Baldur’s Gate II: Schatten von Amn (engl.: Shadows of Amn, kurz: BG2 / SoA) ist das zweite Spiel einer Computer-Rollenspielreihe zu Advanced Dungeons & Dragons des kanadischen Entwicklers BioWare und direkter Nachfolger von Baldur’s Gate. Es wurde von Interplay Entertainment am 24. September 2000 für Microsoft Windows und Mac OS veröffentlicht. 2013 veröffentlichte der kanadische Entwickler Overhaul Games die überarbeitete und erweiterte Baldur’s Gate II: Enhanced Edition.

Baldur’s Gate II basiert, wie schon der Vorgänger, auf der von BioWare selbst entwickelten Infinity-Engine und setzt die Handlung des ersten Teils und dessen Erweiterung Legenden der Schwertküste fort. Seine Veröffentlichung war ein kommerzieller Erfolg und das Spiel wurde mehrfach als Rollenspiel des Jahres 2000 ausgezeichnet. Eine Erweiterung erschien am 21. Juni 2001 unter dem Titel Baldur’s Gate II: Throne of Bhaal.

Handlung Der Hauptcharakter erwacht in einem Kerker des Magiers Joneleth ‘Jon’ Irenicus. Dieser war ehemals Mitglied der Elfengemeinschaft in Suldanessalar, wurde von dieser jedoch ausgestoßen und trachtet mittlerweile nach einem Teil der göttlichen Essenz der Bhaalskinder. Mit der gewonnenen Macht plant er, einen Rachefeldzug gegen Suldanessalar zu führen und anschließend zu einem Gott aufzusteigen. Der Hauptcharakter wird von seiner Halbschwester Imoen befreit und kann aus dem Verlies entkommen. Er findet sich in Athkatla wieder, der Hauptstadt des südlich von Baldurs Tor gelegenen Reiches Amn.

Der Spieler entschließt sich, seinen Peiniger zur Verantwortung zu ziehen. Er erkundet zunächst die Stadt und das Umland Athkatlas. Dabei erfährt er auch weitere Details über seine Abstammung. Das Erbe Bhaals drückt sich in Form von Träumen aus, die den Hauptcharakter im Verlauf mehrfach heimsuchen. Im späteren Verlauf verwandelt er sich außerdem in ein tödliches, fremdartiges Monstrum, das an das Wesen seines göttlichen Vaters Bhaal angelehnt ist. Es droht mit jeder Verwandlung eine immer stärkere Annäherung an den Charakter seines göttlichen Erzeugers. Das Spiel endet mit der zentralen Auseinandersetzung des Hauptcharakters mit Irenicus in der Elfenstadt Suldanessalar.

Spielmechanik Einzelspieler-Kampagne Baldur’s Gate II verwendet eine weiterentwickelte Version der Infinity-Engine des ersten Teils. Der Spieler steuert bis zu sechs Spielercharaktere auf vorgerenderten Karten. Der Hauptcharakter kann entweder aus einem Spielstand des ersten Spiels importiert oder zu Beginn des Spiels neu erstellt werden. In letzterem Fall wird der Charakter zu Beginn des Spiels auf Charakterstufe 7 aufgewertet.

Im Vergleich zum Vorgänger wurden die Charakterklassen stark erweitert. So ist es nun möglich, neben der Hauptklasse wie z. B. Priester oder Schurke eine spezialisierte Klasse wie Meuchelmörder oder Kopfgeldjäger auszuwählen. Insgesamt stehen so mehr als 30 Spezialisierungskits zur Verfügung. Als neue Rasse kann der Halb-Ork gewählt werden und es stehen mit Hexenmeister, Barbar und Mönch drei neue Klassen zur Verfügung.

Die restlichen Gruppenmitglieder werden im Laufe des Spiels in die Gruppe aufgenommen, einige traten bereits in Baldur’s Gate auf. Die Charakterisierung der Begleiter wurde im Nachfolger deutlich stärker ausgearbeitet und dramaturgisiert. Die Charaktere bringen sich in Gespräche ein und reagieren auf die Handlungen des Spielercharakters. Sie bringen außerdem neue Handlungsbögen und neue Quests ins Spiel ein, die ihren persönlichen Hintergrund und ihre Persönlichkeit beleuchten. Außerdem sind zwischen dem Hauptcharakter und einigen ausgewählten Begleitern Romanzen möglich.

Zaubercharaktere müssen gemäß den AD&D-Regeln ihre Sprüche vorbereiten, bevor sie angewendet werden können. Mit 182 Magier- und 110 Priesterzaubersprüchen hat sich das magische Repertoire gegenüber dem Vorgänger dabei mehr als verdreifacht. Ebenfalls erhöht wurde die Obergrenze für Erfahrungspunkte, die nun bei 2.950.000 Punkten liegt.

