__NOTOC__ Paul Ziegler (* 29. November 1874 in Heidenheim an der Brenz; † 23. April 1956 in Flensburg) war ein deutscher Architekt und Baubeamter, der als Magistratsbaurat in Flensburg zahlreiche Bauten verwirklichen konnte. Ziegler baute im Stil der Heimatschutzarchitektur.Flensburger Tageblatt: Flensburger Architektur: Ziegelsteine vermitteln Heimatgefühl, vom: 24. August 2015; abgerufen am: 23. Juli 2017

Leben Paul Ziegler wurde 1874 als Sohn des Oberamtsbaumeisters Jacob Christian Ziegler (1840–1902) und seiner Frau Wilhelmine Ziegler, geb. Heller (1844–1920), in Heidenheim an der Brenz geboren. Durch die baumeisterlichen Tätigkeiten seines Vaters, der ihn oft auf Baustellen mitnahm, verschrieb er sich früh dem Bauwesen. Nach Abschluss der mittleren Reife in Heidenheim (1889) und Abitur in Stuttgart (1891), leistete er seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger bei der Fußartillerie in der Reichsfestung Ulm. Von 1892 bis 1898 studierte er Architektur an der Technischen Hochschule Stuttgart. Ab 1899 arbeitete er in dem renommierten Architekturbüro von Ludwig Eisenlohr und Carl Weigle in Stuttgart. 1902 führte er seine erste private Planung der Villa Bühler in Heidenheim aus. In den Jahren 1902 bis 1904 sammelte er Erfahrungen in weiteren Architekturbüros in Düsseldorf und Berlin. Als Mitarbeiter des Marinebauamts Kiel unter der Leitung von Garnisons-Bauinspektor Adalbert Kelm wirkte er an der Entwurfsplanung der Marineschule Mürwik (1904/1905) mit.

Am 6. November 1905 wurde er als Stadtbauinspektor bei der Stadt Flensburg angestellt und heiratete 1908 Gertrud Bauer, die Tochter des Werftdirektors Jacob Bauer. Mit der Pensionierung des Stadtbaurates Otto Fielitz übernahm er die Leitung der Baupolizeiabteilung und des Hochbauamtes. 1912 war er maßgeblich beteiligt an der Durchführung der Flensburger Bauausstellung.

Nach der Machtergreifung Adolf Hitlers 1933 versuchte der nationalsozialistische Flensburger Oberbürgermeister Wilhelm Sievers, Paul Ziegler aufgrund einer angeblichen Unstimmigkeit zwischen der norddeutschen Baukultur und seiner schwäbischen Herkunft aus dem Amt zu drängen. Die örtliche Handwerkerschaft bewahrte ihn jedoch davor und stand hinter ihm. Tatsächlich glaubten Sievers und andere, Ziegler würde aufgrund seiner Gesinnung nicht zur nationalsozialistischen Ausrichtung seiner Arbeit stehen. Dennoch reduzierten sich seine Ämter von den Jahren 1934 bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1939 enorm, so dass er am Ende seiner Laufbahn nur noch für das Baupolizeiamt, das Siedlungswesen und die Gebäudeerhaltung zuständig war. 1956 starb Paul Ziegler im Alter von 81 Jahren in Flensburg. Nach ihm wurde 1997 die Paul-Ziegler-Straße in Flensburg benannt.Dieter Pust: Flensburger Straßennamen. Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, Flensburg 2005, ISBN 3-925856-50-1, Artikel: Am Margarethenhof, S. 144f.

Werk Sein besonderes Wirken begann erst in der Stadt Flensburg, wo er u. a. Hafengebäude, Schulen und Wohnviertel errichtete. In Apenrade baute er 1926 eine Deutsche Schule und auf Amrum ein „Flensburg Hus“ für das dortige Kinderheim um. Er war ab 1920 vom Baustil der Neuen Sachlichkeit beeinflusst, wie sich in vielen wichtigen Bauten zeigt. Zu seinen bekanntesten Bauten gehört das Deutsche Haus. Bei vielen seiner Projekte arbeitete er mit dem Stadtarchitekten Theodor Rieve zusammen.Flensburger Architektur: Ziegelsteine vermitteln Heimatgefühl Flensburger Tageblatt vom 24. August 2015, abgerufen am 1. September 2015

