mini|297px|Ellhofen von Südosten Ellhofen ist eine Gemeinde im Landkreis Heilbronn in Baden-Württemberg. Sie gehört zur Region Heilbronn-Franken und zur europäischen Metropolregion Stuttgart.
Geographie Geographische Lage Ellhofen liegt im Tal der Sulm am Zufluss des Ellbachs von Süden her und etwa sieben Kilometer östlich von Heilbronn, im Gipskeuper. Naturräumlich liegt die Gemeinde im Unterraum Weinsberger Tal der zu den Schwäbisch-Fränkischen Waldberge gehörenden Löwensteiner Berge. Die höchste Erhebung ist der hohe Ketzersberg am Ostrand des Gemeindegebietes im Gipskeuper, der eine Rundumsicht auf das Weinsberger Tal gewährt.
Nachbargemeinden Nachbarstädte und -gemeinden sind Weinsberg im Westen und Norden, Obersulm im Osten und Lehrensteinsfeld im Süden, alle zum Landkreis Heilbronn gehörend. Eine kleine Ellhofener Exklave (nur Wald) befindet sich nordöstlich der eigentlichen Gemeinde zwischen Weinsberg-Wimmental, Obersulm-Willsbach und Bretzfeld-Dimbach (Hohenlohekreis). Zusammen mit Eberstadt, Lehrensteinsfeld und Weinsberg bildet Ellhofen den Gemeindeverwaltungsverband „Raum Weinsberg“ mit Sitz in Weinsberg.
Gemeindegliederung Zu Ellhofen gehören keine weiteren Ortsteile oder Orte im geographischen Sinne. Auf der Ellhofener Gemarkung befand sich vielleicht früher der abgegangene, heute nicht mehr bestehende Ort Burkhardswiesen, der vielleicht aber auch auf der Gemarkung Weinsberg gelegen haben könnte.Quelle für den Abschnitt Gemeindegliederung: Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1. S. 148.
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Ellhofen.
Geschichte
Frühe Geschichte Ellhofen wird im Öhringer Stiftungsbrief über die Gründung des Öhringer Chorherrenstiftes durch Bischof Gebhard II. von Regensburg im Jahre 1037 erstmals erwähnt. Die Hälfte Ellhofens befand sich zu dieser Zeit bereits im Besitz dieses Stifts. Gericht und Vogtei und damit die Obrigkeit über Ellhofen lagen vor der Mitte des 14. Jahrhunderts bei den Herren von Neuenstein, die dem Öhringer Stift 1354 drei Viertel am Gericht und an der Vogtei verkauften. Das restliche Viertel gelangte 1356 über Wolf von Stein, der es von seinem Schwiegervater Konrad von Neuenstein geerbt hatte, an Engelhard von Weinsberg.
Nach Aufhebung des Stifts in der Reformation wurden seine Güter und damit auch sein Ortsanteil an Ellhofen von den Grafen von Hohenlohe verwaltet, die schon zuvor als Vögte das Stift in Ellhofen vertreten hatten. Der Weinsberger Anteil ging in zwei Etappen 1412 und 1450 zunächst an die Kurpfalz und 1504 schließlich an Württemberg, das seinen Anteil 1755 dem Oberamt Weinsberg zuordnete. Obwohl nur im Besitz des geringeren Anteils an Ellhofen, gelang es Württemberg dennoch, seine Rechte in Ellhofen mehr und mehr zu erweitern. Nach jahrzehntelangen Streitigkeiten zwischen Hohenlohe und Württemberg wurde im Weinsberger Abschied aus dem Jahre 1567 die landesfürstliche und hohe Obrigkeit über Ellhofen den Württembergern zugestanden. Auch in der Folgezeit kam es jedoch immer wieder zu Streit zwischen den beiden Ortsherrschaften.
