mini|Das Wappen derer von Pfirt am rückwärtigen Eingang des Hauses Zum Pilgerstab in Freiburg im Breisgau
Bei den Herren von Pfirt (auch: Herren von Pfirdt und Herren von Ferrette) handelt es sich um ein vorderösterreichisches Ministerialadelsgeschlecht der Grafen von Pfirt des Hauses Scarponnois, mit denen es jedoch nicht zu verwechseln ist. Erstmals genannt werden die Edlen von Pfirt bereits 1135. Sie gehörten zu den bedeutendsten Ministerialen der 1234 ausgestorbenen ersten Grafen von Pfirt und erloschen 1848.
Geschichte Adelbero und Siegfried de Ferretis (von Pfirt) werden 1135 erstmals urkundlich erwähnt. In einer Urkunde vom 20. Dezember 1187 erließ Graf Ludwig von Pfirt den Klöstern Bellevaux und La Charité den Zoll, den Lufried Ritter von Pfirt von ihm zu Lehen hatte.Urkundenbuch der Stadt Basel, Band 3, Urk. 3 Nachtrag, S. 350. Dabei scheint Ritter nicht für eine Standesbezeichnung, sondern für einen Familiennamen zu stehen. 1213 wird dessen Sohn des Rudolf von Pfirt (Ferreto) erwähnt.Joseph Trouillat, Louis Vautrey: Monuments de l'histoire de l'ancien évêché de Bâle, Band 1, Urkunde 302, Ein Kuno wird 1225 genannt. „Ulrich von Phirret und Wer Bescheler sin bruder“ werden als Zeugen einer von Grafen Theobald von Pfirt am 21. Mai 1277 ausgestellten Urkunde genannt.
Ulmann von Pfirt erscheint 1342 als Landvogt des Herzogs Albrecht II von Oestreich und der Erbgräfin Johanna von Pfirt im Sundgau. Als Hauptmann und Pfleger zu Elsass, Sund- und Breisgau, erreichte er 1350 ein Bündnis mit den Städten Straßburg, Basel und Freiburg für die Dauer von fünf Jahren.Christian von Stramberg, Anton Joseph Weidenbach, S. 336.Urkundenbuch der Stadt Freiburg, Band 1, 1828, S. 397. Möglicherweise war Else von Pfirt, die mit Hartmann von Tegerfelden verheiratet war, seine Schwester.Julius Kindler von Knobloch: Oberbadisches Geschlechterbuch. Band 1, S. 206. In einem Mahnbrief des österreichischen Landvogts im Sundgau, Ulrich (auch Ulman), vom 4. April 1353 informierte er über Angriffe eines Johannes von Vy und eines Johannes von Valon. Dabei wurde unter anderen ein "Henmann von Pfirt, vogt ze Rinfelden, ritter" genannt. Aus einem Folgeschreiben vom 18. Mai des gleichen Jahres wird das Verwandtschaftsverhältnis zwischen Ulrich und Henmann ersichtlich: Darin nennt ihn Ulrich "min vetter"Urkundenbuch der Stadt Freiburg, Band 1, 1828, S. 425.
Anno 1365 erhielt er von Herzog Leopold von Habsburg zum Ausgleich für den von Herzog Rudolf erlittenen Schaden das in der ehemaligen Grafschaft Pfirt gelegene Dorf Carspach bei Altkirch im Elsass. Im Friedensvertrag zwischen dem Hause Habsburg und dem Bischof von Basel im Jahre 1347 und 1350 spielte er eine maßgebliche Rolle. Er wurde damals als Pfleger „nidwendig dem Howenstein“ eingesetzt. Am 17. Januar 1366 verpflichtete sich „Ulmann von Pfirt lantvogt zu Elsaß, mit der pflege Dadenried, Blumenberg, und was in die pflegnisse gehöret, und dann mit dem pfande der vesten Pfirt und waz dazu gehöret,“ den für das Elsass und den Schwarzwald beliebten Landfrieden zu wahren. Ulmann von Pfirt war mit Else, der Tochter des Wilhelm Atz(en) aus einem Freiburger Geschlecht, verheiratet. 1379 gewährte er der Stadt Laufenburg im Namen des Rudolf IV. von Habsburg-Laufenburg ein Darlehen. Er ist wohl auch derjenige Ulmann von Pfirt, welcher vor Ausbruch des Sempacher Krieges namens des Herzogs Leopold einen ewigen Frieden mit den Eidgenossen aufrichten sollte, während Johann Ulrich von Pfirt (sein Sohn,Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins Band 17, S. 444. geboren wohl um 1360) unter den vielen Rittern genannt wird, welche auf St.-Johann-Baptisten-Abend 1386 den Eidgenossen Fehde ansagen ließen. In dessen Diensten stand der vom Freiburger Adelsgeschlecht Geben (eine Nebenlinie der Herren von Endingen) abstammende Johannes Schäfer, welcher durch Clara (Geben-) Münzmeister mit den Herren von Pfirt verwandt war. Dieser Johannes Schäfer und Johann Ulrich von Pfirt, Enkel der Clara (Geben-) Münzmeister, wurden im Jahre 1399 zu einer Geldstrafe von 13 Pfund, 14 Schilling und 6 Pfennig an die Deutschordenskommende in Beuggen verurteilt.Copialbuch Fol. 119-120. Blatt 220-220' des sog. "Schwarzen Buchs" der Deutschordenskommende Beuggen, Signatur 242 des Bestands 67 (Kopialbücher). Urkunde 336, In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. Band 30, S. 240. Am 4. November 1398 war Johann Ulrich von Pfirt (Hans Ulrich voh Phirte) Zeuge einer Schuldverschreibung Herzog Leopolds von Österreich für Rudolf Vitzhmer.Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins Band 20, S. 336. Im Verlauf der Fehde der Herren von Schauenburg mit Bernhard von Baden fand Johann Ulrich am 29. Mai 1402 den Tod.Julius Kindler von Knobloch: Oberbadisches Geschlechterbuch. Band 1, Winter, Heidelberg 1898, S. 79ff.
