mini|hochkant=1.3|Pizza in Karton, Modell „Treviso“ Der Pizzakarton oder die Pizzaschachtel ist eine Faltschachtel aus Kartonage, in der heiße Pizza von einem Lieferservice oder auch bei Selbstabholung aus der Pizzeria transportiert werden kann. Der Pizzakarton muss stapelbar, thermisch gedämmt bei gleichzeitiger Feuchtigkeitsregulierung und für Lebensmittel geeignet sein. Als Einwegprodukt wird der Pizzakarton oft mit Werbung bedruckt und nach dem Ausstanzen manuell gefaltet.

Der Pizzakarton unterscheidet sich von der Verpackung von Tiefkühlpizzen. Diese wird maschinell gefaltet, enthält das tiefgekühlte Produkt in Folie verschweißt und gleicht den Umverpackungen anderer Tiefkühlprodukte.

Geschichte mini|Faltungsschema eines Pizzakartons mit „Chicagofaltung“ Seit mindestens dem 19. Jahrhundert gibt es Behältnisse für die Auslieferung frischer Pizzen. Damals verpackten neapolitanische Pizzabäcker ihre Erzeugnisse in mehrlagige Metallcontainer, die als stufe (Singular stufa, ‚Ofen‘) bekannt sind, und schickten Verkäufer damit auf die Straßen.Heston Blumenthal: In Search of Perfection. Bloomsbury Publishing, 2006, ISBN 0-7475-8409-5, S. 63. Der belüftete Behälter war rund und aus Zinn oder Kupfer gefertigt.

Die Entwicklung einer Einwegverpackung für Pizza begann nach dem Zweiten Weltkrieg in den Vereinigten Staaten. Zu dieser Zeit gewann die Pizza dort an Beliebtheit, und die ersten Pizzabringdienste entstanden. Man versuchte, Pizzen in einfachen Pappkartons, ähnlich denen von Konditoreien, auszuliefern. Diese Kartons wurden jedoch oft feucht, ließen Flüssigkeit durch, bogen sich oder rissen. Andere Pizzabäcker versuchten, die Pizza auf eine Platte zu setzen und beide zusammen in einer Papiertüte zu transportieren. Dies richtete weniger Schaden an. Jedoch war es in einer Tüte nahezu unmöglich, mehr als eine Pizza gleichzeitig zu transportieren. Bei dieser Methode beschädigen die oberen Pizzen die Oberflächen der unteren.

Das erste Patent für einen Pizzakarton aus Wellpappe wurde 1963 angemeldet. Es beschreibt bereits die Grundmerkmale heutiger Pizzakartons: plane Rohlinge, Zusammenfaltbarkeit ohne Klebstoff, Stapelbarkeit und Belüftungsschlitze. Durch die Kombination von Belüftungsschlitzen mit einem Wasserdampf aufnehmenden Material (Adsorptionsmittel) ließ sich der Feuchtigkeitsstau herkömmlicher Transportverpackungen für frische Pizza vermindern.

Die ersten Pizzakartons in Deutschland verwendete nach eigener Aussage Nicolino di Camillo, der 1952 in Würzburg Deutschlands erste Pizzeria Sabbie di Capri eröffnet hatteRalph Bauer: GIs rissen sich um die erste Pizza in Deutschlands. In: Die Welt. (26. März 2012). und laut Haus der Bayerischen Geschichte damit auch Erfinder des in zwei Größen erhältlichenBerliner Zeitung (Gegendarstellung): Die Italiener Giuseppe und Nicola di Camillo eröffneten vor 50 Jahren die erste Pizzeria Deutschlands. Pizzakartons ist.Haus der Bayerischen Geschichte: Janina Camillo: Balletttänzerin und Gastronomin.

Es wird auch behauptet, dass Domino’s Pizza, gegründet 1960, den Pizzakarton erfunden habe, ohne dafür jedoch ein Patent anzumelden. Bei der von dieser Pizzakette bis 1988 verwendeten Pizzakartonvariante bestand keine direkte Verbindung zwischen den bei der Faltung entstehenden Ecken zwischen der vorderen Wand und den beiden Seitenwänden. Vielmehr wurden nur die an den Wandflächen angebrachten Laschen nach innen unter den Deckel gefaltet. Dieses Design ist auch als „Chicagofaltung“ bekannt. Domino’s war der erste Pizzabäcker, der Pizzakartons im großen Stil einsetzte und es verstand, durch deren Nutzung seinen Lieferbereich über das Gebiet unmittelbar um die Pizzeria herum auszudehnen.Matt Haig: Brand Success: How the World’s Top 100 Brands Thrive and Survive. Kogan Page Publishers, 2011, ISBN 0-7494-6287-6, S. 241. (Google Vorschau) Durch die Einführung wärmedämmender Taschen für Pizzakartons wurde Ende der 1960er Jahre der Lieferbereich nochmals erweitert.

