Der Lahnwanderweg ist ein rund 295 km langer Wanderweg im Lahntal, der von der Quelle des Flusses bei Netphen über Marburg, Gießen, Wetzlar, Weilburg, Limburg, und Bad Ems nach Lahnstein an den Rhein führt. Der Lahnwanderweg ist damit die Verbindung zwischen dem Rothaarsteig in Nordrhein-Westfalen und dem Rheinsteig in Rheinland-Pfalz.
Kurzbeschreibung mini|Wegweiser des Lahnwanderwegs am Frauenkreuz bei Lahnau Der Lahnwanderweg beginnt im Siegerland und folgt von der Quelle aus dem Quellbach der Lahn bis nach Bad Laasphe. Hinter der Landesgrenze zu Hessen leitet der Lahnwanderweg ins Lahn-Dill-Bergland und steuert dann Marburg an. Durch den Krofdorfer Forst führt er nach Wetzlar. Ab Wetzlar trennt die Lahn den Taunus vom Westerwald. Der Lahnwanderweg führt abwechselnd links und rechts des Flusses westwärts und passiert dabei Braunfels, Weilburg und Limburg an der Lahn. Hinter Limburg erreicht der Lahnwanderweg Rheinland-Pfalz und leitet über Diez nach Nassau. Nächster Zielpunkt ist Bad Ems, bevor es durch die Ruppertsklamm nach Lahnstein zur Mündung der Lahn in den Rhein geht. Nahezu alle Etappen beginnen und enden an Bahnhöfen.
Als Nebenstrecken werden der Kelten-Römer-Pfad (zwischen Waldgirmes und Gießen), der Zuweg zwischen Krofdorf-Gleiberg und Gießen sowie die Bergmannsroute als alternative Strecke von Wetzlar nach Braunfels vorgeschlagen. Diese werden, sofern sie über eigene Wanderwegsprädikate verfügen, unter dem Namen Lahn-Facetten vermarktet.
Entlang der Strecke sind unter anderem sehenswert:
Lahnquelle Schloss Wittgenstein Rimbergturm Burg Weißenstein Altstadt von Marburg Burg Vetzberg Burg Gleiberg Schloss Braunfels Wildpark Tiergarten Weilburg Kubacher Kristallhöhle Lahnmarmor-Museum Villmar Burg Runkel Altstadt von Limburg an der Lahn mit Dom Altstadt und Schloss in Diez Zeche Laurenburg Steinsches Schloss bei Nassau Ruppertsklamm bei Lahnstein
Geschichte Das touristische Wandern entlang der Lahn hat eine lange Geschichte. Die Tour des jungen Johann Wolfgang von Goethe am 11. September 1772 von Wetzlar nach Ems ist dabei nur das bekannteste Beispiel. Im frühen 19. Jahrhundert wurden verschiedene begleitende Routen zur Lahn angelegt, meist als Höhenwege über Erhebungen abseits des eigentlichen Flussverlaufs. Seit den 1980er Jahren bemühen sich die Kommunen und Landkreise um die Förderung des Sanften Tourismus auf und am Fluss, zunächst mit Schwerpunkt auf Paddeltourismus und Radfahren, zunehmend aber auch mit Blick auf Wanderer. Als Folge dieser Bemühungen wurden verschiedene bestehende Routen überarbeitet, verbunden und ausgeschildert. 1994 wurde dieses Wegesystem als Lahnhöhenweg offiziell eingeweiht.
