Kelso (* 4. April 1957 in Paris, Kentucky; † 16. Oktober 1983 in Chesapeake City, Maryland) war ein erfolgreiches US-amerikanisches Vollblut-Rennpferd, das den Galopprennsport in den Vereinigten Staaten in der ersten Hälfte der 1960er Jahre dominierte. Aus unscheinbarer Zucht stammend entwickelte es sich unter seinem Trainer Carl Hanford zum größten Publikumsliebling des Pferderennsports seit mehr als 20 Jahren. Bis heute gilt Kelso als erfolgreichster Wallach aller Zeiten und war besonders für seine spektakulären Siege unter gravierenden Gewichtsnachteilen bei Ausgleichrennen (Handicaps) und seine viel gepriesene Leichtfüßigkeit und Eleganz berühmt. In seiner ungewöhnlich langen Rennkarriere – Kelso startete in acht Saisons – gewann er mehr Preisgeld als irgendein Pferd vor ihm und stellte einen Weltrekord, drei US-amerikanische Rekorde und acht Bahnrekorde auf oder egalisierte sie zumindest. Noch heute hält er mit einer Zeit von 3:19,20 min den US-amerikanischen Rekord über zwei Meilen.
Leben Frühe Jahre Kelsos Pedigree las sich nicht sonderlich vielversprechend. Er kam auf der Claiborne Farm nahe Paris, Kentucky, zur Welt und stammte von der Stute Maid of Flight und dem Hengst Your Host ab. Sein Vater, ebenfalls ein bekanntes Rennpferd, war in der Zucht noch nicht erwähnenswert in Erscheinung getreten und seine Mutter – obwohl wiederum Tochter des US Triple Crown-Siegers Count Fleet und Enkelin mütterlicherseits des berühmten Man o’ War – hatte in ihrer Rennkarriere nur drei von 18 Wettkämpfen gewonnen sowie bei Stakes-Rennen einige Podestplatzierungen erreicht und galt dementsprechend als so gut wie gänzlich unbekannt. Sie gebar Kelso als ihr erstes Fohlen und er war eines von 10.792 registrierten Fohlen des JahrgangsCindy Pierson Dulay: auf horseracing.about.com. Abgerufen am 25. September 2011. in den Vereinigten Staaten. Von Anfang an befand er sich im Besitz von Allaire du Pont (* 1913; † 2006), die in Chesapeake City, Maryland, die Woodstock Farm betrieb und mit ihren Pferden unter dem nom de course „Bohemia Stable“ (de.: „Stall Bohemia“) zu Rennen antrat. Seinen Namen erhielt er nach Kelso Everett, einem Freund seiner Besitzerin. Bei beiden bürgerte sich der Spitzname Kelly ein. Kelso war zunächst ein vergleichsweise problematisches Tier und wenig deutete darauf hin, dass es sich für den Rennsport eignen könnte. Er war dürr, verhältnismäßig klein und äußerst schwer zu beherrschen. Noch bevor er zum ersten Mal eine Rennbahn betrat, wurde er auf Wunsch du Ponts im Alter von zwei Jahren kastriert – in der Hoffnung, sowohl sein Wachstum noch etwas anzuregen als auch sein Gemüt zu beruhigen. Die Maßnahme zeigte jedoch nur wenig Erfolg; Kelso blieb zeitlebens ein eigensinniges und vergleichsweise unkultiviertes Tier – auch unter seinem Übungsreiter Dick Jenkins.
Trainiert von Dr. John Lee und geritten vom Jockey John Block debütierte Kelso am Freitag, den 4. September 1959„Kelso“ auf spiletta.com. Abgerufen am 25. September 2011. als Zweijähriger bei einem Rennen auf dem Atlantic City Race Course in Mays Landing, New Jersey. Es handelte sich um ein typisches Erstlingsrennen, an dessen Ende Kelso, der auch als 6:1-Favorit gehandelt wurde, vor 13.626 ZuschauernDuke (1999), S. 22. als Sieger die Ziellinie überquerte. Für die zweite Veranstaltung zehn Tage darauf galt er daher als leichter Favorit (4:1), musste sich aber dem Konkurrenten Dress Up geschlagen geben und konnte sich lediglich den zweiten Platz sichern. Auch beim dritten Rennen am 23. September führte er die Setzlisten mit 9:5 an – und erkämpfte sich hinter Windy Sands abermals den zweiten Rang. Nach dieser Rennserie binnen eines Monats endete Kelsos Saison als Freshman.
