Dorylus ist eine Gattung der Ameisen. Es handelt sich um die einzige Gattung der Unterfamilie Dorylinae. Sie gehört zu den Wanderameisen (Dorylomorpha). In ihrer Ökologie und Lebensweise entspricht sie in der Alten Welt den Arten der Unterfamilie Ecitoninae in Amerika. Die Dorylus-Arten werden als Heeres- oder Treiberameisen bezeichnet (auf Englisch Driver Ants, Siafu auf SwahiliJane Goodall: 50 Years at Gombe. Abrams Books, New York, 2013. ISBN 978-1-61312-607-3. Kap. „Tool Making“. (dt.: Mein Leben für Tiere und Natur: 50 Jahre in Gombe. Bassermann Verlag, 2010)). Den Namen Treiberameisen erhielten sie nach den Arten der Untergattung Anomma, die ihre fliehende Beute auf einer breiten Front vor sich herzutreiben scheinen.

Die Gattung Dorylus umfasst mit Dorylus wilverthi die größten Ameisen überhauptS. Bruce Archibald, Kirk R. Johnson, Rolf W. Mathewes and David R. Greenwood (2011): Intercontinental dispersal of giant thermophilic ants across the Arctic during early Eocene hyperthermals. Proceedings of the Royal Society Series B: 278, 3679–3686, doi:10.1098/rspb.2011.0729, p. 3682, die Königinnen erreichen 52 Millimeter Körperlänge, als auch die größten bekannten Insektenstaaten mit mehr als 20 Millionen Arbeiterinnen pro VolkGraeme P. Boswell, Nigel R. Franks, Nicholas F. Britton: Arms races and the evolution of big fierce societies. Proceedings of the Royal Society, Series B 268 (2001): 1723–1730, doi:10.1098/rspb.2001.1671.

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Beschreibung Die Gattung Dorylus ist gekennzeichnet durch einen eingliedrigen, knotenförmigen Petiolus. Ein abgeschnürter Postpetiolus ist nicht ausgebildet, dadurch sind sie leicht von der verwandten Gattung Aenictus zu unterscheiden. Typisch ist auch die Ausbildung des Clypeus am Kopf. Dieser ist bei den Männchen extrem verkürzt, bei Königinnen und Arbeiterinnen ganz fehlend. Dadurch ist die Einlenkung der Antennen unmittelbar an den Vorderrand der Kopfkapsel gerückt. Die Frontalkiele sind sehr kurz, auch die Antennen sind in der Regel auffallend verkürzt. Sie bestehen je nach Art aus neun bis zwölf Gliedern.

Arbeiterinnen Die Arbeiterinnen besitzen zylindrische Körpergestalt mit sehr großem Kopf. Sowohl Ocellen wie auch Komplexaugen fehlen vollständig. Die Tiere sind aber vermutlich nicht völlig blind, sondern können mit einem Hautlichtsinn zumindest Hell und Dunkel unterscheiden. Von den Mundwerkzeugen sind die Mandibeln verlängert und mehr oder weniger sichelförmig mit parallelem Innen- und Außenrand, d. h. Basalrand und Vorderrand (Kauleiste) gehen ohne Absatz ineinander über. Sie stellen die hauptsächlichen Waffen für den räuberischen Nahrungserwerb dar und sind ohne weiteres in der Lage, auch die menschliche Haut zu durchdringen. Die Mandibeln tragen einen scharfen, sichelförmigen Zahn an der Spitze und meist einen weiteren, auffallend vergrößerten Zahn in der Mitte (subapikal), dieser ist aber je nach Art und Größenform variabel. Zusätzlich sind mehrere kleine Zähnchen vorhanden. Die Palpen von Maxillen und Labium sind nur zweigliedrig (Ausnahme: Dorylus orientalis mit eingliedrigen Maxillarpalpen) und gegenüber den meisten anderen Ameisen auffallend kurz. Das Labrum ist nicht, wie bei sonst fast allen Ameisen, in der Mitte durch eine Aussparung eingeschnitten, sondern gleichmäßig verrundet. Am Rumpf ist die Naht zwischen Pronotum und Mesopleuren deutlich erkennbar, aber durch eine schmale bandförmige Zone immobil fixiert. An den Hinterecken des Propodeums (des mit dem Thorax verschmolzenen ersten Hinterleibssegments) sind keine lappenförmigen Auswüchse (oft ungenau als Metapleuralloben bezeichnet) vorhanden. Am Hinterleib ist die Bauchplatte (Sternit) des ersten Gastersegments auffallend verkürzt. Das Pygidium (Tergit des siebten Abdominalsegments, bildet das Hinterende des freien Hinterleibs) ist durch eine tiefe Aussparung zweispitzig. Ein Giftstachel ist vorhanden, er ist aber verkürzt und funktionslos und liegt im Hinterleib verborgen.

