San Marzano di San Giuseppe (in Arbëresh, IPA: [ar'bəreʃ]: Shën Marcani; im regionalen Dialekt um Brindisi: Sa’Mmarzanu) ist eine südostitalienische Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) in der Provinz Tarent in Apulien. Zusammen mit Casalvecchio di Puglia (in Arbëresh: Kazallveqi) und Chieuti (in Arbëresh: Qefti) ist San Marzano di San Giuseppe ein altes albanisches Zentrum der Region.

Da San Marzano fast immer im Besitz von albanischen Familien war, die die Erhaltung der Erinnerung an die Ahnen anstrebten, ist San Marzano heute der einzige Ort unter den insgesamt 14 von Albanern bewohnten Orten (Belvedere (erloschen), Carosino, Civitella, Faggiano, Fragagnano, Monteiasi, Montemesola, Monteparano, Roccaforzata, San Crispieri (heute eine Fraktion von Faggiano), San Giorgio, San Martino (erloschen) und Santa Maria della Camera (heute ein Teil von Roccaforzata)) in der Albania Tarantina (tarentinisches Albanien), der außer der konservativen vor-osmanischen albanischen Sprache (Gluha Arbëreshe) Sitten und Kultur des Herkunftslandes bewahrt.Casali Albanesi nel Tarentino, S. 53

Lage San Marzano di San Giuseppe liegt auf der Hochebene eines Kalksteinhügels der Murge Tarantine auf einer Höhe von 134 m ü. M. Die Gemeinde liegt zwischen den benachbarten Städten Grottaglie, Sava, Fragagnano und Francavilla Fontana etwa 23 Kilometer östlich von Tarent, 20 Kilometer nördlich vom Ionischen Meer, 56 Kilometer westlich von Lecce im südlichen Salento und grenzt unmittelbar an die Provinz Brindisi.

Seismische Aktivität Nach der italienischen Klassifizierung seismischer Aktivität wurde San Marzano di San Giuseppe der Zone 4 (in einer Skala von 1 bis 4) zugeordnet.Seismische Klassifizierung von San Marzano di San Giuseppe, abgerufen am 27. Februar 2017

Die Herkunft des Namens Zur Herkunft des Namens gibt es keine eindeutige Erklärung. Einerseits wird behauptet, dass der erste Teil des Ortsnamens San aus dem Griechischen stammt und Bauer bedeutet. Er sei für Casali(Plural von Casale) ist die italienische Bezeichnung für ein Haus oder eine Häusergruppe auf dem Land. benutzt worden, um das Handwerk desjenigen anzugeben, der dort lebte. Andererseits deute San auf die Christianisierung des ersten römischen Zentrums einer heidnischen Gottheit Martiis (Mars) hin.San Marzano di San Giuseppe – Un'isola culturale in Tera di Puglia, S. 37

mini|Masseria Casa Rossa mit typischem albanischen Schornstein

Neuere Studien behaupten, dass der Name Marzano vom römischen „gens“ (Familiengruppe) Marcia herrührt, die sich zur Zeit des Römischen Reiches in diesem Gebiet niedergelassen hatte und Praedia (Besitztümer) in der Nähe der Masseria Casa Rossa hatten. Eine weitere Vermutung ist, dass (San) Marzano von Marcus aus der Familie Marcia stammt, was in Terra d’Otranto auch von anderen Ortsnamen und Grabinschriften bezeugt wird.San Marzano di San Giuseppe – Un'isola culturale in Tera di Puglia, S. 35 Eine andere Theorie besagt, dass Marzano sich auf ein römisches Statio bezieht, das einer heidnischen Gottheit Martiis, d. h. Mars gewidmet ist.

Im Mittelalter erscheint der Ortsname castrum Sancti Marzani oder Sanctus Marzanus, was auf den ursprünglichen Namen Martianum und nicht Marcianum deutet. Darüber hinaus beziehen sich alle Dokumente der Kurie von Tarent, die mit San Marzano in Verbindung stehen, die Beschriftung „casalis Sancti Martialis“.San Marzano di San Giuseppe – Un'isola culturale in Tera di Puglia, S. 39

Nach der Vereinigung Italiens wurden die Bürgermeister der Gemeinden des italienischen Königreichs mit gleichen Namen durch ein königliches Dekret aufgerufen, diese mit einem Suffix zu charakterisieren, das sich mit dem Leben der Bevölkerung identifizierte. Am 7. September 1866 verfügte der Bürgermeister von San Marzano, Francesco Paolo Cavallo, dass der mittelalterliche Ortsname Sanctus Marzanus aufgrund der Verehrung des Heiligen Josef von Nazaret fortan San Marzano di San Giuseppe heißen sollte, um ihn von San Marzano sul Sarno und San Marzano Oliveto zu unterscheiden.

