Gerhard Jentsch (* 15. September 1924 in Breslau; † 6. Februar 1998Deutsches Bühnen-Jahrbuch, Band 107, hrsg. von der GDBA, Druck- und Kommissionsverlag F.A. Günther & Sohn, 1999, S. 836.) war ein deutscher Schauspieler, Hörspiel- und Synchronsprecher, der einem breiten Publikum vor allem durch zahlreiche Sprechrollen in Produktionen der Augsburger Puppenkiste bekannt geworden ist.
Leben Jentsch wuchs als Einzelkind einer Hausfrau und eines Matrosen und Kneipenwirt in seiner Geburtsstadt Breslau auf. Er erlernte den Beruf eines Bankkaufmannes, wurde aber im Alter von 18 Jahren in die Wehrmacht eingezogen.
Wehrpflicht Jentsch wurde mit 18 während des Zweiten Weltkriegs eingezogen, dort kämpfte er an der Front. Ende 1944 wurde Jentsch in der Normandie von den Amerikanern gefangen genommen. Während dieser Zeit wurde er hauptsächlich als Koch im Gefangenenlager und als Übersetzer zwischen den Amerikanern und den Franzosen eingesetzt.
Karriere Jentsch erhielt seine Schauspielausbildung in seiner Heimatstadt und erste Engagements in Halle/Saale, Münster, Mannheim und Saarbrücken. 1960 gab er in der Rolle des „James Tyrone jr.“ in Eugene O’Neills Ein Mond für die Beladenen sein Debüt an den Städtischen Bühnen Augsburg.
Während seiner Bühnentätigkeit in Augsburg war Jentsch auch als Interpret bei der Augsburger Puppenkiste tätig. Hier lieh er dem „König Alfons dem Viertelvorzwölften“ sowie dem Hauptmann der „Wilden 13“ in den HR-Produktionen von Michael Endes Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer und Jim Knopf und die Wilde 13 seine Stimme. Zu seinen weiteren Einsätzen für die Puppenkiste gehörten unter anderem die Titelfigur in Max Kruses Lord Schmetterhemd und der „König Pumponell“ in Kruses Urmel spielt im Schloß.
Daneben trat Jentsch auch als Schauspieler in zahlreichen Fernsehproduktionen auf. Er spielte mehrfach in Fernsehspielen unter der Regie von Eberhard Itzenplitz (Hanna Lessing, Die Beichte, Der Tod der Schneevögel) und Franz Peter Wirth (Die Geschichte von Joel Brand mit Herwig Walter, Die Messe der erfüllten Wünsche), in Mehrteilern wie Flucht ohne Ausweg (mit Hansjörg Felmy) und Der seidene Schuh (mit Maximilian Schell), als „Astrogator des Raumschiffs Hydra“ in der Science-Fiction-Serie Raumpatrouille, einem Film der Reihe Tatort sowie in zwei Episoden der Serie Fernfahrer. In Franz Peter Wirths halbdokumentarischem Fernsehfilm Operation Walküre verkörperte er den Rittmeister Heinz Ludwig Bartram, Adjutant des Generaloberst Friedrich Fromm und Eberhard Itzenplitz' Fernsehfilm Der Pedell den Verteidiger Jakob Schmids.
Neben seiner Sprechertätigkeit für die Augsburger Puppenkiste arbeitete Jentsch auch als Synchronsprecher, unter anderem für Fernando Sánchez Polack in Die Jagd (1966). Als Hörspielsprecher war er überwiegend für den Saarländischen Rundfunk, bzw. dessen Vorgänger Radio Saarbrücken tätig. In diesem Metier sprach er meistens Haupt- oder größere Nebenrollen.
Privatleben Jentsch war mit der Schauspielkollegin Gunda-Maria Weber verheiratet, die ebenfalls als Sprecherin für die Augsburger Puppenkiste tätig war. Zusammen haben sie drei Söhne und vier Enkelkinder.