Die langgestreckt zylindrische Körperform, die fehlenden Augen, die verkürzten Antennen und Palpen lassen sich als Anpassungen an eine vor allem unterirdische Lebensweise erklären. Man nimmt an, dass auch die oberirdisch jagenden eigentlichen Treiberameisen in der Untergattung Anomma von unterirdisch lebenden Vorfahren abstammen.

Sehr auffallend bei allen Arten der Gattung ist der extreme Größenpolymorphismus der Arbeiterinnen. Die größten Formen besitzen mehr als die hundertfache Körpermasse der kleinsten. Die größten Formen wurden früher oft als Soldaten bezeichnet, oft werden die Arbeiterinnen in drei Größenformen eingeteilt. Anders als bei den südamerikanischen Eciton-Arten gehen aber alle Größenklassen lückenlos ineinander über, es existieren keine scharf geschiedenen Unterkasten.

Königinnen Die Form der Königinnen ist wie bei allen Treiberameisen charakteristisch abgewandelt, diese besondere Merkmalsausprägung wird oft als dichthadiigyn bezeichnet. Die Königinnen sind ebenso wie die Arbeiterinnen völlig augenlos und ähneln diesen in der generellen Körpergestalt. Insbesondere besitzen sie niemals Flügel oder auch nur erkennbare Rudimente von solchen. Da die Koloniegründung der Treiberameisen durch Spaltung der Mutterkolonie erfolgt, entfällt der sonst bei Ameisen übliche Hochzeitsflug. Königinnen sind daher ausschließlich inmitten von schützenden Arbeiterinnen, niemals einzeln, anzutreffen. Der Hinterleib ist walzenförmig und stark verlängert, insbesondere das dritte Abdominalsegment (das erste Segment des Gaster) erreicht ungewöhnliche Länge, bei Dorylus, ist, anders als bei anderen Treiberameisen, auch das siebte Segment verlängert und deutlich zweilappig. Bei eierlegenden Königinnen ist der Hinterleib mehr oder weniger aufgetrieben (physogastrisch), um die Menge der gelegten Eier zu maximieren. Der Kopf ist verbreitert und abgerundet, die Mandibeln sind durch den fehlenden subapikalen Zahn linealisch oder sichelförmig (falciform). Abweichend von den Arbeiterinnen sitzt bei den Königinnen seitlich am Petiolus, auf der Bauchseite, jederseits eine lappenförmige Erweiterung, wodurch der Petiolus bei Aufsicht die Breite des Rumpfs erreichen kann.