Mehrspielermodus Der Mehrspieler-Modus des ersten Teils wurde weitgehend unverändert übernommen. Bis zu sechs Spieler können mit selbstgenerierten Charakteren die Einzelspieler-Kampagne gemeinsam durchspielen. Bei einer vollständig selbstgenerierten Heldentruppe fallen jedoch die Interaktionen zwischen den vorgenerierten Begleitcharakteren weg, die einen nicht unerheblichen Reiz des Spiels ausmachen.

Entwicklung

Alle vier Veröffentlichungen der Computer-Rollenspielserie Baldur’s Gate von BioWare entstanden im Auftrag des Publishers Interplay, der zu diesem Zeitpunkt Inhaber einer AD&D-Softwarelizenz von Tactical Studies Rules war (später Wizards of the Coast). BioWare widmete das Spiel Daniel „Dan“ Walker, einem Grafiker, der der zweite Festangestellte der Firma und für einen Teil der Grafiken von Baldur’s Gate verantwortlich gewesen war. Walker war 1999 an den Folgen einer körperlichen Behinderung verstorben.Handbuch, S. 2

Technik Das Spiel basiert auf der von BioWare entwickelten Infinity-Engine, einer 2D-Grafikengine. Damit entwickelte Spiele benötigten keine 3D-Grafikkarte. Ursprünglich war die Engine für ein MMO konzipiert, aber auf Anraten von Interplays Feargus Urquhart setzte man sie schließlich für Rollenspiele ein. Das Kampfsystem wurde stark beeinflusst von Westwoods Echtzeit-Strategiespiel Command & Conquer.

BioWare lizenzierte die Infinity-Spielengine für weitere D&D-Projekte an Interplay. Sie wurde daher bei den Black-Isle-Studios für Icewind Dale, Icewind Dale II und in Planescape: Torment verwendet, die optisch und spielerisch große Ähnlichkeit zu Baldur’s Gate aufweisen. Zusammen werden diese Spiele als die sogenannten Infinity-Spiele bezeichnet.

Baldur’s Gate II: Schatten von Amn unterstützte neben der Auflösung von 640×480 Pixeln durch eine Weiterentwicklung der Grafikengine erstmals auch 800×600 Bildpunkte. In den Optionen des Spiels ließen sich auf Wunsch sogar noch höhere Auflösungen aktivieren, wurden vom Hersteller aber nicht offiziell unterstützt. Als weiterer Unterschied zu den früheren Titeln konnte das Benutzerinterface während des Spiels jetzt auch ausgeblendet werden. Die in Rezensionen kritisierten Wegfindungsprobleme des Vorgängers wurden beseitigt; wenn der Spieler die aktive Spielfigur durch andere Gruppenmitglieder hindurch dirigierte, sprangen die Gruppenmitglieder nun zur Seite, statt den aktiven Charakter zu blockieren.

Soundtrack Die Musik stammte wie beim Vorgänger von dem deutschen Komponisten Michael Hoenig.Handbuch, S. 135

Entwicklungsziele und Verlauf Baldur’s Gate war das erste Rollenspiel des jungen Entwicklungsstudios BioWare gewesen und nach dem Actiontitel Shattered Steel auch insgesamt erst das zweite Spiel. Bei Baldur’s Gate II: Schatten von Amn wollte man all das erfolgreich umsetzen, was man während der Entwicklung des ersten Titels aus Anfängerfehlern gelernt hatte. Es sollte zudem mehr Zeit für die Entwicklung zur Verfügung stehen, die für die Produktion des ersten Teils vor allem deshalb gefehlt hatte, weil parallel zur Entwicklung der Spielinhalte noch an der Infinity-Engine gearbeitet werden musste. Baldur’s Gate II war Daniel Walker gewidmet, dem in der Firmengeschichte zweiten Angestellten von BioWare, der 1999 verstarb.

Aus den Ideen oder der Kritik von Fans in Newsgruppen und Portalen, aus Testberichten und den internen Besprechungen erstellte man zunächst eine Liste an Verbesserungsvorschlägen, die zu großen Teilen auch als Projektziele übernommen wurden. Aus seinem beruflichen Umfeld erhielt der leitende Entwickler James Ohlen den Hinweis, dass die Charaktere in Baldur’s Gate im Vergleich zum konkurrierenden Rollenspiel Final Fantasy VII von 1997 schlechter ausgearbeitet seien. Ohlen setzte sich daraufhin intensiv mit dem vom japanischen Studio und Publisher Square entwickelten Spiel auseinander und adaptierte dessen Romanzensystem, um die Beziehungen der Charaktere zueinander interessanter zu gestalten. Während der Entwicklung des Spiels richtete BioWare eine Abteilung für Qualitätssicherung ein und erhielt Unterstützung von Interplays Rollenspielspezialisten der Black Isle Studios. Bedarf dafür bestand vor allem beim Testen, das sich durch die extreme Größe des Projekts zum Albtraum entwickelt hatte.

