Büttgen ist eine Ortschaft am Niederrhein, die seit dem 1. Januar 1975 zur Stadt Kaarst in Nordrhein-Westfalen gehört. Bis zu dem Zusammenschluss mit der damaligen Gemeinde Kaarst zur Großgemeinde Kaarst bestand die Gemeinde Büttgen aus dem Kernort Büttgen sowie den Ortsteilen Vorst, Holzbüttgen und Driesch.
Büttgen gilt in der Ballungsrandzone zur Landeshauptstadt Düsseldorf als ein bevorzugter Wohnort mit guter Verkehrsanbindung, als Konsequenz dominiert Wohnbebauung aus frei stehenden Einfamilienhäusern.
Geographie Büttgen liegt am Rand der Krefelder Mittelterrasse zur Niederterrasse und weist eine Höhe von 40 bis 46 m über dem Meeresspiegel auf, wobei die Höhe von Nordost nach Südwest zunimmt. Parallel hierzu nimmt die Bodenqualität infolge eines abnehmenden Sandanteils von Nordost nach Südwest zu.Norbert Drüeke: Büttgen – Eine siedlungsgeographische Skizze. In: Schriftenreihe der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft Büttgen. Heft 1, 3., überarbeitete Auflage. 2014, S. 7, 9 und 10.
Der wesentliche Teil der geschlossenen Besiedlung liegt in einem Wasserschutzgebiet der Stufe IIIa, welches das Wasserwerk Büttgen-Driesch, den tiefsten Punkt im Gebiet der Gemeinde Büttgen in den Grenzen vor der Gemeindereform zum 1. Januar 1975, umgibt.
Büttgen liegt in der Erdbebenzone 1Helmholtz-Zentrum, Potsdam: Abfrage zur Zuordnung von Orten zu Erdbebenzonen der DIN 4149 (Fassung 2005) unter Zugrundelegung der Koordinaten der jeweiligen Ortsmitten (Skala von 0 = keine Erdbebengefahr bis 3 = hohe Erdbebengefahr).
Klima
Geschichte Frühe Zeit und Mittelalter Das Gebiet von Büttgen war bereits in der Jungsteinzeit besiedelt, was durch verschiedene Funde u. a. ein gelochter Steinhammer aus NephritHans Georg Kirchhoff: Geschichte der Stadt Kaarst. herausgegeben von der Stadt Kaarst. 1987, S. 23. sowie verschiedene Pfeilspitzen und BeilklingenHans-Peter Krull: Büttgen – Bodenfunde aus der Steinzeit. In: Schriftenreihe der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft Büttgen. Heft 9. belegt ist. Bislang belegen keine Funde eine Besiedlung zur Römerzeit, jedoch ist eine solche wahrscheinlich, da Büttgen nahe an der Römerstraße von Neuss über Mönchengladbach nach Roermond lag,Norbert Drüeke: Büttgen, eine siedlungsgeographische Skizze, 3. Auflage 2014 In: Schriftenreihe der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft Büttgen. Heft 1, Seite 14. der Alten Heerstraße, die nördlich von Büttgen verlief.Alte Heerstraße (Alte Heer-Str.) nördlich von Büttgen, in: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer alten Landkarte der Umgebung von Schiltigheim.
Im 8. Jahrhundert wurde das damalige Dorf Büttgen erstmals als Budica im Schrifttum erwähnt. In der Vita Sankti Ludgeri, einer aus dem Jahr 793 stammenden Beschreibung des Lebens des Heiligen Liudger, des ersten Bischofs des Bistums Münster, wird berichtet, dass dieser von Budica aus den (nahe Budica liegenden) Wald Hamarithi durchwandert hat.Homepage der Stadt Kaarst, Rubrik Stadtgeschichte, abgerufen am 27. August 2013. Budecho hieß der Ort im Jahre 1027. 1220 wurde Büttgen dann unter dem Namen Buydka erwähnt.Eduard Klüber: Büttgen, Flurnamen und ihre Bedeutung. In: Schriftenreihe der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft Büttgen. Heft 4, S. 19. Noch im Mittelalter war der Ort von zahlreichen Wäldern umgeben, wie die Namen der Nachbarorte Vorst und Holzbüttgen verraten.
Nachdem es in Büttgen bereits im 9. Jahrhundert eine Kirche gab, wurde Mitte des 12. Jahrhunderts (vermutlich 1166) an der gleichen Stelle mit dem Bau eines großen Kirchenbauwerks begonnen: St. Aldegundis. Der heute noch stehende Turm der Kirche wurde 1225–1250 errichtet.Sankt Aldegundis Kirche Kaarst: Düster trifft hell – die Doppelkirche in Büttgen Bericht in der Neuss-Grevenbroicher Zeitung vom 28. Juli 2023, abgerufen am 28. Juli 2023 Um 1300 wurde St. Aldegundis zur Pfarrkirche erhoben.Eduard Klüber: Büttgen, Flurnamen und ihre Bedeutung. In: Schriftenreihe der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft Büttgen. Heft 4, S. 10.