2002 wurde der Lahntal Tourismus Verband gegründet, dem zahlreiche Kommunen und Tourismusverbände der Region angehören. Im Rahmen des Verbands kam die Idee auf, eine Wanderroute zu schaffen, die den inzwischen gewandelten Vorstellungen zum Wandertourismus besser entsprechen sollte. Insbesondere sollte der neue Wanderweg näher an kulturelle Sehenswürdigkeiten und interessante Naturräume heranführen, um möglichst viel Abwechslung zu bieten, und möglichst wenig über asphaltierte Strecken verlaufen, auch wenn dies stellenweise zu einem größeren Abstand zum Flussufer und zu stärkeren Steigungsstrecken führen sollte. Ein weiterer Leitgedanke der Neugestaltung war eine möglichst gute Anbindung an den ÖPNV sowie eine bessere Beschilderung. Insgesamt sollten die Qualitätskriterien erfüllt werden, die verschiedene Akteure in den vorangegangenen Jahren für eine Zertifizierung aufgestellt hatten. In die Ausarbeitung des Lahnwanderwegs wurden auch die Wander- und Gebirgsvereine einbezogen, die im Lahntal aktiv sind: Sauerländischer Gebirgsverein, Oberhessischer Gebirgsverein, Vogelsberger Höhen-Club, Taunusklub und Westerwaldverein.
Nach mehrjähriger Vorbereitung, insbesondere mit Blick auf Forstrecht und Umweltschutz, wurde 2010 das erste Teilstück des Lahnwanderwegs am Unterlauf, dort in wenigen Teilen auf der alten Route des Lahnhöhenwegs, eröffnet. Die vollständige Eröffnung erfolgte 2012. Im Januar 2013 wurde der Lahnwanderweg vom Deutschen Wanderverband mit dem Prädikat Qualitätsweg Wanderbares Deutschland ausgezeichnet.
Verlauf + Übersicht über die Etappen des Lahnwanderwegs Etappe Start Ziel Strecke(km) Gehzeit(h) Schwierigkeit 1 Lahnquelle Feudingen 14,3 4,5 mittel 2 Feudingen Bad Laasphe 16,8 5 mittel 3 Bad Laasphe Biedenkopf 17,5 5,5 mittel 4 Biedenkopf Buchenau 12,5 3,5 leicht 5 Buchenau Caldern 13,3 4 mittel 6 Caldern Marburg 15,9 5 mittel 7 Marburg Fronhausen 24,5 7,5 schwer 8 Fronhausen Lollar 11,9 3,5 leicht 9 Lollar Rodheim-Bieber 21,4 7 mittel 10 Rodheim-Bieber Wetzlar 16,4 4,5 mittel 11 Wetzlar Braunfels 13,0 4 leicht 12 Braunfels Weilburg 18,1 6 mittel 13 Weilburg Aumenau 19,4 6,5 mittel 14 Aumenau Villmar 12,7 4 leicht 15 Villmar Limburg 13,5 4,5 mittel 16 Limburg Balduinstein 13,8 4,5 mittel 17 Balduinstein Obernhof 19,3 6,5 schwer 18 Obernhof Bad Ems 19,5 7 schwer 19 Bad Ems Niederlahnstein 16,4 5 mittel
Die Aufteilung in 19 Etappen soll eine möglichst flexible Gestaltung des Wandererlebnisses ermöglichen. Der Lahntal Tourismus Verband schlägt als eine Variante vor, jede einzelne Etappe als Tagestour anzugehen und den gesamten Weg in drei Wochen mit jeweils sechs bzw. sieben Marschtagen anzugehen. Als Alternative kann der Weg auch in sechs langen Wanderwochenenden mit jeweils drei bzw. vier Tagesetappen angegangen werden: Lahnquelle bis Biedenkopf, Biedenkopf bis Marburg, Marburg bis Gießen, Gießen bis Weilburg, Weilburg bis Balduinstein und Balduinstein bis Lahnstein. Eine weitere Variante ergibt sich durch die Aufteilung der vorletzten, mit 22 Kilometern längsten Etappe von Obernhof/Weinähr nach Bad Ems in zwei Tagesstrecken mit Zwischenübernachtung in Laurenburg.
