mini|hochkant=1.1|St.-Salvatoris-Kirche Zellerfeld
St.-Salvatoris-Kirche ist eine evangelisch-lutherische Kirche im Ortsteil Zellerfeld der Bergstadt Clausthal-Zellerfeld. Sie ist die Pfarrkirche der evangelisch-lutherischen St. Salvatoris-Gemeinde Zellerfeld im Kirchenkreis Harzer Land der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.
Vorgängerkirchen Die erste Kirche in Zellerfeld wurde 1538 auf dem Gelände des früheren Klosters Cella erbaut. Als Pfarrer wurde Christoph Beer eingestellt, zu seinen Aufgaben gehörte auch die Betreuung der Gemeinde in Wildemann und ab 1539 auch die der Kirche in Grund. Von Anfang an handelte es sich um eine evangelische Kirche. Ein Versuch des Herzogs Heinrich, 1541 wieder einen katholischen Pfarrer einzusetzen, war am Widerstand der Bergleute gescheitert, die für diesen Fall mit ihrer Auswanderung drohten. Bereits 25 Jahre später war die Kirche baufällig und überdies für die schnell wachsende Bevölkerung des Ortes zu klein geworden, so dass 1563 am heutigen Zellweg in der Nähe der alten Schule eine neue Kirche gebaut wurde. Diese wurde Christus in seiner Eigenschaft als Retter der Welt (lateinisch: Salvator mundi) geweiht. Da auch diese Kirche bald zu klein war, ließ Herzog Julius (1568–1589) in der Nähe des Friedhofs eine weitere Kirche bauen, diese wurde Gottesackerkirche oder auch Juliuskirche genannt. Der Bau war 1579 begonnen worden und wurde 1587 fertiggestellt.Dennert: Chronik der Oberharzer Bergstädte, S. 78–80
Beide Kirchen brannten beim großen Brand in Zellerfeld am 18. Oktober 1672 ab. Insgesamt waren diesem Brand 465 von 563 Häusern zum Opfer gefallen, einzig einige kleinere Häuser am Stadtrand blieben verschont. Der Wiederaufbau der Stadt erfolgte nach einem schachbrettartigen Plan des Markscheiders Reinerding, wobei breite Straßen zwischen den Häuserblöcken eine Ausbreitung von Bränden erschweren sollte. Als erste Kirche wurde 1683 die Gottesackerkirche wieder aufgebaut. Diese wurde auch nach Fertigstellung der St. Salvatoris-Kirche weitergenutzt und erst Ende des 18. Jahrhunderts wegen Baufälligkeit abgerissen.Dennert: Chronik der Oberharzer Bergstädte, S. 22Lothar Meyer: 450 Jahre Clausthal-Zellerfeld, S. 41
Geschichte mini|Blick von Südwesten und … mini|… von Südosten auf die St.-Salvatoris-Kirche
Bau der Kirche 1675 bis 1683 Der Entwurf für den Neubau der St.-Salvatoris-Kirche stammte vom Baumeister Erich Hans Ernst aus Wolfenbüttel. Es handelte sich um eine im Renaissancestil gehaltene querschiffige Saalkirche. In Anpassung an die nach dem Brand festgelegte Ausrichtung der Straßen und Häuserblöcke in Zellerfeld konnte die Kirche nicht in der klassischen Ost-West-Richtung ausgerichtet werden, die Hauptachse verläuft stattdessen von Nordost nach Südwest. Zur Finanzierung des Baus hatten die Landesherren den Zellerfeldern gestattet, in ihrer Freizeit die alten Erzhalden auszuklauben – also nach Erzen zu durchsuchen – und diese zu verkaufen. Hierauf weist auch eine Gedenktafel im nordwestlichen Vorraum hin. Auf diese Weise wurden über 20.000 Taler aufgebracht. Die gesamten Baukosten beliefen sich auf 38.000 Taler, allein das Kupferdach kostete 13.280 Taler.Lothar Meyer: 450 Jahre Clausthal-Zellerfeld, S. 80–83
Der Grundstein zur Kirche wurde am 2. August 1675 gelegt, die Einweihung fand am Sonntag Jubilate, dem 29. April 1683, statt. Sie wurde durch den Oberhofprediger D. Brandanus Daetrius vorgenommen. Zeitgenössischen Berichten zufolge war der damals 77-jährige Daetrius in einem dreitägigen Fußmarsch von Wolfenbüttel zur Einweihung nach Zellerfeld gelaufen.
