Edenbergen ist ein Dorf und Stadtteil von Gersthofen im schwäbischen Landkreis Augsburg in Bayern. Am 31. Juli 2021 lebten im Ort, zu dessen Gemarkung auch der Weiler Gailenbach und die Gailenbacher Mühle gehören, 301 Einwohner.Stadt Gersthofen: , abgerufen am 17. Februar 2016.
Neben dem Schloss Gailenbach, das bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts von Familien des Augsburger Patriziats bewohnt wurde, ist Edenbergen vor allem auch durch die gleichnamige Autobahnraststätte an der Bundesautobahn A 8 bekannt.
Geographie Lage Edenbergen liegt auf einer Höhe von bis zu auf einem Höhenrücken, der nach Norden vom Tal des Böglebachs und nach Süden vom Tal des Gailenbachs begrenzt wird. Der Böglebach wird aus naheliegenden Gründen auch Nebelbach genannt, der Gailenbach ist nach seiner gleichnamigen Quelle auch als Schwefelbach bekannt. Beide Bäche durchfließen die Gemarkung des Dorfes von Westen nach Osten und münden in die Schmutter, welche in Süd-Nord-Richtung am östlichen Rand der Edenberger Gemarkung fließt. An diesem Fluss liegt die Gailenbacher Mühle, die wie auch der südöstlich der geschlossenen Bebauung des Dorfes gelegene Weiler Gailenbach zur Gemarkung Edenbergens gehört.Hans Eberlein: Grundriß der Heimatkunde des Landkreises Augsburg. 2. Auflage, neu bearbeitet von Hermann Endrös und Johannes Krausse, Eigenverlag des Landkreises Augsburg, Augsburg; 1969.
Die Gemarkung des Dorfes zieht sich in einem langen, schmalen Streifen vom im Osten gelegenen Tal der Schmutter nach Westen in den Naturpark „Augsburg – Westliche Wälder“ hinein. Dementsprechend sind etwa 217 Hektar und damit fast die Hälfte der Fläche der Gemarkung, die insgesamt 441,46 Hektar umfasst, bewaldet.Stadt Gersthofen: Daten & Zahlen, abgerufen am 29. Februar 2020. Direkte Nachbargemeinden sind im Norden Rettenbergen, im Osten Batzenhofen, im Süden Täfertingen und Aystetten und im Westen Adelsried. Augsburg als nächstgelegene Großstadt ist etwa sieben Kilometer Luftlinie entfernt.Orte in Deutschland: Entfernung von Augsburg nach Edenbergen, abgerufen am 17. Februar 2016. Im Süden verläuft über eine weite Strecke der Gemarkung die Autobahn A 8 (München – Augsburg – Stuttgart).
Klima
Edenbergen befindet sich in der kühlgemäßigten Klimazone am Übergangsbereich zwischen dem ozeanischen Klima Westeuropas und dem Kontinentalklima Osteuropas, wodurch sich das Wetter relativ wechselhaft darstellt. Die Sommerzeiten sind warm, aber nicht übermäßig heiß; in den Wintermonaten kommt es zu Frostepisoden, übermäßige Kältephasen treten aber selten auf. Größere Niederschlagsmengen sind vor allem von Juni bis August zu verzeichnen. Über längere Zeit anhaltende Trockenperioden treten vor allem im Spätsommer und Frühherbst auf. Die Temperatur beträgt im Jahresmittel etwa 8,4 Grad Celsius, die jährliche Niederschlagsmenge etwa 811 Millimeter.
Lokal haben vor allem die Täler des im Norden verlaufenden Bögle- und des im Süden verlaufenden Gailenbachs Bedeutung. Hierdurch kommt es insbesondere in der Herbstzeit häufig zu Nebeltagen. Daneben war Edenbergen in seiner Geschichte bedingt durch die Lage zwischen den beiden genannten Bächen sowie der Schmutter bei Unwetterlagen schon mehrmals von Hochwassersituationen betroffen, die insbesondere in den letzten Jahren zu einem Ausbau der entsprechenden protektiven Strukturen führten.
Im Bereich des Höhenrückens bietet sich vom östlichen Ortsrand aus eine gute Fernsicht auf den Ballungsraum Augsburg, die insbesondere durch den Einfluss des Alpenföhns wesentlich ausgedehnt werden kann: Durch sehr warme und trockene Luftströmungen, die aus südlicher Richtung über das Alpenvorland und das Lechfeld ziehen, können von hier aus auch die Allgäuer und Bayerischen Alpen zu sehen sein.Westermann Wien: , abgerufen am 18. Februar 2016.
