mini|Königselle mit dem Namen des Königs Amenophis II., vergoldetes Holz, Neues Reich, 18. Dynastie, 1427–1401 v. Chr., aus dem Grab von Cha und Merit (TT8). Museo Egizio, Turin (S. 8647).
Ein Großteil des altägyptischen Maßsystems basiert auf demjenigen Mesopotamiens und hatte starken Einfluss auf das griechische System. Die alten Ägypter begründeten ihre Maße auf der königlichen Elle Meh, für die der König (Pharao) einen Prototyp aus Granit bereitstellte. Mit diesem Standard war Präzision bis in den Bereich eines Sechzehntels, das Djeba (etwa 1 mm), möglich. Außerdem basierten die Volumenmaße auf den Längenmaßen. Zwar ist die Länge der königlichen Elle sehr genau bekannt, aber von den Einheiten für die Landvermessung ist weit weniger Genaues bekannt, speziell da später auch die griechischen stadion und skhoinos benutzt wurden.
Allgemeine Geometrie Längen Bezeichnung (Umschrift) Übersetzung Herkunft Finger Meter Erklärung Djeba Finger 1/4 Schesep 1 0,019 Schesep (henet) Handbreite 4 Djeba 4 0,075 Amem Faust 1,5 Schesep 6 0,112 Schesepui Zwei Handbreiten 2 Schesep 8 0,150 Pedj-scherer Kleine Spanne 3 Schesep 12 0,225 Pedj-aa Große Spanne 3,5 Schesep 14 0,263 Djeser Vier Handbreiten 4 Schesep 16 0,299 Remen Fünf Handbreiten, Oberarm 5 Schesep 20 0,374 Meh-scherer Kleine Elle 6 Schesep 24 0,449 Meh (meh-nesut) Elle (alte Königselle) 7 Schesep 28 0,524 Nebi (naubia) ~35 0,65 Chet (chet-en-nuh, schenoch) 100 Meh 52,4 Iteru (schoinos) königliches Fluss- (Länge = eine ägyptische Meile)und Sonnenstundenmaß (Zeit) 20.000 Meh 10.500 entspricht im Längenmaß Beru und Danna; „schoinos“, „parasang“ und „ater“ wurden fast gleichbedeutend für das Längenmaß „iteru“ benutzt. Herodot schreibt, dass die ägyptische Meile zwei persische „parasang“, das heißt 20.000 Meh (meh-nesut), misst.
Herleitungen Die Einführung des Faktors 7 erfolgte möglicherweise wegen der Näherung √2 ≈ 7/5 ≈ 10/7. Die Geometrie war im alten Ägypten bereits hochentwickelt, so konnten die Ägypter zwar die Quadratwurzel aus Zwei nicht berechnen, aber zeichnen. Da sie feststellten, dass „5 · √2 ≈ 7“, teilten sie die Elle in 28 Teile. Die altägyptischen Geometriker teilten die Nippur-Elle in 28 statt 30 Finger, da sie ohnehin nicht das Sexagesimalsystem benutzten.
Bezeichnung (Umschrift) Umrechnung Erklärung mit einem angenommenen Wert der mesopotamischen 30-Finger-Elle von Nippur von 518,6 mm ägyptischer Remen (Pygon) = 20/28 Nippur-Elle = 37,0 cm alte ägyptische Königselle (Meh) = 20√2/28 Nippur-Elle ≈ 52,4 cm ägyptische Königselle = 20√2/28 alte Königselle = 52,9 cm
Ableitungen Mit dem ägyptischen Finger wurde der spätere römische digitus (Finger, römisches Zoll) begründet, wobei dieser jedoch mit statistisch rekonstruierten 18,522 mm geringfügig (ca. 1 %) abwich. Der ägyptische Bau-Remen des dritten vorchristlichen Jahrtausends heißt auf Griechisch pygon. Jahrhunderte später benutzten sie einen Bau-Remen von 20 Fingern der alten königlichen Elle. Der Fuß der neuen Königselle (jap. Shaku) und der römische Fuß (pes) haben ein Verhältnis von genau 100 zu 98. Das megalithische Yard (≈ 83 cm) ist ziemlich genau 1,6 Nippur-Ellen. Die theoretische Länge eines römischen Gerstenkorns ist genau 8,252 mm.
