Die Grube Holzappel (auch Grube Holzappel Leopoldine-Louise) ist ein stillgelegtes Blei-Zink-Bergwerk in der Esterau im Rhein-Lahn-Kreis in Rheinland-Pfalz. Die 1952 eingestellte Grube gehörte mit 1.077 Metern Teufe mit zu den tiefsten Erzbergwerken in Deutschland, wobei die Erzgruben des Siegerlandes weit größere Teufen erreichten. Sie war mit einer der ersten Gruben, die über 1.000 Meter Teufe erreichte. Obwohl nach der Ortsgemeinde Holzappel benannt, erstreckten sich die Bergwerks- und Aufbereitungsanlagen überwiegend in der Nähe von Dörnberg (Lahn) und Laurenburg.

Die einstige Bedeutung der Grube Holzappel kam in einer persönlichen Besichtigung durch Johann Wolfgang von Goethe am 23. Juli 1815 zum Ausdruck.

Bergbau begann vor 1535, eventuell auch schon zu römischer Zeit.

Geologie Die Grube Holzappel baute auf dem Holzappeler Gangzug (auch 6. Zug genannt) auf. Dieser gehörte zusammen mit dem Emser Gangzug, dem Malberger Gangzug, dem Hömberg-Dausener Gangzug, dem Windener Gangzug und dem Weinährer-Ehrentaler Gangzug zum Blei-Zink-Erz-Verbreitungsgebiet der Unteren Lahn.

Die Entstehung des Holzappeler Gangzuges Das Untere-Lahn-Revier, früher auch Bergrevier Diez, liegt im äußersten Südwesten des Westerwaldes, der ein Teil des Rheinischen Schiefergebirges ist. Dieses entstand im Devon aus sedimentären Ablagerungen. Während des Karbons kam es durch tektonische Vorgänge zu einer Verschiebung und Faltung der Gesteinsschichten. Durch vulkanische Aktivitäten stiegen hydrothermale Lösungen aus dem Erdinneren auf. Entlang von Schieferungsstrukturen kristallisierten sich Erzgänge aus den metallreichen Lösungen. Weitere Bewegungen in der Erzkruste bewirkten Störungen im Verlauf des Holzappeler Gangzuges.

Geographische Lage und Ausdehnung Der Holzappeler Gangzug streicht von Nordosten nach Südwesten. Über eine bekannte Länge von rund 4 km verläuft er südlich von Holzappel über Dörnberg-Hütte bis an die Lahn nach Obernhof, wo er durch die Schwestergrube Leopoldine-Louise im Gelbachtal aufgeschlossen war. Der Gangzug bestand aus drei nahezu parallel verlaufenden Gängen (Weißer Gebirgsgang, Hauptgang und Liegendes Trumm) mit einem Einfallen von etwa 50 gon nach Südosten. Ein vierter Gang (Quergang) durchkreuzt die anderen mit 16° Richtung Nordwesten als sogenannter Diagonalgang. Die Mächtigkeit des Hauptganges betrug einen halben bis einen Meter. Von Nordosten nach Südwesten wird der Holzappeler Gangzug durch die Morgendliche Hauptkluft, Abendliche Hauptkluft, die Ulrikenschachter Klüfte und die Westliche Hauptkluft verworfen. Auch in horizontaler Richtung gab es im Fallen Verschiebungen von bis zu 40 Metern, die hier als Bänke bezeichnet wurden.

Mineralogie Das Nebengestein im Bereich des Holzappeler Gangzuges wird durch Tonschiefer und Grauwacken gebildet. Der Hauptteil der Vererzung bestand aus Zinkblende und silberhaltigem Bleiglanz (500 bis 700 g Silber/Tonne Bleiglanz). Das Verhältnis Zink- zu Bleierz betrug 3:1 bis 5:1. Im späteren Fördererz machten Zinkblende und Bleiglanz zusammen 26 % aus. Vereinzelt traten etwas Kupferkies und noch seltener Fahlerz auf. Mit zunehmender Teufe verdrängten Quarz und Spateisenstein die übrigen Erze bis zur Vertaubung.

Geschichte und Technik Vorgängerbergbau Dass bereits die Römer im Bereich der späteren Grube Holzappel Bergbau betrieben haben, wird zwar vermutet, ließ sich aber bislang nicht beweisen. Als gesichert gilt römischer Bergbau in den benachbarten Blei-Zink Gruben bei Bad Ems. Die Nennung von römischen Silberbergwerken bei Tacitus kann sich auf diese Lagerstätte beziehen, Beweise gibt es dafür keine.Annalen des Tacitus, 20. Kapitel des 11 Buches, Silbergruben in agro mattiaco. Siehe auch Isert, 1968, S. 136. Die Grube befand sich nicht auf römischen Territorium, sondern 9 km außerhalb des Limes. Der älteste belegbare Hinweis ist die Kappe einer Wettertür mit der Jahreszahl 1535, die im Heuweger-Stollen gefunden wurde.Rainer Slotta: Technische Denkmäler in der Bundesrepublik Deutschland. Band 4, Teil 2: Der Metallerzbergbau. Deutsches Bergbaumuseum, Bochum 1983, ISBN 3-921533-25-2, S. 956.Fritz Isert: Beschreibungen rheinland-pfälzischer Bergamtsbezirke. Band 2. Bergamtsbezirk Diez. Verlag Glückauf, Essen 1968. S. 136.