Bevölkerung Demographie Edenbergen ist der kleinste Stadtteil Gersthofens und macht nur etwa 1,5 Prozent der gesamten Einwohnerzahl der Stadt aus. Am 1. Juli 2009 lebten im Bereich der Gemarkung insgesamt 304 Menschen mit Haupt- und Nebenwohnsitz, von denen 148 Bewohner weiblichen und 156 männlichen Geschlechts waren – das entspricht einem Frauenanteil von 48,7 Prozent. Zu diesem Zeitpunkt betrug die Bevölkerungsdichte damit 69 Einwohner pro Quadratkilometer. Nach einem zeitweisen Anstieg der Einwohnerzahl bis auf 337 am 31. Dezember 2015Stadt Gersthofen: . fiel diese wieder etwas ab, so dass Edenbergen zum 31. Juli 2021 301 Einwohner hatte.
Entwicklung der Einwohnerzahl mini|Einwohnerentwicklung von Edenbergen
Jahr Einwohner 1809Chronik der Stadt Gersthofen 969–1989. Gersthofen, 1989; S. 239. 146 1840 168 1864Anton Steichele: Das Bistum Augsburg, historisch und statistisch. Band 2, B. Schmid’sche Verlagsbuchhandlung, Augsburg, 1864; S. 23. 145 1900 172 1910Meyers Orts- und Verkehrslexikon, 5. Auflage; Leipzig und Wien, 1912. Digitalisierte Ausgabe. 174 1925 165 Jahr Einwohner 1933 168 1939 168 1946 273 1950 278 1961 237 1970 340 Jahr Einwohner 1975 401 1977 392 1987 351 1988 347 1989 350 1997Statistik des Einwohnermeldeamtes Gersthofen, Dezember 1997. 318 Jahr Einwohner 1999Statistik des Einwohnermeldeamtes Gersthofen, Dezember 1999. 306 2002Statistik des Einwohnermeldeamtes Gersthofen, Dezember 2002. 315 2005Bürgerinformation Gersthofen 2005. Gersthofen, 2006. 318 2006Bürgerinformation Gersthofen 2006. Gersthofen, 2007. 319 2007Bürgerinformation Gersthofen 2007. Gersthofen, 2008. 309 2008Bürgerinformation Gersthofen 2008. Gersthofen, 2009. 302 Jahr Einwohner 2009Statistik des Einwohnermeldeamtes Gersthofen, Dezember 2009. 304 2010Statistik des Einwohnermeldeamtes Gersthofen, Dezember 2010. 304 2013Statistik des Einwohnermeldeamtes Gersthofen, Dezember 2013. 312 2014Statistik des Einwohnermeldeamtes Gersthofen, Dezember 2014. 316 2015 337 2019 315
Religionen Die Bewohner des Dorfes sind mehrheitlich römisch-katholischen Glaubens und gehören der Pfarrei Sankt Martin im benachbarten Batzenhofen an, die Teil des Dekanates Augsburg-Land im Bistum Augsburg ist.Bistum Augsburg: Pfarrei St. Martin – Batzenhofen, abgerufen am 17. Februar 2016. Edenbergen besitzt keine eigene Kirche, dafür befinden sich im Bereich der Gemarkung insgesamt drei Marienkapellen.
Die protestantischen Bürger Edenbergens gehören einer evangelisch-lutherischen Diasporagemeinde um die Bekenntniskirche in Gersthofen an, welche neben den anderen Stadtteilen außerdem die Gemeinden Gablingen, Heretsried und Langweid am Lech umfasst.Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Gersthofen: Unser Gemeindegebiet, abgerufen am 17. Februar 2016.
Geschichte Edenbergen Edenbergen wurde vermutlich im 11. Jahrhundert von Batzenhofen aus auf dem gerodeten Ödland des Höhenrückens zwischen Bögle- und Gailenbach gegründet, was sich in dem heute bestehenden Ortsnamen widerspiegelt, der in dieser Form seit 1475 belegt ist. Bis dahin wird von dem Dorf in verschiedenen Abwandlungen als „Bergen“, „Bergen by Patzenhouen“ (dem heutigen Batzenhofen) und ab 1405 als „Oedenberg in Patzenhouer pfarr“ berichtet.Festschrift zum 125-jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Edenbergen. Edenbergen, 2001. Der Name „Bergen“ als Kurzform ist allerdings auch noch heutzutage vor allem unter den älteren Bewohnern des Dorfes üblich.Augsburger Allgemeine: Ortsnamen: Edenbergen – öde oder kraftvoll?, Artikel vom 26. Mai 2015, abgerufen am 3. Oktober 2016.
