Ehemals galt der Biber wegen seines Fells im Handel als der „König der Pelztiere“. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts wurde das Biberfell in Nordamerika sogar als Zahlungsmittel benutzt, alle Güter orientierten sich im Handel mit den Indianern am Wert eines Biberfells. Der Biber war dort das Hauptobjekt des Pelzhandels. Den hohen Wert machte viele Jahre lang nur das weiche Unterhaar des Bibers aus, aus dem die hohen breitrandigen, so genannten Kastorhüte gefertigt wurden, und weniger das Fell insgesamt. Aber beispielsweise auch 2019 dominierten bei geringer Nachfrage aus der Bekleidungsbranche auf einer Auktion die Hutmacher den Verkauf.North American Fur Auctions 30. Mai bis 25. Juni 2019. In: Pelzmarkt – Newsletter des Deutschen Pelzverbandes Juli 2019, Frankfurt am Main, S. 3.

Abgesehen von der verschiedentlichen Nutzung durch die einheimische Bevölkerung werden die Felle etwa seit 1830 für Bekleidungszwecke verwendet, wo sie Eingang in die europäische Pelzwirtschaft fanden.Friedrich Lorenz: Rauchwarenkunde. 4. Auflage. Verlag Volk und Wissen, Berlin 1958, S. 51 (hier Nutzung zu Pelzgegenständen seit etwa 1850). Aus den Drüsensäcken des Tiers wird das Bibergeil gewonnen, noch um 1850 ein häufiges und teuer bezahltes Arzneimittel, heute vor allem ein Bestandteil einiger Parfüms.

Dieser Artikel behandelt die Felle des nordamerikanischen Bibers, im Handel meist kanadischer Biber genannt, und des europäischen Bibers in ihrer Eigenschaft als Handelsware.

Geschichte mini|Porträt eines Mannes mit Biberhut (Jan van Eyck, etwa 1435) Mittelalterliche Erwähnungen lassen erkennen, dass Biberfelle damals, wenn auch in geringerer Menge als die Felle einiger anderer Pelzarten, zu den, auch internationalen, Handelsartikeln zählten. Der arabische Dichter Nezāmi nennt unter den zahlreichen Fellen, die Alexander dem Großen vom Herrscher des Königreichs Serîr verehrt wurden, auch den glatten Biber.Bruno Schier: Wege und Formen des ältesten Pelzhandels. Archiv für Pelzkunde Band 1, Verlag Dr. Paul Schöps, Frankfurt am Main 1951, S. 22. Inhaltsverzeichnis. Primärquelle: Ibn Jûsuf Nezāmi, Iskandernâmeh, Ausgabe der Chamse, Bombay 1887, S. 400. Ein anderer Araber, der Geograph Ibn al-Faqih (10. Jh.) schreibt: „Was die slawischen Kaufleute anlangt, so führen sie Fuchs- und Biberfelle vom äußersten Slawenlande mit sich und bringen sie nach dem Mittelländischen Meer.“Bruno Schier: Wege und Formen des ältesten Pelzhandels. Archiv für Pelzkunde Band 1, Verlag Dr. Paul Schöps, Frankfurt am Main 1951, S. 38. Primärquelle: Ibn al-Faqih. Hrsg. von J. M. Goeje, S. 270. Nach Abu Abdallah Jâqût (* 1179; † 1229) wird Biber (qundus) aus dem slawischen Norden bezogenBruno Schier: Wege und Formen des ältesten Pelzhandels. Archiv für Pelzkunde Band 1, Verlag Dr. Paul Schöps, Frankfurt am Main 1951, S. 38. Primärquelle: Abu Abdallâh Jâqût: Geographisches Wörterbuch Hrsg. von Wüstenfeld, Leipzig 1866 ff., I, S. 113., ebenso von Ibn HauqalBruno Schier: Wege und Formen des ältesten Pelzhandels. Archiv für Pelzkunde Band 1, Verlag Dr. Paul Schöps, Frankfurt am Main 1951, S. 38–39 (voller name bei Schier „Abu-l-Qâsim Ibn Hauqal“). Primärquelle: M. J. de Goeje: Bibliotheca geographorum Arabicorum, II. Band, Leiden 1873, S. 281.. Dimeschqi vermerkt, dass Biber (qundus) und Zobel über das Schwarze Meer und das Asowsche Meer nach Süden eingeführt werden.Bruno Schier: Wege und Formen des ältesten Pelzhandels. Archiv für Pelzkunde Band 1, Verlag Dr. Paul Schöps, Frankfurt am Main 1951, S. 38. Primärquelle: Dimeschqi: Kosmographie. Hrsg. von Frähn und Mehren, S. 145. Durch den Fellhandel fand auch der indogermanische Name des Bibers Eingang in das Arabische. Das germanische bëbru- (ahd. bibar), altslawisch bebrъ wird von einigen arabischen Schriftstellern der orientalischen Bezeichnung kelb el-mâ „Hund des Wassers“ vorgezogen.Bruno Schier: Wege und Formen des ältesten Pelzhandels. Archiv für Pelzkunde Band 1, Verlag Dr. Paul Schöps, Frankfurt am Main 1951, S. 38. Primärquellen z. B.: Abdallâh Muhammed el Idrîsî, hrsg. von A. Jaubert, Paris 1836 ff., I., S. 50; Ibn Foßlân (Fadlân), hrsg. von Chr. M. Frähn, Petersburg 1823, S. 57; vgl. Jacob, Handelsartikel, S. 45.