Bei der Detailplanung der Tagesetappen wurde die im anfänglichen Konzept geforderte gute Verkehrsanbindung umgesetzt: 18 der 19 Etappen enden an Bahnhöfen und eine an einer Bushaltestelle. Der Weg ist in beide Gehrichtungen markiert, sowohl flussab- wie -aufwärts. Auch in verschiedenen Tourenplanern findet man beide Etappenbeschreibungen.
Der Lahnwanderweg ist auf seiner Strecke durch Wegzeichen mit den stilisierten Buchstaben „LW“ in Dunkelrot auf weißem Grund markiert.
Rundwege (in Auswahl):
+ Nebenstrecken des Lahnwanderwegs Name Start Ziel Strecke(km) Gehzeit(h) Schwierigkeit Markierung Kelten-Römer-Pfad Waldgirmes Gießen 38,2 11 leicht Dunkelrotes „KR“ auf weißem Grund im Schriftstil der Hauptmarkierung Zuweg Gießen Gießen Krofdorf-Gleiberg 7,2 2 leicht Markierung des Hauptwegs auf gelbem Grund Bergmannsroute Wetzlar Wetzlar 26,4 10 leicht Stilisierte Schlägel und Eisen in Schwarz
Rundwege (in Auswahl) Der Lahnwanderweg verfügt über mehrere Zuwege (zum Beispiel nach Gießen) und ist außerdem in ein Netz aus Rundwegen eingebettet. Diejenigen Rundwanderwege, die mit einem Wegeprädikat ausgezeichnet wurden, werden im Lahntal als „Lahn-Facetten“ bezeichnet.
Kelten-Römer-Pfad mini|Rekonstruiertes Tor an der Ringwallanlage Dünsberg Distanz: 38,2 km Gehzeit: 11 Stunden Schwierigkeit: leicht
Ort/Sehenswürdigkeit Strecke(km) Höhe(m ü. NHN) Weitere Informationen Beginn Waldgirmes 0 Römerforum Ende Tagesetappe 1 9,9 195 Bahnhof Rodheim-Bieber Ende Tagesetappe 2 23,1 Ortsmitte Fellingshausen Ende Tagesetappe 3 38,2 Bahnhof Gießen
Beschreibung Der vom Landkreis Gießen betreute Kelten-Römer-Pfad ist auf drei Tagesetappen ausgelegt und befasst sich mit der antiken Geschichte der Region.
Startpunkt ist das Römerforum in Waldgirmes. Der Weg folgt kurz darauf einem Waldlehrpfad bis zu einer Schutzhütte am Frauenkreuz, um dann auf dem Lahnwanderweg bis zum Ende der ersten Tagesetappe in Rodheim-Bieber zu verlaufen.
Die zweite Etappe verläuft von Rodheim-Bieber zunächst auf dem Lahnwanderweg zurück, um an einem Hochbehälter nach rechts abzubiegen. An Reh-, Stein-, Stroh- und Obermühle vorbei überschreitet die Route den Dünsberggraben und steigt zum Dünsberg auf. Dieser höchste Berg der Region war ein keltischer Siedlungsplatz, dessen drei Ringwälle auch heute noch gut zu erkennen sind. Für Wanderer ist dort ein Rastplatz mit Bänken vorhanden. Vorbei an einem rekonstruierten Keltenhof am Fuß des Bergs führt die Etappe zu ihrem Ziel im Ortskern von Fellingshausen.
Die letzte Etappe verläuft zunächst auf dem Weg der Voretappe nach Fellingshausen wieder zurück und biegt an der Toteneiche in ein dichtes Waldgebiet ein. Nahe der Burgruine Vetzberg geht der Weg in die offene Feldgemarkung über. An der Ruine verläuft die Nebenstrecke kurz deckungsgleich mit der Hauptstrecke des Lahnwanderwegs, verlässt diese aber am Südrand von Krofdorf-Gleiberg wieder. Von hier an verläuft der Kelten-Römer-Pfad über den Zuweg Gießen des Hauptwegs.
