mini|hochkant=1.5|Zeltkote vor Torfkoten in Staloluokta im Padjelanta-Nationalpark, 1984 mini|Torfkoten in Staloluokta 2011

Kote ist im deutschen Sprachraum eine Sammelbezeichnung für alle traditionellen Behausungen der Samen Nordeuropas – sowohl für die stationäre Hütte (Torfkote, Goahtie, Gåetie, Gamme u. a.) als auch für das mobile Zelt (Zeltkote, Lavvu u. a.).

Etymologie mini|Torfkote in der Samensiedlung Pårek im Nationalpark Sarek

Deutsch Kote leitet sich (als Bezeichnung für samische Behausungen) vom gleichbedeutenden schwedischen Wort kåta (gesprochen: [ko:ta] mit langem o) ab, das wiederum vom lulesamischen Nominativ kåhte stammt.Kjellström 2003, S. 94. Die Entsprechungen in anderen samischen (Schrift-)Sprachen lauten gåetie (Südsamisch), gåhtie (Umesamisch), gåhte (Pitesamisch), goahti (Nordsamisch), kuáti (Inarisamisch), kueʹtt (Skoltsamisch) und kueʹdt (куэдтҍ Kildinsamisch).https://kaino.kotus.fi/algu/index.php?t=sanue&lekseemi_id=28793&hakusana=goahti&sanue_id=13720

Das samische Wort gehört zum alten finno-ugrischen Wortschatz: So sind Finnisch Kota („Kote“), Chantisch kat (auch χot, χɔt, χat „Haus“) und Ungarisch Ház („Haus, Gebäude“) Kognate. Lautliche Entsprechungen kommen aber auch in indogermanischen Sprachen vor, z. B. Persisch kad („Haus“). Deshalb wird heute meist angenommen, dass das Wort aus einer alten indogermanischen Sprache in das Proto-Finno-Ugrische entlehnt wurde.

Die einfachste Form des mobilen Samenzeltes heißt in den samischen Sprachen jedoch Lavvu, während es im Deutschen ebenfalls Kote genannt wird. Im Norwegischen ist der übliche Begriff für stationäre Koten gamme. Als lokale Bezeichnungen gibt es darüber hinaus koie (Trøndelag) und kote (Helgeland). Die Bezeichnung Kohte für ein Gruppenzelt der deutschen Jugendbewegung wurde vom deutschen Wort für die samische Kote abgeleitet.

Typen Als Kote werden konische, pyramiden- oder kuppelförmige Behausungen verschiedener Bauart bezeichnet, die entweder mit Erdsoden (nicht ganz korrekt wird der Begriff „Torfkote“ verwendet), mit Brettern oder zeltartig gedeckt sind. Nach der Konstruktionsart werden vier Grundtypen von Koten unterschieden: Die einfache konische Zeltkote, die traditionelle Bogenstangen-Kote (beide mit runder oder ovaler Grundfläche), sowie die Holz- und die Sparren-Kote (beide mit rechteckigem Grund).

Abgesehen von den größeren Sparren-Koten haben Koten einen Durchmesser von bis zu fünf Metern, demnach eine Grundfläche von bis zu 20 Quadratmetern. Der Innenraum wird nicht weiter unterteilt. Allen Typen gemeinsam war ursprünglich eine offene Feuerstelle in der Mitte, die meist aus Steinen geschichtet war, sowie ein Rauchloch. Im 19. Jahrhundert setzte sich bei stationären Koten mehr und mehr ein gemauerter oder eiserner Ofen durch. Der Boden bestand aus gestampfter Erde, die mit regelmäßig ausgewechselten Birkenreisern belegt war. Darauf legte man Rentierfelle als Sitz- und Liegeunterlage. Als Möbel dienten Truhen. Ansonsten wurde der Hausrat an der Decke aufgehängt.

