Teutschenthal ist eine Einheitsgemeinde im Saalekreis in Sachsen-Anhalt, weithin sichtbar mit ihrer Kalihalde und bekannt für die Motocross-Strecke, auf der auch internationale Meisterschaften stattfinden.
Geografie Die Gemeinde liegt 12 km westlich von Halle (Saale) im Tal des Würdebachs.
Gemeindegliederung Folgende Ortschaften, Ortsteile und Wohnplätze sind ausgewiesen: Ortschaft Eingemeindung Angersdorf (mit Schlettau) 1. September 2010 Dornstedt (mit Asendorf) 1. Januar 2010 Holleben (mit Benkendorf, Beuchlitz) 1. Januar 2005 Langenbogen (mit Bauernsiedlung und -Bahnhof) 1. Januar 2010 Steuden (mit Etzdorf) 1. Januar 2010 Teutschenthal (mit Ortsteilen) 15. Juli 1950 Zscherben 1. Januar 2005
Ortschaften von Teutschenthal (anklickbare Karte)
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind Salzatal im Norden, Schkopau sowie die kreisfreie Stadt Halle (Saale) im Osten, Bad Lauchstädt im Süden und Obhausen sowie die im Landkreis Mansfeld-Südharz liegende Gemeinde Seegebiet Mansfelder Land im Westen.
Geschichte Zahlreiche Funde sowie einige wenige erhaltene Grabhügel belegen eine Besiedlung der Gegend bereits in vorgeschichtlichen Zeiten. Hervorzuheben ist dabei ein mittelbronzezeitlicher Textilfund, der bei einer Ausgrabung im Jahr 1887 in einem der „Heidengräber“ auf dem Schafberg zu Tage trat. Das Fragment aus Schafswolle konnte mittels C14-Analyse in das 14. Jahrhundert v. Chr. datiert werden und ist damit einer der ältesten Textilfunde in Sachsen-Anhalt.
Der Ortsname entwickelte sich aus dem slawischen Dussina (9./11. Jahrhundert) zu Dusne (1136) und Deußen/Deussen/Teusen. Daraus entstanden die Bezeichnungen als Deußenthal (1363) und Tutzenthal (1400). Der Erwähnung als Deutzsch Tall auf einer Grenz- und Straßenkarte aus dem Jahr 1571 folgte die Benennung als Deutsche Thal auf einer Dorfskizze von 1689, aus der sich schließlich die heutige Form Teutschenthal bildete.
Der Ursprung des heutigen Ortsteils Teutschenthal liegt in mindestens sieben mittelalterlichen Dörfern, deren Siedlungsnamen auf slawische und deutsche Bevölkerungsanteile schließen lassen. Nach einer Dorfskizze aus dem Jahr 1689 reihten sich die Siedlungen: Oesnitz (Osniza (9. Jh./11. Jh.), Osnitz (1180), Oznicz (1347), Tutzenthal (1400)), Würden (Wordhem (1219)), Ibitz (Ybitz (1347), Ibiczt (1452)), Bossdorf (Pameluchesdorp (?)), Gottsdorf (Godimesdorf (9. Jh./11. Jh.), Gitistorp (1347), Gotistorf (1347)), Deussen (Dussina (9. Jh./11. Jh.), Dusne (1136), Deussenthal (1363)) Kusdorf (Cozimensdorp (?), Koischdorf (1452)) von Ost nach West entlang des Würdebaches. Das 1452 in einer Merseburger Gerichtsurkunde erwähnte Nazdorff (auch Natzdorf) ist wahrscheinlich mit dem heutigen Etzdorf bei Steuden identisch und somit nicht als die achte und westlichste der Teutschenthaler Ursprungssiedlungen anzusprechen. Drei der Würdebachsiedlungen, nämlich Dussina (Deussen), Codimesdorpf (Gottsdorf) und Osniza (Oesnitz) wurden bereits im 9. Jahrhundert im Zehntverzeichnis des Wigberti-Klosters Hersfeld erstmals urkundlich erwähnt. Zu dieser Zeit lag das gesamte Würdebachtal im südlichen Teil des Hassegaus. Anfang des 12. Jahrhunderts übertrug Graf Wichmann von Seeburg seine Besitzungen im Würdebachtal an das Kloster Kaltenborn bei Emseloh. 1365 verkaufte die Abtei sämtliche Zinsen und Güter in Dussina an das Bistum Merseburg. Da gleichzeitig aber die restlichen Ländereien im Klosterbesitz verblieben, waren Ober- und Unterteutschenthal für 450 Jahre territorial voneinander getrennt.
