Vibravoid ist eine Neo-Psychedelic und Neo-Kraut Rock Band aus Düsseldorf. Die 1988 als Lightshow Society Düsseldorf gegründete Formation wird in der Fachrezeption als Initiatoren des Kraut Rock Revivals und Wortschöpfer des Begriffs Neo-Kraut Rock bezeichnet. Die Gründungsmitglieder waren bei der Formierung noch Teenager und gehören der Nachfolgegeneration der ursprünglichen Hippie-Bewegung an. Die Band ordnet sich dabei selbst dem Neo-Psychedelic Rock zu und knüpft an die musikalischen Traditionen ihrer Heimatstadt Düsseldorf an.

Geschichte Die Band wurde 1990 von Christian Koch (Gitarre, Gesang), Thomas Pojonie (Bass), Oliver Lück (Schlagzeug) und Lutz Dittmann (Orgel) formiert. Bis 1996 agierte die Gruppe parallel unter den Namen Motley Motion und Void Forum.

Vibravoid beschreiben ihren Musikstil mit dem Begriff „(Neo-)Kraut Rock“ und bewusst in zwei Wörtern. Damit beziehen sie sich auf die historische Verwendung des Begriffs. Die zeitgenössische Rezeption griff diese spezifische Genreeinordnung im Jahr 2009 auf und beschrieb die Nischenstellung des Musikstils in Deutschland im Vergleich zum europäischen Ausland wie folgt:

Bereits im Gründungsjahr 1990 experimentierte die Gruppe mit audiovisuellen Formaten. Während die Gründungsmitglieder noch die Schule besuchten, entstand in Räumen am Düsseldorfer Kikweg das Video zum Titel Fernsehapparat. Das Werk kombiniert frühen Neo-Kraut Rock mit experimenteller Videokunst und enthält Lichtexperimente der Lightshow Society Düsseldorf.

Ein zeitgenössisches Bandinfo, das sich über die Postleitzahl „W 4000 Düsseldorf 1“ auf das Jahr 1990 datieren lässt, isoliert die Begriffe Grunge und Fuzz im Neo-Psychedelic, fernab des späteren Stoner Metal und deren Verwendung im Mainstream. Zudem nannte die Band darin, lange bevor sich ein allgemeines Kraut Rock Revival etablierte, Musikgruppen wie Eloy als Einfluss. Der Rückgriff auf diese Wurzeln erfolgte zu einem Zeitpunkt, als das öffentliche und mediale Interesse an Kraut Rock einen historischen Tiefpunkt verzeichnete.Vibravoid-Archiv: Zeitgenössisches Bandinfo, Düsseldorf 1990 belegt die Verwendung der Stilbegriffe „Grunge“ und „Fuzz“ vor den kommerziellen Genrewellen der 1990er-Jahre.Vgl. Zane Van Dusen: Krautrock: The Obscure Genre That Changed the Sound of Rock. In der zeitgenössischen Rezeption der 1980er- und frühen 1990er-Jahre waren Bands der ursprünglichen Krautrock-Bewegung in den Medien nahezu vollständig in Vergessenheit geraten und tauchten in der Musikpresse kaum noch außerhalb von retrospektiven Randnotizen auf.

1993 stießen Dinko Vekic und später Markus Ludwig zur Band, die zuvor Mitglieder der Düsseldorfer Thrash-Metal-Band Assassin waren.

hochkant=1.3|mini|Aufnahmesessions der Band im Essener Potter’s Work Studio (Februar 1994) mit analoger ACE-Inline-Konsole und Siderack-Equipment. Im Februar 1994 nahm Vibravoid das Demotape One Nation Underground auf, das 2003 auf dem Album Turned On Acid erschien. Eine zeitgenössische Rezension des Demotapes im Musikmagazin Intro dokumentierte, dass die Formation ihre Musik selbst als „Neo Kraut Rock“ bezeichnete.Nejc Jakopin: Rezension des Demo-Tapes von Void Forum. In: Intro. Ausgabe 1994, Zitat: „die Band nennt es Neo Kraut Rock.“ In der zweiten Jahreshälfte produzierte die Band ihr erstes Studioalbum. Da das öffentliche Interesse an Kraut- und Psychedelic Rock in den 1990er Jahren gering war, wurde dieses Material erst 27 Jahre später auf 2001 The Ultimate Archive Collection veröffentlicht. Ebenso erschien das Album Phasenvoid mit Aufnahmen aus den frühen 90er Jahren erst im Jahr 2003.

Am 26. Januar 1995 spielte die Band ein Void Forum Konzert im Düsseldorfer Schallplattengeschäft Hitsville Records. Das originale Konzertplakat dieses Auftritts wurde im Jahr 2013 als zeitgenössisches Exponat in der Ausstellung Hitsville – Dealing with Independence im Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen präsentiert.

