Die Evangelische Kirche hat in Köln seit 1802 das Recht, innerhalb der Stadt Gottesdienste zu feiern. Nach dem Statistischen Jahrbuch der Stadt Köln bekannten sich 16,9 % der Stadtbevölkerung im Jahr 2009 zum evangelischen GlaubenStatistisches Jahrbuch Köln 2010: Tabelle 102 S. 21 (Angaben zur katholischen und evangelischen Konfessionszugehörigkeit). Stadt Köln, abgerufen am 21. Februar 2025 und 11,5 % im Jahr 2025., abgerufen am 12. Juni 2026
Evangelische Kirche Köln mini|Trinitatiskirche Köln Protestantische Bewegungen wurden innerhalb der Stadt Köln unterdrückt. 1520 wurden die Schriften Martin Luthers verbrannt. 1529 wurden Peter von Fliesteden und der bergische Prediger Adolf Clarenbach auf dem Gebiet des heutigen Melaten-Friedhofs wegen ihres evangelischen Glaubens hingerichtet.Axel Bluhm (Hrsg.): Allein Gottes Wort. Vorträge, Ansprachen, Predigten und Besinnungen anläßlich des 450. Todestages der Märtyrer Adolf Clarenbach und Peter Fliesteden. Köln 1981. Auch die in Köln aktive Täufergemeinde konnte nur im Untergrund wirken. Eine Ausnahme bildete die Amtszeit des evangelisch orientierten Erzbischofs Hermann V. von Wied. (PDF; 77 kB) So konnte beispielsweise Menno Simons zwischen 1544 und 1546 relativ frei in Köln wirken. Schon 1566 jedoch wurde der täuferische Lehrer Mathias Zerfaß denunziert, gefoltert und unter Anteilnahme vieler Zuschauer verbrannt. Das Märtyrerlied Etliche hatten Mitleiden erinnert noch heute an ihn. 1558 wurde der mennonitische Prediger Thomas von Imbroich gefoltert und enthauptet. Trotzdem kam es schon früh zu vier Gemeindegründungen, die später in der Evangelischen Gemeinde Köln zusammengefasst wurden: die niederländisch-reformierte (Konsistorialprotokolle ab 1571 erhalten),Rudolf Löhr: Protokolle der Niederländisch-Reformierten Gemeinde in Köln 1651 - 1677, 2 Bde., Rheinland Verlag Düsseldorf: Köln 1971. die französisch-reformierte (Namen einiger Prediger aus der Zeit von 1576 bis 1605 bekannt), die deutsch-reformierte (wohl ab 1572) und die deutsch-lutherische Gemeinde (nachweisbar ab 1575). Teilweise wurden die Gemeindeglieder von Pfarrern aus Mülheim seelsorgerisch betreut. 1586–1587 war Philipp Nicolai im Geheimen evangelischer Pfarrer in Köln. Nur außerhalb des damaligen Stadtgebietes konnte es zu offiziellen evangelischen Gottesdiensten kommen. Der Rat der Stadt verwehrte den Protestanten ab dem Jahr 1583 sogar das Begräbnis innerhalb der Stadtmauern. Somit liegt auch die älteste evangelische Begräbnisstätte vor den Toren des damaligen Stadtgebiets: Nach dem Dreißigjährigen Krieg konnten die evangelischen Christen ihre Verstorbenen auf dem sogenannten Geusenfriedhof, etwa 1,5 Kilometer vor der Stadtmauer, also auf kurkölnischem Gebiet, bestatten. Dieser Friedhof wurde von Reformierten und Lutheranern gemeinschaftlich angekauft, genutzt und finanziert.
Selbst als Kaiser Joseph II. 1788 den Protestanten das Privileg einräumte, ein „eigenes Beth-, Schul- und Predigerhaus“ zu bauen, wurde dies durch die Kölner Katholiken verhindert.
Dies änderte sich erst mit dem Einmarsch der französischen Revolutionstruppen 1794.
Evangelische Gemeinde Köln mini|Gedenkplakette in der Schildergasse zum ersten offiziellen protestantischen Gottesdienst auf Kölner Stadtgebiet mini|hochkant|Antoniterkirche
Am 17. November 1797 erhielten die Protestanten das volle Bürgerrecht. In den „Organischen Artikeln“, die April 1802 in Kraft traten, wurde den Kölner Evangelischen – damals bestehend aus etwa 650 reformierten und 160 lutherischen Christen – das Recht zur freien Kulturausübung zugesprochen. Somit durften auch die Protestanten innerhalb der Stadtmauern Gottesdienste feiern.
