Farnace ist eine Opera seria (Originalbezeichnung: „dramma per musica“, RV 711) von Antonio Vivaldi nach einem Libretto von Antonio Maria Lucchini. Die Uraufführung fand am 10. Februar 1727 im Teatro Sant’Angelo in Venedig statt. In den folgenden Jahren erstellte Vivaldi sechs weitere Fassungen. Nur die beiden Versionen von 1731 und 1738 sind als (unvollständige) Partitur erhalten.

Handlung

Die Handlung spielt in Herakleia Pontike, der Hauptstadt der Könige von Pontos.

„Argomento“

Kurzfassung

Erster Akt. Der von den römischen Truppen geschlagene pontische König Farnace befiehlt seiner Frau Tamiri, sich selbst und den gemeinsamen Sohn zu töten, sofern sein letzter Versuch, das Schicksal zu wenden, scheitern sollte. Tamiris Mutter Berenice hat sich aus Hass gegen Farnace mit den von Pompeo geführten Römern verbündet. Sie erobern gemeinsam die Hauptstadt Herakleia und schlagen Farnaces Truppen zurück. Dabei fällt dessen Schwester Selinda in die Hände der Feinde. Dieser gelingt es, sowohl Berenices Hauptmann Gilade als auch den römischen Präfekten Aquilio in sich verliebt zu machen und gegeneinander auszuspielen. Tamiri versteckt ihren Sohn im Mausoleum der pontischen Könige, statt ihn wie befohlen zu töten. Ihre eigene Mutter liefert sie an Pompeo aus, da sie sich weigert, ihren Mann zu verraten.

Zweiter Akt. Selinda hält ihre beiden Verehrer hin, damit sie sich umso eifriger um ihre Gunst bemühen. Tamiri verhindert Farnaces Selbstmord. Sie lässt ihn glauben, ihr gemeinsamer Sohn sei tot. Farnace trauert um ihn, obwohl er selbst den Befehl dazu gegeben hatte. Als Berenice das Mausoleum zerstören lassen will, bleibt Tamiri nichts anderes übrig, als das Kind wieder aus seinem Versteck zu holen und ihre Mutter um Mitgefühl anzuflehen. Berenice verstößt ihre Tochter jedoch und bringt den Jungen zu den Römern. Auch Farnace sagt sich nach Tamiris Lüge von ihr los. Selinda fordert Gilade auf, das Kind zu retten. Farnace dringt in den Palast ein, um Berenice und Pompeo eigenhändig zu töten. Er lehnt Selindas Vorschlag ab, das Attentat ihren Verehrern zu überlassen. Berenice fordert Pompeo auf, das Kind sofort zu töten. Selinda und Aquilio überzeugen ihn aber, dass sich eine solche Tat nicht mit der römischen Ehre verträgt. Aquilio verspricht Selinda, dass er für sie eine gefährliche Handlung ausführen werde.

Dritter Akt. Vor den Siegesfeiern der Römer verlangt Berenice erneut den Tod ihres Enkels und bietet Pompeo als Gegenleistung die Hälfte ihres Reichs. Tamiri überzeugt ihn aber durch ihre Unterwerfung und Mutterliebe, das Kind freizugeben. Sie kann auch Farnace wieder mit sich versöhnen. Selinda verlangt von Gilade, Berenice zu töten, und von Aquilio, Pompeo zu stürzen. Aquilio und Farnace kommen sich gegenseitig in die Quere, als sie Pompeo ermorden wollen. Farnace gibt vor, zu Berenices Garde zu gehören. Diese erkennt ihn jedoch und lässt ihn festnehmen. Trotz des Flehens ihrer Tochter und Pompeos Mahnungen verurteilt sie ihn zum Tode. Gilade und Selinda dringen mit ihren Leuten ein. Sie überwältigen die Wachen und befreien Farnace. Selinda will Berenice und Pompeo töten lassen. Farnace möchte Pompeo verschonen, aber Berenice eigenhändig töten. Diese bedroht Tamiri mit ihrem Dolch, und Pompeo nimmt das Kind als Geisel. Tamiri löst die Pattsituation mit einem allgemeinen Aufruf zum Frieden. Berenice erkennt Farnace als Schwiegersohn an. Pompeo verzichtet auf seine Eroberungen und setzt Farnace wieder als König ein. Gilade darf Selinda heiraten.

Die folgende Inhaltsangabe basiert auf dem Libretto der Erstfassung von 1727.

Erster Akt

Ufer des Schwarzen Meeres mit dichtem Wald, der die ganze Bühne einnimmt

Szene 1. König Farnace, Nachfolger seines Vaters Mitridate auf dem Thron von Pontos, wurde von den römischen Armeen des Pompeo besiegt. Er selbst will weiter kämpfen – notfalls noch als Geist aus dem Grab heraus. Das Flehen seiner Frau Tamiri bleibt erfolglos. Er gibt ihr einen Dolch und befiehlt ihr, sich und den gemeinsamen Sohn zu töten, falls er scheitern sollte (Arie Farnace: „Ricordati che sei“).