1960–1966: Rennkarriere Ein neuer Stern am Rennsporthimmel Zum Jahreswechsel wurde Lee in seiner Funktion als Trainer von Carl Hanford (* 1916; † 2011) abgelöst. Auf Grund dieser Personalentscheidung, die zunächst vollständig abgewickelt werden musste, begann Kelsos Saison als Dreijähriger – die gemeinhin wichtigste im Leben eines Rennpferdes – erst verspätet nach der prestigeträchtigen Triple Crown. Dieser Umstand sollte sich allerdings im weiteren Verlauf nicht negativ auswirken. Nach einigen kleineren Läufen gewann Kelso mit zehn Längen Vorsprung die Monmouth Stakes in Oceanport, New Jersey. Kelsos erster Sieg bei einem großen Rennen war demnach sehr überzeugend und es folgten binnen Jahresfrist sieben weitere. Insgesamt sicherte er sich 1960 mit überragender Quote acht Gewinne bei neun Starts. Beim Meilenrennen auf dem Aqueduct Racetrack in Queens stellte er mit einer Durchlaufzeit von 01:34,20 min einen neuen Rekord für seine Altersklasse auf und deklassierte die Konkurrenz. Es folgte ein Sieg mit sieben Längen Vorsprung bei den Choice Stakes und beim anschließend gewonnenen Jerome Handicap wurde der Wallach erstmals vom Jockey Eddie Arcaro (* 1916; † 1997) geritten. Um bei den so genannten Ausgleichrennen (en.: handicap races) gleiche Bedingungen zu schaffen, müssen stärkere Pferde nach einem Koeffizienten zugeordnete Gewichte tragen. So waren Kelso beim Erfolg im Discovery Handicap vier Kilogramm mehr umgeschnallt als dem Zweitplatzierten Careless John. Ein weiteres aufsehenerregendes Rennen gelang ihm bei den Lawrence Realization Stakes, als er Tompion, dem Favoriten für das Kentucky Derby, viereinhalb Längen abnahm und darüber hinaus die Rekordzeit von Man o’ War über 1005,842 Meter (1⅝ Meile) von 02:40,80 min egalisieren konnte. Zum Ende des Jahres setzte sich Kelso auch beim wichtigen Jockey Club Gold Cup im Belmont Park in Elmont, New York, durch – unter anderem gegen zwei ältere und somit erfahrenere Pferde. Im Anschluss an diesen Sieg äußerte Arcaro:
Kelso war das dominierende Rennpferd der Dreijährigen-Saison 1960 – lediglich bei seinem ersten Stakes-Rennen, den Arlington Classic, gelang es der Konkurrenz, ihn zu schlagen, und er beendete die Veranstaltung auf dem achten Rang – und wurde dementsprechend mit mehreren Auszeichnungen bedacht. Er erhielt von der auf den Pferderennsport fokussierten Zeitung Daily Racing Form die Ehrungen zum Outstanding U.S. 3-Year-Old Male Horse sowie zum U.S. Horse of the Year.
„Unschlagbarer“ Kelso Jahr Starts 1. Platz 2. Platz 3. Platz Preisgeld in $19593 1 2 03.38019609 8 0 0293.31019619 7 1 0425.565196212 6 4 0289.685196312 9 2 0569.762196411 5 3 0311.66019656 3 0 284.03419661 0 0 0500 Wie bereits im Jahr zuvor begann Kelsos Saison auch 1961 verspätet – weil er sich die Kniescheibe verdreht hatte, konnte er erst im Mai in das Renngeschehen eingreifen. Er gewann sieben seiner neun Starts und begeisterte mit seinen Auftritten stetig wachsende Zuschauerzahlen. Das Whitney Handicap in Saratoga, New York entschied er jedoch erst im Zuge einer Disqualifikation des ursprünglichen Siegers für sich, da ihm nachträglich der erste Platz zugesprochen wurde. Spätestens als er einen Erfolg um acht Längen bei den Woodward Stakes feierte, hatte er seine Dominanz bereits wiedergefunden. Das Washington Park Handicap schloss er zwar nur als Vierter ab, doch zum zweiten Mal hintereinander gewann er den Jockey Club Gold Cup – mit fünf Längen Vorsprung, was ihm weitere Anerkennung einbrachte. Sein am höchsten einzuschätzender Sieg 1961 war aber der Gewinn des New York Handicap Triple, das sich aus dem Metropolitan Handicap, dem Suburban Handicap und dem Brooklyn Handicap