In der isländischen Heimskringla wird von der Fahrt von Thore Hund, Karli und 105 Genossen im Jahr 1026 zum Fluss Drina berichtet. Sie kauften dort zunächst auf einem „Markte“ viel Grauwerk, Biber- (bjôrskinn) und Zobelfelle. Später allerdings sagten sie jedoch den Frieden auf und heerten im Lande.Bruno Schier: Wege und Formen des ältesten Pelzhandels. Archiv für Pelzkunde Band 1, Verlag Dr. Paul Schöps, Frankfurt am Main 1951, S. 38. Primärquelle: Hákonar saga Hákonarsonar. Hrsg. von G. Vigfusson, Christiana 1887, S. 319; vgl. Norwegische Königsgeschichten, übersetzt von Felix Niedner, Jena 1925, Band 2.

Auch das Bibergeil, dem eine besonders große Heilkraft zugesprochen wurde, war zu der Zeit bereits sehr begehrt.Bruno Schier: Wege und Formen des ältesten Pelzhandels. Archiv für Pelzkunde Band 1, Verlag Dr. Paul Schöps, Frankfurt am Main 1951, S. 38. Mehrere Primärquellen.

Als Pelz wird der Biber in der Kleiderordnung Karls des Großen erwähnt. Im Mittelalter lag der Biberfellpreis gleich unter den am höchsten bewerteten Luchsen und den schwarzen Füchsen. Für einen vollständigen Pelz rechnete man zwölf Felle. Der Umstand, dass dies ein ganz beachtliches Gewicht ergab, dürfte ein wesentlich Grund dafür gewesen sein, dass die Felle später fast nur noch zu Besätzen, Kragen und Futtern verarbeitet wurden. Das Färben von Fellen zur Verbesserung ihres Aussehens, in der Regel ein Nachdunkeln, war bis nach dem ausgehenden Mittelalter in Deutschland in der Regel verpönt. Im Jahr 1485 lassen sich die Breslauer Kürschner dies noch einmal vom Rat der Stadt bestätigen, mit dem ausdrücklichen Verweis auf Biberfelle. Weder die heimischen Kürschner noch Auswärtige durften auf den Jahrmärkten gefärbte Felle oder Pelzwaren anbieten.Fritz Wiggert: Entstehung und Entwicklung des Altschlesischen Kürschnerhandwerks mit besonderer Berücksichtigung der Kürschnerzünfte zu Breslau und Neumarkt (Originaltext). Breslauer Kürschnerinnung (Hrsg.), 1926, S. 112.

Von ihrer Entdeckungsreise im Jahr 1788 im Auftrag des russischen Händlers Iwan Schelichows zu den Tschuktschen brachten die Seeleute auch Biberfelle mit. Für die Biber bezahlten sie der Bevölkerung der Inseln am Kap Saint Elias acht bis neun Schnuren Schmelzperlen, für ein Otterfell und für Biberschwänze je fünf Korallen. „Mit größtem Interesse studiert man die Sitten und Gebräuche der Eingeborenen, deren Kleidung vorwiegend aus Biber, Zobel-, Vielfraß- und Murmelfellen bestand“, so Emil Brass.Brass, S. 193–194. Das erste Schiff des Schelichow unter dem Steuermann Pribyloff kam nach Ochotsk zurück mit einer Ladung von 2000 Biberfellen, 40.000 Seeotter- und 6000 Blaufuchsfellen. Bereits diese erste seiner Fahrten machte Schelichow zum reichsten Mann von Ochotsk.Reinhold Stephan: Zur Geschichte des Rauchwaren-Handels im Altertum und Mittelalter und die Erschließung des russisch-asiatischen Raumes vom 16.–18. Jahrhundert. Inaugural-Dissertation Universität Köln 1940, S. 94. Primärquelle: Juri Semjonow: Die Eroberung Sibiriens, Berlin 1937, S. 222.Bruno Schier: Wege und Formen des ältesten Pelzhandels. Archiv für Pelzkunde Band 1, Verlag Dr. Paul Schöps, Frankfurt am Main 1951, S. 38. Primärquellen: Juri Semjonow, Die Eroberung Sibiriens. Berlin 1937, S. 33; Josef Kulischer: Russische Wirtschaftsgeschichte, Jena 1925, S. 273 f.; Wedenskij, Anika Stroganow: Ein Handelshaus des 16. bis 17. Jahrhunderts = Denkmäler zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte Rußlands, Moskau 1924.