Vibravoid organisierten 1996 in Düsseldorf eine Jubiläumsveranstaltung zum 30-jährigen Bestehen des Londoner UFO Club. Im Jahr 2001 initiierten Vibravoid mit dem „Love Is Freedom“ Festival in Düsseldorf und folgend in Berlin das erste Psych Fest nach der Hochphase der Techno-Kultur. Da die Szene zu dieser Zeit kaum Strukturen aufwies, traten bei der ersten Ausgabe neben Vibravoid lediglich Mandra Gora Lightshow Society und Liquid Visions auf.

Am 24. Juni 2000 legte Bandleader Christian Koch als DJ bei Bim Reinerts Creamcheese-Veranstaltung im Rahmen der Düsseldorfer Nacht der Museen im Museum Kunstpalast auf. Weitere Zusammenarbeiten mit dem Creamcheese folgten. Am 24. Mai 2025 traten Vibravoid beim Creamcheese Mega Happening im Kölner Blue Shell auf. und

Vibravoid produzierten ihr Debütalbum 2001 zwischen 1997 und 1999 mit analogem Equipment. Am Schlagzeug saß Vom Ritchie (Die Toten Hosen), der die Band auch bei Konzerten in den Jahren 2000 und 2001 unterstützte. Da sich zu dieser Zeit kein Plattenlabel finden ließ, das Interesse an Neo Psychedelic und Neo Kraut Rock hatte, veröffentlichte die Band das Album im Jahr 2000 selbst. Die CD-Auflage in Höhe von 2000 Stück verkaufte sich in kürzester Zeit. Auch die erste Vinyl-Auflage mit 1150 Exemplaren war schnell ausverkauft; insgesamt erreichten die physischen Pressungen des Werks über verschiedene Editionen eine kumulierte Gesamtauflage von über 10.000 Einheiten.Vgl. Verkaufsstatistiken und Pressauflagen Nasoni Records, Fall Out Boy Records, Stoned Karma Records, Krauted Mind Records (kumulierte Auflagenzahlen 2000–2025). Im Jahr 2005 erschien aufgrund der anhaltenden Nachfrage eine weitere Vinyl-Auflage speziell für den japanischen Markt.

Im September 2002 erschien über das Independent-Label Nasoni Records das zweite Studioalbum Void Vibration, welches das Musikmagazin eclipsed in seiner Ausgabe vom Oktober 2002 als „CD des Monats“ auszeichnete. Die Erstauflage erschien als „Op Art Picture Disc Set“, das durch Drehen der Schallplatte im Cover kinetische optische Effekte erzeugte. Das Album entwickelte den Sound der Band weiter, führte neue klangliche Elemente ein und verdeutlichte die Bezüge zur Düsseldorfer Schule.

Das dritte reguläre Studioalbum The Politics of Ecstasy erschien im Jahr 2008 und enthielt neben Coversongs von Strawberry Alarm Clock und Silver Apples das über 20-minütige Stück Your Mind Is At Ease. Der Düsseldorfer Bassist Ufo Walter, der unter anderem durch seine Zusammenarbeit mit Randy Hansen, Marla Glen und Embryo bekannt ist, spielte auf dem Album den Bass ein. In der Fachrezeption stieß das Werk auf breite Resonanz. Claus Wittwer bezeichnete Vibravoid im Ox-Fanzine als die „immer noch ausschlaggebendste deutsche Psychedelic-Band“ und wertete das Werk als „durchweg ein Hammeralbum“.Claus Wittwer: Vibravoid – The Politics Of Ecstasy. In: Ox-Fanzine. Ausgabe #108, Juni/Juli 2013, abgerufen am 14. August 2026. Das It’s Psychedelic Baby Magazine bezeichnete die Veröffentlichung als „Meisterwerk“.Klemen Breznikar: Vibravoid – The Politics Of Ecstasy (2012) review. In: It’s Psychedelic Baby Magazine. 17. Januar 2013, abgerufen am 14. August 2026. Rebekka Mruck würdigte in Melodie & Rhythmus die gelungenen Coverversionen sowie die Live-Tracks, welche den Status der Band in der europäischen Underground-Szene untermauern, und hob die Klangqualität durch das analoge Vintage-Equipment hervor. Claudio Sorge verwies im italienischen Musikmagazin Rumore auf Timothy Learys Leitspruch „Turn On, Tune In, Drop Out“ und den Freak-Out-Ansatz der psychedelischen Musik der 1960er-Jahre, an den Vibravoid mit dem Album anknüpfen.

2008 kam es zur Zusammenarbeit mit dem Gründungsmitglied Sky Saxon von The Seeds. Die dabei entstandenen Aufnahmen (A Poetry Of Love) wurden 2010 veröffentlicht und gelten als Saxons letzte Studioeinspielungen.