Geschichte Von der Jungsteinzeit bis zur Antike Das Territorium um San Marzano wurde schon in der Jungsteinzeit (5. Jahrtausend v. Chr.) bewohnt, was durch zahlreiche Funde bestätigt wird. Es gibt drei bestimmte Gebiete, wo früheste Formen menschlicher Anwesenheit bezeugt werden: in den ContradePlural von Contrada; italienischer Begriff für ein geographisches Gebiet La Grotte und Neviera und um die Masseriamehrere ländliche Gebäude für landwirtschaftlichen Betrieb; typisch in Süditalien Casa Rossa. In der ersten Contrada, entlang eines Y-förmigen schluchtartigen Einschnittes (Gravina) wurden Spuren einer neolithischen Höhlenbesiedlung gefunden, die, vereint zu einem Höhlenkomplex, um die nahe gelegene Kirche, das heutige Felsenheiligtum Madonna delle Grazie zu finden sind. Dort wurden prähistorisches steinernes Material wie Fragmente vulkanisches Gesteinsglases (Obsidian) und zahlreiche Feuersteinklingen gefunden, während man in den Wänden der Gravina gegrabene Grotten beobachten kann, die als Gräber verwendet wurden und aus der späten Bronzezeit (1300–800 v. Chr.) stammen. Diese Gräber wurden im Frühmittelalter (500 bis 1050 n. Chr.) als unterirdische Behausungen wiederverwendet.San Marzano di San Giuseppe – Un'isola culturale in Tera di Puglia, S. 47

In Contrada Neviera (in der Nähe des Felsenheiligtums) wurden Überreste einer massiven Mauer entdeckt, die die Grenzlinie zwischen dem griechischen (Chora Tarantina) und dem eingeborenen (messapischen) Gebiet von Oria gewesen sein könnte.San Marzano di San Giuseppe – Un'isola culturale in Tera di Puglia, S. 49

1897 wurden entlang der Strada provinciale San Marzano-Grottaglie, zirka zwei Kilometer außerhalb von San Marzano eine Nekropole mit zwei mit attischem Geschirr und einer messapischen Trozzella ausgestatteten griechischen Gräbern gefunden. Die Ausstattung der Gräber und die menschlichen Knochenreste bezeugen einen Zeitraum um das 5. Jahrhundert v. Chr.San Marzano di San Giuseppe – Un'isola culturale in Tera di Puglia, S. 50

Besser dokumentiert ist das Vorhandensein von Hütten in der Contrada der Masseria Casa Rossa, wo 1990 eine Siedlung aus der Jungsteinzeit gefunden wurde. Die Gegend, die mit Klumpen von Gipshütten und Keramikfragmenten verschiedener Art übersät ist, muss stark frequentiert gewesen sein.

In der Römerzeit (8. Jahrhundert v. Chr.–7. Jahrhundert n. Chr.) lag das Gebiet von San Marzano an der Grenze des messapischen Oria und gehörte zum Grundbesitz von Tarent. Im Gebiet der Masseria Casa Rossa gab es einen Pagus. Zahlreiche archäologische Funde, wie Münzen und Überreste eines Landhauses, vielleicht von einem Patrizier, gab es in Contrada Pezza Padula.San Marzano di San Giuseppe – Un'isola culturale in Tera di Puglia, S. 51

Gelegentliche Funde von Gräbern aus dem Frühmittelalter (476 n. Chr.-1000 n. Chr.) mit Grabbeilagen von einer Fibel, eines wertvollen Bronzerings aus dem 5./6. Jahrhundert n. Chr. und einigen byzantinischen Münzen werden im Archäologischen Nationalmuseum von Tarent aufbewahrt.