19. und 20. Jahrhundert Durch die Mediatisierung kam auch der hohenlohische Teil Ellhofens 1806 an das neue Königreich Württemberg. Nach der im Zuge einer Verwaltungsreform des Volksstaates Württemberg durchgeführten Auflösung des Oberamtes Weinsberg wurde der Ort 1926 dann dem Oberamt Heilbronn zugeordnet. Seit der Verwaltungsreform 1938 während der NS-Zeit in Württemberg gehört Ellhofen zum Landkreis Heilbronn.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Ellhofen häufig von amerikanischen Tieffliegern heimgesucht. Das Rathaus sowie drei Wohnhäuser wurden durch Artilleriebeschuss und am 20. März 1945 die Bahnhofsgegend durch Bomben und einer Explosion von zwei mit Pulver beladenen Wagen zerstört. Deutsche Truppen sprengten in der Nacht vom 12. auf den 13. April 1945 vor ihrem Rückzug Bahn- und Flussbrücken. Tagsüber kamen gegen 13:30 Uhr aus Richtung Weinsberg amerikanische Panzer, wodurch die Bewohner gezwungen wurden, in einfachen Gebäuden wie Schuppen zu hausen. Einen Tag später, am 14. April, wurde von den Amerikanern der Bürgermeister seines Amtes enthoben. 1945 wurde der Ort Teil der Amerikanischen Besatzungszone und gehörte somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging.
mini|Ortsplan Ellhofen von 1833
Religionen 1412 erwarb die Kurpfalz gemeinsam mit der Hälfte von Burg und Ort auch das Patronatsrecht über die Kirche von den Herren von Weinsberg. Im Bayerischen Erbfolgekrieg 1504 kam Ellhofen mit der Herrschaft Weinsberg an Württemberg und wurde von dort aus 1534 reformiert. Seither ist der Ort weitgehend evangelisch geprägt. Heute gibt es die evangelische Kirchengemeinde EllhofenWebsite der Evangelischen Kirchengemeinde Ellhofen (seit 1952, vorher Filial der Weinsberger Kirchengemeinde), die zum Kirchenbezirk Weinsberg-NeuenstadtWebsite des Evangelischen Kirchenbezirks Weinsberg-Neuenstadt der Evangelischen Landeskirche in Württemberg gehört.
Für die katholischen Christen ist die römisch-katholische Kirchengemeinde in Wimmental zuständig. Mit der 1967 geweihten Heilig-Kreuz-Kirche gibt es in Ellhofen aber ein eigenes katholisches Kirchengebäude. Auch eine neuapostolische Kirchengemeinde mit eigenem Kirchengebäude ist am Ort.
Einwohnerentwicklung 1702: 338 Einwohner 1745: 491 Einwohner 1933: 863 Einwohner 1939: 934 Einwohner 1945: 1068 Einwohner 1991: 3038 Einwohner 1995: 3057 Einwohner 2000: 3260 Einwohner 2005: 3352 Einwohner 2010: 3328 Einwohner 2015: 3562 Einwohner 2020: 3738 Einwohner 2022: 3931 Einwohner 2023: 3982 Einwohner 2024: 3998 Einwohner
mini|Das Rathaus von Ellhofen
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Ellhofen besteht aus zwölf Mitgliedern und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem EndergebnisStatistisches Landesamt, Ergebnis der Gemeinderatswahlen 2024.
Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019FWVFreie Wählervereinigung Ellhofen50,22659,47BEBürgerliste Ellhofen23,92340,65EllLiEllhofener Liste25,8630,00gesamt100,012100,012Wahlbeteiligung65,66 %63,7 %
Bürgermeister Bürgermeister bzw. (vor dem 1. Dezember 1930) Schultheiße Ellhofens waren seit Beginn des 20. Jahrhunderts:
1878–1906: Albrecht Hofmann 1906–1919: Karl Gettling 1919–1945: August Breitenbücher 1945–1946: Karl Schwarz 1946–1948: Walter Meyle 1948–1978: Ernst Schulz 1978–2003: Georg Michl (CDU) 2003–2023: Wolfgang Rapp (SPD) Seit 2024: Felix Pontow (parteilos)
Bürgermeister ist seit dem 22. Januar 2024 Felix Pontow. Er wurde am 8. Oktober 2023 mit 93,9 Prozent der Stimmen zum Nachfolger von Wolfgang Rapp (SPD) gewählt, der das Amt zum Jahresende 2023 niedergelegt hatte.
Wappen und Flagge mini|120px|Wappen Ellhofens Die Blasonierung des Ellhofener Wappens lautet: In Blau zwei schräg gekreuzte silberne Schlüssel mit nach unten und auswärts gekehrten Bärten. Die Flagge der Gemeinde ist Weiß-Blau.