August 2009 erschien in England die Kraut Rock Sensation EP, die Coverversionen von Kraftwerk (Ruckzuck), Can (Mother Sky) und Amon Düül II (Eye Shaking King) enthielt. Die Veröffentlichung fiel in eine Phase, in der das Genre Kraut Rock in Deutschland medial als Nischendasein rezipiert wurde.

Im September 2009 folgte mit Distortions das vierte Studioalbum der Formation, welches auf den Aufnahmen der zuvor veröffentlichten Kraut Rock Sensation E.P. basiert. Der Track Mother Sky ist in einer fast 20-minütigen Fassung auf dem Album enthalten. Im Jahr 2013 erschien über das Label Stoned Karma Records eine erweiterte Neuauflage als Doppel-CD-Edition, die umfangreiches Bonusmaterial wie Demos und Live-Aufnahmen aus Bari enthält.

Im selben Jahr produzierte die Band unter dem Namen Astrophobia das Album Black Zodiac, das nach eigenen Angaben als humoristische Auseinandersetzung mit Klischees des Stoner Rock konzipiert war.

Im April 2010 veröffentlichte Fruits De Mer Records die What Colour Is Pink? EP, die Interpretationen der Pink Floyd Titel Set the Controls for the Heart of the Sun, Let There Be More Light und A Saucerful Of Secrets enthält. Für die Aufnahmen der EP kam ein Mellotron zum Einsatz. Das britische Musikmagazin Classic Rock listete das Werk in seiner Rubrik „Heavy Rotation“ und zog stilistische Vergleiche zu den frühen Kraftwerk sowie dem BBC Radiophonic Workshop: Der Journalist Alfred Crespo kommentierte zudem im spanischen Musikmagazin Ruta 66, dass die EP ein halbes Jahr vor dem offiziellen Sampler An Introduction to Syd Barrett erschien, welcher langfristig den Syd-Barrett-Hype im heutigen Mainstream auslöste.

Am 13. April 2011 folgte das Album Minddrugs, das mit einer 20-minütigen Version von Set the Controls for the Heart of the Sun das Konzept der vorausgegangenen EP fortsetzt. Auch auf diesem Album wurde das Mellotron wieder für die Aufnahmen benutzt. Das Musikmagazin eclipsed urteilte über das Album: „Mit Minddrugs lieferten die Düsseldorfer Vibravoid 2011 ihr bislang wohl stärkstes Album ab. Hierauf finden sich amtliche Psychedelic mit viel moderner Indie-Härte (What You Want), Krautrock wie aus der Haschpfeife (Do It Alright), verzerrter Gitarren-Mahlstrom allerbester Acid-Güte (You Keep On Falling), Raumpatrouille-Orion-Spacesounds (Lost Intensity) und natürlich die originelle 22-Minuten-Version von Pink Floyds Set the Controls for the Heart of the Sun.“

Mit dem 2012 veröffentlichten Studioalbum Gravity Zero etablierte die Band bereits im über 13-minütigen Eröffnungsstück Gravitation Zero eine dichte Klangkulisse aus Space Rock und Psychedelic Rock, die maßgeblich durch den Einsatz von Vox-Phantom-Gitarren, Theremin und Mellotron geprägt ist. Das Werk entwickelte sich zum bis dahin kommerziell erfolgreichsten Tonträger der Band. Die Erstauflage von 500 Exemplaren in blauem und 500 Exemplaren in orangem Vinyl war bereits vor der offiziellen Veröffentlichung ausverkauft, sodass noch vor dem Veröffentlichungstermin eine unlimitierte Pressung auf schwarzem Vinyl sowie eine mehrfach nachgepresste CD-Version in Produktion gehen mussten.Vibravoid-Archiv: Offizielle Bandbiografie und Pressemitteilung zum Release von Gravity Zero. Düsseldorf 2012. Später erschien zudem eine erweiterte 2LP-Version mit Bonus-Tracks. Neben Eigenkompositionen enthält der Tonträger Neuinterpretationen der Titel The White Ship von H. P. Lovecraft sowie No Silver Bird von Hooterville Trolley und greift damit abseits des Mainstreams entstandene Stücke des US-amerikanischen Psychedelic Rock der späten 1960er-Jahre auf. In der Fachpresse wurden diese Coverversionen als sorgfältige Bearbeitungen des historischen Underground-Materials charakterisiert. Das Musikmagazin Rock Hard vergab für das Album acht von zehn möglichen Punkten und zog ein positives Fazit: „Gravity Zero ist ein hochgradig authentisches, detailverliebtes, hochpsychedelisches Statement, das den Hörer über weite Strecken tief in seinen Bann zieht.“