zusammensetzt. Alle drei Rennen werden im Belmont Park ausgetragen und sind jedes für sich bereits sehr prestigeträchtig. Seinen Auftritt beim Metropolitan beschrieb Hanford später als Kelsos bestes Rennen des ganzen Jahres und auch Zuschauer und Fachwelt zeigten sich euphorisiert vom Verlauf. Die Anreise verlief widrig und deshalb war es umso erstaunlicher, dass Kelso um den Sieg mitrennen konnte. Er trug 130 Pfund und lieferte sich über nahezu die gesamte Strecke Kopf-an-Kopf-Rennen, ehe er als Erster ins Ziel kam. Beim Suburban erhielt er seiner Favoritenrolle entsprechend Gewichte von 133 Pfund und gewann dennoch leichtfüßig um fünf Längen. Achtzehn Tage später trug er beim Brooklyn 136 Pfund – und damit achtzehn mehr als der am Ende zweitplatzierte Divine Comedy. Dieser lieferte sich zwar einen langen Zweikampf mit Kelso, doch Allaire du Ponts Pferd siegte schließlich mit etwas mehr als einer Länge. Kelso ging mit seinem Triumph als erst dritter Gesamtsieger des New York Handicap Triple in dessen bis dato 70-jähriger Historie in die Statistiken ein. Es ist wohl vor allem diesem Erfolg zu verdanken, dass er seinen Titel als Pferd des Jahres verteidigen konnte und er auch als herausragendes Rennpferd über drei Jahren ausgezeichnet wurde.
Eine Virusinfektion kostete Kelso Anfang 1962 wertvolle Vorbereitungs- und Trainingszeit. So war es wenig verwunderlich, dass er zu Saisonbeginn nicht übergangslos an die Erfolge des Vorjahres anknüpfen konnte. Bei seinem ersten Rennen, dem Metropolitan Handicap, reichte es für ihn unter 133 Pfund und mit Jockey Bill Shoemaker im Sattel nur zum sechsten Platz. Anschließend gewann er ein kleines Allowance-Meilenrennen zwar überlegen, musste sich aber im Suburban Handicap Beau Purple geschlagen geben. Auch beim Monmouth Handicap erreichte er – diesmal hinter Carry Back – nur den Silberrang. Diese drei Misserfolge veranlassten Hanford und du Pont zu einem Jockeywechsel, man verpflichtete Ismael „Milo“ Valenzuela (* 1934; † 2009). Diesem gelang es zunächst, Kelso zum Sieg in einem Purse-Rennen auf Gras zu führen; bei einer weiteren Veranstaltung dieser Art folgte ein vierter Platz. Als mittlerweile Fünfjähriger erlebte Kelso jedoch eine für seine Verhältnisse durchwachsene Saison mit nur sechs Siegen bei zwölf Starts. Als Favoriten auf den Titel zum Pferd des Jahres galten zunächst Carry Back und Beau Purple. Erst im September gelang es Kelso, sich das Stymie Handicap über eineinviertel Meilen auf dem Aqueduct Racetrack und somit seinen ersten Sieg des Jahres in einem Stakes-Rennen zu sichern. Von da an stieg seine Formkurve wieder an: Mit viereinhalb Längen Vorsprung triumphierte er bei den Woodward Stakes und zeigte deklassierte die Konkurrenz um zehn Längen bei seinem dritten Gewinn des Jockey Club Gold Cup. Anschließend meldete Hanford Kelso zu den Man o’ War Stakes in Elmont an, dort musste er sich allerdings Beau Purple geschlagen geben, während der andere hartnäckige Konkurrent Carry Back nicht in die Preisgeldränge lief. Am 1. Dezember 1962 gewann Kelso vor 29.661Duke (1999), S. 24. begeisterten Zuschauern auf dem Garden State Park Racetrack in Cherry Hill, New Jersey, mit der ersten Austragung der Governor’s Plate auch das letzte Rennen des Jahres. Er stellte mit fünf Längen Vorsprung und einer Zeit von 02:30,20 min einen neuen Bahnrekord über eineinhalb Meilen auf. Zugleich ließ dieser Sieg seine Gesamtpreisgelder auf über 1.000.000 US-Dollar anwachsen – das war zuvor erst vier anderen Pferden gelungen. Auch diesem Umstand war es letztendlich zu verdanken, dass Kelso zum dritten Mal hintereinander als Pferd des Jahres geehrt wurde, häufiger als je ein anderes zuvor.