Flächen Bezeichnung (Umschrift) Umrechnung Cha-ta (charo, chara) 10 Setjat (angeblich noch heute in Gebrauch) = 2,75 Hektar Arure (Setjat) 10.000 Quadratellen = 0,275 Hektar Cha 1.000 Quadratellen = 0,0275 Hektar Ta (meh-ta) 100 Quadratellen = 0,00275 Hektar Remen ½ Ta = 50 Quadratellen = 0,0013775 Hektar Heseb ½ Remen Sa ½ Heseb
Volumen Bezeichnung (Umschrift) Umrechnung Erklärung Henu (hin) 1/10 Heqat oder 32 Ro / Ra = 0,475 Liter Heqat 10 Henu = 4,75 LiterAdel Kamel: Maße und Gewichte. In: Kemet. Heft 4/2000, S. 39. Ipet (oipe) 4 Heqat= 19 Liter, seit Neuem Reich Iar 20 Heqat= 95,5 Liter Ra, Ro 1/32 Henu Secha für Bier Des ~ 0,5 Liter, für Bier Hebenet für Wein Pega 1/4 Henu ~ 0,12 Liter, Honigmaß, seit Neuem Reich
Gewicht und Währung Bezeichnung (Umschrift) Umrechnung Deben (Gold-Deben) 13,6 g im Alten- und Mittleren Reich; 91 g im Neuen Reich; entspricht 12 Schati Kupfer-Deben 27,3 g, = 6 Schati Silber-Deben 27,3 g, = 6 Schati (12 Schati im Neuen Reich) Blei-Deben 54,6 g, = 3 Schati Qedety 1/10 Deben Schati (Wertmaß) 1/12 Gold-Deben = 1/6 Silber-Deben = 1/3 Blei-Deben (1/12 Silber-Deben im Neuen Reich)
Neigung
Siehe auch Harpedonapten#Die Erfindung des Merchet
Bezeichnung (Umschrift) Übersetzung Umrechnung Erklärung Seked (sqd) Einheit der Neigung vertikal : horizontal = 1 Königselle : x; dabei ist x eine Länge die historisch in Schesep (Handbreit) bestimmt wird, z. B. x = 7 Schesep → 7 Seked = 45°, x = 5 Schesep → 5 Seked = 54,46°, x = 5½ Schesep → 5½ Seked = 51,84°.
Die Verwendung der langen Schnur (12 Königsellen oder Meh) der Harpedonapten ermöglicht (bei Aufspannung der kurzen Kathete als Basis) eine unmittelbare Umrechnung von Schesep in Seked. Dabei sind dann 4 Schesep ein Seked. Es kann auch bis auf Fingerbreite (Djeba) unterteilt werden. mini|Erläuterung des Seked, englische Bezeichnungen: Cubit (Königselle), Palm (Handbreite), Digit (Fingerbreite)
Literatur Rainer Hannig: Großes Handwörterbuch Ägyptisch-Deutsch: (2800 - 950 v. Chr.). von Zabern, Mainz 2006, ISBN 3-8053-1771-9, S. 1319 ff. Wolfgang Helck: Maße und Gewichte [pharaonische Zeit]. in Wolfgang Helck, Wolfhart Westendorf (Hrsg.): Lexikon der Ägyptologie. Band 3, Harrassowitz, Wiesbaden 1980, ISBN 3-447-02100-4, Spalte 1199–1209. Wolfgang Helck, Eberhard Otto: Kleines Lexikon der Ägyptologie. Harrassowitz, Wiesbaden 1999, ISBN 3-447-04027-0, S. 179 f. → Maße und Gewichte. Adel Kamel: Maße und Gewichte. In: Wissenschaft im Alten Ägypten. In: Kemet. Heft 4, 2000. Kemet-Verlag, Berlin 2000, , S. 38–40. Jean Vercoutter: Les poids de Mirgissa et le «standard-cuivre» au Moyen Empire. In: Erika Endesfelder u. a. (Hrsg.): Ägypten und Kusch (= Schriften zur Geschichte und Kultur des Alten Orients. Nr. 13, [Festschrift Fritz Hintze]). Akademie-Verlag, Berlin 1977, S. 437–445. Sven P. Vleeming: Maße und Gewichte in den demotischen Texten. In: Wolfgang Helck, Wolfhart Westendorf (Hrsg.): Lexikon der Ägyptologie. Band III, Harrassowitz, Wiesbaden 1980, ISBN 3-447-02100-4, Spalte 1209–1214.
Einzelnachweise