Als erster Pfarrer war Caspar Calvör 1677 als Diakon nach Zellerfeld berufen worden, also schon während der Bauzeit der Salvatoriskirche. Calvör wurde 1683 zum Superintendenten für die Kirchengemeinden in Zellerfeld, Wildemann, Grund und Lautenthal berufen. Um diese Zeit begann er mit dem Aufbau seiner Bibliothek, die zu seinem Tode fast 3000 Bände aus allen damals wesentlichen Wissensgebieten umfasste. 1710 wurde Calvör zum Generalsuperintendenten des Herzogtums Grubenhagen ernannt und übernahm das Pfarramt in Clausthal. Calvör starb am 11. Mai 1725 in Clausthal. Die „Calvörsche Bibliothek“ wird seit 1963 als Depositum der Kirche in der Universitätsbibliothek der TU Clausthal aufbewahrt.
Renovierungen und Umbauten mini|Innenraum-Panorama Das Kupferdach der Kirche wurde mehrfach erneuert, so zuerst 1791, dann 1830, 1864 und 1928. In allen Fällen war angedacht worden, das Kupferdach durch ein Ziegeldach zu ersetzen. Da die Kosten für einen solchen Neubau jedoch die der jeweiligen Reparatur überstiegen hätten, sah man davon ab und entschied sich für den Beibehalt des Kupferdaches.
Da die Glockenstube durch die Schwingungen der Glocken Schaden genommen hatte, musste diese 1827 erneuert werden. Sie wurde aus Fachwerk neu aufgebaut, das aber nicht ausgemauert, sondern außen mit Holzdielen verkleidet wurde, die mit Schiefer beschlagen wurden. Sechs Jahre später mussten acht der Fenster erneuert werden und zwischen 1859 und 1861 wurden Mauerwerk und Dach der Kirche repariert.
Beim Bau der Kirche waren der Innenraum und die Einbauten aus Kostengründen nur als einfache Holzbauten ausgeführt worden. Mit dem von Conrad Wilhelm Hase erstmals 1861 vorgelegten und später erweiterten Entwurf für einen Umbau wurde die Kirche massiv ausgebaut. In den Jahren 1863/64 wurde die bisherige Saalkirche mit Holztonnengewölbe in eine dreischiffige und siebenjochige Hallenkirche mit Kreuzrippengewölbe auf Bündelpfeilern umgebaut, das ursprüngliche und darüber liegende Holzgewölbe blieb teilweise erhalten. Der aufwendige Umbau war erst durch eine großzügige Spende des Königs Georg V. möglich geworden, die Einweihung erfolgte daher am 27. November 1864 in Gegenwart des Königs und des Kronprinzen Ernst August.Falland und Reinboth: Die St. Salvatoriskirche, S. 6–8
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs befand sich die Kirche in einem schlechten Zustand und so wurden 1953 umfangreiche Sanierungsarbeiten am Innenraum und dem Dach durchgeführt, die Orgel erhielt neue Prospektpfeifen und die südwestliche Empore wurde zu einer Winterkirche umgebaut.
In den Jahren 2010 bis 2015 wurden die Fassade und der Innenraum der Kirche erneuert. Nach der Grundrenovierung ist die Kirche seit Pfingsten 2015 wieder für Besucher geöffnet.
Architektur Die Wandflächen der Kirche sind aus Grauwackebruchsteinen, die Strebepfeiler, Giebel, Portale und Gesimse aus Deistersandstein erbaut. Bei späteren Erneuerungen wurde Oberkirchener Sandstein eingesetzt, da es im Deister keine Steinbrüche mehr gab. Oberhalb des Sockels ist die Kirche außen 50,4 m lang und 23,3 m breit. Der Dachfirst hat eine Höhe von 26 m, die Spitze des Dachreiters ist etwa 32 m hoch. Durch die beiden etwa 6 m herausragenden Vorsprünge an der Südost- und Nordwestseite hat die Kirche einen kreuzförmigen Grundriss. Das mit Kupfer verkleidete Walmdach ist mit Gauben versehen und trägt einen Dachreiter mit Welscher Haube (Geschwungene Haube mit offener Laterne), in dem die beiden Uhrglocken untergebracht sind. Die Kirche hat keinen Glockenturm, die Läuteglocken hängen im Giebel des zum Marktplatz weisenden Anbaus. Im Giebel auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich das Calvör-Zimmer, in dem bis 1963 die Bibliothek des ersten Pfarrers und späteren Generalsuperintendenten Caspar Calvör untergebracht war.
