(„Psyche: Schriften einer Dichterin aus fernen Tagen“), kurz: („Psyche“), ist eine 1972 erschienene, großenteils fiktive Anthologie des ungarischen Dichters . Sie enthält die poetischen Werke der vermeintlich in Vergessenheit geratenen und von Weöres wiederentdeckten ungarischen Dichter und vom Anfang des 19. Jahrhunderts. Während aber tatsächlich existierte und tatsächlich von wiederentdeckt wurde, ist die Dichterin eine literarische Erfindung von .

Inhalt Aufbau besteht im Kern aus der vollständigen Veröffentlichung der von (in Wahrheit also von ) verfassten Gedichte. Die Gedichte sind chronologisch angeordnet und nach den Lebensabschnitten von untergliedert, so dass durch die (oftmals „autobiographischen“) Gedichte auch die Biographie von hindurchschimmert.

Ein bestimmender Faktor in s Leben war die Beziehung zu ihrer Jugendliebe . Das liefert den Vorwand, in einem zweiten Teil von auch Werke von zu veröffentlichen: ausgewählte Gedichte und eine gekürzte Fassung seiner Tragödie („Narziss oder Die mörderische Selbstliebe“).

Ergänzt werden die poetischen Texte durch einige eingeschobene, meist kurze tagebuchartige Notizen und fünf etwas längere Prosatexte: Zwischen den Gedichten von aus den Jahren 1808–1830 und den Werken von (alle 1816 veröffentlicht) ist ein Text von aus dem Jahre 1820 eingefügt, der im Stil eines Tagebucheintrags vom frühen Tod s berichtet; daran knüpft noch ein Briefwechsel von 1821 an. Nach den Werken von folgen nach einer kurzen Würdigung durch den Herausgeber schließlich drei weitere Texte, die alle nach dem Tod von (1831) entstanden sind: eine Erinnerung an von der (fiktiven) Schauspielerin 1842, eine erste literaturwissenschaftliche Würdigung s durch den (fiktiven) Philologen 1871 und schließlich ein Text des (vermeintlichen) Herausgebers 1971.

Handlung Während primär eine Gedichtsammlung ist, lässt sich aus dem Inhalt der Gedichte von Lónyay und den rückblickenden Prosatexten eine Handlung erkennen: stammt einerseits von ungarischem Adel, anderseits aber von Roma ab und sprengt damit schon von ihrer Herkunft her übliche gesellschaftliche Zuordnungen. 1795 geboren, führt sie das gänzlich unangepasste Leben einer emanzipierten, von Gleichgesinnten bewunderten, mit den Großen der damaligen Zeit von Goethe bis Beethoven verkehrenden, sexuell freizügigen und vor allem selbst künstlerisch tätigen jungen Frau, die sich konsequent allen Rollenerwartungen verweigert – ein Leben, das so im Ungarn des frühen 19. Jahrhunderts de facto kaum möglich gewesen wäre.

Die harsche Reaktion der Umwelt, die immer wieder Unheil über sie bringt, lässt 1816 schließlich in eine Ehe mit dem sie seit langem umwerbenden, 24 Jahre älteren Baron Maximilian Freiherrn von Zedlitz einwilligen. Ihre große, unerfüllte Liebe aber bleibt ihr Leben lang , der sie als Kind in einer Roma-Kolonie das Schreiben und später die Poesie gelehrt hatte. Mit ihm kommt es jedoch nie zu einem sexuellen Kontakt, und er stirbt 1820 schließlich (vermutlich anders als der historische Ungvárnémeti Tóth) an Syphilis, die er sich bei einer Prostituierten zugezogen hatte.

kommt 1831 ums Leben, als sie von einem Pferdegespann von Freiherrn von Zedlitz überrollt wird. Es bleibt unklar, ob es sich um einen Unfall oder den Mord eines eifersüchtigen Ehemanns handelte.

Allegorisch-mythologische Ebene gibt in als Beinamen den Namen der Hauptfigur seiner Tragödie, „“ („Narziss“); trägt als dritten Vornamen ohnehin „“ („Psyche“). Dadurch gemahnt die Beziehung zwischen und an die antiken Mythen von Amor und Psyche einerseits und Narziss und Echo andererseits. (Narziss und Echo ist zudem für die antike Vorlage seiner eigenen Tragödie .) bekommt somit eine zweite Bedeutungsebene.

Wie Psyche im Mythos ist unwiderstehlich schön und zugleich der Inbegriff der Seele. verliebt sich in sie. Doch anders als Echo im Mythos ist nicht sprachlos, sondern im völligen Gegensatz dazu als Dichterin besonders sprachmächtig. Dass (der Psyche die Poesie lehrte) dennoch nicht zu ihr findet, zeigt, wie vollkommen er in sich selbst gefangen ist.

wiederum geht nicht unmittelbar wie Echo an zugrunde, der sie verschmäht, sondern scheitert stattdessen an ihrem eigenen Ehemann, Freiherrn von Zedlitz, dem Inbegriff aufgeklärter, nüchterner Rationalität, die alle Sinnlichkeit vereinnahmt.