Rezeption Baldur’s Gate II erhielt herausragende Bewertungen (Metacritic: 95/100).Metacritic.com, durchschnittliche PC-Wertung, abgerufen am 13. September 2011 Es zählte damit seinerzeit und darüber hinaus zu den bestbewerteten PC-Spielen.Metacritic PC High Scores, die bestbewerteten PC-Spiele. Zuletzt abgerufen am 12. September 2011.

Das Spiel wurde als eine konsequente Weiterentwicklung der Stärken des Vorgängers ohne große Neuerungen bezeichnet. Von Kritikern wurde zumeist die Interaktion mit den Begleitcharakteren und die Inszenierung ihrer Hintergrundgeschichten positiv hervorgehoben, die Spielwelt wurde als authentisch und glaubwürdig bewertet. Gelobt wurde der gesteigerte Bedienkomfort, wie beispielsweise die Dokumentation der Aufträge in einem Spieltagebuch. Kritik gab es vereinzelt an der Wegfindungs-KI und der technischen Qualität der Soundausgabe.

Auszeichnungen Die Academy of Interactive Arts & Sciences nominierte das Spiel bei den Preisverleihungen 2001 in den Kategorien Spiel des Jahres, PC-Spiel des Jahres, Computer-Rollenspiel des Jahres, Game Play Engineering und Charakter- oder Storyentwicklung, von denen es letzteres gewinnen konnte. Die ersten drei Kategorien gingen dabei an Diablo II.Academy of Interactive Arts & Sciences: Gewinner der Preisverleihungen 2001. Offizielle Webseite. Zuletzt abgerufen am 10. Oktober 2011. Bis Mai 2005 konnten ca. zwei Millionen Exemplare von Baldur’s Gate II sowie ca. 500.000 Exemplare der Erweiterung abgesetzt werden.

Fan-Mods und -Erweiterungen Der große Erfolg des Spiels und die auch für den zweiten Teil weiterhin nutzbaren Moddingtools sorgten weit über den Veröffentlichungstermin hinaus für einen großen Output an Fanerweiterungen. Neben zahlreichen Questerweiterungen, Regelwerksmodifikationen und Zusatzcharakteren erschien mit Baldur’s Gate Trilogy eine Modifikation, mit der Baldur’s Gate mitsamt Erweiterung in das Spiel Baldur’s Gate II integriert werden kann. Auf diesem Weg können beide Spiele und ihre Erweiterungen durchgängig mit der fortschrittlicheren Engine von Baldur’s Gate II gespielt werden. Der Besitz beider Spiele sowie der Erweiterungen ist jedoch Voraussetzung.

Nach dem Ende des offiziellen Supports für die ersten beiden Teile versucht die aktive Fan-Community mit sogenannten Community-Patches den Support für die Spielreihe aufrechtzuerhalten um z. B. die Spielbarkeit auf neuen Plattformen zu gewährleisten.

Baldur’s Gate II: Thron des Bhaal

Baldur’s Gate II: Thron des Bhaal (engl.: Throne of Bhaal, kurz: ToB) ist eine Erweiterung für das Spiel Baldur’s Gate und schließt die fortlaufende Handlung von Baldur’s Gate und Baldur’s Gate II inhaltlich ab. Es wurde am 21. Juni 2001 veröffentlicht.

Handlung In der Erweiterung Thron des Bhaal sprießen überall in ganz Faerûn die Nachkommen Bhaals aus dem Boden, führen Krieg miteinander und verwüsten das Land. Die Prophezeiung besagt, dass Bhaal aus dem Blut seiner Kinder wieder auferstehen wird. Man ist nun darin angehalten, alle anderen Kinder Bhaals aufzuspüren und zu bekämpfen, um so eines von drei möglichen Enden der Geschichte zu erreichen:

Man nimmt das Erbe von Bhaal an und wird der neue böse Gott des Mordes. Man nimmt das Erbe von Bhaal an, wird aber zu einer neuen, guten Gottheit. Man nimmt das Erbe und somit die Unsterblichkeit von Bhaal nicht an, sondern zerstört es und existiert weiter als guter/böser sterblicher Charakter und führt ein glückliches Leben (evtl. mit der/dem Geliebten).

Spielmechanik