Max Silberberg (* 27. Februar 1878 in Neuruppin; † nach 1942 im Ghetto Theresienstadt oder KZ AuschwitzBelegt ist die Deportation aus dem Sammellager im Kloster Grüssau. Anja Heuß geht von einer anschließenden Ermordung in Theresienstadt aus, siehe Anja Heuß: Die Sammlung Max Silberberg in Breslau, S. 313; Tatzkow/Hintz nennen 1943 und Auschwitz als Todesdatum und -ort, siehe Monika Tatzkow, Hans Joachim Hinz: Bürger, Opfer und die historische Gerechtigkeit. Das Schicksal jüdischer Kunstsammler in Breslau, S. 14; Winzeler nennt ebenfalls Auschwitz als Todesort, siehe Marius Winzeler: Jüdische Sammler und Mäzene in Breslau. Von der Donation zur "Verwertung" ihres Kunstbesitzes S. 147.) war ein deutscher Unternehmer, Kunstsammler und Mäzen. Er leitete in Breslau ein erfolgreiches Unternehmen, das die Stahlindustrie mit Magnesiterzeugnissen belieferte. Seine bedeutende Privatsammlung umfasste überwiegend deutsche und französische Malerei, Zeichnungen und Skulpturen des 19. und 20. Jahrhunderts. Hierunter befanden sich Werke namhafter Künstler wie Ernst Barlach, Max Liebermann, Pierre-Auguste Renoir und Vincent van Gogh, von denen sich der Sammler teilweise bereits 1932 infolge der Weltwirtschaftskrise trennen musste. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde Silberberg als Jude ab 1933 systematisch enteignet. Seine Kunstwerke befinden sich heute in verschiedenen Museen und Privatsammlungen. Erst nach 1990 konnten die Erben die Restitution einiger Werke erreichen.

Leben Max Silberberg kam 1878 als Sohn des Schneiders Isidor Silberberg im brandenburgischen Neuruppin zur Welt.Monika Tatzkow: Max Silberberg, S. 115. Die Familie, die zum assimilierten jüdischen Bürgertum gehörte, lebte in einfachen Verhältnissen. Während die Schwester Margarete eine Ausbildung zur Schneiderin erhielt, konnte Max Silberberg das Gymnasium besuchen. Nach Beendigung seines Militärdienstes zog die Familie nach Beuthen in Oberschlesien. Vermutlich erlernte Max Silberberg hier einen kaufmännischen Beruf und trat im Alter von 24 Jahren als Prokurist in die Fabrik für Metallverarbeitung M. Weißenberg ein. Das zum Kartell der Vereinigung der Magnesitwerke gehörende Unternehmen stellte feuerfeste Baustoffe zur Auskleidung von Hochöfen her.Anja Heuß: Die Sammlung Max Silberberg in Breslau, S. 312. Silberberg heiratete später Johanna Weißenberg, die Tochter des Firmeneigentümers, und wurde Mitinhaber des Unternehmens. Der gemeinsame Sohn Alfred Silberberg kam am 8. November 1908 zur Welt.Anja Heuß: Die Sammlung Max Silberberg in Breslau, S. 313.

1920 zog Max Silberberg mit seiner Familie nach Breslau. Die Silberbergs bewohnten hier eine große Villa in der Landsberger Straße 1–3 (heute ul. Kutnowska). Das Esszimmer, einschließlich der Möbel und des Teppichs, entwarf der Architekt August Endell 1923 im Stil des Art déco.Im Nachlass von August Endell sind Fotos mit der Einrichtung von Silberbergs Esszimmers erhalten. Auf einem der Fotos ist zudem das Gemälde Brücke in Trinquetaille von Vincent van Gogh zu erkennen. Siehe Abbildung in Anja Heuß: Die Sammlung Max Silberberg in Breslau, S. 315. Die Wände des Hauses schmückte schon bald eine herausragende Gemäldesammlung, überwiegend mit deutschen und französischen Werken des 19. und 20. Jahrhunderts. Silberberg verfügte zudem über eine umfangreiche Kunstbibliothek – vor allem mit französischsprachiger Literatur zur modernen Kunst. Durch die Folgen der Weltwirtschaftskrise musste er sich 1932 von 30 seiner Spitzenwerke – darunter Arbeiten von Monet, van Gogh und Renoir – bei einer Auktion in Paris wieder trennen.