Im Jahre 1415 (offizielles Gründungsdatum, die Gründung erfolgte möglicherweise auch früher) wurde die St.-Sebastianus-Bruderschaft Büttgen gegründet; die erste schriftliche Erwähnung des Büttgener Schützenfestes als Büttgen Bruderkirmes datiert auf das Jahr 1529. Die ältesten erhaltenen Königssilberplaketten stammen aus den Jahren 1631, 1633 und 1655, das älteste noch erhaltene Bruderschaftsbuch stammt aus dem Jahr 1742.
In der Kölner Stiftsfehde (1474–1475, auch burgundischer Krieg oder Neusser Krieg genannt) wurde Büttgen geplündert und zerstört.
In einer aus dem Jahr 1563 stammenden Karte des bedeutenden Kartographen Christian Sgrooten ist Büttgen als Boetge eingezeichnet.Max Mauritz: Büttgen auf alten Landkarten. In: Schriftenreihe der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft Büttgen. Heft 19, S. 30/31, Karte 2.
Neuzeit 1591 wurde auf dem Streithover Hof, einem zu den bereits 1280 urkundlich erwähnten Weilerhöfen gehörender Bauernhof ca. 1 km westlich von Büttgen, als ältester Sohn einer Bauernfamilie Jan von Werth geboren. Er gilt als einer der berühmtesten deutschen Reitergeneräle im Dreißigjährigen Krieg und wies zu seiner Zeit als Kriegsheld eine große Popularität im Volk auf. Obwohl er die meiste Zeit seines Lebens außerhalb von Büttgen weilte und seinen Lebensabend bis zu seinem Tod am 12. September 1652 auf seinem Schloss in Benatek (Böhmen) verbrachte, blieb er Büttgen verbunden und bedachte in seinem Testament ausdrücklich die Armen in Büttgen mit einem Teil seines Vermögens.
1756 wurde in Büttgen die Braunsmühle errichtet, die bis heute erhalten ist und besichtigt werden kann.
Bis zur französischen Besatzung im Herbst 1794 gehörte das Kirchspiel Büttgen zum Amt Hülchrath im Kurfürstentum Köln. 1794 entstand unter französischer Verwaltung die Mairie Büttgen im Département de la Roer. Nach dem Abzug der französischen Besatzer wurde aus der Mairie Büttgen die Bürgermeisterei Büttgen, die 1815 Teil des Kreises Neuß im Königreich Preußen wurde. Die nördliche Grenze der Bürgermeisterei bildete der unter Kaiser Napoléon errichtete Nordkanal. Zu der Bürgermeisterei Büttgen gehörten folgende Ortschaften: Büttgen, Driesch, Vorst, Holzbüttgen und Büttgerwald sowie eine Vielzahl Bauerschaften und Höfe (z. B. Buscherhöfe, Mühlenhof, Weilerhöfe).
Am 16. Dezember 1852 fuhr der erste Zug durch Büttgen, das jedoch zu diesem Zeitpunkt noch nicht über einen Bahnhof verfügte.Kaarster Leben. Dezember 2016, S. 27, 28.Kaarst: Es war einmal der Bahnhof in Büttgen Bericht in der Tageszeitung Rheinische Post vom 25. Mai 2018, abgerufen am 26. Mai 2018 Aus Kostengründen waren zunächst keine Bahnhöfe in den Ortschaften Büttgen und Korschenbroich errichtet worden, sondern stattdessen befand sich der nächste Bahnhof in dem genau in der Mitte zwischen beiden Orten gelegenen deutlich kleineren Dorf Kleinenbroich.Kaarster Leben. Dezember 2020, S. 10, 11.
1856 gab es in Büttgen 47 Wege, von denen 4 befestigt waren.Geschichte der Straßen in Kaarst
Am 1. August 1867Es war einmal der Büttgener Bahnhof... Bericht der Tageszeitung Neuss-Grevenbroicher Zeitung vom 25. Mai 2018, abgerufen am 28. Dezember 2018 wurde der von der Aachen-Düsseldorf-Ruhrorter Eisenbahn-Gesellschaft errichtete Bahnhof Büttgen an der Bahnstrecke zwischen Düsseldorf und Mönchengladbach eröffnet.
1873 nahm in Büttgen die erste Postagentur ihren Betrieb auf.Erste Postagentur in Büttgen nahm 1873 ihre Arbeit auf. In: Rheinische Post. 7. Dezember 2001, abgerufen am 2. September 2014.
Im Jahr 1897 wurde auf Betreiben des damaligen Bürgermeisters Robert Grootens die Sparkasse Büttgen gegründet, die nach dem Zusammenschluss der Gemeinden Büttgen und Kaarst in Stadtsparkasse Kaarst-Büttgen mit Sitz in Büttgen umfirmierte und 2006 in der Sparkasse Neuss aufging.