Der Erlass der Nassau-Catzelnbogischen Bergordnung vom 1. September 1559 durch Graf Wilhelm dem Reichen von Nassau-Dillenburg lässt bereits auf umfangreiche bergbauliche Aktivitäten in der Region schließen. Die Grube Leopoldine-Louise wurde 1587 eröffnet.Johann Philipp Becher: Mineralogische Beschreibung der Oranien-Nassauischen Lande, 1789, S. 22f. Digitalisat, abgerufen am 16. April 2017. In der späteren Gründungsphase der Grube Holzappel ist von der Aufwältigung alter Stollen die Rede. Die bei J.P. Becher beschriebene Grube Segen Gottes aus dem Jahr 1585 wurde zeitweilig als Vorläuferbetrieb der Grube Holzappel angesehen, diese liegt allerdings tatsächlich im Mühltal westlich von Berg.Johann Philipp Becher: Mineralogische Beschreibung der Oranien-Nassauischen Lande, 1789, S. 28. Digitalisat, abgerufen am 16. April 2017.J.D. Engels: Ueber den Bergbau der Alten, in den Ländern des Rheins, der Lahn und der Sieg: zur Berichtigung von Gmelins Beiträgen zur Geschichte des deutschen Bergbau's, in so weit solche die Rheingegenden betreffen: mit Urkunden aus dem zwölften, dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert, 1808, S. 55. Digitalisat, abgerufen am 16. April 2017.

Im 16. Jahrhundert wurden üblicherweise in flachen Schächten oder kurzen Stollen oberflächennah Erze abgebaut, die durch Verwitterungsprozesse einen hohen Silbergehalt hatten, bzw. Fahlerze, die dort bevorzugt anstanden. Auf diese Weise entstanden Pingenzüge, die dem Streichen der Erzgänge folgten.

Im Jahr 1643 entstand die Grafschaft Holzappel. Die Herrschaft wurde mit dem Abbaurecht an den dort vorkommenden Bodenschätzen belehnt. Fürst Viktor I. Amadeus Adolf von Anhalt-Bernburg-Schaumburg-Hoym gab 1743 in einer Urkunde dieses Gewinnungsrecht an Prinzessin Leopoldine-Louise von Nassau-Oranien ab, die im Westteil der Lagerstätte noch im selben Jahr den Leopoldinen-Schacht an der Alten Nassauer Straße abteufen ließ. Ihrem Gesuch, die Belehnung nach Osten über den Bergerhof hinaus auszudehnen, wurde dagegen nicht stattgegeben.

Aufnahme des Bergbaus und Betrieb der Grube Holzappel unter herrschaftlicher Regie 1751 bis 1853 Anstelle der Prinzessin Leopoldine-Louise räumte Fürst Viktor I. Amadeus Adolf seinem Sohn Karl Ludwig 1751 die Bergbauberechtigung für das Gebiet der späteren Grube Holzappel ein. Dies gilt als der Beginn des Bergwerks. Karl Ludwig gründete eine Gewerkschaft zu Holzappel mit 128 Kuxen, von denen auch Prinzessin Leopoldine-Louise und der Fürst selbst jeweils 16 Stück erhielten. Das Grubenfeld wurde 1752 nach Westen bis an die Markscheide der Grube Leopoldine-Louise und nach Osten bis zum Scheidter Forst ausgedehnt.

Zunächst wurde ein alter Stollen mit Gesenk und alten Abbauen durch vier Bergleute aufgewältigt und in Sophienstollen umbenannt. Erfolge blieben am Anfang aus und von 1757 bis 1759 ruhten die Versuchsarbeiten völlig. 1761 wurde der Carlstollen begonnen und 1766 ein 50 cm mächtiges Erzmittel gefunden. Die Erze wurden anfangs in der Obernhofer oder Leopoldinen-Hütte verarbeitet und 1767 wurden rund 50 kg Silber erschmolzen. Dies führte zu einem ausgeglichenen Betriebsergebnis. 1769 arbeiten 33 Bergleute auf der herrschaftlichen Grube und es wurden 92 kg Silber gewonnen. Daraufhin wurde der Bau einer eigenen Schmelzhütte begonnen. Die Erzförderung erfolgte aus mehreren hintereinanderliegende Schächten mittels Handhaspeln. So entstanden nacheinander der Erbprinz-, Charlotten- (1773), Ulriken-, Neuehoffnungs- (1788), Herminen- und Louisenschacht. An horizontalen Grubenbauten wurden von 1772 bis 1778 der Wilhelm-, Ludwig-, Eleonoren-, Magdalenen-, Amalien-, Joseph- und Christianstollen aufgefahren. Im Josephstollen kam 1776 erstmals eine Huntförderung zum Einsatz. Die erzielten Erlöse der Grube führten 1774 zur Prägung des Holzappeler Talers, einer Ausbeuteprägung. 1780 wurden 228 kg Silber und 55.900 kg Blei erzeugt und ein Überschuss von 8217 Gulden erwirtschaftet. 1785 war die Belegschaft einschließlich der Hütte und der Pochwerke auf 643 Arbeiter angewachsen.