Am 14. Dezember 1389 trat Ulrich Diepold von Pfirt als Bürge für Graf Conrad von Freiburg anstelle des bei der Schlacht bei Sempach verstorbenen Werner von Flachslanden ein.Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins Band 18, S. 198.
In Roethers Arbeit zum Geschlecht der Freiherren von Pfirt erwähnt er eine Urkunde vom 17. Juli 1411, worin Herzog Friedrich von Oesterreich für sich und seine Brüder und Vettern den Brüdern Peter und Claus den Zübeln (Zibollen – Basler Geschlecht) um 300 rheinische Goldgulden die Landgrafschaft Hornussen mit den Ämtern zu Homberg, an dem Melibach (Möhlinbach), in dem Rheintal und auf dem Dinkelberg, die alle zu seiner Feste Rheinfelden gehören verpfändete.Armin Roeder: Stadtarchiv Freiburg L4.1, B26u.
Im Jahre 1484 war Ludwig von Pfirt der Ortsherr zu Biengen. Ein Ulrich von Pfirt bekleidete 1506 zu Mülhausen das Bürgermeisteramt. Siegmund, Dompropst zu Basel, wurde zu einem Anhänger der Reformation, heiratete und starb 1574.
Wolfgang Dietrich von Pfirt, kaiserlicher Obrist, wird als Bote erwähnt und hatte 1545 eine Sendung bei dem Kurfürsten von Sachsen auszurichten.
Maria Anna von Pfirt († 1758? in Freiburg) heiratete Franz Ignaz Ludwig von Schönau-Zell. Dieser war von Franz Fridolin Weber aufgezogen wordenDie Familie Weber im Geschichtsbild der Stadt Zell, zell-im-wiesental.de, abgerufen am 16. Februar 2014. und war Mundschenk des Fürstbischofs von Basel und Herr von S. (Elsass) und Zell im Wiesental. Deren Sohn, Anton Ignaz Johann Nepomuk von Schönau (* 12. Dezember 1732 in Carspach; † 12. Juni 1808 in Freiburg im Breisgau), ehelichte später Maria Franziska von Kageneck, die Tochter des Johann Friedrich von Kageneck.
Zweig Pfirt-Zillisheim In einem im Stadtarchiv von Mülhausen aufbewahrten Familienbuch, das von Georg von Pfirt im Jahre 1475 begonnen worden war, finden sich Angaben über Grabstätten der Herren von Pfirt:Theobald Walter: Die Grabschriften des Bezirkes Oberelsaß von den ältesten Zeiten bis 1820. Verlag der J. Boltzeschen Buchhandlung, Gebweiler 1904, S. 140 f., Danach lagen Hans Ulrich von Pfirt († 8. März 1518) und seine Gemahlin Anastasia, geb. von Bolsenheim († 10. Oktober 1520) in Masmünster begraben.
In Ofen in Ungarn starben und lagen begraben: Simon von Pfirt († 30. Sept. 1521) Georg von Pfirt († 28. September 1535) Dorothea von Pfirt, geb. Waldnerin († 23. Febr. 1528), seit 27. November 1515 mit Georg vermählt
In Ensisheim, wo Simon von Pfirt († 2. Mai 1567) Regierungsrat und Statthalter des Landvogtes war, wurde neben ihm auch Dorothea von Pfirt († 26. April 1570) beigesetzt. Sie wird beschrieben als, eine Jungfrau, die bereits mit Hans Albrecht von Hagenbach († 29. April 1591) verlobt war. Theobald Walter rechnet all diese Personen bereits dem Zweig Pfirt-Zillisheim zu.
Nach dem Historikern Johann Christian von Stramberg und Anton Joseph Weidenbach nannte sich dieser Zweig jedoch erst ab 1620 von Zillisheim. Im selben Jahr hatte Johann Adam von Pfirt († 12. Dezember 1651), seines Zeichens Landvogt im Sundgau, Zillisheim an sich gebracht und dort ein Schloss mit 365 Fenstern erbaut. Er wurde wahrscheinlich ebenso in Zillisheim begraben, wie seine Tochter Maria Katharina von Reinach, geb. von Pfirt († 22. Mai 1672), sein Sohn Phillipp Jakob von Pfirt († 17. März 1675) und dessen Gemahlin Maria Anna von Pfirt, geb. von Schönau († 4. Februar 1677).