Bergmannsroute mini|hochkant|Klosterkirche Altenberg
Siehe Hauptartikel Bergmannsroute
Distanz: 26,4 km Gehzeit: 10 Stunden Schwierigkeit: leicht
Dieses Nebenstrecke thematisiert die Bergbautradition in der Region Lahn-Dill. Vom Bahnhof Wetzlar aus ist die erste Markierung in der Lahnstraße zu finden. Von dort führt der Weg unmittelbar am Ufer der Lahn entlang aus der Stadt hinaus in den Stadtteil Dalheim. Die anschließende Steigung ermöglicht einige Panoramablicke in die Landschaft. Kurz darauf bieten sich das ehemalige Kloster Altenberg und das Besucherbergwerk Grube Fortuna als Zielpunkte an. Die Grube verfügt über einen oberirdischen Bergbau-Lehrpfad.
Kurz hinter der Grube folgt der Rastplatz „Karls-Ruhe“ an der Schäferburg. Der Weg führt am Ortsrand von Niederbiel und schließlich auf dem letzten Teilstück an der Bundesstraße 49 entlang nach Leun. Dort geht es am Bahnhof vorbei wieder aus dem Ort hinaus und durch dichten Buchenwald bergauf nach Braunfels. Durch den Schlosspark ist das Schloss Braunfels zu erreichen, an dem die Bergmannsroute wieder in den Lahnwanderweg mündet.
HöhenLuft Distanz: 10,4 km Gehzeit: knapp 4 Stunden Schwierigkeit: mittel
Diese Lahn-Facette beginnt und endet im Kurgebiet von Bad Ems, an der Kreuzung von Römerstraße und Grabenstraße unmittelbar am Lahnufer. Über Grabenstraße, Pfahlgraben und Ernst-Vogler-Weg überwinder sie, teils in Serpentinen, den Anstieg in die bewaldeten Hänge des Tals oberhalb der Kurstadt. Die Route führt unmittelbar am trutzigen Bismarckturm vorbei, der zwar nicht besteigen werden kann aber mit einer Gaststätte aufwartet. Nach wenigen hundert Metern durch ein Wohngebiet auf der Otto-Balzer-Straße folgt ein Abschnitt auf der Dr.-Waldemar-Kühnel-Promenade und der Bismarckpromenade der in Teilen am Rand des Kurparks Bismarckhöhe entlang führt. Danach taucht sie in die dichten Mischwälder der Lahnhöhe ein, kommt an den Resten eines römischen Limesturms und dem Hügelsporn der Hohen Bann vorbei, um sich am südlichen Ortsrand von Kemmenau wieder dem Abstieg zuzuwenden. Am Rahmberg und der Wochenendsiedlung Odenbach vorbei folgt ein weiterer, kleinerer Anstieg zum Concordiaturm mit Aussichtsplattformen und Restaurant. Von dort ist es nur noch ein kurzer Abstieg bis zum Ausgangspunkt.
Tagestouren/Etappen 1. Etappe: Lahnquelle – Feudingen mini|Blick auf den Quellteich der Lahn Distanz: 14,3 km Gehzeit: 4,5 Stunden Schwierigkeit: mittel
Ort/Sehenswürdigkeit Strecke(km) Höhe(m ü. NHN) Weitere Informationen Lahnquelle 0 607 Bushaltestelle Wanderparkplatz 0,6 608 Schutzhütte und Denkmal liegen 200 Meter unterhalb Märchenweg „Kleiner Rothaar“ 3,4 657 Weg mit Märchenfiguren, teilweise deckungsgleich Ilsequelle 4,0 614 Bänke und Tische zur Rast Heiligenborn 5,2 604 Bushaltestelle Wanderparkplatz 5,7 625 Aussichtsplatz oberhalb Feudingen 11,8 490 Etappenende Feudingen 14,3 392 Straße „Zum Eichholz“ und Sieg-Lahn-Straße führen zum Bahnhof.
Beschreibung