Die darin angedeutete düstere Zeitdiagnose entspricht ’ diesbezüglich pessimistischer Sichtweise auf die Moderne. belässt es allerdings weitgehend bei diesen Andeutungen durch die Namensgebung; er ist in mehr an den historischen (beziehungsweise fiktiv historischen) Figuren aus Fleisch und Blut und vor allem an ihrem literarischen Werk interessiert. Erst der auf basierende Film Narziss und Psyche rückt den allegorisch-mythologischen Aspekt ins Zentrum.

Form So unangepasst s (fiktives) Leben war, so quer stehen auch ihre (also ’) Gedichte zum literarischen Kanon ihrer Zeit, der von einem patriotischen und moralistischen Stil geprägt war. s Gedichte hingegen kreisen um den Alltag, sind erotisch, spielerisch, humorvoll oder satirisch und dann wieder von metaphysischem Ernst – alles Elemente, die der ungarischen Lyrik der Zeit fehlten. (s an der klassischen Antike orientiertes Werk ist dem Stil seiner Zeit gleichermaßen fremd, wenn auch völlig anders als das von .)

Die von ihm erfundene Dichterin gestattet es somit, seine herausragende Begabung, Lyrik in den verschiedensten Stilen zu verfassen, spielerisch und virtuos auszuleben.

Ähnlich virtuos macht die historische Existenz seiner fiktiven Dichterin plausibel. Nicht nur lässt er sie selbst dem tatsächlich existierenden ungarischen Adelsgeschlecht der entstammen und verknüpft ihr Leben akribisch mit der tatsächlichen Biographie des von ihm hoch geschätzten , dessen Werke er somit ebenfalls veröffentlichen kann. Auch viele andere historische Figuren der Zeit werden geschickt mit dem Leben von in Beziehung gesetzt. So ist es die oft „Elise“ genannte , für die Beethoven Für Elise komponiert, und Goethe widmet ihr sein Gedicht NäheGoethe notiert zu dem Gedicht: „Ein Spiegel für Sie“. Ein eigenes Gedicht für verfasst Goethe nicht, denn: „Sie sind eine indische Göttin, und ein grobes deutsches Gedicht also, was Sie anbetete, wäre Blasphemie.“.

Eine Sonderstellung nimmt die Figur des Maximilian Freiherrn von Zedlitz ein. Als historische Figur selbst nicht verbürgtvergleiche das Neue Preussische Adels-Lexicon, Band 4, Seite 366 ff. (abgerufen am 26. Januar 2011) ist er doch als Abkömmling des Adelsgeschlechts derer von Zedlitz mit Karl Abraham Freiherrn von Zedlitz verwandt lässt nur von der Verwandtschaft mit Joseph Christian Freiherrn von Zedlitz berichten, der aber seinerseits mit Karl Abraham Freiherrn von Zedlitz verwandt war., einem Förderer Immanuel Kants, dem dieser daher seine Kritik der reinen Vernunft widmete. Neben die mythologischen Figuren von und tritt so die allegorische Figur des Freiherrn von Zedlitz als Inbegriff der Aufklärung.

Stellung in der Literaturgeschichte Einordnung ins Werk des Autors Das Kunststück, in der fragmentarischen Form einer fiktiven Anthologie einen ganzen epischen Kosmos mit allegorisch-mythologischen Obertönen auszubreiten und dabei auch noch auf vollkommene Weise literarisch in die Haut einer Dichterin aus einer anderen Epoche zu schlüpfen, wird zumeist als das bedeutendste Werk von angesehen, das all seine Fähigkeiten konzentriert zum Ausdruck bringt. „ “, S. 21

Stellung in der Literaturgeschichte gilt als einer der bedeutendsten ungarischen Dichter des 20. Jahrhunderts. „[H]eute ist er wohl unumstritten der bedeutendste Dichter seines Landes“, 3. Absatz „ “, 1. Absatz „ “, Seite 11 Dementsprechend kann als eines der wichtigsten Werke der ungarischen Literatur des 20. Jahrhunderts angesehen werden. „“, 1. Absatz

Rezeption Wirkungsgeschichte ist die literarische Vorlage für den Experimental-Spielfilm Narziss und Psyche von aus dem Jahre 1980.

veröffentlichte 2005 eine gleichnamige CD mit der Vertonung von 38 Gedichten aus . Die CD wird mit einem Büchlein geliefert, das alle vertonten Gedichte, aber auch Teile der Prosatexte aus enthält.

Übersetzungen Aufgrund des virtuosen Spiels mit den Stilen und Möglichkeiten der ungarischen Sprache gilt als nur schwer bis gar nicht übersetzbar. „Weil er in seinen Gedichten (meist sind es vielteilige Kompositionen) mit tückischen Sprachstrukturen arbeitet, mit alten und neuen Sprachschichten und der Lautmalerei, ist es besonders schwer, ihn ins Deutsche zu übertragen“, vorletzter Absatz „ “, letzter Absatz Eine deutsche Übersetzung existiert bislang nicht.

Literatur (Ungarische) Textausgaben

Vertonung

Sekundärliteratur

Einzelnachweise Zitate von aus:

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Anmerkungen

Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Lyrik-Anthologie Kategorie:Tragödie Kategorie:Literatur (19. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Ungarisch)