Roter Sand heißt der Leuchtturm in der Deutschen Bucht. Nach dem Entwurf von Carl Friedrich Hanckes (1829–1891) von der Aktiengesellschaft für Eisenindustrie und Brückenbau wurde der Turm in 1880–1885 gebaut. Heute ist sein Leuchtfeuer nicht mehr in Betrieb. Der Turm dient weiterhin als Tagessichtzeichen. Er gilt als das weltweit erste Offshorebauwerk und wurde zum Symbol des technischen Fortschritts im Deutschen Kaiserreich. Am 31. Oktober 2010 erfolgte die Auszeichnung als Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland. Wegen zunehmender Korrosionsschäden und hohen Unterhaltskosten soll der Turm an Land nach Fedderwardersiel auf der Halbinsel Butjadingen versetzt werden.Roter Sand soll nach Fedderwardersiel versetzt werden.; abgerufen am 3. April 2026.

Beschreibung mini|links|hochkant|Das Fundament liegt bei Hochwasser unter der Wasserlinie; Luftbild von 2012 Der Leuchtturm Roter Sand hat eine Höhe von 52,5 Metern, einschließlich des Fundaments unter Wasser. Bei Niedrigwasser beträgt seine Höhe über dem Meeresspiegel 30,7 Meter. Die Feuerhöhe liegt bei 24 Metern über dem mittleren Tidehochwasser.

Das Fundament ist zylinderförmig und ragt bei Niedrigwasser etwa 1½ Meter als Plattform über die Wasseroberfläche hinaus. Darüber verjüngt sich der Turm nach oben hin konisch. Er wurde rot-weiß angestrichen, sein etwa acht Meter hoher Sockelbereich in schwarz. Die Reihenfolge der Farben ist Weiß-Rot-Weiß-Rot-Weiß, wobei die einzelnen Farbabschnitte gleichzeitig die fünf Stockwerke markieren. Am unteren Ende des untersten weißen Ringes befindet sich die Einstiegstür.

Der unterste Raum dient als Lagerraum. Eine Treppe führt in den darüberliegenden Schlafraum. Es folgen die Küche mit einem Kohleofen, Schränken und einer gepolsterten Sitzbank und der Aufenthalts- oder Dienstraum mit einem großen Tisch und Stühlen. Von diesem zweigen drei Erker ab. Zwei von ihnen weisen die gleiche Höhe auf wie das Stockwerk selbst, während der dritte sich noch höher zieht. Die Erker beherbergten früher die Nebenfeuer und zeigen nach Nordwesten, Süden und Nordosten. Vom höheren Erker gelangt man über eine weitere Treppe auf den Balkon, der um das Laternenhäuschen mit der kupfernen Kuppel herumläuft. Ein Rundgang auf dem Balkon ist jedoch nicht möglich, da der hohe Erker an einer Stelle den Weg blockiert.

In den 1940er Jahren sah die Raumaufteilung noch anders aus. Zu jener Zeit war der Innenraum des schwarz lackierten Sektors begehbar und diente als Lagerraum. In der Etage auf Einstiegsebene (dem heutigen Lagerraum) befand sich damals die Technik zur Stromerzeugung.

Technik mini|Der Leuchtturm ist auf der Karte von 1906 verzeichnet (nordöstlich von Wangerooge) Geschichte der Technik Das erste Leuchtfeuer war ein Petroleumbrenner mit zwei Dochten. Die Kennung entstand durch Otterblenden, die über ein Uhrwerk geöffnet und geschlossen wurden, das von einer durch den gesamten Turmschaft führenden Kette mit Gewichten betrieben wurde. Die Quermarkenfeuer im Nordwest- und im Süd-Erker des Turmes zeigten beide ein festes Feuer. Als Leuchtquelle dienten hier eindochtige Argandsche Petroleumleuchten. Für die Einfahrt in die Außenweser war im Nordost-Erker eine zweidochtige Argandsche Lampe als Nebenfeuer installiert.

Im November 1886 stellte man auf eine elektrische Kohlebogenlampe um. Für die Stromversorgung wurde ein Seekabel nach Wangerooge verlegt. Nach dem Einbau der Bogenlampe wurden die Turmkennung geändert und die nicht mehr benötigten Quermarkenfeuer in den Erkern gelöscht. Das Nebenfeuer im großen Erker blieb erhalten. Da die elektrische Kabelverbindung häufig unterbrochen wurde, stellte man nach acht Jahren wieder auf Petroleumglühlicht um.

