Die Gattung Cordyceps gehört zu den Schlauchpilzen (Ascomycota). Cordyceps-Arten parasitieren Gliederfüßer (Arthropoda) und bilden bleiche oder hell gefärbte Fruchtkörper mit fleischigen Stromata.

Die Typusart ist die Puppen-Kernkeule (Cordyceps militaris).

Verschiedene Cordyceps-Arten werden seit mehr als 1.500 Jahren in der chinesischen Medizin verwendet.

Merkmale Makroskopische Merkmale Die parasitären Pilze durchwachsen den Wirt und bilden zuerst ein Subiculum, aus dem dann Sammelfruchtkörper, sogenannte Stromata, wachsen. Diese und das Subiculum sind bleich oder hell pigmentiert und fleischig. Die eigentlichen, kleinen Fruchtkörper, die Perithezien, sind oberflächlich bis vollständig im Stroma eingesenkt.

Mikroskopische Merkmale Die farblosen und zylindrischen Schläuche haben verdickte Spitzen. Die darin gebildeten farblosen und zylindrischen Sporen sind mehrfach septiert und zerfallen in Teilsporen oder nicht. Selten besitzen sie an den spindelförmigen Enden eine gewindeartige Struktur.

Ökologie Cordyceps-Arten befallen Larven oder Puppen verschiedener Insekten in Laubstreu, in Moosen oder oberen Bodenschichten. So kommt z. B. die in Europa verbreitete Puppen-Kernkeule auf toten Raupen größerer Schmetterlinge vor.Ewald Gerhardt: Pilze. BLV Buchverlag, München 2006, ISBN 978-3-8354-0053-5, S. 550 Arten, die Hirschtrüffel befallen, werden jetzt durchwegs der Gattung Elaphocordyceps zugeordnet.

Systematik und Verbreitung Die Erstbeschreibung von Cordyceps erfolgte in Johann Heinrich Friedrich Link: Handbuch zur Erkennung der nutzbarsten und am häufigsten vorkommenden Gewächse, 1833, S. 346. Die Typusart ist die Puppen-Kernkeule (Cordyceps militaris). Sie umfasste ursprünglich alle Kernkeulen, die durch ihre parasitische Lebensweise auf Insekten oder Hirschtrüffel und ihren fleischigen oder gestielten Fruchtkörper charakterisiert waren. Phylogenetische Untersuchungen ergaben aber eine Aufteilung in drei Kladen.

Die Gattung Cordyceps s. l. kommt weltweit vor, außer in der Antarktis. In Europa kommen nur wenige Arten vor bzw. sind dort zu erwarten. Eine Auflistung in der Taxon list of fungi and fungal-like organisms from Germany der Deutschen Gesellschaft für MykologieCordyceps Fr.. in Frank Dämmrich: Taxon list of fungi and fungal-like organisms from Germany compiled by the DGfM. Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns. Checklist dataset doi:10.15468/gtvmjw, abgerufen über GBIF.org am 27. Juni 2021 listet für Deutschland noch acht Arten, darunter Nadelsporige Kernkeule (Cordyceps bifusispora), Cordyceps memorabilis, Puppen-Kernkeule (Cordyceps militaris) und Höckerige Kernkeule (Cordyceps tuberculata). Alle anderen Arten von Kernkeulen wurden den Gattungen Elaphocordyceps oder Ophiocordyceps zugeordnet.

Etliche Kernkeulen bedürfen noch einer molekulargenetischen Analyse, um sie eindeutig den drei Splittergattungen Cordyceps s. str., Elaphocordyceps und Ophiocordyceps zuzuordnen. Folgende bereits untersuchten Taxa gehören der Gattung Cordyceps im engeren Sinne an:

Cordyceps weltweit Deutscher Name Wissenschaftlicher Name Autorenzitat Anamorphe Autorenzitat Cordyceps ampullacea Cordyceps bassiana Beauveria bassiana Cordyceps belizensis Nadelsporige Kernkeule Cordyceps bifusispora Septofusidium bifusisporum Cordyceps brongniartii Beauveria brongniartii Cordyceps chichibuënsis Cordyceps coccinea Cordyceps coccinea var. subochracea Cordyceps confragosasyn. Torrubiella confragosa syn. Lecanicillium lecanii Cordyceps erotyli Cordyceps exasperata Cordyceps flavobrunnescens Cordyceps formosana Cordyceps gryllotalpae Cordyceps hepialidicola Cordyceps isarioides Cordyceps kyusyuënsis Sporotrichum formosanum Cordyceps locustiphila Cordyceps memorabilis Puppen-Kernkeule Cordyceps militarissyn. Clavaria militarissyn. Hypoxylon militaresyn. Xylaria militarissyn. Sphaeria militarissyn. Torrubia militaris syn. syn. syn. syn. syn. Lecanicillium Cordyceps miryensis Cordyceps mitrata Cordyceps nikkoënsis Cordyceps ninchukisporasyn. Phytocordyceps ninchukispora syn. AcremoniumCordyceps.us: , abgerufen am 10. Dezember 2021 Cordyceps ochraceostromata Cordyceps ogurasanensis Cordyceps oncoperae Cordyceps polyarthrasyn. Cordyceps subpolyarthrasyn. Cordyceps concurrens syn. syn. Isaria tenuipes Cordyceps pruinosa Mariannaea pruinosa Cordyceps rosea Cordyceps roseostromata Cordyceps scarabaeicola Beauveria Cordyceps singeri Cordyceps spegazzinii Evlachovaea Cordyceps staphylinidicola (beschrieben als Cordyceps staphylinidaecola) Beauveria Cordyceps takaomontana Isaria tenuipes Cordyceps tarapotensis Cordyceps termitophila Cordyceps truncata Höckerige Kernkeule Cordyceps tuberculata[var. typica]syn. Acrophyton tuberculatumsyn. Torrubia sphingumsyn. Cordyceps sphingum []syn. syn. syn. Akanthomyces pistillariiformis Cordyceps tuberculata var. terminalis f. cockerelliisyn. Ophionectria cockerelliisyn. Cordyceps cockerellii syn. syn. Cordyceps tuberculata var. terminalis f. cristasyn. Cordyceps crista syn. Cordyceps tuberculata var. terminalis f. genuina Cordyceps tuberculata var. tuberculata f. moellerisyn. Cordyceps moelleri syn. Cordyceps typhuliformis (beschrieben als Cordyceps typhulaeformis) Cordyceps washingtonensis

Verwendung Cordyceps-Pilze sind genießbar, aber stellen keine klassischen Speisepilze dar. Verwendet werden sie seit Jahrhunderten in der traditionell-chinesischen Medizin als Heilmittel für verschiedene Erkrankungen. Vor allem in westlichen Ländern wird Cordyceps sinensis (Chinesischer Raupenpilz) als Supplement vermarktet. Ernstzunehmende Wirkungsbelege gibt es für keine gesundheitliche Anwendung.

Cordyceps in der Popkultur Cordyceps sind ein zentrales Element in der Videospielserie um The Last of Us und ihrer gleichnamigen Fernsehadaption, bei der Cordyceps Auslöser für eine Epidemie sind, bei der Menschen zu zombieähnlichen, kannibalischen Mutanten werden. Die Produzenten gaben an, von Ophiocordyceps unilateralis, der jedoch nicht mehr zur Gattung Cordyceps gezählt wird, inspiriert worden zu sein.

Siehe auch Kernkeule Chinesischer Raupenpilz

Weblinks

Einzelnachweise Datensatz Cordyceps Fr. 1833. MycoBank. Fungal Databases. Nomenclature and Species Banks. Online Taxonomic Novelties Submission. International Mycological Association. Abgerufen am 27. August 2011. Gi-Ho Sung, Nigel L. Hywel-Jones, Jae-Mo Sung, J. Jennifer Luangsa-ard, Bhushan Shrestha, Joseph W. Spatafora: Phylogenetic classification of Cordyceps and the clavicipitaceous fungi. In: Studies in Mycology, 57, 2007, S. 5–59. doi:10.3114/sim.2007.57.01. (PDF; 2,93 MB)

Kategorie:Hypocreomycetidae (Unterklasse) Kategorie:Hypocreomycetidae Kategorie:Parasit bei Wirbellosen