Der Schlüssel ist das Attribut des heiligen Petrus. In den Ellhofener Gemeindesiegeln sind die Schlüssel seit 1844 festzustellen. Sie können sowohl auf Petrus als Mitpatron der Ellhofener Kirche als auch auf das Stift in Öhringen bezogen werden, das seit dem 11. Jahrhundert in Ellhofen Besitz hatte und den Heiligen Petrus und Paulus geweiht war. 1938 wurden die Schlüssel erstmals zu Wappenfiguren des Ellhofener Wappens. Die Wappenfarben wurden ebenfalls 1938 von der württembergischen Archivdirektion vorgeschlagen. Wappen und Flaggenfarben wurden der Gemeinde am 25. März 1963 vom baden-württembergischen Innenministerium verliehen.Quellen für den Abschnitt Wappen und Flagge: Heinz Bardua: Die Kreis- und Gemeindewappen im Regierungsbezirk Stuttgart. Theiss, Stuttgart 1987, ISBN 3-8062-0801-8 (Kreis- und Gemeindewappen in Baden-Württemberg, 1). S. 59 Eberhard Gönner: Wappenbuch des Stadt- und des Landkreises Heilbronn mit einer Territorialgeschichte dieses Raumes. Archivdirektion Stuttgart, Stuttgart 1965 (Veröffentlichungen der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg, 9). S. 75.
Partnergemeinde Nach ersten Kontakten ab 1986 ist seit 1988 das italienische Peccioli (Provinz Pisa, Toskana) Partnergemeinde Ellhofens. In Ellhofen kümmert sich der Verein zur Pflege internationaler Beziehungen um die Pflege der Partnerschaft.
mini|hochkant|Die evangelische Kirche zum Heiligen Kreuz, Sankt Peter und Genovefa Kultur und Sehenswürdigkeiten Kirche zum Heiligen Kreuz, Sankt Peter und Genovefa
Die evangelische wurde bereits im 14. Jahrhundert erwähnt. Den Kern des heutigen Bauwerks bildet eine romanische Chorturmkirche, mit deren Bau – vermutlich am Platz einer früheren Kapelle – gemäß den im Turmchor erhaltenen Fresken spätestens um 1380 begonnen worden sein dürfte. Nach einer Bauinschrift wurde der Chorturm 1498 in seiner heutigen Gestalt fertiggestellt. Der heute noch erhaltene spätgotische Schnitzaltar, der Ellhofener Altar, kam vermutlich im Zusammenhang mit diesem Ausbau in die Kirche. Erneuerungsmaßnahmen sind für 1733, 1741 und 1799 belegt. 1837 wurde die Kirche nach Süden hin durch einen Querhausanbau bei Entfernen der Südwand erweitert und der Innenraum als Querkirche gestaltet. Im kreuzgewölbten Chor des Ostturms wurden vom Ulmer Restaurator Walter Hammer 1960 Wandmalereien freigelegt. Zwischen 1971 und 1977 wurde die Kirche vom Stuttgarter Bauhistoriker und Architekt Walther-Gerd Fleck (1926–2014) gründlich bauhistorisch erfasst und im Verbund mit einer baulichen Verbreiterung des Kirchenschiffes (Neubau des nach Norden und Süden verbreiterten Schiffs zu einem querrechteckigen Kirchenraum mit einer Neuinterpretation des Querkirchen-Konzepts).Walther-Gerd-Fleck: Kirche zum Heiligen Kreuz, Sankt Peter und Genovefa Ellhofen; Hg. Ev. Kirchengemeinderat Ellhofen; Ellhofen/Weinsberg 1981Festschrift: Einweihung der erneuerten und erweiterten Kirche zum Hl. Kreuz, Sankt Peter und Genovefa zu Ellhofen 21.8.1977 Die Westgiebelwand wurde saniert und erhalten, die Ausrichtung der Bankreihen in zwei diagonalen Blöcken auf die liturgische Mitte (Kanzel und Altar) geschah weitgehend nach den Kirchbau-Grundsätzen des Wiesbadener Programms. Der Gemeindehausanbau im Süden erlaubt mittels einer Faltwand die Einbeziehung des Gemeindesaals in den Kirchenraum. Die abstrakt-ornamentalen Bleiverglasungen der Fenster im Erweiterungsbau schuf die Stuttgarter Glasmalwerkstatt V. Saile.