Lávvu – konische Zelt-Kote mini|Zeltkote an der Hütte Kisuris im Padjelanta-Nationalpark Im deutschen Sprachraum wird auch das konische Zelt der Samen (nordsamisch: lávvu, lulesamisch: lavvo oder auch tsággegoahti, inarisamisch: láávu, skoltsamisch: kååvas) als Kote bezeichnet. Form, Konstruktion und Deckungsarten entsprechen im Wesentlichen den Kegelzelten einiger nordamerikanische Indianer oder den Zelten der nordrussischen und sibirischen Völker – etwa dem Tschum. Die bis zu 17 Quadratmeter große Grundfläche dieser mobilen Koten ist rund, mit einer Feuerstelle in der Mitte des Raumes. Das Gerüst besteht aus drei oben zusammengebundenen Fichten- oder Kiefernstangen, an die weitere 15–20 Stangen von vier bis fünf Meter Länge angelegt werden. Die Rinde wird in der Regel nicht entfernt. In historischen Aufzeichnungen werden Häute und Rinde als Deckungsmaterial genannt. Durch den frühzeitigen Kontakt der Samen mit ihren germanischen Nachbarn kamen jedoch bereits im Mittelalter textile Zeltplanen in Gebrauch. Ursprünglich war das vor allem der schwere Vadmal-Walkstoff, der lange Zeit die wichtigste Handelsware in Sápmi war. Seit dem 19. Jahrhundert wird vor allem Baumwolltuch verwendet und im 20. Jahrhundert kamen daneben einfache Kunststoffplanen in Gebrauch. Im Gegensatz zum schlanken Tipi der Prärie-Indianer mit lang herausragenden Firststangen ist die samische Zelt-Kote meist breiter und hat kürzere Stangenenden.

Das Lávvu ist die Urform der samischen Behausung, die als transportable Wohnung von der Eisenzeit bis zur Halbsesshaftigkeit im 17. Jahrhundert weithin allein gebräuchlich war. Transportiert wurde in der Regel nur das Zelttuch, die Stangen blieben stehen oder wurden am Aufstellungsort nach Benutzung zusammengelegt. Die rentierzüchtenden Samen verwenden sie zum Teil heute noch im Sommer als mobile Wohnstatt. Bis in die 1940er Jahre wurde sie auch im Winter bewohnt, wobei man die Wollwebteppiche der Küstensamen (Rátnu) zur Isolation der Zeltwände benutzte. In vielen Samensiedlungen Lapplands sieht man das Lávvu heute als Mehrzweckbau zur Vorratslagerung, zum Trocknen, Räuchern, als Backstube und dergleichen. Diese Behausung war auch ein Vorbild für die Kohte der deutschen Jugendbewegung. mini|links|Wappen der Gemeinde Kautokeino, Norwegen Das Lavvu hat für die Samen auch kulturell starke Symbolkraft. Lavvus spielten im 20. Jahrhundert besondere Rollen. Ende des Zweiten Weltkriegs 1944/45, als sich die deutschen Truppen vor der Roten Armee aus Finnland nach Nordnorwegen zurückzogen und die meisten Häuser in Finnmark und Ost-Troms niederbrannten, lebten viele Samen noch Jahre in Lavvus. mini|Zwangsräumung im Alta-Konflikt Das zweite war der Alta-Konflikt. Vor dem norwegischen Parlament in Oslo wurde ein Lavvu aufgestellt, das zum Brennpunkt wurde, als Samen in den Hungerstreik traten, um gegen das Wasserkraftwerk Alta zu protestieren. Das Lavvu wurde zum Sinnbild des Kampfes um die Rechte der Indigenen. Der Ausbau konnte zwar nicht verhindert werden, die Demonstrationen hatten jedoch Auswirkung auf die Politik Norwegens. Der Konflikt gilt als Ursprung für die Gründung des samischen Parlaments (Sameting) in Karasjok im Jahre 1989.

Bealljegoahti – Bogenstangen-Kote (als Zelt- oder Torf-Kote) mini|Konstruktionszeichnung einer Bogenstangen-Zeltkote mini|Samische Familie vor ihren Zeltkoten, ca. 1900 mini|Bau einer Torfkote in Arasluokta im Padjelanta-Nationalpark, 1981 Die traditionelle Bauform für Zelt-Koten und stationäre Koten der Fjällgebiete ist die Bogenstangen-Konstruktion, bei der man sich den oftmals krummen Wuchs der Fjällbirke (Betula pubescens ssp. czerepanowii) zunutze macht, obgleich z. T. auch Kiefern verwendet werden. Die Grundfläche ist rund oder oval. Das tragende Gerüst, das in den Boden eingelassen ist, besteht aus zwei verbundenen Paaren entrindeter, bogenförmig gewachsener, kräftiger Stämme, die direkt auf dem Boden stehen. Diese Bogenstangen werden in halber Höhe mit je einer Querstange und am höchsten Punkt mit der sog. „Rauchstange“ verbunden. An dieses Grundgerüst werden 12–18 Stangen von vier bis sechs Meter Länge im Rund angelehnt, die die Deckung tragen. Der so entstehende kuppelförmige Raum ist bis zu 20 Quadratmeter groß. Eine Besonderheit in einigen Gebieten des schwedischen Fjälls sind die Kyrkkåtor (Kirch-Koten), die im Prinzip von gleicher Bauart sind, jedoch bis zu 50 Quadratmeter groß sein können. Meist steht ein separater Glockenturm neben der Kirch-Kote. Ein bekanntes Beispiel ist die Kyrkkåta von Staloluokta (siehe Bild dort).