Erste schriftliche Erwähnungen des Ortes, der damals zur Urmark Hirblingen gehörte, finden sich in den Jahren 1126 und 1179 in Urkunden des Klosters Sankt Ulrich in Augsburg. Der ursprüngliche Ortskern dürfte wohl aus den Anwesen des „Vorderbauers“, des „Bestibauers“ und aus einem Hof im Bereich des heutigen Anwesens Unger bestanden haben. Ein Leibdingbrief aus dem Jahr 1382 weist erstmals Besitz des Damenstifts Sankt Stephan aus Augsburg in Edenbergen aus, dessen historische Siedlungsstruktur lange Zeit erhalten blieb: 1738 umfasste das Dorf 25 Häuser und eine Söldhofstatt. Etwa zu dieser Zeit – 1753 – waren zwei der Häuser im Besitz des Domkapitels, eines im Besitz des Klosters Sankt Ulrich und der Rest im Besitz des Damenstiftes Sankt Stephan, das auch die „Niedrige Jurisdiction“ über den Ort innehatte. Zu dieser Zeit lebten die Bewohner vor allem von handwerklichen Tätigkeiten – in einem landeskundlichen Werk dieser Zeit heißt es über Edenbergen:
Als Folge des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803 verloren die kirchlichen Einrichtungen im Rahmen der Säkularisation in Edenbergen wie im gesamten Bayern sämtlichen weltlichen Besitz.Treml, Manfred (Hrsg.): Geschichte des modernen Bayern. Königreich und Freistaat. Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, München 2001, ISBN 978-3-87052-408-1 1834 bestand das Dorf aus drei Bauernhöfen, zwanzig Söldhofstätten und fünf Leerhäusern. Zu dieser Zeit lebten in Edenbergen um die 170 Bürger; durch die im Zuge der Industrialisierung einsetzende Landflucht verringerte sich deren Zahl aber zeitweise wieder bis unter 150 Einwohner.
Die historische Verbindung zum Nachbardorf Batzenhofen findet sich in kirchlicher, schulischer und staatlich-administrativer Form wieder. Edenbergen ist seit seiner ersten Überlieferung Teil der dortigen Pfarrei Sankt Martin und wurde auch nach Einführung der allgemeinen Schulpflicht dem Batzenhofener Schulsprengel zugeteilt. Zentralisierungsbestrebungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts brachten nicht nur die Auflösung des Schulverbandes Batzenhofen und die Zuteilung Edenbergens zum Hauptschulbereich Neusäß, sondern 1966 auch den Abzug des weit über hundert Jahre in Edenbergen beheimateten Revierforstamtes mit sich. 1911 erhielt Edenbergen durch die Einrichtung der Wasserquellengruppe am südlich der Gemarkung gelegenen Loderberg eine zentrale Wasserversorgung und 1920 einen Anschluss an das elektrische Netz. Im selben Jahr wurden eine umfassende Kanalisation eingerichtet, die Straßen ausgebaut und eine Flurbereinigung durchgeführt.
Im Ersten Weltkrieg fielen siebzehn männliche Dorfbewohner als Soldaten an verschiedenen Fronten in Europa. Zu ihrem Gedenken wurde 1921 neben der Ortskapelle ein Kriegerdenkmal errichtet, das nach dem Zweiten Weltkrieg um die Namen von acht Männern ergänzt werden musste.Onlineprojekt Gefallenendenkmäler: Edenbergen, Landkreis Augsburg, Bayern, abgerufen am 17. Februar 2016. Das Dorf selbst war während des Zweiten Weltkrieges dagegen von keinen Bombardierungen oder Kampfhandlungen betroffen. Gleichwohl beschäftigten verschiedene Bauern im Dorf während der Kriegszeit Zwangsarbeiter aus angeschlossenen oder besetzten Gebieten, darunter sind Frauen und Männer aus Italien, Polen, der Slowakei und der Ukraine belegt.Zwangsarbeiter in Gersthofen: Zwangsarbeiterlager vor Ort bei Bauern in Edenbergen, abgerufen am 17. Februar 2016. Am Nachmittag des 27. April 1945 wurde Edenbergen kampflos an die US-amerikanische Armee übergeben. Die Dorfbewohner wurden auf einem Feld westlich des Dorfes versammelt und mussten dort bis zum Abend unter Bewachung verharren, ehe sie in ihre Häuser zurückkehren durften, die bis dahin durchsucht worden waren.
mini|Edenbergen auf einer Luftaufnahme aus dem Jahre 1955 In der Nachkriegszeit begann sich der Wandel in der Landwirtschaft auf die Struktur des Ortes auszuwirken. Die Zahl der aktiven landwirtschaftlichen Betriebe nahm von da an stetig ab. So werden von damals 14 Bauernhöfen heutzutage nur noch zwei bewirtschaftet. Die fast vierzig Jahre vorher eingeführte Elektrizität führte erst 1958 zu einer vollständigen Straßenbeleuchtung Edenbergens und Gailenbachs, die durch von 1954 an nach und nach angebrachte Neonstraßenlampen erreicht wurde. 1960 wurde die Wasserversorgung des Dorfes durch eine Verlängerung des Hauptwasserstranges aus der Loderberggruppe verbessert. Ein Jahr später wurde das gesamte Straßennetz der Gemeinde neu ausgebaut und einige bis dahin nicht befestigte Wege asphaltiert.