1907 fand in Büttgen am Rosenmontag der erste Karnevals-Umzug statt.Chronik der BKG 5 Aape Büttgen e. V., Ausrichter des Umzuges im Jahr 1907 war jedoch nicht diese Gesellschaft
Nachdem ab dem 22. September 1907 zunächst in gemieteten Räumen ein vom Orden der Barmherzigen Schwestern betriebenes Schwesternheim bestanden hatte, welches ab dem 13. August 1911 (Tag der Einweihung) in einen hierfür errichteten Neubau umgezogen war,Josef Becker: 80 Jahre Dienst am Nächsten. In: Schriftenreihe der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft Büttgen. Band 8, S. 9–41. wurde das Schwesternheim ab dem 13. Juli 1925 in ein Krankenhaus mit 30 Betten umgewandelt, das bis zur Schließung der letzten Abteilung (HNO) im Jahr 1974 Bestand hatte.Christian Pütz: . In: Neuß-Grevenbroicher Zeitung. 4. August 2006. Online auf ngz-online.de, Abruf vom 11. August 2013.
Im Jahr 1926 wurde in Büttgen erstmals eine dauerhafte Fußball-Sportanlage errichtetChronik des VfR Büttgen 1912 e. V., die seit dem 15. Juli 2004 zur Ehrung des ehemaligen Vereinsvorsitzenden des VfR Büttgen (1959–1979), ehemaligen stellvertretenden Bürgermeisters (1964–1969) und Bundesverdienstkreuzträgers (1974) Hermann Dropmann (1908–2004)Hermann Dropmann ist tot: Abschied von Sport-Legende aus Büttgen Bericht der Tageszeitung Rheinische Post am 12. Februar 2004, abgerufen am 8. September 2018 Hermann-Dropmann-Bezirkssportanlage heißt.Angaben zur Umbenennung der Sportanlage, abgerufen am 8. September 2018
Ab 1929 gehörte die Gemeinde Büttgen zum Landkreis Grevenbroich-Neuß. 1936 wurden die Gemeinden Kaarst und Büttgen erstmals zu einer Verwaltungseinheit zusammengefasst, deren Amtsverwaltung in das mit 4400 Einwohnern größere Büttgen verlegt wurde. Kaarst hatte damals erst 2600 Einwohner.
Während Vorst und Holzbüttgen im Zweiten Weltkrieg in erheblichem Umfang beschädigt wurden überstand die Kerngemeinde Büttgen den Zweiten Weltkrieg, der in Büttgen am 1. März 1945 mit dem Einmarsch amerikanischer Truppen endete,Hans Georg Kirchhoff: Geschichte der Stadt Kaarst. herausgegeben von der Stadt Kaarst. 1987, S. 377. weitgehend unversehrt. Schäden entstanden im Wesentlichen durch verirrte, auf die benachbarten Großstädte gerichtete Fliegerbomben. Der erste Bombenschaden in Büttgen datiert auf die Nacht vom 11. auf den 12. Juli 1941.Kaarst erinnert an die Schrecken des Krieges, Bericht in Extra-Tipp, Lokalanzeiger für Kaarst, vom 17. Juli 2021
Vom 3. März 1945 bis zum 21. März 1945 war das Rathaus von Büttgen Hauptquartier der 83. US-Infanteriedivision und ein Gehöft in Büttgen Residenzsitz des Befehlshabers Generalmajor Robert Chaunsey Macon (1890–1980).Lebensdaten zu Generalmajor Macon
In den Jahren 1959 (Grundsteinlegung am 20. September 1959) und 1960 (Einweihung am 24. und 25. September 1960) wurde unmittelbar neben der alten St. Aldegundis Pfarrkirche die neue St. Aldegundis Pfarrkirche errichtet, welche bereits 1975/1976 erweitert werden musste.
Nach dem Abbruch des alten Rathauses (1964) wurde von 1967 (Grundsteinlegung am 23. Januar 1968) bis Anfang 1970 das neue Rathaus errichtet, welches 1972 mit dem Architekturpreis des Bund Deutscher Architekten (BDA) ausgezeichnet wurde.Jubiläum in Büttgen: 50 Jahre Rathaus – eine Planung am Reißbrett Bericht der Neuss-Grevenbroicher Zeitung vom 4. Dezember 2019, abgerufen am 4. Dezember 2019
Am 18. September 1971 wurde eine Gemeindepartnerschaft zwischen der Gemeinde Büttgen und der Gemeinde Lichtenvoorde (Provinz Gelderland / Niederlande) begründet, die nach der Vereinigung von Büttgen und Kaarst mit Wirkung zum 1. Januar 1982 durch die Stadt Kaarst beendet wurde. An diese Städtepartnerschaft erinnert eine Straße in Büttgen, die nach der Gemeinde Lichtenvoorde benannt ist.Geschichte der Straßen in Kaarst: Lichtenvoorder Straße