Filmografie (Auswahl) 1963: Teufelskreise 1964: Die Geschichte von Joel Brand 1965: Der seidene Schuh 1966: Raumpatrouille 1967: Flucht ohne Ausweg (TV-Dreiteiler) 1967: Fernfahrer 1969: Fememord 1970: Operation Walküre 1970: Hanna Lessing 1970: Die Beichte 1971: Albrecht Dürer 1471–1528 1971: Die Messe der erfüllten Wünsche 1971: Der Pedell 1974: Der Tod der Schneevögel 1975: Tatort: Wodka Bitter-Lemon 1975: Eine ganz gewöhnliche Geschichte
Sprechrollen bei der Augsburger Puppenkiste (Auswahl) 1972: Wir Schildbürger, Rollen: Pelzhändler Meister Winter, Wandersmann Erhard Schürstab 1972: Die Steinzeitkinder, Rolle: Vater Ben Hedenhös 1973: Don Blech und der goldene Junker, Rolle: Schmuser, der Stier 1974: Urmel spielt im Schloß, Rolle: König Pumponell 1976: Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer, zweite Produktion, Rollen: König Alfons, der Viertelvorzwölfte; Hauptmann der Wilden 13 1976: Geschichten aus Holleschitz, Rollen: Leierkastenmann Babatschek, Großvater Frantak 1977: Jim Knopf und die Wilde 13, zweite Produktion, Rollen: König Alfons, der Viertelvorzwölfte; Hauptmann der Wilden 13 1977: Eine Woche voller Samstage, Rolle: Studienrat Groll 1978: Das kalte Herz, Rolle: Der dicke Ezechiel 1978: Lord Schmetterhemd, Rolle: Lord Shnatterman 1978: Wir warten aufs Christkind, Rolle: Lord Shnatterman 1979: Malte Maltzahn machts möglich, Rolle: Murmeltier Peter 1985: Kater Mikesch, Rolle: Bauer Schober 1985: Abdallah und sein Esel, Rolle: Sidi Rotbart 1986: Schlupp vom grünen Stern, Rolle: Onkel Richard
Hörspiele 1949: Der arme Mr. Griffith – Regie: Wilhelm Semmelroth 1952: Die verschlossene Tür (von Fred von Hoerschelmann) – Regie: Walter Knaus 1952: Der Teufel hole die Philosophie – Regie: Walter Knaus 1952: Shakespeares Tod – Regie: Walter Knaus 1952: Schütze Jasrich – Regie: Ulrich Lauterbach 1952: Kasan liegt an der Strecke nach Sibirien – Regie: Armas Sten Fühler 1954: Schäferlegende – Regie: Walter Knaus 1955: Das Lied der Laute – Regie: Hans Goguel 1956: Der lebendige Stein – Regie: Peter Arthur Stiller 1957: Flucht in der Maske – Regie: Peter Arthur Stiller 1957: Das Spiel vom Kreuz – Regie: Jörg Franz 1957: Zwischen den Grenzen – Regie: Peter Arthur Stiller 1957: Ein Haus bei San Vicente – Regie: Peter Arthur Stiller 1957: Die roten Signale – Regie: Peter Arthur Stiller 1957: Der Verräter – Regie: Peter Arthur Stiller 1957: Die Dame ist blond – Regie: Albert Carl Weiland 1958: Marmor – Regie: Jörg Franz 1958: Professor Forster – Regie: Walter Grüters 1958: Mene-tekel-Upharsin – Regie: Peter Arthur Stiller 1958: Nicht einfach, einen Kopf zu haben – Regie: Peter Arthur Stiller 1958: Einsamer Weg – Regie: Jörg Franz 1958: Leuchtkugeln – Regie: Jörg Franz 1959: Arbeiterpriester – Regie: Ulrich Lauterbach 1959: Zwölftausend – Regie: Peter Arthur Stiller 1959: Kleinpaul entdeckt einen Tizian – Regie: Peter Arthur Stiller 1959: Eine Geschichte, die das Leben schrieb – Regie: Peter Arthur Stiller 1963: Die Gerechten (nach Albert Camus) – Regie: Horst Loebe 1963: Lester Powell: Die Dame im Schnee – Regie: Albert C. Weiland (Kriminalhörspiel – SR) 1963: Der Reklameverteiler – Regie: Heinz Hostnig 1964: Das Buch Hiob – Regie: Heinz Schimmelpfennig 1964: Der eingebildete Kranke stirbt – Regie: Heinrich Kalbfuß 1965: Die sechste Frau – Regie: Peter Arthur Stiller 1965: Moby Dick – Regie: Raoul Wolfgang Schnell 1965: Hunde – Regie: Holger Sandig 1967: Zizibä – Regie: Jörg Franz 1967: Der Berg der Versuchung – Regie: Peter Arthur Stiller 1968: Saara – Regie: Günter Bommert 1969: In dem Haus – Regie: Heinz Hostnig
Einzelnachweise
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