Anforderungen Mechanische Stabilität und Stapelbarkeit mini|Faltungsschema eines Pizzakartons mit „traditioneller“ Faltung Die meisten Transportverpackungen für Pizza bestehen aus Kartonage, da dieses Material preisgünstig ist. Verwendet werden sowohl Vollpappe als auch einwellige Wellpappe. Als Wellpappe kommt häufig E-Wellpappe (Mikro- oder Feinwelle mit einer Wellenteilung von 3,0 bis 3,5 mm und einer Wellenhöhe von 1,0 bis 1,8 mm) zum Einsatz, es wird aber auch die etwas dickere B-Wellpappe mit einer Wellenhöhe von 2,2 bis 3,0 mm verarbeitet. Nicht nur der geometrische Aufbau der Wellpappe bestimmt die Festigkeit des Kartons, sondern vor allem auch Art und Flächengewicht des verwendeten Papiers. Als Decklagen kommen auf der Kartoninnenseite meist Kraftliner zum Einsatz. Diese machen den Karton nicht nur stabil, sondern auch widerstandsfähiger gegen Feuchtigkeit und Öl.

Um den Lagerplatz für Verpackungen gering zu halten, werden die Pizzakartons zumeist kurz vor Gebrauch aus planen Rohlingen gefaltet. Im Lagerflächenbedarf machen sich unterschiedliche Materialdicken deutlich bemerkbar. Pizzakartons aus Vollpappe benötigen etwa die Hälfte an Lagerfläche im Vergleich zu Pizzakartons aus E-Wellpappe und etwa ein Viertel an Lagerfläche im Vergleich zu Pizzakartons aus B-Wellpappe. Die Stabilität des Kartons wird außer vom Material selbst auch durch die Form der Faltung bestimmt. Durchgesetzt haben sich Kartons, bei denen fest mit den Seitenwänden verbundene Laschen in die Vorderwand eingefaltet werden. Dadurch sind die Wände des Kartons an den Ecken miteinander verbunden und die Stabilität erhöht sich. Die traditionelle Faltung ist ein Beispiel für diese Faltart. Der Nachteil dieser Faltung ist, dass die Wände des Kartons senkrecht nach oben stehen und ein Schneiden der Pizza innerhalb des Kartons mit einem Pizzarollenschneider erschwert ist.

Wärmedämmung und Feuchtigkeitsregulierung mini|Öffnung, um Feuchtigkeit entweichen zu lassen Der Pizzakarton soll den Transport einer gebackenen Pizza bei möglichst geringem Qualitätsverlust ermöglichen. Er soll dabei zwei Aufgaben erfüllen, die schwierig miteinander vereinbar sind: Zum einen sollte der Karton möglichst gut – gegen kalte Außenluft, eventuell Wind und Abstrahlung – dämmen, damit die Pizza heiß bleibt. Zur Reduzierung des Wärmeabflusses muss der Karton möglichst dicht schließen, um die warme Luft im Inneren zu halten. Der von Verbrauchern bei Verkostungen als optimal angesehene Temperaturbereich liegt zwischen 70 und 85 °C. Zum anderen soll er Durchfeuchtung verhindern, damit der Pizzaboden kross und der Belag knackig beim Verbraucher ankommt. Dazu muss der aus der Pizza austretende Wasserdampf nach außen abgeführt (Lüftungslöcher und etwas Diffusion durch den Karton) oder vom Karton aufgenommen werden. In Pizzakartons aus Wellpappe, die nicht mit einer zusätzlichen Dämmung versehen sind, kühlt das Transportgut bereits nach etwa zehn Minuten zu weit ab.

Das Öl aus dem Pizzateig kann bei Kontakt mit unbehandelter Wellpappe in diese eindringen und Geschmacksstoffe aus dem Zellstoff herauslösen. Um eine geschmackliche Veränderung der Pizza durch Inhaltsstoffe des Pizzakartons und gleichzeitig ein Durchweichen des Kartonmaterials zu verhindern, weisen einige Pizzakartons auf der Innenseite eine Beschichtung mit einer dünnen Aluminiumfolie auf. Eine weitere Möglichkeit ist, die Pizza auf Aluminiumfolie, ein verbundenes Trägermaterial aus Wellpappe und Löschpapier oder Wachspapier zu legen. Hierdurch ändern sich die thermodynamischen Eigenschaften des Pizzakartons jedoch erheblich. Der Pizzaboden kann keine Feuchtigkeit mehr nach unten abgeben, der Unterleger wirkt nicht nur als Fett-, sondern auch als eine Art Dampfbremse.