Anfang der 1940er Jahre wurde im Laternenhaus eine große Gürtelleuchte mit Glühlampenlicht und Wechselvorrichtung eingebaut. Das Nebenfeuer im Nordosterker blieb erhalten und bekam zusätzlich noch eine Telegrafeneinrichtung und einen Nebelschallsender. Als Lichtquelle diente ab 1945 ein mit Propan betriebenes Gasglühlicht. Erneut elektrifiziert wurde der Rote Sand im Jahr 1947 mit Dieselaggregaten mit rund 110 Volt Gleichspannung. Diese versorgten den gesamten Turm mit Strom und luden die Nickel-Eisen-Akkumulatoren für den Nachtbetrieb. Durch die nun sichere Stromversorgung konnten elektrische 1000-Watt-Leuchtfeuer verwendet werden, was die Reichweite des Feuers erheblich steigerte.

Einige Zeit später wurde das Laternenhaus auf dem Balkon durch ein neues ersetzt.

Mit der Dienstaufnahme des Ersatzleuchtturms Alte Weser im Jahr 1964 wurde im Roten Sand ein automatisch gesteuertes kleines Propangasfeuer eingebaut.

Letztes Leuchtfeuer mini|hochkant|Hauptlaterne

Das Leuchtfeuerverzeichnis von 1985 weist zu Roter Sand folgenden Eintrag aus:

Er hatte ein Festfeuer in den Sektorenfarben Weiß, Rot und Grün. Weiß hatte 9 sm (etwa 16,7 km), Rot 7 sm und Grün 6 sm Nenntragweite. Das Feuer war in 23 m Höhe über dem MThw angeordnet.

In Richtung 185° bis 293,5° ist es als Quermarkenfeuer (Rot–Weiß–Rot) zu sehen gewesen. Der Sektor zur Richtungsänderung (Weiß) war in Richtung 225°–254,5° zu sehen. Es gab in der Alten Weser den Bereich vor, wo die Schiffe ihren Kurs von SW auf S bis SSW (einlaufend) bzw. von N bis NNO auf NO (auslaufend) ändern mussten.

In Richtung 312° bis 341° war es als Leitfeuer (Rot-Weiß-Grün) für das Fahrwasser in der Weser zu sehen gewesen. Dabei war der weiße Richtsektor in Richtung 324°–328° zu sehen.

In Richtung 341°–167,5° war das Feuer als ein eher schwaches weißes Feuer, in den restlichen, bisher nicht genannten, Richtungen als weißes Feuer zu sehen gewesen.Leuchtfeuerverzeichnis, Teil III A – Nordsee, S-licher Teil, einschließlich Orkney und Shetland Islands; aktualisiert bis Heft 19 NfS vom 10. Mai 1985; S. 116; genehmigt zur Wikipedia-Veröffentlichung und zur Verfügung gestellt von der Bibliothek, Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH)

Geschichte Erste Ideen mini|Die Kaiser Wilhelm der Große am Roten Sand 1898 von Hans Bohrdt Um 1875 gab es zwei Feuerschiffe in der Außenweser mit der Aufgabe, die Fahrrinne zu markieren und damit zu sichern. Im Jahr 1878 einigten sich die Weseranrainer Bremen, Oldenburg und Preußen darauf, das Seezeichenwesen gemeinsam zu regeln. Der preußische Handelsminister brachte den Vorschlag ein, ein weiteres Feuerschiff in die Außenweser zu beordern. Das wurde jedoch abgelehnt, da Untersuchungen ergaben, dass die Auslegung eines Schiffes auf die Muschelbank Roter Sand unmöglich sei. Stattdessen machte das Tonnen- und Bakenamt in Bremerhaven noch im gleichen Jahr einen Gegenvorschlag, der die Errichtung eines festen Turmes am Rande der Untiefe vorsah und relativ schnell angenommen wurde, weil die Kosten für einen Leuchtturm geringer eingeschätzt wurden als die für ein Feuerschiff. Am 23. August 1878 erhielt Baurat Carl Friedrich Hanckes, der damals Leiter der Hafenbaudirektion war, den Auftrag, einen Entwurf für den geplanten Turm zu erstellen. Der von Hanckes vorgelegte Plan sah ein Bauwerk vor, dessen Unterbau auf einem Caisson ruhen sollte. Knapp zwei Jahre später, am 15. September des Jahres 1880, endete die nationale Ausschreibung für den Bau des Leuchtturms und zwei Unternehmen reichten ihre Kostenvoranschläge ein. Bavier, Kunz & Weiß in Bremen verlangten 445.000 Mark, während sich das Angebot von Harkort in Duisburg auf knapp 480.000 Mark belief. Aufgrund der niedrigeren Kosten fiel die Entscheidung am 2. Oktober zugunsten des Bremer Unternehmens.

