Thaniyyat al-wadāʿ () ist ein Bergpass in der Berglandschaft sowohl im Süden von Medina auf dem Weg nach Mekka als auch nördlich davon auf dem alten Karawanenweg nach Syrien.

Die islamischen Überlieferungen Der Historiker ʿUmar ibn Šabba (* 789; † 877)Fuat Sezgin: Geschichte des arabischen Schrifttums. Brill, Leiden 1967. Band 1, S. 345–346; The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Brill, Leiden. Band 10, S. 826 beschreibt diesen Bergpass in seiner Stadtgeschichte von Medina und erläutert seinen Namen wie folgt:

Ein Bergpass unter demselben Namen wird in der Prophetenbiographie auch auf dem Weg von Medina nach Mekka genannt und mit verschiedenen Ereignissen aus dem Leben Mohammeds verbunden. Der ägyptische Gelehrte und Professor an der Ṣāliḥīya-Madrasa in Kairo Abū l-Faraǧ Nūr ad-Dīn al-Ḥalabī (* 1567; † 1635)Carl Brockelmann: Geschichte der arabischen Litteratur. Zweite den Supplementbänden angepasste Auflage. Brill, Leiden 1949. Band 2. S. 395; The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Brill, Leiden. Band 3, S. 90 erwähnt die Ṯaniyyat al-Wadāʿ in seiner Prophetenbiographie an drei Stellen:as-Sīra al-ḥalabiyya. Bd. 2, S. 234; S. 443; Band 3. S. 123. Beirut, o. J An diesem Bergpass sollen die Medinenser Mohammed bei seiner Ankunft in Medina begrüßt haben. Die Banū Naǧǧār, ihre Frauen, die Knaben (ṣibyān) und die jungen Mädchen (walāʾid) sprachen (yaqulna) zu Ehren des Propheten folgende Zeilen; ‚der Dichter sprach (qāla š-šāʿiru)‘:

ṭalaʿa l-badru ʿalainā min ṯanīyati l-wadāʿi Der Vollmond ist vom Bergpass des Abschieds über uns aufgegangen waǧaba š-šukru ʿalainā mā daʿā li-llāhi dāʿī uns obliegt der Dank (dafür), daß ein Rufer zu Gott aufrief.M. J. Kister: „Exert yourselves, o Banū Arfida“ Some notes on Entertainment in the Islamic tradition. In: Jerusalem Studies in Arabic and Islam (JSAI), 23 (1999), S. 53–78; hier: S. 76 mit weiteren Quellenangaben; siehe auch: Abū ʿUbaid al-Bakrī: Muʿgam mā ʾstaʿǧam, Bd. 4, S. 1372–1373 s. n. wāw und dāl: der Dichter sprach...ohne Angabe eines Anlasses

Muḥammad ibn Ḥibbān al-Bustī (* 884; † 965), „einer der bedeutendsten Traditionarier seiner Zeit“,Fuat Sezgin (1967), S. 189 aus Siǧistān bringt diese Zeilen ebenfalls mit Mohammeds Ankunft in Medina in Zusammenhang und spricht von einem Vortrag derselben (arabisch: yaqūlūna – sie sprachen...) durch Knaben (ṣibyān) und junge Mädchen (walāʾid). Er erwähnt ferner, dass die Abessinierinnen (al-ḥabaša) vor Freude über dieses Ereignis mit ihren Lanzen spielten.Kitāb aṯ-Ṯiqāt. Haidarabad 1973. Bd. 1, S. 131 In ähnlichem Sinne berichtet über dieses Ereignis auch der Traditionarier ʿAbdarrazzāq aṣ-Ṣanʿānī (* 744; † 827);Fuat Sezgin (1967), S. 99 allerdings zitiert er in seiner Überlieferung die obigen Verszeilen nicht.Zur Überlieferung siehe: M. J. Kister, loc. cit, S. 53

