Frankenberg/Sa. ist eine Kleinstadt im Landkreis Mittelsachsen an der Zschopau in der Nähe der sächsischen Industriestadt Chemnitz. Die Abkürzung „Sa.“ im Ortsnamen steht für „Sachsen“. Die Stadt führt seit Juli 2021 die Bezeichnung Garnisonsstadt.Bekanntmachung des Sächsischen Staatsministeriums des Innern zur Verleihung der sonstigen Bezeichnung „Garnisonsstadt“ an die Stadt Frankenberg/Sa. vom 5. Juli 2021 SächsABl. S. 961 mini|hochkant=1.5|Frankenberger Innenstadt
Geographie Geographische Lage Frankenberg liegt innerhalb des Sächsischen GranulitgebirgesMineralienatlas – Das sächsische Granulitgebirge; abgerufen am 26. Juni 2014 im Erzgebirgsvorland unweit der Stadt Chemnitz im Zschopautal. Eine weitere Bezeichnung für das Gneisgebiet in der Region Frankenberg lautet Frankenberger Zwischengebirge. Es ist umgeben von vielen Mischwäldern wie dem Lützeltal, dem Striegistal oder dem Buchenwald.
Die Zschopau fließt am westlichen Stadtrand eingebettet in eine Auenlandschaft vorbei. Weiterhin durchquert der Mühlbach nicht nur den gleichnamigen Ortsteil, sondern auch den Ortskern. Weitere Ortsteile werden auch von der Kleinen Striegis durchflossen.
Politisch gesehen liegt es im Freistaat Sachsen, im Regierungsbezirk Chemnitz und im Landkreis Mittelsachsen.
Nachbargemeinden
mini|Rot = Mittelalterlicher Stadtkern Orange = Barocke Stadterweiterung Gelb = Gründerzeitl. Stadterweiterung Lila = Stadterweiterungen seit 1900 Alle Nachbargemeinden, außer der kreisfreien Stadt Chemnitz, sind wie Frankenberg dem Landkreis Mittelsachsen zugehörig.
mini|hochkant=1.2|Die Gliederung der Stadt Frankenberg in ihre Ortsteile
Stadtgliederung Die Kernstadt setzt sich aus zwölf historischen Stadtteilen zusammen, die in folgender Reihenfolge entstanden sind:
Altstadt (= Oberstadt, Unterstadt, Schloßberg und Klingbach) – gegründet im 12. Jahrhundert Obere Neustadt (ugs. Töpferberg) – ab 1608 Viehweg (ugs. Vieb'sch) – ab 1609 Untere Neustadt (ugs. Seestadt) – um 1700 Bahnhofsvorstadt – ab 1866 Margarethenvorstadt – um 1870 Äußere Neustadt – ab 1874 Südvorstadt mit Hammertal – ab 1888 Lützelhöhe – ab 1900 Wettin/Garnisionsvorstadt (ugs. Neubau) – ab 1910 Friedhofsiedlung – ab 1920
Des Weiteren besteht Frankenberg seit der letzten Gebietsreform aus sechs Ortsteilen: Frankenberg/Gunnersdorf mit Ortelsdorf Sachsenburg/Irbersdorf Dittersbach/Neudörfchen Langenstriegis Altenhain Mühlbach/Hausdorf
Geschichte Besiedlung Frankenberg wurde in der Mitte des zwölften Jahrhunderts von Siedlern aus Franken gegründet. Das genaue Jahr der Gründung des ehemaligen Waldhufendorfes ist nicht bekannt. Der erste urkundliche Nachweis für die Siedlung stammt aus dem Jahr 1206, in der ein Henricus de Frankenberc genannt wird.Karlheinz Blaschke (Hrsg.): Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen. Neuausgabe. Leipzig 2006, ISBN 3-937209-15-8, S. 225’’ Das vielfach genannte Jahr der Entstehung 1188 ist eine willkürliche Annahme ohne historischen Bezug. Max Kästner vermutet die Entstehung von Frankenberg um 1175.Max Kästner, Johannes Schiller: Zwischen Chemnitz und Freiberg, Ein Heimatbuch für Schule und Haus, Der Heimatboden und seine Besiedlung. Frankenberg 1928, S. 32. Frankenberg gehörte zum Herrschaftsbereich der dem Kloster Hersfeld (Hessen) zustehenden Burgwarde Döbeln und Hwoznie.Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Sachsen II, Regierungsbezirke Leipzig und Chemnitz. München 1998, ISBN 3-422-03048-4, S. 243’’
mini|hochkant=2|Frankenberg um 1650
Urkundlich belegte Namensformen 1206: Henricus de Frankenberc 1214: Vrankenberch 1282: Frankenberg 1311: Vrankinberc 1427: Franckinberg 1555: Frankenbergk 1791: FranckenbergKarlheinz Blaschke (Hrsg.): Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen. Neuausgabe. Leipzig 2006, ISBN 3-937209-15-8, S. 225.