Reformierte und lutherische Protestanten feierten am Sonntag Rogate, 23. Mai 1802, gemeinsam im Haus der Brauerzunft in der Schildergasse ihren ersten öffentlichen Gottesdienst in Köln. In der Folge wurde im Wechsel der Gottesdienst von lutherischen und reformierten Pfarrern gehalten – in Köln wurde somit trotz noch teilweise bis 1973 bestehender Differenzen die Kirchenunion bereits praktiziert, bevor sie im Gefolge von König Friedrich Wilhelm III. proklamiert wurde. Zudem strukturierte die Evangelische Gemeinde Köln mit der Kölner Kirchenordnung von 1825, die mit lutherischem, reformiertem und uniertem Siegel versehen ist, noch vor der Rheinischen Ordnung von 1835 ihr Kirchenleben und wirkte auch hier modellhaft für die ganze Evangelische Kirche im preußischen Herrschaftsbereich.Barbara Becker-Jákli: Die Protestanten in Köln. Die Entwicklung einer religiösen Minderheit von der Mitte des 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Schriftenreihe des Vereins für Rheinische Kirchengeschichte 75. Rheinland-Verlag Köln, 1983.
Erster gewählter lutherischer Pfarrer der Gemeinde war 1803 Christian Gottlieb Bruch, der Großvater des Komponisten Max Bruchhttp://www.antonitercitykirche.de/Geschichte.aspx Abgerufen am 16. Oktober 2011., Friedrich Wilsing war erster reformierter Pfarrer. Von der französischen Stadtverwaltung erhielt die Evangelische Gemeinde die Antoniterkirche, die nach einigen Umbaumaßnahmen 1805 in evangelischen Dienst genommen werden konnte. Website kirche-koeln.de. Abgerufen am 4. Mai 2005.
Nachdem Köln 1815 preußisch geworden war, gehörten die Gemeinden zur Evangelischen Kirche in Preußen beziehungsweise deren rheinischer Provinzialkirche. 1826 vereinigten sich die Kölner Gemeinden offiziell zur Evangelischen Gemeinde Köln, die Muttergemeinde der linksrheinischen Gemeinden auf Kölner Stadtgebiet, die ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts selbständig wurden, also der Evangelischen Gemeinden Deutz (1857 eigenständig geworden), Ehrenfeld (1878), Nippes (1881), Lindenthal (1888) und Bayenthal (1898), die wiederum Muttergemeinden weiterer Gemeinden wurdenGünther A. Menne, Christoph Nötzel (Hrsg.): Evangelische Kirchen in Köln und Umgebung. J.P. Bachem Verlag, Köln 2007, S. 56 ISBN 3-7616-1944-8.. Die evangelischen Gemeinden im rechtsrheinischen Köln haben als ihre Muttergemeinde nicht die Gemeinde in Köln, sondern die in Mülheim. Hier, im Herzogtum Berg, durften die Evangelischen schon zu Beginn des 17. Jahrhunderts eigene Kirchen bauen. Allerdings wurde die lutherische Kirche in Mülheim schon zu Beginn des Dreißigjährigen Kriegs zerstört. Ein Neubau fiel dem großen Rheinhochwasser von 1784 zum Opfer. Dennoch ist die 1786 vollendete Mülheimer Friedenskirche die älteste evangelische Kirche auf heutigem Kölner Stadtgebiet.
Die folgenden Jahrzehnte sind geprägt von einem wachsenden Selbstbewusstsein der evangelischen Kölner. Aus einer ehemals unterdrückten Minderheit rekrutierte sich in Köln zunehmend die wirtschaftlich starke Oberschicht.Ulrich S. Soénius: Neue Impulse in der Kölner Wirtschaft durch protestantische Zuwanderer. Vortrag beim Jahresempfang des Evangelischen Stadtkirchenverbandes Köln, 29. September 2002. In: Innovativ, unternehmerisch erfolgreich, gemeinwohlorientiert. Protestantische Unternehmer und Stifter im 19. und 20. Jahrhundert in Köln. Köln 2003, S. 7–20. Als die Evangelische Gemeinde Köln wuchs, wurde die Antoniterkirche zu klein, weshalb die Evangelische Gemeinde über einen Neubau nachdachte. Auch Friedrich Wilhelm IV. schaltete sich in die Debatte ein. Resultat war die 1860 eingeweihte Trinitatiskirche in der Nähe des Heumarkts. Diese ist eine repräsentative Kirche, die als protestantisches Gegenstück zu den großen romanischen Kirchen und dem kurz vor seiner Vollendung stehenden Dom geplant wurde. Diese ist heute als Kulturkirche in Nutzung des Evangelischen Kirchenverbands Köln und Region und keine Gemeindekirche mehr.Rolf Domning für den Evangelischen Kirchenverband Köln und Region (Hrsg.): Toccata: 150 Jahre evangelische Trinitatiskirche zu Köln; Einweihung der Klais-Orgel op. 1643, Rheinbach 2010, ISBN 978-3-87062-110-0
Als nächster Neubau folgte die Christuskirche 1894 im Zuge des Ausbaus der Kölner Neustadt um die Kölner Ringe, die unter anderem Predigtstätte von Carl Jatho war. Als fünfte evangelische Kirche wurde die Lutherkirche am Sonntag Rogate, 20. Mai, 1906 eingeweiht.
