Liancourt-Felsen Japanischer Name Kanji Rōmaji nach Hepburn Takeshima Koreanischer Name Hangeul Hanja Revidierte Romanisierung Dokdo McCune-Reischauer Tokto
Die Liancourt-Felsen (, ) sind eine Inselgruppe im Japanischen Meer (Ostmeer) zwischen der koreanischen Halbinsel und dem japanischen Archipel, das von Südkorea verwaltet wird. Bis 1910 wurden die Inseln vom Kaiserreich Korea verwaltet. Mit der gänzlichen Annexion von Korea durch Japan im Jahre 1910 gelangten die Inseln bis 1945 auch unter die Kontrolle von Japan.
Die Felsen bestehen aus zwei kleineren Inseln und 35 Felsen, mit einer Gesamtfläche von 0,187554 Quadratkilometern und einer maximalen Höhe von 168,5 Metern auf der westlichen Insel.
Die englische Bezeichnung Liancourt Rocks stammt von Le Liancourt, dem Namen eines gleichnamigen französisches Walfangschiffs, das dort 1849 beinahe Schiffbruch erlitt. Ein weiterer internationaler, aber heutzutage kaum noch verwendeter Name ist die Bezeichnung Hornet Islands,Adolf Stielers Handatlas, Ausgabe von 1891, S. 63. welche den Felsen vom gleichnamigen englischen Kriegsschiff 1855 gegeben wurde.
Geographie Die Liancourt-Felsen sind ein Archipel aus zwei kleineren, gebirgigen Felseneilanden, die von 33 noch kleineren Felsen umgeben sind. Die Landfläche beträgt insgesamt etwa 0,21 km² (zum Vergleich: Die Hauptinsel Helgolands ist ungefähr 1 km² groß).
Die Liancourt-Felsen sind vulkanischen Ursprungs und liegen 183 Meter voneinander entfernt.
Das westliche Eiland () ragt 157 Meter aus dem Meer. (PDF; 4,04 MB) National Geospatial-Intelligence Agency Auf Japanisch heißt es , auf Koreanisch (Hanja ), beides bedeutet wörtlich „Westinsel“. Im Japanischen gibt es außerdem die alternative Bezeichnung , die entweder Otokojima oder Ojima ausgesprochen wird und „Männerinsel“ oder „männliche Insel“ bedeutet. mini|Die östlich gelegene Insel Das östliche Eiland () ist niedriger und flacher als die westliche Insel. Auf Japanisch heißt es , auf Koreanisch (Hanja ), beides bedeutet wörtlich „Ostinsel“. Im Japanischen gibt es außerdem die alternative Bezeichnung , die entweder Onnajima oder Mejima ausgesprochen wird und „Fraueninsel“ oder „weibliche Insel“ bedeutet.
Lage
Die Felsen liegen fast genau auf einer gedachten mittigen Grenzlinie zwischen der japanischen Hauptinsel Honshū und der Koreanischen Halbinsel. So liegen die Felsen etwa 211 km nördlich von Honshū, etwa 217 km östlich der südkoreanischen Küste und etwa 328 km südöstlich des nordkoreanischen Festlands.
Allerdings verwalten Japan und Südkorea Inseln im Japanischen Meer, die sich näher an den Liancourt-Felsen befinden als die Küsten selbst. Die von den Felsen aus gesehen nächsten großen und bevölkerten Inseln Japans sind die Oki-Inseln. Diese liegen etwa 157 km südöstlich der Felsen. Die Oki-Inseln wiederum liegen 67 km nördlich der japanischen Hauptinsel Honshū. Die nächste große und bevölkerte Insel unter südkoreanischer Verwaltung ist Ulleungdo. Sie liegt etwa 88 km westlich der Liancourt-Felsen. Von Ulleungdo aus sind es etwa 120 km zur südkoreanischen Küste.
Klima Das ozeanische Klima der Felsengruppe ähnelt dem der näher an der koreanischen Küste gelegenen Insel Ulleungdo.
Die durchschnittliche Jahrestemperatur liegt bei 12 °C, mit einer durchschnittlich tiefsten Temperatur von 1 °C im Januar und durchschnittlich höchsten Temperatur von 23 °C im August.
Die warmen Wasserströmungen begünstigen regelmäßige Nebel- und Wolkenbildung, weshalb es an mehr als 160 Tagen im Jahr wolkig ist und es an bis zu 150 Tagen im Jahr regnet. Der durchschnittliche Jahresniederschlag beträgt 1240 mm und setzt sich größtenteils aus den Schneefällen im Winter zusammen.
Bevölkerung Auf den Liancourt-Felsen leben etwa vierzig Bewohner. Der erste Bewohner der Insel war der Koreaner Choi Jong-duck, welcher sich im März 1965 auf der Insel niederließ. Heute wohnen auf der Insel eine Familie und 33 Angestellte der Küstenwache sowie drei Manager des Leuchtturms der Insel und zwei Mitarbeiter des Dok-do-Management-Büros des Bezirks Ulleung.