Der bedeutendste Stollenbau wurde 1785 begonnen. Von Laurenburg aus trieb man vom Lahntal querschlägig den Adelheidstollen vor. Nach seiner Vollendung 1828 diente er der Grube Holzappel als tiefster Wasserlösungsstollen. Der Gangzug wurde bei 1730 Metern Länge angefahren. Hier brachte der Stollen etwa 180 m Teufe ein. Über den Herminenstollen, dessen Mundloch an der heutigen B 417 liegt und der nach 250 Metern auf die Hauptstrecke trifft, besitzt der Adelheidstollen einen weiteren Zugang. Um aus den neu erschlossenen tieferen Teilen der Lagerstätte fördern zu können, wurde 1815 der Emma-Ida-Schacht abgeteuft und mit dem Adelheidstollen in 157 Meter Teufe durchschlägig. Der Emma-Ida-Schacht wurde weiter mit dem darüber liegenden Wilhelm- und dem Josephstollen verbunden. Zur Tagesförderung wurde ein Pferdegöpel (oder Rosskunst) errichtet.

Um die Produktivität der Grube Holzappel zu verbessern, musste zum einen modernere Technik eingesetzt werden, zum anderen die Erzgänge in noch größerer Teufe ausgerichtet werden. So begann man im Jahr 1844 mit dem Abteufen des ersten Maschinenschachtes, dem Stephanschacht, benannt nach Erzherzog Stephan, dem damaligen Grubeneigner. Im Adelheidstollen und im Wilhelmstollen wurden eiserne Schienenbahnen verlegt, die die immer noch gebräuchlichen Laufkarren zur Streckenförderung ersetzten. 1853 erhielt der Stephanschacht eine Dampffördermaschine. Dennoch entschlossen sich die Erben des Karl Ludwigs, Erzherzog Stephan und dessen Cousin Nikolaus Friedrich Peter von Oldenburg, noch im selben Jahr zum Verkauf der Grube Holzappel und der Hütte.

Ausbau und Modernisierung unter der Silber- und Bleibergwerksgesellschaft AG zu Holzappel von 1853 bis zur Weltwirtschaftskrise 1930 mini|links|Halde der Holzappeler Aufbereitung in Laurenburg Im Jahr 1853 gingen die Bergwerks- und Hüttenanlagen in der Holzappeler Umgebung an die Silber- und Bleibergwerksgesellschaft AG zu Holzappel über. Die Geldgeber des neuen Unternehmens stammten aus Paris und Köln. Noch im Jahr 1855 wurde mit dem Abteufen des Mittelschachtes als zweitem Maschinenschacht begonnen. Das Laurenburger Schloss wurde 1859 zur Grubenverwaltung umgebaut. 1866 wurde eine neue zentrale und leistungsfähigere Erzaufbereitung in Laurenburg gebaut (). Der Standort bot sich an, da 1862 die Lahntal-Eisenbahn eingeweiht wurde und so die Konzentrate zur Verhüttung nach Bad Ems transportiert werden konnten. Die eigene Hütte verlor daraufhin an Bedeutung und wurde nach 1890 endgültig eingestellt. Ab 1873 wurde das Roherz im Stephan- und Mittelschacht nur noch bis auf die Adelheidstollensohle gehoben. Im Adelheidstollen wurde es mit Grubenpferden zu Tage gefördert. Das Mundloch des Adelheidstollens war über einen Bremsberg mit der obersten Ebene der terrassenartig am Hang des Lahntales liegenden zentralen Erzwäsche verbunden.

Um den stetig steigenden Roherzmengen gerecht zu werden, wurde die Erzaufbereitung ständig erweitert und modernisiert. Eine neue Klaube- und Setzwäsche kam 1892 hinzu und ab 1904 erfolgte der Roherztransport vom Stephanschacht zur Wäsche mit einer 1400 Meter langen Lorenseilbahn. In den folgenden Jahren entwickelte sich die Aufbereitung, die für 20 Tonnen Haufwerk pro Stunde ausgelegt war, zu einer der modernsten der damaligen Zeit. Die erste Flotation entstand 1928.