Der Name weist auf einen von Franken bewohnten Berg hin.Ernst Eichler, Hans Walther (Hrsg.): Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen, Berlin 2001, ISBN 3-05-003728-8, Band I, S. 269.
Weitere Entwicklung mini|Das Frankenberger Rittergut, erbaut 1553
Die Herrschaft mit Burg Sachsenburg und der Stadt Frankenberg ging im Jahre 1232 in den Besitz der Wettiner über, nachdem Markgraf Heinrich der Erlauchte die Herrschaft der Herren von Mildenstein im Zusammenhang mit dem Mildensteiner Zehntenstreit zerschlagen ließ.
1368 erwarben die Herren von Schönberg die Herrschaft, zugleich mit der Sachsenburg, die sie um 1480 zum spätgotischen Schloss ausbauen ließen. Die Reformation wurde in Frankenberg im Jahr 1539 eingeführt. Unter Caspar von Schönberg wurde im Jahr 1553 das Rittergut Frankenberg, auch „Neubau“ genannt, errichtet. Es ist heute das älteste Gebäude der Stadt und beherbergt das Stadtmuseum. Nach dem Tod der Söhne von Caspar von Schönberg wurde die Herrschaft unter zwei Neffen geteilt. Die Nachkommen der Familie von Schönberg konnten die Herrschaft Sachsenburg mit der Stadt Frankenberg nur bis 1610 in Besitz halten. Im Januar 1610 kaufte der Kurfürst Johann Georg I. das Rittergut Frankenberg auf, im März 1610 auch die schwer verschuldete Herrschaft Sachsenburg, samt Untertanen. Im Jahr 1633 wurden beide zum „Amt Frankenberg-Sachsenburg“ vereinigt, dessen Hauptort die Stadt Frankenberg war.Frankenberg im Amt Frankenberg-Sachsenburg im Buch „Geographie für alles Stände“, S. 594f.Die Orte des Amts Frankenberg-Sachsenburg im 19. Jahrhundert im "Handbuch der Geographie", S. 54 ff. Die Grundherrschaft über Frankenberg lag beim Rat der Stadt.
Die Stadt Frankenberg war bis 1856 der Hauptort des kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Amts Frankenberg-SachsenburgKarlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 70 f. und zwischen 1856 und 1875 der Hauptort des Gerichtsamts Frankenberg. Ab 1875 gehörte die Stadt Frankenberg zur Amtshauptmannschaft Flöha.
Dominierende Erwerbszweige in Frankenberg waren seit der frühen Neuzeit die Weberei und verwandte Textilgewerbe. So gab es neben den Leinewebereien (später Baumwollwebereien) auch Zeug- und Tuchmacher, später Kattundruckereien, Färbereien und Bleichereien. Daraus entstand im 19. Jahrhundert eine umfangreiche Textilindustrie. Mit der Eröffnung der Bahnstrecke Roßwein–Niederwiesa erhielt Frankenberg am 1. März 1869 einen Bahnhof.
mini|hochkant=0.5|Kursächsische Distanzsäule Weil die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts keine wesentlichen Zerstörungen in Frankenberg anrichteten, bietet die Bebauung rund um den historischen Ortskern, den großen Marktplatz vor dem Rathaus, interessante Einblicke in die Geschichte der Stadt zwischen dem 16. und dem 19. Jahrhundert: Alte Kantorei – in diesem auf historischen Grundmauern stehenden Gebäude unmittelbar neben der Aegidien-Kirche (Erstbau 1517) befindet sich seit 1994 das Stadtarchiv, davor seit 2012 die Dichterlinde. Webermeisterhaus – (ursprüngliches Gebäude aus dem Jahr 1540, 1889 wieder errichtet) – ist das 1. Webermeister- und Schauhaus der Leineweberinnung, die damals 800 Innungsmitglieder zählte. Kursächsische Postmeilensäule: Sie ist die Nachbildung (ohne Sockel) der Distanzsäule aus dem Jahre 1725 vom Markt (das Original wird im Heimatmuseum gezeigt) und trägt originalgetreue Inschriften, z. B. nach „Dreßden 13 St.“ (Entfernungsmaß: 1 Stunde/St. = 4,531 km). Altes Amtshaus – das 2008 an einer Ecke des Marktes eröffnete italienische Jugendmodegeschäft befindet sich in einem 1833 als Hauptschulgebäude und Gerichtsnebenstelle errichteten Haus. Hier produzierte von 1852 bis 1945 die Zigarrenfabrik von H. E. Wacker (Produktionsbeginn 1842). Offizin C. G. Roßberg – in der Druckerei von Roßberg wurde mittels einer hölzernen Druckpresse am 11. Oktober 1845 die erste Zeitung der Welt auf dem von Friedrich Gottlob Keller erfundenen Holzschliffpapier gedruckt.