Verwaltung Die Zugehörigkeit der Felsen ist zurzeit ungeklärt. Beide Staaten haben sie in ihre Verwaltungsgliederung aufgenommen:
In Japan wurden die Felsen unter die Verwaltungshoheit der Gemeinde Okinoshima und damit der Präfektur Shimane unterstellt. In Südkorea wurden sie der Insel Ulleungdo und damit der Region Gyeongsangbuk-do unterstellt, verwaltet werden sie aber vom Ministerium für Ozeane und Fischerei. Auf der Insel leben 50 Menschen.
Tourismus Seit 2005 hat die Anzahl der Besucher der Ostinsel Dong-do mit täglich etwa 500 Besuchern insgesamt zwei Millionen erreicht. Um die Insel Seo-do besuchen zu können, ist zuvor eine Genehmigung des Bezirks Ulleung notwendig.
Geschichte und Ansprüche
Dokdo in Koreanischen Archiven Laut der Samguk Sagi (Chroniken der Drei Reiche) taucht Ulleungdo in koreanischen Aufzeichnungen seit der Eroberung des Königreichs Usan-guk (Hangeul , Hanja: ) durch das Königreich Silla (57 v. Chr. – 935 n. Chr.) im Jahr 512 auf. erwähnt. In der Sejong sillok jiriji (世宗實錄地理志, Geographischer Anhang der Chronik von König Sejong), 336 Jahre später, sind die Inseln Usan-do (, Hanja: ) als Teil des koreanischen Inselstaates aufgeführt.
Nach der Invasion von Ulleungdo durch Japanische Piraten, die große Verluste an Menschenleben forderte, befahl König Taejong 1417, dass die Bewohner dieser Insel auf die Halbinsel gebracht werden sollten und die Politik der „leeren Inseln“ erlassen werden soll, die es den Menschen aufgrund sicherheitsbedingter Erwägungen verbot, die Inseln zu bewohnen. Sie wurde 1883 wieder aufgehoben, als König Gojong den Bewohnern erlaubte, auf die Insel zurückzukehren.
Zwischendurch kam es zu Streitereien um Fischereirechte und das Tokugawa-Shogunat verbot im 17. Jahrhundert das Besuchen von Ulleungdo. links|mini|309x309px|Eine japanische Karte aus dem Jahr 1724 mit den Oki-Inseln unten rechts, den Liancourt-Felsen in der Mitte und Ulleungdo auf der linken Seite Nach Angaben der japanischen Regierung ist der erste japanische Text, in dem die Liancourt-Felsen erwähnt werden, Onsubusbicbogoki (隠州視聴合紀, „Aufzeichnung der Beobachtungen in Onsbu“). Diesem Text zufolge waren jedoch die Felsen von Liancourt (damals in Japan Matsushima genannt) und Ulleungdo (genannt Takeshima) Teil des Goryeo-Territoriums, und die nordwestliche Grenze Japans befand sich eindeutig auf der Insel Oki, was bestätigt, dass Dokdo/Takeshima und Ulleungdo Teil des koreanischen Territoriums waren.
Während der Tokugawa-Ära erkannte und respektierte der Kampaku die Tatsache (bzw. war es gleichgültig), dass Ulleungdo Teil des Joseon-Territoriums war. Als Beispiel schuf der japanische Gelehrte Hayashi Shihei (1738–1793) zwei Karten: „Karte der drei Nachbarländer“ (Sangoku setsuchizu) und „Karte des Kaiserreichs Japan“ (Nihontaigokuchizu), in denen er nationale Grenzen und Territorien mit unterschiedlichen Farben für jedes Land identifizierte: gelb für Joseon und grün für Japan. Er versetzte Ulleungdo und Dokdo/Takeshima in die richtige Position und malte sie nicht nur gelb an, sondern schrieb neben die Inseln „zu Joseon gehörend“.
Im Jahr 1876 befahl das Innenministerium der japanischen Meiji-Regierung jeder Präfektur, eine Karte ihres Territoriums für die nationale geographische Forschung und Kartierung zu zeichnen. Damals fragte der Gouverneur der Präfektur Shimane beim Innenministerium, ob Takeshima (Ulleungdo) in die Karte seiner Präfektur und in die geographische Forschung aufgenommen werden sollte. Nach mehr als fünfmonatiger Untersuchung von Materialien, die sich auf Ulleungdo beziehen, sowie von Dokumenten, die im späten 17. Jahrhundert zwischen Japan und Joseon ausgetauscht worden waren, kam das japanische Innenministerium zu dem Schluss, dass Ulleungdo Joseons Territorium war und daher nicht die Angelegenheit Japans war.