Der Philologe Ibn Manẓūr nennt al-Wadāʿ als ein Wadi in Mekka und verbindet somit den Vortrag dieser zwei Zeilen mit der Eroberung Mekkas und dem Einzug Mohammeds mit seinen Anhängern in die Stadt. Bei diesem Anlass sollen die Frauen, um ihre Freude zu bekunden, in die Hände geklatscht und diese Zeilen gesprochen haben.Lisān al-ʿarab, s.n. wadāʿ : yuṣaffiqna wa-yaqulna

Der andalusische Gelehrte Ibn ʿAbd al-Barr († 1071) gibt in seinem Kommentar zum Muwaṭṭaʾ von Mālik ibn Anas drei Erklärungen zum Namen dieses Ortes oberhalb von Medina an. Von dieser Stelle soll Mohammed Stadtbewohner vor ihrer Reise verabschiedet oder seine Expeditionstruppen bis zu diesem Pass begleitet haben. Aber schon in alten Zeiten (qadīman) sollen Reisende sich zu diesem Ort begeben und von der Stadt dort verabschiedet haben. „Ich nehme an, daß der Bergpass auf dem Weg nach Mekka liegt; hier erschien der Gesandte Gottes auf seinem Weg nach Medina als er aus Mekka kam. Da sagte ihr Dichter: (die zwei Verzeilen folgen).“at-Tamhīd li-mā fī l-Muwaṭṭaʾ min al-maʿānī wal-asānīd. Rabat 1984. Band 14, S. 82

Der Damaszener Theologe und Hadithwissenschaftler Ibn Qayyim al-Dschauziya († 1350) überliefert in seiner kommentierten Prophetenbiographie diese Zeilen mit folgender kritischen Bemerkung:

Der Geograph Yāqūt al-Hamawī ar-Rūmī († 1229) beschreibt Thaniyyat al-wadāʿ als eine oberhalb Medinas liegende Stelle auf dem Weg nach Mekka. Der Name ist, seinen Angaben zufolge, vorislamischen Ursprungs. Der Pass galt als Ort der Verabschiedung von Reisenden.Muʿǧam al-buldān. Beirut 1955. s. n. ṯaniyyat al-wadāʿ.

Auch Ibn Hadschar al-ʿAsqalānī († 1449) bringt die obigen zwei Verszeilen in seinem al-Buchārī-Kommentar mit diesem Bergpass in Zusammenhang und klassifiziert die Überlieferung mit einem unvollständigen Isnad als „rätselhaft“ bzw. „problematisch“ (muʿḍil). Er erwähnt ferner, dass diese Begrüßung Mohammeds möglicherweise bei seiner Rückkehr vom Feldzug nach Tabūk (September 630) W. Montgomery Watt: Muhammad at Medina. Oxford 1972. S. 189–190 stattgefunden hat.Fatḥ al-bārī. Kairo, o. J. Band 7, S. 261–262; 8, S. 128–129

Diese Stelle im Norden Medinas war noch zur Zeit der Abbasiden bekannt; die Anhänger von Muḥammad ibn ʿAbd Allāh ibn al-Ḥasan ibn ʿAlī, der in seinem Aufstand gegen die Abbasidendynastie seinen rechtmäßigen Anspruch auf das Kalifat gegen al-Mansur propagierte, sind im Jahre 760 an diesem Bergpass in zwei Reihen gekreuzigt worden.at-Tabari: Taʾrīḫ ar-rusul wal-mulūk. Kairo 1966. Band 7. S. 600

Literatur Carl Brockelmann: Geschichte der arabischen Litteratur. Zweite den Supplementbänden angepasste Auflage. Brill, Leiden 1949 M. J. Kister: „Exert yourselves, o Banū Arfida“. Some notes on Entertainment in the Islamic tradition. In: Jerusalem Studies in Arabic and Islam (JSAI) 23 (1999), S. 53–78 Theodor Nöldeke: Die Gedichte des ʿUrwa Ibn Alward. In: Abhandlungen der königlichen Gesellschaft der Wissenschaften. Band 11 (1862–1863). Göttingen 1864 Fuat Sezgin: Geschichte des arabischen Schrifttums. Brill, Leiden 1967. Band 1; Brill, Leiden 1975. Band 2 The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Brill, Leiden

Einzelnachweise

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