Erstellung des Bauwerks In den Wintermonaten 1880/1881 wurde im Kaiserhafen in Bremerhaven der Caisson gebaut. Die Auslieferung fand bei guten Wetterbedingungen am 22. Mai 1881 statt, als zwei Dampfschlepper begannen, das Gebilde zur Baustelle zu ziehen. Dort kamen sie jedoch erst am 26. Mai an, da sich der Senkkasten zwischendurch losgerissen hatte und auf eine Sandbank aufgelaufen war. Man konnte ihn erst in den Morgenstunden des nächsten Tages freischleppen. Auf dem Roten Sand sollte der Caisson auf etwa 22 Meter unter Niedrigwasser abgesenkt, in den Meeresboden gespült und mit Beton gefüllt werden. Dazu setzte man das Innere des Behälters unter Druck, so dass es kurzzeitig als Tauchkammer fungierte. Man hatte kaum mit den Arbeiten begonnen, als der Caisson beim Absenken in Schieflage geriet. Die Arbeiten wurden abgebrochen, bis die jährlichen Pfingststürme den Kasten wieder aufrichteten. Durch diese Verzögerung gelang es nicht, den Kasten vor Einsetzen der schweren Herbststürme mit ausreichend Beton zu füllen. Am 13. Oktober 1881 wurde der Caisson in einer schweren Sturmflut zerstört und sank. Damit war der erste Gründungsversuch gescheitert.

mini|Ausfahrt des Fundament-Caissons Das Baugeschäft Bavier, Kunz & Weiß traf dieser Rückschlag so hart, dass es wenige Wochen später Insolvenz anmelden musste. Daraufhin stellte Hanckes am 7. März 1882 einen Antrag, einen zweiten Gründungsversuch zu unternehmen. Dieses Mal erhielt Harkort den Auftrag zu einem Preis von etwa 853.000 Mark, was nahezu eine Verdoppelung des vorherigen Kostenvoranschlags bedeutete und etwa dem heutigen Gegenwert von  Millionen Euro entspricht. Die Auftragsvergabe erfolgte am 31. August 1882. Dass tatsächlich ein zweiter Versuch unternommen werden sollte, wurde am 21. September entschieden. Über den Winter 1882/1883 wurde im Bremerhavener Kaiserhafen ein neuer Caisson, stabiler als der vorherige, gebaut. Er hatte eine Seitenhöhe von 18½ Metern, wurde im Frühling des Jahres 1883 fertig und wurde am 26. Mai aus dem Hafen geschleppt. Rund 1100 Meter nördlich der alten Baustelle wurde er zwei Tage später erfolgreich abgesenkt. Danach wurden die Seitenwände erhöht und der Caisson in Handarbeit mit 316 Kubikmetern Beton gefüllt. Diesmal überstand er die Herbststürme, die nur einige kleinere Schäden verursachten, gut. Am 22. Mai 1884 war das Fundament des Leuchtturms vollendet.

Am 10. Juni des gleichen Jahres begann man mit dem Bau und im Juli mit den Arbeiten am Turmschaft, so dass man den Turm bis Anfang November bereits bis zum dritten Stock hochgezogen hatte. Die unterste Ebene wurde mit Mauerwerk verkleidet und mit einer feuerfesten Decke versehen. Zu dieser Zeit, am 3. November, wurden zwölf Arbeiter im Turm einquartiert, um den Innenausbau zu beenden, während die Versorgungsschiffe die Häfen anliefen. Von Anfang Dezember bis April 1885 konnte aufgrund widriger Witterungsbedingungen nicht am Turm gearbeitet werden.

Im Sommer 1885, am 10. August, wurden der Wohnraum, die Erker und die Laterne fertiggestellt, woraufhin mit dem Einbau der Beleuchtung begonnen wurde.

Am 23. Oktober erfolgte die Bauabnahme durch Baurat Hanckes. Acht Tage darauf, am 1. November 1885, wurde um 0 Uhr das Feuer gezündet. Gerade einmal sieben Jahre nach den ersten Planungen war der Leuchtturm Roter Sand fertiggestellt. Er war das erste Offshorebauwerk der Welt und gilt als bauliche und technische Pionierleistung jener Zeit.

Betrieb 1885–1964 mini|Ablösung im Anmarsch (1931) mini|hochkant|Abgelöster Leuchtfeuerwärter im Förderkorb (1929)

Fast 35 Jahre funktionierte der Leuchtturm problemlos; in den 1920er Jahren verlor er jedoch durch die Verlagerung der Sandbänke und die dadurch bedingten Änderung der Fahrrinne etwas an Bedeutung, blieb aber für die Außenjade und die Außenweser weiterhin sehr wichtig.