In Japanischen mini|Fischer und Zeitungsreporter auf Liancourt, während der Besatzung Koreas. (1934) Am 25. Oktober 1900 gliederte das Kaiserreich Korea die erstmals kartographierten Inseln in den Kreis Uldo (鬱島郡), der Provinz Gangwon ein. 1905 wurden sie im Zuge des Japanisch-Russischen Krieges von japanischen Streitkräften besetzt.
Im Jahr 1905 bereiteten die Japaner die Kolonisierung Koreas vor, indem sie die Kontrolle über die Dokdo-Inseln übernahmen, die sie in Takeshima (竹島) umbenannten, was auf Japanisch „Bambusinseln“ bedeutet. Sie wurden in die existierende Präfektur Shimane eingegliedert.
Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Verwaltung der japanischen Kolonien durch die Alliierten wurden eine Reihe von internationalen Instrumenten zur Regulierung eingeführt, wie die Konferenz von Kairo und der Friedensvertrag zwischen den Alliierten und Japan. Die Alliierten konzentrieren sich darauf, die Grenzen Japans festzulegen und die von Japan besetzten Gebiete endgültig an Korea zurückzugeben.
Die Potsdamer Erklärung vom 26. Juni 1945 billigt die Kairoer Konferenz mit der Bestimmung, dass "die Bedingungen der Kairoer Deklaration respektiert werden und die japanische Souveränität auf die Inseln Honshū, Hokkaidō, Kyūshū, Shikoku und andere kleine Inseln, die wir bezeichnen werden, beschränkt wird". Die ausdrückliche Annahme der Potsdamer Erklärung durch Japan durch der am 2. September 1945 unterzeichneten Kapitulation legalisiert diese beiden Erklärungen.
Die Direktiven des Supreme Commander of the Allied Powers (SCAP) mit dem Titel „Memorandum über die staatliche und administrative Trennung bestimmter Gebiete Japans“ (SCAPIN Nr. 677) vom 29. Januar 1946 sind der japanischen Regierung in Übereinstimmung mit der Kapitulationsurkunde übermittelt worden. Das japanische Territorium wurde faktisch auf die vier Hauptinseln des Archipels und einige tausend kleine Nachbarinseln beschränkt. Die Inseln Ulleungdo und Quelpart (Jeju) wurden ausdrücklich aus dem japanischen Hoheitsgebiet ausgeschlossen und an Korea zurückgegeben.
Im Jahr 1951 erkannte Japan gemäß Artikel 2 des Vertrags von San Francisco alle Rechte, Titel und Ansprüche über Korea an und verzichtete darauf. Der Vertrag, der die Souveränität der meisten anderen umstrittenen Inseln klärt, erwähnt die Liancourt-Felsen nicht. Kimie Hara merkte an, dass das Auslassen der Territorialklärung im Vertrag von San Francisco zu zahlreichen Konflikten im Pazifik führte. Lee und Van Dyke nehmen an, dass es aufgrund des Koreakrieges Zeitdruck für die Fertigstellung gab. Zudem befürchteten die USA womöglich den Verlust des Gebietes im Falle eines nordkoreanischen Sieges. Hara sieht hinter der Auslassung der Klärung die Erhöhung des Einflusses der USA, der durch Konflikte steigt. Einig sind sich die Forscher, dass die USA nicht auf Grundlage historischer Ansprüche agierten, sondern geopolitische Interessen der USA und der Alliierten berücksichtigten. mini|Die Polizeiwache auf der Insel Kurz nach dem Ende des Koreakrieges erklärte der südkoreanische Präsident Rhee am 18. Januar 1952 die Souveränität seines Landes über den südkoreanischen Teil des Japanischen Meeres, zu dem auch der Archipel gehört; 1954 übernahm er die administrative Kontrolle über die Inseln, indem er 1954 ein ständiges Kontingent der Küstenwache installierte. Südkorea beschlagnahmte japanische Fischereischiffe, die in der Zone auf Fischfang gingen. Am 27. Juni 1953 landeten zwei japanische Küstenwachschiffe an der östlichen Insel, vertrieben das südkoreanische Wachpersonal und stellten eine territoriale Markierung auf. Südkoreanische Fischer entfernten diese jedoch wieder. Unter den Entwicklungen litten auch die etwa 600.000 Koreaner in Japan, die diskriminiert wurden. Zudem untersagte Japan den Import koreanischer Seeprodukte. Es folgten mehrere bewaffnete Scharmützel, die im April 1954 in der Versenkung eines japanischen Schiffes durch südkoreanisches Mörserfeuer gipfelten. Nach diesem Vorfall baute Südkorea einen Leuchtturm, einen Hubschrauberlandeplatz und eine Polizeiwache auf der östlichen Insel.
Situation im 21. Jahrhundert