Außenoberfläche und Werbung Gewöhnlich ist die Außenoberfläche des Kartons entweder mit einem generischen Pizzabild beziehungsweise mit Werbung für den Lieferanten versehen oder unbedruckt. Häufig werden für die Bedruckung die Farben rot und grün verwendet, die an die Farben der Flagge Italiens erinnern. Um eine kontrastreichere Bedruckung zu erzeugen, wird häufig weißes Deckpapier verwendet, es kommt aber auch braunes Recyclingpapier als Außenschicht zum Einsatz. Einzelne Pizzaketten nutzen den Deckel des Kartons zur Charakterisierung des Pizzabelags anhand einer markierbaren Zutatenliste. Dieses ermöglicht eine Identifizierung ohne Öffnen der Verpackung.

Die Kartonoberfläche kann jedoch auch für andere Zwecke genutzt werden. Die Pizzakartons können als Sonderwerbeform im Rahmen von Ambient-Media-Kampagnen eingesetzt werden. Sie gelten außerdem als ungewöhnliche und unerwartete Werbefläche für Guerilla-Marketing.Norbert Drees und Markus Jäckel: Guerilla-Marketing – Grundlagen, Instrumente und Beispiele. In: transfer – Werbeforschung & Praxis. 2/2008, S. 32, transfer-zeitschrift.net (PDF) Beispielsweise arbeitete die Zeitschrift The Economist 2008 in Philadelphia mit Pizzabringdiensten in Universitätsnähe zusammen. Diese druckten auf ihre Pizzakartons Werbung für den Economist. Diese bestand im Wesentlichen aus einem Torten(/Pizza-)diagramm, das Pizzakonsum mit der Weltwirtschaft verknüpfte und speziell Studenten ansprechen sollte.

Im Jahr 2001 wurde die Pizzaschachtel mit Drittwerbungsdruck patentiert. Drittwerbungsdruck bedeutet, dass nicht für Pizza oder den Hersteller von Produkt oder Verpackung, sondern für Produkte Dritter, zum Beispiel Mobilfunkanbieter oder Kinofilme, geworben wird. Das anmeldende Unternehmen liefert Pizzabringdiensten kostenlos Pizzakartons und finanziert sich durch die auf die Pizzakartons aufgedruckte Werbung. 2017 ließ beispielsweise das Verteidigungsministerium der Bundesrepublik Deutschland für etwa 200.000 Euro insgesamt 725.000 Pizzakartons mit Werbung für die Bundeswehr drucken und an Pizzabäcker verteilen.

Varianten mini|Heraustrennbarer Karton für ein Pizzastück in einem Pizzakarton Die meisten der heute verwendeten Pizzakartons haben eine quadratische bzw. eine sechseckige Grundfläche, bei der die vorderen beiden Ecken abgeschrägt sind. Die letztere Variante wird häufig mit dem Modellnamen „Treviso“ bezeichnet. Sie ist im Vergleich zur quadratischen Variante etwas verwindungssteifer, lässt sich aber durch die Ecken etwas langsamer zusammenbauen. Pizzakartons werden in verschiedenen Größen angeboten. Die im Handel erhältlichen Abmessungen reichen von etwa 20 × 20 cm (für sehr kleine Pizzen) bis zu 60 × 60 cm, bzw. als Rechteckform 40 × 60 cm (für Party- oder Familienpizzen). Um ein Verkleben der Pizza mit dem Deckel zu verhindern, beträgt die Standardhöhe der Kartons bei kleineren Varianten meist 3 cm. Es werden für besonders hoch gebackene Pizzen aber auch Sondergrößen von 4 bis 5 cm Höhe angeboten. Bei den größeren Kartons sind meist Höhen von 4 cm, aber auch 5 cm typisch. Daneben gibt es Sondergrößen (z. B. für Pizza Calzone) mit 7 bis 10 cm Kartonhöhe und meist rechteckiger Grundfläche.

Die kleinste Verpackungseinheit besteht je nach Größe und Anbieter meist aus 100 oder 200 Kartons. Bei Sondergrößen können auch 50 oder 100 Kartons eine Verpackungseinheit bilden. Der Preis pro Karton hängt unter anderem von der Größe, der Bedruckung, der Qualität und der Abnahmemenge ab und liegt für typische Pizzakartongrößen bei etwa 10 bis 20 Cent.

Bei den meisten Pizzakartons werden die vordere und die seitlichen Laschen des Deckels nach innen in den Boden eingesteckt. Dabei besteht bei unachtsamem Schließen des Kartons die Gefahr, dass die Laschen auf den Rand der Pizza drücken. Bei manchen Kartons sind daher an den Laschen Aussparungen vorgesehen, die genau dieses verhindern sollen. Ein innen liegender Verschluss kann Vorteile bei Faltung und Handling aufweisen.