Silberberg engagierte sich im Breslauer Kulturleben und lud in sein Haus zu Vorträgen – beispielsweise zur Geschichte des Judentums.Anja Heuß: Die Sammlung Max Silberberg in Breslau, S. 314. Er trat für die Bewahrung der jüdischen Kulturgeschichte ein und gehörte zu den Mitbegründern des Vereins Jüdisches Museum in Breslau, als dessen 1. Vorsitzender er seit März 1928 wirkte. Zusammen mit dem Direktor des Breslauer Schlossmuseums, Erwin Hinze, gehörte er 1929 zu den Organisatoren der Ausstellung Das Judentum in der Geschichte Schlesiens. Darüber hinaus unterstützte er das Jüdische Museum als Mäzen und stiftete einen silbernen Toraschild aus dem 18. Jahrhundert und einen silbernen Thorazeiger. Weiterhin gehörte er dem Kuratorium des Schlesischen Museums der bildenden Künste an und war Mitglied im Vorstand der Gesellschaft der Kunstfreunde, die das Museum als Fördereinrichtung unterstützte.Monika Tatzkow: Max Silberberg, S. 119.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten begann für Silberberg, wie für andere Juden, die systematische Ausgrenzung, Entrechtung und Enteignung. Umgehend verlor er alle seine öffentlichen Ämter.Monika Tatzkow: Max Silberberg, S. 120. 1935 empfahl SS-Sturmbannführer Ernst Müller die Nutzung der Silberberg-Villa für den SS-Sicherheitsdienst und Silberberg musste sein Haus weit unter Verkehrswert verkaufen. In der Folge zog Silberberg mit seiner Familie in eine kleine Mietwohnung und trennte sich notgedrungen vom überwiegenden Teil seiner Kunstsammlung, die in mehreren Auktionen im Berliner Auktionshaus Graupe versteigert wurde. Neben Gemälden und Zeichnungen von Menzel, Degas, Cézanne und anderen, sowie Skulpturen von Rodin, gelangte auch seine umfangreiche Bibliothek zur Auktion.Das Auktionshaus Paul Graupe, Berlin, versteigerte am 23. März 1935 Gemälde und Zeichnungen, am 12. Oktober Zeichnungen, vom 12.–14. Dezember Bücher, am 21. Dezember Skulptur und Kunsthandwerk, am 7. Januar 1936 Skulpturen und vom 23.–25. März nochmals Bücher aus dem Besitz von Silberberg.

Während der Novemberpogrome 1938 wurde der Sohn Alfred Silberberg in das KZ Buchenwald verschleppt und verblieb dort für acht Wochen. Er konnte das Lager nur unter der Auflage verlassen, umgehend aus Deutschland zu emigrieren. Gemeinsam mit seiner Frau Gerta übersiedelte er kurz darauf nach Großbritannien. Durch diskriminierende Steuern wie die Judenvermögensabgabe verschlechterte sich die finanzielle Situation Max Silberbergs zusehends. Auch war er gezwungen die Reichsfluchtsteuer zu entrichten, obschon er und seine Frau nicht ausreisten. Ebenfalls im November 1938 kam es zur „Arisierung“ der Firma Weißenberg, die in den Besitz des Breslauer Industriellen Carl Wilhelm überging.Monika Tatzkow: Max Silberberg, S. 124. Das Finanzamt Breslau-Süd verpfändete Silberbergs Besitz wegen angeblicher Steuerschulden und der vormals wohlhabende Kunstsammler lebte nun in ärmlichen Verhältnissen.Anja Heuß: Die Sammlung Max Silberberg in Breslau, S. 317. Von den wenigen in seinem Besitz befindlichen Kunstgegenständen musste er einen Teil an das Schlesische Museum der bildenden Künste verkaufen. Der Verkaufserlös floss hingegen an die „arisierte“ Firma Weißenberg. Das Museum ließ zudem das Gemälde Stillleben mit Äpfeln und Porree von Carl Schuch abholen, das Silberberg bereits 1920 dem Museum schenkte, das aber bis zu seinem Tod in seiner Wohnung verbleiben sollte. Ein kleiner Rest seiner Sammlung mit einigen Zeichnungen sowie Kleinplastiken von Georg Kolbe verblieb bis 1940 in seinem Besitz, bevor sie vom Museum der bildenden Künste in Breslau „arisiert“ wurden.Der letzte Kunstbesitz Silberbergs bestand aus Zeichnungen von Menzel, Friedrich, Trübner, Purrmann, Liebermann, Klimt und Otto Müller sowie einem Aquarell von Paul Klee. Siehe Anja Heuß: Die Sammlung Max Silberberg in Breslau, S. 317.

Ende 1941 erhielt der im Londoner Exil lebende Sohn Alfred das letzte Lebenszeichen seiner Eltern. Max und Johanna Silberberg kamen 1942 in das Sammellager Kloster Grüssau, von wo sie am 3. Mai 1942 – vermutlich in das Ghetto Theresienstadt – deportiert wurden. Über den genauen Tag und Ort des Todes gibt es keine Unterlagen. Verschiedene Historiker nehmen an, dass Silberberg und seine Frau im KZ Auschwitz ermordet wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg ließ Alfred Silberberg seine Eltern per 8. Mai 1945 für tot erklären.Monika Tatzkow: Max Silberberg, S. 126. Ihm zu Ehren wurde am Standort seines Geburtshauses am 27. Februar 2026 eine Gedenktafel eingeweiht.