San Marzano im Mittelalter Es ist bekannt, dass das Gebiet von San Marzano di San Giuseppe im Mittelalter bewohnt war. Durch die ständigen Überfälle der Sarazenen, die vom 8. Jahrhundert bis ca. zum Jahr 1000 dauerten, zogen sich die Bewohner in die in der näheren Umgebung verstreuten Höhlen und in die Nachbargemeinden im Hinterland zurück, wo sie sicherer leben konnten.Casali Albanesi nel Tarentino, S. 52

Es gibt fast keine Angaben über die feudale Nachfolge des von San Marzano in den Jahrhunderten vor der Ankunft der Albaner.Cenni storici, S. 5 Das älteste Dokument, das dieses Gebiet erwähnt, ist aus dem Jahr 1196, als das antike Castrum Carrellum (befestigte Struktur) mit dem angrenzenden Gebiet Caprarica in Verbindung gebracht wurde.Pietro Dalena, S. 60 Ein weiteres Dokument ist eine Schenkungsurkunde aus dem Jahr 1281 von Andrea, Soldat und Inhaber der befestigten Struktur Castrum Carrellum, an den Klerus von Tarent.Vittorio Farella, S. 5–6 1304 wurde Egidio de Fallosa, Besitzer des Tenimentum Sancti Marzani (Landgut Sancti Marzani), von der angevinischen Kanzlei aufgefordert, den Zehnten an den Klerus von Oria zu zahlen.Mario Mattarelli Pagano, S. 142–144

1329 wurde Giovanni Nicola De Temblajo mit dem Casale belehnt.Giuseppe Miccoli, S. 135 Ein Dokument aus dem Archiv von Neapel aus dem Jahr 1378 berichtet, dass der Lehnsherr von San Marzano Graf Guglielmo de Vicecomite war, der weitere Güter in den Casali von Lizzano, San Paolo, Mandurino und Sant'Erasmo besaß.

Später, als das Casale zum Fürstentum Tarent gehörte, war es verfallen und lag an den Grenzen des Fürstentums. Fürst Giovanni Antonio Orsini del Balzo übergab es als Lehnsgut an Ruggero Taurisano, damit dieser es neu besiedelte. Als seine Tochter Delizia (auch: Adelizia) Roberto aus Monterone heiratete und das Casale als Mitgift in die Ehe brachte, war es menschenleer. Roberto bemühte sich, es wiederzubesiedeln und brachte es zu neuem Leben. Am 30. Januar 1461 schenkte Delizia das Casale San Marzano mit königlicher Einwilligung dem Sohn Raffaele,Francesco Occhinegro, S. 4–19 dem der Sohn Roberto folgte, der sich um die Wiederbelebung des Casales bemühte. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts war Roberto in den Aufstand der lokalen Barone (1459–1462) gegen den König von Neapel, Ferdinand I., verstrickt und wurde des Verrates angeklagt. Das Casale zusammen mit dem Fürstentum Tarent gingen nach dem Tod von Ferdinands Frau und Erbin des Fürstentums, Giovanna d’Aragona, 1465 an das Königreich Neapel und teilweise in kleinen Lehen an bewährte Familien mit aragonischem Vertrauen vergeben.

Demetrio Capuzzimati und die albanische Siedlung (1530) mini|hochkant=1.2|Ungefähre Lage von Albania Tarantina mini|hochkant=1.2|Epirus in der Antike

Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts wurden viele zerstörte Casali, die in der Albania Tarantina (im östlichen Teil der heutigen Provinz Tarent gelegen) von den albanischen Soldaten Georg Kastrioti Skanderbegs während des Aufstandes der lokalen Barone (1459–1462) selbst zerstört worden waren, von Albanern wieder aufgebaut und besiedelt.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts gehörte das Lehnsgut von San Marzano Stefano di Mayra von Nardò, Herr des Casales von Sava, der das unbewohnte Lehen 1504 an Francesco Antoglietta, 8. Baron von Fraganano, verkaufte. Es ist historisch bewiesen, dass sich bereits um 1508 in San Marzano einige korfiotische und epirotische Familien aus dem nahe gelegenen Ort Fragagnano im abschüssigen Örtchen von San Marzano niedergelassen hatten, da sie mit der einheimischen Bevölkerung von Fragagnano in Zwist geraten waren. Das Vorhandensein dieser ersten kleinen Gemeinde könnte die Beschaffenheit des ersten städtischen Gefüges des Casale nach 1530 erklären.Cenni storici, S. 11

Es gibt wenig Hinweise auf die erste Besiedlung von San Marzano. Nur aus einem Inventar der Vermögenswerte der “Università” (in Süditalien von 1266 bis 1807 der Name für eine gewissermaßen selbständigen Verwaltungseinheit) von Tarent aus dem Jahr 1528 geht hervor, dass San Marzano „per servicio Cesareo“ (für königlichen Dienst) zehn SalmeSalma war ein Gewichtsmaß und entsprach 161,29 Kilogramm. Stroh bezahlen musste.Cenni storici, S. 12