnet wurden Ernst Glaser (1957, 1965), Karl Gutkas (1961, 1967), Felix Riccabona (1962, 1968), Kurt Kojalek (1962, 1969), Franz Müller (1956, 1969) und Hans Fellinger (1964, 1971).
Der „Würdigungspreis für hervorragende Leistungen im Interesse der österreichischen Volksbildung“ wurde in den Jahren 1956 bis 1973 gesamt viermal verliehen: 1969 an Hans Commenda für sein Lebenswerk, 1958 an den Volksbildner, Philosophen und Politiker Karl Lugmayer, 1956 an den bereits genannten Josef Steinberger und 1958 an den Dichter und Bildungsfunktionär Josef Luitpold Stern, der auch Träger des Ehrenring der Stadt Wien ist. Die Titel und damit Inhalte der mit dem „Förderungspreis für Volksbildung“ bedachten Arbeiten zeigen, dass der Schwerpunkt der Volksbildung gleich ihren Wurzeln auf praktischen Bildungsangeboten lag, die „großteils außerhalb der staatlichen Verantwortung und des öffentlichen Bildungssystems – sozusagen ‚von unten‘ – als zumeist freiwilliges Angebot für erwachsene Menschen zur Befriedigung ihres allgemeinen, kulturellen, politischen, fachlichen und religiösen (Fort-)Bildungsbedarfes“Elke Gruber: Die Koppelung und Vernetzung von Erwachsenen- und Berufsbildung. Entwicklung, Stand und Perspektiven aus praktischer und theoretischer Sicht. In: Daniela Holzer, Barbara Schröttner, Annette Sprung (Hrsg.): Reflexionen und Perspektiven der Weiterbildungsforschung. Münster [u. a.]: Waxmann (2001), S. 162. dienten. So finden sich zwischen 1956 und 1973 Arbeiten zu Ehe und Elternschaft (Hedwig Moritz 1958, Hans Moritz 1961, Felix Riccabona 1962 und 1968), zur theologischen Erwachsenenbildung (Eduard Eisterer 1959, Hans Steiner 1962, Johann Lenzenweger 1972, Roman Angulanza 1973) und zu Musik/Kunst und Bildung (Gerda Matejka-Felden 1956, Ludwig Prähauser 1956, Ernst Huber 1960, Robert Schollum 1960, Leopold Demler 1963, Friedrich Wagner 1963, Karl Gutkas 1967, Robert Schmitt 1969). Auffallend viele Arbeiten beschäftigten sich mit dem Themenkomplex Bildung und Medien (Viktor E. Frankl 1956, Ludwig Gesek 1956, Josef Pöppl 1958, Ferdinand Kastner 1959, Roman Herle 1960, Franz Zöchbauer 1960, Karl Hischbold 1961, Rudolf Fochler 1962, Augustin Kinzel 1962, Friedrich Steinbock 1963, Hermann Weber 1967, Norbert Janitschek 1972, Hans Muhr 1972) und mit sozialräumlichen Aspekten und Bedingungen von Bildung (Reinhold Friedl 1956, Egon Lendl 1956, Franz Müller 1956, Wolfgang Dobesberger 1957, Theresia Weiss 1957, Eugen Matt 1958, Walter Haminger 1959, Franz Kirnbauer 1960). Dieser inhaltliche Fokus auf die Erreichung der Landbevölkerung und der Arbeiterschicht mit Angeboten der Erwachsenenbildung und auf Rundfunk und Fernsehen im Dienste der Erwachsenenbildung spiegelt die Entwicklung der österreichischen Erwachsenenbildung in den 1950/60er Jahren.Thomas Dostal: „Die ‚Salzburger Gespräche‘ dürfen keine Konferenz der üblichen Art werden.“ Ein Rückblick auf 50 Jahre. In: Eine Konferenz der anderen Art. 50 Jahre „Salzburger Gespräche“ für Erwachsenenbildung. Hrsg. von Stefan Vater unter Mitarbeit von Laura R. Rosinger. Frankfurt am Main: Peter Lang (2009), S. 29 und S. 33.
Förderungspreis für Erwachsenenbildung 1974–1983 1974 kam es nicht zuletzt als Folge einer verstärkten wissenschaftlichen Grundlegung des organisierten Lernens Erwachsener (in Deutschland in den 1960/70er Jahren, in Österreich etwas später) zur Umbenennung der Auszeichnung in „Förderungspreis für Erwachsenenbildung“. Gesamt 44 Erwachsenenbildner wurden zwischen 1974 und 1983 mit dieser Auszeichnung bedacht, darunter zehn Frauen. 1981 dominierten sogar erstmals in der Geschichte des Österreichischen Staatspreises für Erwachsenenbildung die weiblichen Preisträger (Annemarie Aufreiter, Rosemarie Kurka, Eva Lach, Helga Renner, Erika Stubenvoll und Gertrud Simon) – es war dies auch das Jahr, in dem erstmals gesamt elf Personen Träger dieser Auszeichnung wurden, die Jahre zuvor waren es durchschnittlich vier bis fünf Personen gewesen.
Der „Würdigungspreis für hervorragende Leistungen im Interesse der österreichischen Erwachsenenbildung“ ging 1974 posthum an Herbert Grau, Initiator und von 1958 bis zu seinem Tod 1973 Leiter und Berichterstatter der „Salzburger Gespräche für Leiter in der Erwachsenenbildung“, die von 1958 bis 2007 ein wichtiger Ort der Begegnung von Erwachsenenbildnern aus ganz Europa und darüber hinaus waren.Eine Konferenz der anderen Art. 50 Jahre „Salzburger Gespräche“ für Erwachsenenbildung. Hrsg. von Stefan Vater unter Mitarbeit von Laura R. Rosinger. Frankfurt am Main: Peter Lang, S. 200–204. Im selben Jahr wurden auch der Direktor der Wiener Urania und langjährige Generalsekretär des Verbands österreichischer Volkshochschulen Wolfgang Speiser und Franz M. Kampfhammer mit dem Würdigungspreis geehrt. Hans Fellinger erhielt diese Auszeichnung 1975, ebenso Ignaz Zangerle, der 1983 sogar wiederholt – und damit als einziger in der Geschichte des Österreichischen Staatspreises für Erwachsenenbildung zweimal – mit einem Würdigungspreis bedacht wurde. Ebenfalls Träger des Würdigungspreises wurden 1982 Josef Eksl und Aldemar Schiffkorn. Es waren damit gesamt sechs Würdenträger, darunter wie schon in der Zeitspanne 1956 bis 1973 keine einzige Frau. Anhand der Titel und Themen der ausgezeichneten Arbeiten lässt sich ermitteln, dass die betriebliche Weiterbildung, berufliche Erwachsenenbildung und Arbeiterbildung mittlerweile verstärkt in das Blickfeld der Erwachsenenbildung gerückt waren. In Zahlen waren es acht der gesamt dreißig Arbeiten, die diese Fragestellung diskutierten (Auguste Jedina-Palombini und Georg Piskaty 1974, Monika Petermandl-Knossalla 1977, Gottfried Hantschk und Johann Steinringer 1979, Heinz Etlinger 1979, Peter Schreiner und Maria Wechselberger 1980, Annemarie Aufreiter und Rosemarie Kurka 1981, Georg Hahn 1981, Valentin Gillich, Enrique Grabl und Gerhard Pongratz 1983).
Staatspreis für Erwachsenenbildung 1984–1987