Wie das Lávvu wurde auch die Bogenstangen-Konstruktion früher als Gerüst für eine Zelt-Kote verwendet. Im Gegensatz zum Lávvu wurde das Gerüst des Bealljegoahti beim Umzug mitgenommen, da die Bogenstangen schwieriger zu beschaffen waren als gerade Stangen. Der Auf- oder Abbau einer solchen Kote dauerte ungefähr eine halbe Stunde.

Auf der gleichen Bauform beruht auch die heute kuppelförmige runde Torf-Kote. Bevor Öfen zur Anwendung kamen, war die Form eher konisch wie beim Zelt, da oben eine große Öffnung für den Rauch verblieb. Am Bogenstangen-Grundgerüst werden die Stangen für eine Torf-Kote dicht an dicht angelegt. Anschließend wird der Rohbau mit einer Schicht aus Birkenrinde regendicht gemacht. Seit den sechziger Jahren benutzte man häufig Kunststofffolie zur Abdichtung. Als man jedoch merkte, dass diese Folie nach einiger Zeit spröde und undicht wird, ist man zum Teil wieder zur traditionellen Birkenrinde zurückgekehrt. (In heutigen Koten sind oftmals auch Nägel, Dachpappe, Bleche, Kunststoffplanen u. ä. moderne Baumaterialien verbaut.) Abschließend schichtet man Erdsoden (Gras und Torf) entlang des Gerüstes bis zum Dachmittelpunkt. Da die Erdsoden nach wenigen Jahren vollkommen von Gräsern und Kräutern bewachsen sind, sind die Koten aus der Ferne oftmals kaum zu erkennen. Bei Torf-Koten müssen spätestens nach 30 Jahren gealterte Bauteile ersetzt werden.

Stationäre Koten werden grundsätzlich auf leicht erhöhtem, trockenem Gelände erbaut, in Lagen, die möglichst früh schneefrei werden. Es gab früher neben ganzjährig bewohnten Koten auch solche, die nur im Sommer oder im Winter benutzt wurden. Baulich schlug sich dies in der Dicke der Erdsodenschicht nieder.

In den Rundkoten, die aus einem einzigen Raum bestanden, lebten früher Menschen und Hunde zusammen. Zum Teil wurden separate Koten für Haustiere wie z. B. Ziegen gebaut. Es gibt diverse regionale Varianten der Koten, die sich vor allem in der äußeren Form ausdrücken. Wie bei der Zelt-Kote finden sich ähnliche Torfhütten bei vielen zirkumpolaren Völkern.

Im engeren Sinne bezeichnet man heute im deutschen Sprachraum vor allem diese stationären Erdsodenhütten als Koten, die den samischen Rentierzüchtern der norwegischen und schwedischen Fjällgebiete etwa seit dem 13. Jahrhundert als Behausung dienten. 1860 wohnten in der Finnmark noch 60 % der Samen in Torf-Koten; 1888 waren es noch 44 %. In den 1920er Jahren zogen die meisten Samen in Holzhäuser oder errichteten Gebäude, die Elemente der Kote und des Hauses vereinten. Vereinzelt dienten Torf-Koten in abgelegenen Gebieten jedoch noch bis in die 1950er Jahre als ausschließliche Behausung. Seitdem werden sie nur noch temporär als Übergangswohnung für junge Paare, als Jagd-, Fischer-, Touristen- oder Rentierzüchterhütten verwendet. Der originäre Einsatz als zeitweise Wohnstatt in den Sommerweidegebieten der rentierzüchtenden Samen geht allerdings weiterhin zurück, da sich immer mehr Samen das Baumaterial für ein Haus per Helikopter einfliegen lassen. Der Vorteil der traditionellen Kote liegt seit eh und je in der Verwendung von Baumaterialien aus der nächsten Umgebung, die keinerlei finanzielle Mittel erfordern. Zudem ist sie relativ schnell fertiggestellt.

Moderne Torf-Koten besitzen meist ein Glasfenster, einen Holzboden und eine Innenausstattung, die eher an ein Blockhaus erinnert.

Sparrogoahti – Sparren-Kote der Küstengebiete