Dussina, aus dem Oberteutschenthal hervorging, gehörte zum hochstiftlich-merseburgischen Amt Lauchstädt, das seit 1561 unter kursächsischer Hoheit stand und zwischen 1656/57 und 1738 zum Sekundogenitur-Fürstentum Sachsen-Merseburg gehörte.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas, Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0, S. 84 f.Der kursächsisch-merseburgische Anteil Teutschenthals im Buch "Geographie für alle Stände", S. 690 Mit dem Amt Lauchstädt kam dieser Teil von Teutschenthal im Jahr 1806 zum Königreich Sachsen.
miniatur|Schloss Würdenburg um 1862/63, Sammlung Alexander Duncker Die Siedlungen im Unterthal wurden als Lehen der Grafschaft Mansfeld von den Herren von Trotha verwaltet. Diese hatten sich auf einem Freigut noch vor 1600 das Schloss Würdenburg erbauen lassen und übten zudem die Gerichtsbarkeit über den mansfeldischen Teil von Teutschenthal aus. Bei der Teilung der Grafschaft Mansfeld 1738/80 kam der mansfeldische Teil von Teutschenthal mit dem Trothaischen Rittergut zu dem Anteil, den das preußische Herzogtum Magdeburg erhielt.Teutschenthal in der Topographischen Beschreibung der Grafschaft Mansfeld preuß. Anteils, S. 487 f. Während der französischen Besetzung (1807 bis 1813) wurde der preußische Anteil von Teutschenthal dem Königreich Westphalen angegliedert und dem Distrikt Halle im Departement der Saale zugeordnet. Er gehörte zum Kanton Fienstedt.Beschreibung des Saale-Departements.
Während des Dreißigjährigen Krieges zerstörten die Kriegsparteien den Ort, den Wiederaufbau verdankten die Bewohner Wolf Thilo von Trotha (1620–1683). Der wirtschaftliche Aufschwung, der nach dem Kriegsende einsetzte, wurde ein Jahrhundert später durch den Siebenjährigen Krieg (1756–1763) und die napoleonische Besetzung des Landes von 1807 bis 1813 unterbrochen.
Bei der politischen Neuordnung nach dem Wiener Kongress 1815 wurde der vom Königreich Sachsen abgetretene Teil von Teutschenthal mit dem preußischen Teil vereinigt. Im Jahr 1816 wurden Ober- und Unterteutschenthal dem Regierungsbezirk Merseburg der preußischen Provinz Sachsen angeschlossen und dem Mansfelder Seekreis zugeordnet.
Die Zusammenlegung der bis dahin eigenständigen Gemeinden Oberteutschenthal, Unterteutschenthal und Eisdorf zu einer neuen Gemeinde Teutschenthal erfolgte im Jahr 1950. Im Zuge dieser Gebietsreform wurde Teutschenthal in den neu zugeschnittenen Saalkreis im DDR-Bezirk Halle (ab 1990 im Land Sachsen-Anhalt) umgegliedert, der mit der Kreisreform 2007 im Saalekreis aufging.
Aus dieser Zeit stammen die Bezeichnungen Teutschenthal West (Oberteutschenthal), Teutschenthal Mitte (Unterteutschenthal) und Teutschenthal Ost (Eisdorf). Zum 1. November 1993 wurde Köchstedt durch Umgliederung von Bennstedt ein Ortsteil der Gemeinde Teutschenthal. Die 2005 und 2010 nach Teutschenthal eingemeindeten Orte bilden mit ihren Ortsteilen Ortschaften der Gemeinde Teutschenthal.
Industrialisierung
mini|Kalihalde im Norden des Bahnhofs mini|hochkant|Förderanlage des Schachtes Teutschenthal (1991) Bis ins 19. Jahrhundert war Teutschenthal agrarisch orientiert. Ein industrieller Aufschwung begann erst mit dem Kohleabbau und dem Siegeszug der Zuckerrübe, der wiederum auch Auswirkungen auf die Landwirtschaft hatte.
Mit dem Bau der Eisenbahnlinie von Halle (Saale) nach Kassel im Jahre 1864 entstanden, teilweise auf Wanslebener Flur, Bahnhof-, Post- und Wohngebäude. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, insbesondere nach der Gründung des Kaliförderunternehmens Krügershall AG 1905, und in den folgenden Jahrzehnten wurden weitere Wohnanlagen zum Teil auf Langenbogener Flur für Bergarbeiter, Angestellte und leitende Mitarbeiter des Kaliwerks errichtet. 1936 erbaute die I.G. Farben in Teutschenthal ein Werk für die Magnesiumproduktion.
Trotz Stilllegung des Kaliwerkes im Jahre 1982 entwickelte sich Teutschenthal-Bahnhof zu einem industriellen und gewerblichen Zentrum.