Bauten und Entwürfe in Flensburg mini|hochkant=0.7|Der Burghof mit seinem fast mittelalterlichen Charakter mini|hochkant=0.7|Tafel mit Erwähnung Paul Zieglers im Burghof 1906: Fassade des Wohn- und Geschäftshauses Holm 14 1909: Wohn und Geschäftshaus Norderstraße 151/153 1909–1910: Wohnbebauung des Burghofes; Bau mit historisierender Wirkung 1910: Kapelle auf dem Friedhof am Friedenshügel 1910–1912: Auguste-Viktoria-Schule 1912–1913: Ehemalige Seminar-Übungsschule am Kanonenberg (später Knaben-Mittelschule, Hebbelschule, heute Auguste-Viktoria-Schule, Haus B) 1912–1913: Zeichensaalgebäude der Schule Ramsharde 1912–1913: Eichamt Flensburg im Johannisviertel 1912–1913: Turnhalle der Hohlwegschule 1913: Umformerstation mit Bedürfnisanstalt Nordergraben 1914: Sanierung des Nordertors 1914–1916: Petri-Schule 1914–1919: erster Bauabschnitt und 1927 zweiter Bauabschnitt der Goethe-Schule 1920–1921: Mehrfamilienhäuser Harrisleer Straße 1921: Städtisches Verwaltungsgebäude mit Pumpstation am Nordertor (Erweiterungsbau 1923/24) 1921: Pumpstation Ballastbrücke 1921–1922: Haushaltsschule, Dr.-Todsen-StraßeLutz Wilde (Bearb.): Stadt Flensburg. Neumünster, Wachholtz 2001 (Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein; 2), ISBN 3-529-02521-6, S. 144. 1921–1922: Wohnungen Apenrader Straße 106–122, dem Beginn des Wohnquartiers Tempelhof (siehe dort) 1922–1923: Beamtenwohnhaus des Gaswerkes Flensburg, Batteriestraße 45 1922–1925: Wohnhäuser Mommsenstraße 4–11 / Jürgensgaarder Straße 58 1923: Kaffeeschänke mit Bedürfnisanstalt Ballastkai 1923: Städtisches Lagerhaus am Freihafen, Harniskai 8/10 1923: Stadtspeicher (Freihafen-Silo), Harniskai 22 1924–1925: Mehrfamilienhäuser Adelbykamp / Glücksburger Straße 1924: Umbau des Hofes Solitüde des Barons Schack von Brockendorf zu Petersholm und Thomasgaard zur heutigen Wirtschaft Solitüde 1925: Umbau Kinderheim Jürgensgaarder Straße 1925: Beamtenwohnhaus des Kraftwerkes, Ostseebadweg 53/55 1925: Mehrfamilienhäuser Mommsenstraße / Glücksburger Straße 1926–1927, 1929: Seegrenzschlachthof, Brauereiweg 16 1928: Wohn- und Geschäftshaus, Südermarkt 7 1928–1929: Gebäude Schloss-Duburg-Schule am Schloßwall für die Städtische Handelslehranstalt 1928–1930: Deutsches Haus und NDR-Studio Flensburg 1929–1930: Ostseeschule Flensburg 1932–1934: Stadtrandsiedlungen Twedter Feld, Ochsenweg, Friedensweg 1936–1937: Volkswohnungen Schwarzer Weg, 1. Bauabschnitt 1937–1938: Volkswohnungen Schwarzer Weg, 2. Bauabschnitt 1938: Marktwache auf der Exe; Architekt war Theodor Rieve, Zieglers Beteiligung wird vermutet.Vgl. Broder Schwensen [Hrsg.]: Paul Ziegler - Magistratsbaurat in Flensburg 1905–1939. Flensburg 1998, ISBN 3-925856-31-5. (= Kleine Reihe der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, Band 29.), Seite 218

Schriften

Die städtebauliche und architektonische Entwicklung der Stadt Flensburg. In: Schleswig-Holsteinisches Jahrbuch, Bd. 17 (1927), S. 180–187.

Literatur Paul Ziegler, Magistratsbaurat in Flensburg 1905–1939. Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, Flensburg 1998, ISBN 3-925856-31-5. (= Kleine Reihe der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte; 29). Henrik Gram / Eiko Wenzel: Zeitzeichen. Architektur in Flensburg. Verlagshaus Leupelt, Handewitt 2015, ISBN 978-3-943582-11-6. Bernd Philipsen: Paul Ziegler: Seine Gebäude prägen die Stadt. In: ders.: Flensburger Köpfe: Frauen und Männer aus der Stadtgeschichte. Baltica-Verlag, Glücksburg 2009 (Kleine Reihe der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte; 36), ISBN 978-3-934097-36-0, S. 63–65.

Einzelnachweise

Weblinks

Paul Ziegler bei vimu.info

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