Die Sammlung Silberberg Entstehung der Sammlung Zu Beginn des 20. Jahrhunderts baute Max Silberberg eine der bedeutenden privaten Kunstsammlungen im Deutschen Reich auf. Bei deren Ausbau könnte ihn Heinz Braune beraten haben, der ab 1916 als Direktor das Schlesische Museum der bildenden Künste in Breslau leitete. Anders als etwa die Museen in Berlin, München, Hamburg oder Bremen zeigte sich das Museum in Breslau vor dem Ersten Weltkrieg gegenüber den modernen Kunstströmungen verschlossen. Dies änderte sich mit der Berufung von Braune, der zuvor als Assistent von Hugo von Tschudi an der Neuen Pinakothek in München arbeitete, wo dieser, wie zuvor an der Nationalgalerie in Berlin, den Aufbau insbesondere der Sammlungen der französischen Moderne initiierte. Als Indiz für den Austausch zwischen Braune und Silberberg können drei Schenkungen gelesen werden, die der Sammler an das Museum in Breslau übertrug. Hierzu gehört neben dem Stillleben mit Äpfeln und Porree von Carl Schuch je eine Zeichnung von Hans Purrmann und von Max Beckmann.

Da Breslau über keinen nennenswerten Kunsthandel verfügte, bezog Silberberg wie andere Breslauer Sammler – beispielsweise Leo Lewin und Ismar Littmann – Kunstwerke über den Berliner Kunsthandel. Hier war es vor allem Paul Cassirer, der Silberberg beim Aufbau seiner Sammlung beriet. Zudem stand er mit dem Kunsthistoriker Julius Meier-Graefe in regem Austausch und traf sich wiederholt mit Künstlern wie Max Liebermann, Georg Kolbe und Hans Purrmann.Monika Tatzkow: Max Silberberg, S. 117–118. Darüber hinaus kaufte er aber auch Werke in der Galerie Thannhauser in Luzern oder auf einer der sogenannten Russenauktionen in Berlin. Nachweisbar ist hier der Erwerb einer Zeichnung von Greuze, die sich vormals in der Sammlung der Eremitage befand und zur Devisenbeschaffung im Auftrag der Sowjetregierung auf den Kunstmarkt gelangte.Anja Heuß: Die Sammlung Max Silberberg in Breslau, S. 315.

Weiterhin erwarb Silberberg Kunstwerke direkt aus anderen Sammlungen. Hierzu gehörte beispielsweise Claude Monets Gemälde Boote auf der Seine, das er von der Familie des Künstlers erstand. Ebenso gelangten Werke aus Sammlungen in seinen Besitz, die aufgrund der Weltwirtschaftskrise oder durch Erbgang aufgelöst wurden. Beispielsweise erwarb er Gemälde aus der Dresdner Sammlung Adolf Rothermundt oder der Breslauer Sammlung Leo Lewin.Monika Tatzkow: Max Silberberg, S. 117.

Beschreibung der Sammlung Der genaue Umfang der Sammlung Silberberg ist heute nicht mehr bekannt, wird von Kunsthistorikern aber auf etwa 130Anja Heuß: Die Sammlung Max Silberberg in Breslau, S. 318. bis 250 Gemälde, Zeichnungen und Plastiken geschätzt. Anhaltspunkte bilden Beschreibungen der Sammlung, die zu Beginn der 1930er Jahre in deutschen Zeitschriften erschienen, sowie die Auktionskataloge der Jahre 1932 und 1935/36.Siehe unter Literatur die Artikel in Deutsche Kunst- und Antiquitätenbörse, Die Dame und Kunst und Künstler. Die bekannten Erwerbungen lassen sich von Silberbergs Zeit in Beuthen, wo er erste Werke der Münchner Schule erwarb, bis ins Jahr 1931 eingrenzen. Innerhalb dieser relativ kurzen Zeit gelang es Max Silberberg eine der bedeutendsten Kunstsammlungen im Deutschen Reich zusammenzutragen, wobei der Schwerpunkt auf deutscher und französischer Kunst des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts lag. Zu den wenigen älteren Arbeiten gehörte die genannte Zeichnung von Greuze sowie wertvolle Pokale und Becher aus der Zeit des Barock und der Renaissance.Solche silbernen bzw. teilvergoldeten Pokal und Becher sind auf Fotos zu sehen, die der Architekt Endell von der von ihm entworfenen Vitrine in der Wohnung Silberbergs anfertigte. Im Einzelnen zu erkennen sind neben Deckelhumpen aus Nürnberg und Augsburg ein Nürnberger Nautiluspokal, ein Augsburger Ananaspokal.