1913 wurde die Kreuzkirche in der Machabäerstraße eingeweiht, die heute als Jugendherberge dient.Matthias Pesch: Kreuzkirche wird zur Herberge. In: Kölner Stadtanzeiger. 12. Februar 2009, abgerufen am 4. Dezember 2017.
1928 erhielt die Evangelische Gemeinde im Tausch mit St. Pantaleon das verfallene Gelände des ehemaligen Kartäuserklosters, wo dann unter anderem der „rote Pfarrer“ Georg Fritze wirkte. Das Presbyterium der Evangelischen Gemeinde Köln erlaubte hier im Jahr 1927 mit Ina Gschlössl erstmals einer Frau, ein Vikariat zu beginnen – wenngleich dies noch im gleichen Jahr wieder revidiert wurde.
1964 wurde das Jeremiahaus in der Mozartstraße 15 eingeweiht, das im Erdgeschoss einen großen Saal für Gottesdienste und Veranstaltungen beherbergte. Nach über vier Jahrzehnten des Bestehens wurde es am Totensonntag 2006 entwidmet und seitdem als gewöhnliches Wohnhaus weitergenutzt.Günther A. Menne, Christoph Nötzel (Hrsg.): Evangelische Kirchen in Köln und Umgebung. J.P. Bachem Verlag, Köln 2007, ISBN 3-7616-1944-8.Jeremiahaus. Artikel im Kölnwiki, abgerufen am 28. Mai 2022.
Keimzelle der Thomaskirche am Neusser Wall/Lentstraße ist ein Gemeindehaus mit anschließendem Pfarrhaus, das 1968 errichtet wurde. Die Kirche selbst wurde erst 1987 fertiggestellt.Evangelische Gemeinde Köln (Hrsg.): Thomashaus. Eine Gabe für Gemeindeglieder und Freunde des Hauses anlässlich der Einweihung des Kirchbaus. Eigenverlag, Köln 1987.
Abspaltung einer altlutherischen Gemeinde mini|Die Altlutherische Kirche am Pantaleonswall 1900
Zur Mitte des 19. Jahrhunderts kam es zu einem verstärkten Zuzug lutherischer Kaufleute aus Süddeutschland nach Köln. Als der lutherische Kaufmann August Wilhelm Riemer aus Nürnberg sich 1841 in Köln niederließ, fand er keine eigene lutherische Gemeinde innerhalb des unierten evangelischen Kölns vor. Er und andere empfanden die Gottesdienste als zu sehr calvinistisch geprägt und mit einem anderen Abendmahlsverständnis als etwa in der lutherischen Kirche Frankens. So begannen Riemer und gleichgesinnte Gläubige lutherische Hausgottesdienste zu feiern. Schließlich bildete man mit Düsseldorfer Lutheranern eine Gemeinde, die am 8. August 1851 staatlich anerkannt wurde. Die Gemeinde schloss sich der Altlutherischen Kirche in Preußen an und konnte am 5. August 1900 am Pantaleonswall eine neugotische Kirche weihen. Diese wurde im Zweiten Weltkrieg bis auf die Grundmauern zerstört. Am 3. Advent 1952 konnte dort die neue St. Johannis-Kirche geweiht werden. Die Gemeinde gehört heute zur Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche.Pfarrer Albrecht Adam: 160 Jahre St. Johannis-Gemeinde. In: Gemeindebrief der evangelisch-lutherischen St. Johannis-Gemeinde Köln-Bonn-Aachen, Oktober-Dezember 2011.
Expansion über die Evangelische Gemeinde Köln hinaus mini|Christuskirche Köln im Jahr 1895