Männchen Die Männchen von Dorylus haben eine gegenüber den anderen Kasten vollkommen abweichende Erscheinung. Sie besitzen sehr große, halbkugelig vorstehende Komplexaugen und außerdem drei Punktaugen (Ocellen). Sie sind voll geflügelt und flugfähig. Das Pronotum ist bei Sicht von der Seite her dreieckig verschmälert. Der Hinterleib ist hingegen zylindrisch und ganz auffallend verlängert ohne nach hinten hin verschmälert zu sein. Durch die für eine Ameise eher untypische Körpergestalt hat der Begründer der modernen Taxonomie, Carl von Linné das erste ihm vorliegende Männchen als Wespenart beschrieben und Vespa helvola benannt (heute: Dorylus helvolus). Weitere typische Merkmale des Männchens sind: Die ersten drei Fühlerglieder sind auffallend glatt und glänzend, Labialpalpen eingliedrig, das Stigma am Mesothorax ist gegenüber seiner normalen Lage auffallend nach dorsal verschoben. Im Flügelgeäder fällt das schwach entwickelte Flügelmal (Pterostigma) auf, außerdem fehlt im Vorderflügel eine Querader, wodurch nur eine Submarginalzelle ausgebildet ist. Die Form des männlichen Begattungsapparats weist ebenfalls eine Reihe Besonderheiten auf.

Die Männchen der Dorylinae fliegen zu bestimmten Zeiten massenhaft und werden durch Lichtquellen in großer Zahl angelockt. Dadurch liegen sehr viele isolierte Fundnachweise von Männchen vor. Alle Systematiker vermuten deshalb, dass in einer unbekannten Zahl von Fällen die Männchen unabhängig von den Königinnen und Arbeiterinnen ein zweites Mal wissenschaftlich neu beschrieben worden sind, d. h. einer der Artnamen ein Synonym darstellt. Dies ist kürzlich für ein Artenpaar nachgewiesen worden (Dorylus gerstaeckeri ist in Wirklichkeit das Männchen von Dorylus gribodoi).Caspar Schöning, William H. Gotwald, Daniel J. C. Kronauer, Lars Vilhelmsen: Taxonomy of the African army ant Dorylus gribodoi Emery, 1892 (Hymenoptera, Formicidae) — new insights from DNA sequence data and morphology. In: Zootaxa 1749, 2008, S. 39–52. Durch vermutlich noch unerkannte Artenpaare ist die tatsächliche Artenzahl der Dorylinae sehr unsicher.

Die Männchen von Dorylus sollen in Afrika bei vielen Völkern als Delikatesse gelten und gegessen werden. Ihr Name wurde von Europäern als sausage flies (Wurstfliegen) übersetzt.

Larven Über die Larven von Dorylus ist wenig bekannt. Einige Arten wurden von Wheeler beschrieben.George Wheeler, Jeanette Wheeler: The larvae of the arma ants (Hymenoptera: Formicidae). A revision. In: Journal of the Kansas Entomological Society 57, Nr. 2, 1984, S. 263–275. Sie entsprechen in der Körpergestalt den Ameisenlarven des mymecoiden Larventyps, d. h. sie sind relativ langgestreckt mit bauchwärts eingekrümmtem Körper, das Abdomen ist zum Hinterende hin am breitesten und hinten abrupt verengt. Auffallend sind Beinrudimente, die als kissenförmige, warzige Strukturen ausgebildet sind. Die Körperoberfläche ist von mikroskopischen Dörrnchen (Spinulae) besetzt und nur sehr spärlich behaart. An der Kopfkapsel gehen Labrum und Clypeus ohne klar erkennbare Naht ineinander über, diese Struktur ist nach vorne ausgestülpt.

Lebensweise Die meisten Dorylus-Arten, darunter alle asiatischen (und auch der einzige europäische) Vertreter, leben und jagen unterirdisch (hypogäisch). Die spektakulären Raubzüge der eigentlichen Treiberameisen sind auf wenige Arten der Untergattung Anomma beschränkt, die alle im tropischen Afrika leben. Während die oberirdisch jagenden Arten schon den Forschungsreisenden des 19. Jahrhunderts auffielen, ist über die unterirdisch jagenden vergleichsweise viel weniger bekannt. Diese Lebensweise gilt aber als die ursprüngliche, aus der sich die oberirdische Jagdweise sekundär entwickelt hat.