Der Zweig erlosch 1746 mit dem Tod des Murbacher Klosterpriors Bernard de Ferrette, dem Autor des Diarium de Murbach: 1671–1746.
Zweig Sennheim-Blumenberg (Florimont) Philipp Heinrich von Pfirt († 22. Januar 1606) zu Liebenstein, der sich in den Türkenkriegen ausgezeichnet hatte, war Vater dreier Söhne.Julius Kindler von Knobloch, S. 82. Einer davon war Jacob Christoph von Pfirt (1576–1637), der in Blumenberg (Florimont) ein Haus errichtetePaul Stintzi: Blumenberg und Tattenried. In: Alemannisches Institut Freiburg/Breisgau (Hrsg.): Alemannisches Jahrbuch 1964/65, Konkordia, Bühl (Baden) 1966, S. 164 f. und sich zu Blumberg nannte.Julius Kindler von Knobloch, S. 83. Die Nachkommen eines Sohns von Jacob Christoph von Pfirt (1576–1637) bildeten im 17. Jahrhundert eine Nebenlinie zu Sennheim, deren dritter und letzter Generation Johann Baptist von Pfirt zu Sennheim angehörte. Er war französischer Brigadegeneral in der Nordarmee.
Der Linie zu Blumberg entspross Johann Jakob Leonhard Freiherr von Pfürdt zu Blumberg († 1820). Er war der Sohn von Johann Jacob zu Blumberg und Maria Anna Carolina von Pfirt-Carspach, einer Schwester von Franz Anton Friedrich von Pfirt-Carspach, dem Präsidenten der Breisgauer Ritterschaft.Alfred von Kageneck: Das Haus Franziskanerstr. 9 (Collegium Battmannicum – Albert-Carolinen-Stift). In: Schau-ins-Land 104, Freiburg im Breisgau 1985, , S. 263–268. Johann Jacob Leonhard diente von 1778 bis 1783 in Rottweil sowie zwischen 1784 und 1798 in Hohenrain und Reiden als Komtur des Johanniterordens.Johann Jakob Leonhard, helvetiasacra.ch, abgerufen am 18. Dezember 2013.
Seine Schwester Franziska Antonia von Pfirt-Blumberg († 1783)bei Kindler von Knobloch als „Rosa Gabriele Antoinette“ bezeichnet heiratete Josef Fidel Anton Thurn-Valsassina († 1799 in Friedingen). Das Paar hinterließ die beiden Töchter Caroline und Walburga, die nach Freiburg im Breisgau zogen, wo ihre u. a. ihre Tante Franziska seit 1770 Äbtissin in Günterstal war. Zu Beginn der Französischen Revolution wurden alle Güter des Zweiges verkauft oder enteignet, abgesehen vom Meierhof Fahy und dem Grundstück La Farine. Nun zog auch der Rest der Familie nach Freiburg zog, wo Franz Anton Friedrich von Pfirt-Carspach bei der Regierung eine Aufenthaltserlaubnis erwirken konnte. mini|Allianzwappen am Haus zum Pilgerstab
Albert (1773–1845), den Sohn seines Bruders Philipp Heinrich Anton, brachte Johann Jakob Leonhard beim bayerischen Militär unter, wo er zum Königlich Bayerischen Kämmer und Major aufstieg und Ritter des St.-Ludwig-Ordens wurde. 1810 arrangierte er die Heirat mit seiner Nichte Carolina Thurn-Valsassina († 1836) und bedachte ihn in seinem Testament. Das Paar hatte keine Kinder und lebte abwechselnd in einem Haus am Lorettoberg und im Haus Zum Pilgerstab in der Franziskanerstraße. Nach dem Willen seiner Ehefrau verfügte er in seinem Testament die Gründung einer Stiftung aus ihrem Vermögen von 373.000 Goldgulden, um damit ein Kapitel für junge Damen aus der beiden Verwandtschaft einrichten zu können. Diese Stiftung wurde später mit der der vormaligem Breisgauer Ritterschaft vereinigt. Das Albert-Carolinen-Stift wurde kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs in die Burgunderstr. 24 verlegt. Am alten Standort findet sich das Allianzwappen der beiden Familien.
Hubert, der Bruder von Albert, erhielt testamentarisch einen Teil von dessen Vermögen und starb am 12. Februar 1848 als letzter Nachkomme der Herren von Pfirt im Meierhof Fahy in FlorimontFrançois Antoine Sigismond Hubert FERRETTE-FLORIMONT (de) – Stammbaum Bernard MULLER – GeneaNet, gw.geneanet.org, abgerufen am 2. Februar 2014. oder in Freiburg im Breisgau.
Zweig Liebenstein-Carspach hochkant|mini|Grab des Felix Anton Freiherr von Pfirdt an der Kirche St. Leodegar in Bad Krozingen-Biengen