Der erste amtliche Tribut, den Atlassow als Kaufmann von Kamtschatka nach Jakutsk schickte, bestand aus 3200 Zobelfellen, vier Fischotterfellen und zehn Seeotterfellen („Kamtschatkabiber“), zehn Graufuchsfellen, 191 Rotfuchsfellen sowie sieben Biberfellen.Reinhold Stephan: Zur Geschichte des Rauchwaren-Handels im Altertum und Mittelalter und die Erschließung des russisch-asiatischen Raumes vom 16.–18. Jahrhundert. Inaugural-Dissertation Universität Köln 1940, S. 87. Inhaltsverzeichnis.

In Sibirien gehörte der Biber zu den zahlreichsten Tieren und den wichtigsten Felllieferanten. Es gab eine eigene Zunft von Biberfängern, die „Bobrowniki“. Die Tiere wurden so stark bejagt, dass Anfang des 20. Jahrhunderts nur noch kleine Restbestände in entlegenen Sumpfgebieten vorhanden waren. Seit 1924 stehen die Restbestände dort unter strengem Schutz und die Bestände vergrößern sich langsam.

Während in den westlichen Ländern die Verwendung der Biberfelle zu Bekleidungszwecken erst um 1850 begann, wurden sie in Russland und China schon früher hierfür genutzt. Bereits Ende des 17. Jahrhunderts wurden große Mengen der schwarzen Felle als Castor de Moscovie von Kanada nach Russland exportiert. Von Moskau aus gingen dann über Kiachta große Mengen nach China. Von 1817 bis 1819 kamen beispielsweise 19.000 amerikanische Biberfelle nach Kiachta, 1841 bis 1843 waren es 30.827. Im Jahre 1911 schrieb Brass, heute kommen fast keine mehr dorthin.Emil Brass: Aus dem Reiche der Pelze. Verlag der „Neuen Pelzwaren-Zeitung und Kürschner-Zeitung“, Berlin 1911, S. 597–603.Reinhold Stephan: Zur Geschichte des Rauchwaren-Handels im Altertum und Mittelalter und die Erschließung des russisch-asiatischen Raumes vom 16.–18. Jahrhundert. Inaugural-Dissertation Universität Köln 1940, S. 131. Sekundärquellen K. R. v. Baer: Nachrichten aus Sibirien und der Kirgisen-Steppe. St. Petersburg 1845, S. 208. Vgl. auch Unterricht von dem russischen Handel wie solcher mit aus- und eingehenden Waren 1674 durch ganz Rußland getrieben worden. In Büschings Magazin für die neuere Historie u. Geographie, 3. Teil, Hamburg 1769, S. 349. In früheren Jahrhunderten wurden die Felle in der Mongolei vielfach zu Pelzmützen verarbeitet.N. Dawaa, M. Nicht, G. Schünzel: Über die Pelztiere in der Mongolischen Volksrepublik (MVR). In: Das Pelzgewerbe, 1971, Nr. 1, Jg. XXI, Neue Folge, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin, Wien, S. 8.

mini|links|Amerikanischer Pelzhändler mit biberbesetztem Mantel (1870) Die Biberkriege, auch Franzosen- und Irokesenkriege genannt, waren eine ununterbrochene Folge von Konflikten, die zwischen 1640 und 1701 im östlichen Nordamerika zwischen der Konföderation der Irokesen und ihren mit Frankreich verbündeten Nachbarstämmen ausgetragen wurden. Der Name Biberkriege für eine der wohl blutigsten Auseinandersetzungen in der Geschichte Nordamerikas zeigt, welche Bedeutung dem Fell zu der Zeit in der amerikanischen Wirtschaft und besonders für die Urbevölkerung zukam. Die Irokesen versuchten ihr Territorium auf das Gebiet der benachbarten Stämme, hauptsächlich Algonkin, auszudehnen, um so als Mittler im Fellhandel zwischen den Franzosen und den westlichen Stämmen auftreten zu können. Die Expansion der Irokesen unter der Führung des Mohawk-Stammes und die Vertreibung der unterlegenen Stämme veränderte die Stammesgeographie im gesamten Nordamerika.

Etwa um 1700 mussten in Kanada alle Biberfelle an die dort jeweils regierende Handelskompagnie abgeliefert werden, anfangs zu einem festen Durchschnittspreis von 4 ½ Franc per Pfund, später teilte sie die Ware in verschiedene Sorten auf und zahlte unterschiedliche Preise. Die teuersten waren mit 18 Franc die ganz weißen, von denen 1911 Rauchwarenhändler Emil Brass schreibt, dass „dieselben noch viel seltener geworden, und ich habe unter etwa ½ Million Biberfellen nur zwei weiße gesehen“. Die nächste Preisstufe waren „die feinen schwarzen „Castor die Moskovy“, die schon damals zur Pelzwerkbereitung nach Russland gingen und 6 Franks per Pfund kosteten. Alle übrigen Sorten, bei weitem die Mehrheit, dienten der Filzhutproduktion“.