Unmittelbar in einer angrenzenden Straße befindet sich ein Anspännergut – eins von sechs Gütern, die in der Gründerzeit von Frankenberg rund um die Ortsmitte entstanden. Dieses Gebäude hier ist das letzte erhaltene, das nach zwei Stadtbränden (1712, 1788) originalgetreu wieder aufgebaut wurde. 1913 eröffnete das Kaufhaus Schocken eine Filiale in der Innenstadt.
mini|Framo TV 300 im Fahrzeugmuseum Frankenberg In der jüngeren Geschichte wurde Frankenberg durch die Nutzfahrzeuge der Marke Framo (Frankenberger Motorenwerke) bekannt, die hier zwischen 1923 und 1933 produziert wurden. Danach kam es zur Verlagerung der Produktion nach Hainichen. Ab 1957 nannte sich der Betrieb VEB Barkas-Werke, da es Streitigkeiten wegen der Marke Framo gab. Wegen der völligen Umstellung der Fahrzeugkonstruktion von Gemischtbauweise (Holz mit Blechbeplankung) auf selbsttragende Ganzmetall-Karosserie erfolgte der Aufbau dieser Fertigung in Chemnitz, vorher kam es zur Zusammenlegung der Betriebe Barkas Hainichen mit dem Motorenwerk und dem Fahrzeugwerk Karl-Marx-Stadt. Dazu wurde die Leitung des Betriebes von Hainichen nach Karl-Marx-Stadt verlegt. Dort begann 1960 die Fertigung der Karosserien und wurde ab 1986 schrittweise in das ab 1965 zu Barkas gehörende Werk nach Frankenberg verlagert.
Die Endmontage aller Barkas-Fahrzeuge erfolgte von 1933 bis 1991, als am 10. April der letzte B 1000-1 vom Band lief, in Hainichen.
Durch die zweite Kreisreform in der DDR kam die Stadt Frankenberg/Sa. zum Kreis Hainichen im Bezirk Chemnitz (1953 in Bezirk Karl-Marx-Stadt umbenannt), der ab 1990 als sächsischer Landkreis Hainichen fortgeführt wurde und 1994 im Landkreis Mittweida bzw. im Jahr 2008 im Landkreis Mittelsachsen aufging.
Garnison mini|Teilansicht der Wettiner Kaserne, Januar 2008
Zwischen 1913 und 1916 wurde Frankenberg außerdem zu einer Garnisonstadt: Auf einem größeren Areal nordöstlich des Stadtkernes und jenseits der Eisenbahnlinie entstanden Kasernengebäude für die Sächsische Armee. Im Zuge der vom NS-Regime betriebenen Wiederaufrüstung wurden in den 1930er Jahren weitere Gebäude hinzugefügt und die Kaserne nunmehr von der Wehrmacht genutzt.
Am 7. Mai 1945 besetzte die 25. sowjetische Schützendivision Frankenberg, während die Kasernenanlage zunächst mit Truppen der Roten Armee belegt wurde. Ab 1946 gab es Bestrebungen, die gesamte Anlage einer zivilen Nutzung zuzuführen, in deren Folge einige bauliche Anlagen abgebrochen wurden. Im Februar 1949 wurde die Liegenschaft vom Polizeipräsidium Chemnitz für die Unterbringung seiner Volkspolizei-Bereitschaften übernommen, bevor die Kaserne nach Gründung der Kasernierten Volkspolizei im September 1952 wieder der militärischen Nutzung zugeführt wurde. Nach der 1956 erfolgten Umwandlung der KVP in die Nationale Volksarmee befanden sich wechselnde Einheiten in dieser Kaserne, zuletzt das Artillerieregiment 7 und die Geschosswerferabteilung 7 der 7. Panzerdivision.
Nach der Wiedervereinigung Deutschlands nutzt seit 3. Oktober 1991 die Bundeswehr die Kaserne, in der seither der Stab und die Stabskompanie der Panzergrenadierbrigade 37 „Freistaat Sachsen“ stationiert sind. Am 3. November 1992 erhielt sie den Namen Wettiner Kaserne. Folgende weitere Bundeswehreinheiten befinden sich hier ( Stand September 2017): das Sanitätsversorgungszentrum Frankenberg, die Sanitätsstaffel Einsatz Frankenberg, die Ausbildungs- / Unterstützungskompanie Panzergrenadierbataillon 371 die Sportfördergruppe der Bundeswehr Frankenberg.
Am 19. Juli 2021 wurde der Kleinstadt auf ihren Antrag zur Würdigung hier gelebter militärischer Tradition und besonderer Verbundenheit ihrer Bürger mit der Bundeswehr durch das Sächsische Innenministerium die Berechtigung verliehen, als „sonstige Bezeichnung“ nach Sächsischer Gemeindeordnung§ 5 Abs. 3 Sächsische Gemeindeordnung den Namen „Garnisonsstadt“ auf amtlichen Schreiben und im Ortseingangsschild zu führen.Gemeinsame Presseerklärung von diesem Tage: Seit 30 Jahren Bundeswehr in Frankenberg. Stadt wird zur „Garnisonsstadt“, .medienservice.sachsen.de, 19. Juli 2021, mdr.de, 19. Juli 2021 Aktuell dienen 900 Soldatinnen und Soldaten in Frankenberg.
Gedenkstätten