Der Haupteingang der Kirche liegt zur Bornhardstraße an der nordöstlichen Stirnwand des Längsschiffes, gegenüber steht die 1674 aufgebaute Zellerfelder Berg-Apotheke (Fratzenapotheke). Der Innenraum der Kirche war ursprünglich eine große Halle, die durch ein 47 m langes und 19 m breites freitragendes Holztonnengewölbe überspannt wurde. An beiden Schmalseiten befanden sich weit in den Innenraum ragende Emporen. In der Mitte der Kirche, vor dem südöstlichen Kreuzflügel, standen Altar und Kanzel. Die erste Orgel stand auf der südwestlichen Empore, die 1702 fertiggestellte Orgel von Arp Schnitger wurde später auf die gegenüberliegenden nordöstlichen Empore umgesetzt. Der Innenraum wurde 1863/64 zu einer dreischiffigen, neugotischen Hallenkirche umgebaut.Falland und Reinboth: Die St. Salvatoriskirche, S. 4–10
Ausstattung Altar und Kanzel Beim Bau der Kirche hatte diese aus Kostengründen nur einen einfachen, aus Fichtenholz gezimmerten Altar erhalten. Kanzel und Altar wurde 1864 beim Umbau der Kirche von der Kirchenmitte an die südwestliche Stirnwand des Längsschiffes verlegt, der hölzerne Altar wurde durch einen von Hase entworfenen Altar ersetzt. Von diesem sind noch die zwölf aus Eisenguss gefertigten und heute weiß gestrichenen Apostelfiguren erhalten. Hases neugotischer Altaraufsatz wurde beim Umbau 1953 durch ein einfaches Holzkreuz ersetzt, das bei der Aufstellung des Tübke-Altars in das Seitenschiff links vom Altar verlegt wurde.
Auf Anregung des damaligen Bischofs Eduard Lohse wurde der Maler Werner Tübke beauftragt, einen Flügelaltar für die Kirche zu schaffen. Tübke war vor allem durch das 1987 fertiggestellte Bauernkriegspanorama in Bad Frankenhausen bekannt geworden. Sein 1997 fertiggestellter Flügelaltar zeigt auf der Mitteltafel die Kreuzigungsszene, darunter die Grablegung Christi. Die linke Seitentafel zeigt Maria mit dem Kind, die rechte Tafel die Auferstehung Christi mit dem Engel des Todes. In der Passions- und Adventszeit werden die Flügeltüren des Altars geschlossen, so dass der Betrachter dann auf den Paradiesgarten (ohne Adam und Eva, die ja den Garten Eden verlassen mussten) und eine Abendmahlsszene blickt. Tübke selbst wollte mit seinem Alterswerk „ein Bild der Versöhnung und des Heils für die Nachwelt schaffen“. Der Flügelaltar wurde am 13. April 1997 geweiht.
Die links vor dem Altar stehende Kanzel im neugotischen Stil wurde ebenfalls von Hase entworfen. Es handelt sich um einen einfachen achteckigen Kanzelkorb, der auf einer hölzernen Stütze steht. Bei den Umbauarbeiten 1953 wurde die Kanzel grau gestrichen, bei diesen Arbeiten wurde der Schalldeckel über der Kanzel entfernt.
Taufengel und Taufbecken Zur Einweihung der Kirche 1683 stiftete Calvörs Schwiegervater, der Zehntner Christoph Wiechmann, mit seiner Frau Ursula der Kirche einen lebensgroßen Taufengel. Dieser ist aus Lindenholz geschnitzt und hält in seiner rechten Hand die Taufschale und in seiner linken ein Spruchband mit dem Schriftzug „Lasset die Kindlein zu mir kommen“ (Matthäus 19,14). Über dem Rücken des Engels ist ein Baldachin mit der Taube des Heiligen Geistes, darunter eine Darstellung der Taufe Jesu durch Johannes den Täufer. Seit dem Umbau 1953 hängt der Taufengel im Eckjoch rechts neben dem Altar und kann nach einer Renovierung im Jahr 2000 wieder für Taufen verwendet werden.
Außer diesem Taufengel steht in der Winterkirche ein sechseckiger, neugotischer Taufstein, der wahrscheinlich von Hase entworfen wurde. Ein weiterer moderner Taufstein steht im Hauptschiff der Kirche.
Orgeln mini|St.-Salvatoris-Kirche, Orgel Die erste Orgel war ein kleines Positiv, das vorher in der Gottesackerkirche gestanden hatte. Zur Einweihung der Kirche war es auf der südwestlichen Empore aufgestellt worden. Auf dieser Orgel hatte auch der junge Georg Philipp Telemann gespielt, den seine Mutter von 1694 bis 1697 zur Ausbildung zu Calvör nach Zellerfeld geschickt hatte. Telemann lernte hier das Orgelspiel und schuf viele Kompositionen, die an der Kirche aufgeführt wurden.
Im Jahr 1699 verpflichtete Calvör den Orgelbauer Arp Schnitger, eine neue Orgel für die Kirche zu bauen. Diese Orgel wurde am 13. August 1702 eingeweiht, sie hatte 53 Register, die sich auf drei Manuale (Hauptwerk, Hinterwerk und Rückpositiv) und das Pedalwerk verteilten. Von dieser Orgel sind der unter Denkmalschutz stehende Prospekt und das Rückpositiv noch heute erhalten. Auf dem Rückpositiv sieht man König David mit der Harfe, Mirjam mit Pauken und Asaf mit Triangel als Repräsentanten des musikalischen Gotteslobs. (PDF)