Die durch die Kaligewinnung entstandenen Hohlräume stellen ein großes Problem dar, da das Carnallitit-Salzgestein Instabilität bedingende physikalische Eigenschaften (z. B. Sprödbruch) aufweist. Bereits am 24. Mai 1940 waren bei einem derartigen Gebirgsschlag 42 Bergleute ums Leben gekommen. Der letzte Hohlraumeinsturz ereignete sich am 11. September 1996 und zog ein knapp 20 Sekunden andauerndes Erdbeben mit einer Magnitude von ML=5,6 nach sich. Das Beben wurde weltweit von Seismographen registriert. Heute werden in dem Versatzbergwerk Anstrengungen unternommen, die noch verbliebenen Hohlräume von rund 7 Millionen Kubikmetern durch Verfüllung (bergbaulich: Versatz) zu sichern.
Im Jahr 2010 wurde durch das Landesamt für Geologie und Bergwesen bekannt, dass die Betreiberfirma, die Grube Teutschenthal Sicherungs GmbH (GTS), in diesen Hohlräumen Giftstoffe eingelagert hatte. Die Gesamtmenge dieser aus Verbrennungsanlagen stammenden „hochgiftigen und illegal eingelagerten Filterstäube“ wird auf 11.000 Tonnen geschätzt. Nach Bekanntwerden dieser Praxis forderte die Leitung der Betreiberfirma gegenüber der sachsen-anhaltischen Landesregierung, dass „sich der Steuerzahler an den Kosten“ für die künftige Überprüfung der „Abfallströme“ beteiligen solle.Christian Schafmeister: Asche, Schall und Rauch. In: Mitteldeutsche Zeitung. 10. Oktober 2010, abgerufen am 28. Mai 2021.Kornelia Privenau: Die Angst wächst. In: Mitteldeutsche Zeitung. 15. August 2010, abgerufen am 28. Mai 2021. Die Firma GTS, eine Tochter der Geiger Unternehmensgruppe, ist weiterhin mit dem Betrieb der Grube betraut.Grube Teutschenthal Sicherungs GmbH:
Am 8. November 2019 kam es im Bergwerk in 700 Meter Tiefe zu einer Verpuffung. Während dieser Zeit waren 38 Bergleute unter Tage. Sie konnten nach etwa zwei Stunden gerettet werden; zwei von ihnen wurden verletzt.
Der Windpark Große Schanze erstreckt sich bis zur Gemarkung Bad Lauchstädt. Bevölkerung Jahr Einwohner 1990 5.701 2005 9.529 2010 14.105 2015 12.956 2020 12.826 Jahr Einwohner 2021 12.793 2022 13.094 2023 13.066 2024 13.038 2025 13.009
Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Der starke Anstieg der Einwohnerzahl zwischen 2005 und 2010 ist auf Eingemeindungen zurückzuführen.
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat von Teutschenthal besteht aus 28 Mitgliedern und dem Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 AfD 13,3 % 1 26,7 % 5 Unabhängige Bürgervereinigung Teutschenthal (UBV) 23,9 % 7 25,6 % 7 CDU 15,1 % 4 19,5 % 5 Allgemeine Bürgervereinigung Langenbogen (ABL) 7,4 % 2 7,7 % 2 FDP 7,9 % 2 5,6 % 2 Wir für Teutschenthal (WfT) – – 4,5 % 1 SPD 4,7 % 1 3,9 % 1 Bürger für Holleben (BfH) 5,2 % 2 3,8 % 1 Freie Bürger für Angersdorf (FBfA) – – 2,8 % 1 Die Linke 7,7 % 2 – – Die Mitte 4,6 % 1 – – Turn- und Sportverein Schwarz-Weiß Zscherben 3,8 % 1 – – Bündnis 90/Die Grünen 3,5 % 1 – – Pfingstverein Dornstedt-Asendorf 2,9 % 1 – – Insgesamt 100 % 25 100 % 25
Bei der Wahl 2024 entfielen auf die AfD acht Sitze, von denen drei unbesetzt bleiben, weil die Partei nur fünf Kandidaten nominiert hatte.
Bei der Wahl 2019 entfielen auf die AfD vier Sitze, von denen drei unbesetzt blieben, weil die Partei nur einen Kandidaten nominiert hatte.
Bürgermeister 2010–2017: André Herzog 2017–2019: Ralf Wunschinski (CDU) seit 2019: Tilo Eigendorf (UBV)
Im Jahr 2018 beantragte der Gemeinderat bei der Kommunalaufsicht ein Disziplinarverfahren gegen Wunschinski und zeigte ihn bei der Staatsanwaltschaft Halle (Saale) wegen Untreue an. Am 28. Mai 2019 votierten 85 % der Einwohner Teutschenthals für seine Abwahl.
Am 20. Oktober 2019 wurde Tilo Eigendorf (UBV) mit 71,9 % der gültigen Stimmen zum neuen Bürgermeister gewählt. Am 7. Juni 2026 wurde er mit 65,3 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 7. Juni 2026 Seine Amtszeit beträgt sieben Jahre.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 61
Wappen
Sehenswürdigkeiten und Kultur
Bauwerke miniatur|Schloss Teutschenthal mini|Schloss Würdenburg