Szene 2. Tamiri ist zwar bereit, ihr eigenes Leben aufzugeben, will ihren Sohn aber schonen (Arie Tamiri: „Combattono quest’ alma“).

Der Wald wird gerodet und in ein großes Feld umgewandelt; in der Ferne ist das Meer mit der Flotte Berenices sowie ein Teil der Stadt Herakleia zu sehen

Szene 3. Truppen verlassen die Schiffe und gehen an Land. Anschließend verlassen Berenice und ihr Hauptmann Gilade mit großem königlichen Gefolge ein prächtiges Schiff (Chor: „Del’Eusino con aura seconda“). Berenice ist Tamiris Mutter und Königin von Kappadokien. Sie hasst ihren Schwiegersohn Farnace so sehr, dass sie sich mit den Römern verbündet hat und ihn mit ihren Truppen endgültig vernichten will.

Szene 4. Pompeo und sein Präfekt Aquilio empfangen Berenice. Er will ihr seine besten Kämpfer zur Unterstützung schicken, um die Stadt einzunehmen. Gilade soll den Angriff führen.

Szene 5. Die Soldaten stürmen die Stadt von der Brücke aus (Chor: „Su Campioni, su Guerrieri“). Die Belagerten machen einen Ausfall, um sie auf freiem Feld zu verteidigen, werden aber zurückgedrängt und überwältigt. Farnace kommt mit seinen Leuten aus dem Wald, um die Feinde von hinten anzugreifen. Sie müssen aber nach heftigem Kampf fliehen.

Szene 6. Aquilio hat Farnaces Schwester Selinda gefangen genommen und übergibt sie Gilade zur Bewachung.

Szene 7. Gilade verliebt sich auf den ersten Blick in Selinda (Arie Gilade: „Nell’intimo del petto“).

Szene 8. Auch Aquilio erklärt Selinda seine Liebe und bittet um die Gunst, für sie kämpfen zu dürfen (Arie Aquilio: „Begl’occhi io penserò“).

Szene 9. Selinda beschließt, die Gefühle der beiden Hauptmänner für ihre eigenen Ziele zu nutzen und sie gegeneinander auszuspielen (Arie Selinda: „Al vezzeggiar d’un volto“)

Begräbnisstätte; zwischen den Mausoleen eine große Grabpyramide der Könige von Pontos

Szene 10. Tamiri versteckt ihren Sohn in der Pyramide, um ihn zu retten. Dann zieht sie den Dolch, um sich selbst zu töten.

Szene 11. Berenice verhindert dies gerade noch rechtzeitig. Sie betrachtet ihre Tochter als Feindin und fordert Auskunft über den Verbleib Farnaces und seines Sohnes, den sie ebenso verabscheut.

Szene 12. Da Tamiri die Auskunft verweigert, übergibt Berenice sie Pompeo als Gefangene und Sklavin (Arie Berenice: „Da quel ferro, ch’ha svenato“).

Szene 13. Pompeo fordert Tamiri auf, seinen Sieg anzuerkennen und ihren Sohn auszuliefern, damit er nicht später zu einem Feind Roms heranwachse. Tamiri macht sich über diese Feigheit der Sieger lustig (Arie Tamiri: „Non trova mai riposo“).

Szene 14. Pompeo ist beeindruckt von Tamiris tugendhafter Haltung (Arie Pompeo: „Occhio, che il sol rimira“).

Zweiter Akt

Weiträumige Gebäude im Palast

Szene 1. Gilade und Aquilio fordern Selinda auf, sich für einen von ihnen zu entscheiden. Sie erklärt, dass sie ihre Liebesbemühungen nicht überzeugt haben, und weist beide ab (Arie Selinda: „Lascia di sospirar“).

Szene 2. Gilade und Aquilio lassen sich davon nicht abschrecken. Sie wollen später noch einmal ihr Glück versuchen (Arie Aquilio: „Talor due pupillette“).

Szene 3. Gilade fragt Berenice, warum sie Farnace so sehr hasst. Sie entgegnet, sein Vater Mitridate habe in der Schlacht ihren Gemahl Ariarate getötet und anschließend ihren eigenen Sohn ermordet. Wenn auch Farnace nicht selbst für diese Tat verantwortlich war, so habe er ihr doch ihre Tochter Tamiri geraubt. Selinda solle das erste Opfer ihrer Rache werden. Als Gilade für sie um Gnade bittet, ermahnt Berenice ihn, dass die Liebe keinen Platz im Herzen eines Kriegers habe (Arie Berenice: „Langue misero quel valore“).

Szene 4. Gilade hält die Liebe nicht für einen Fehler, sondern fühlt sich im Gegenteil durch sie zu heldenhaften Taten ermutigt (Arie Gilade: „S’alza un vapor al Ciel“).

Mausoleen mit der Grabpyramide der Könige von Pontos

Szene 5. Nach seiner Niederlage will sich Farnace selbst töten.

Szene 6. Da erscheint Tamiri. Farnace wirft ihr vor, seinen Befehl nicht befolgt zu haben, da sie noch immer lebe. Tamiri entgegnet, dass sie den Sohn im Mausoleum bestattet habe. Da brechen plötzlich väterliche Gefühle in Farnace aus, und er gibt seiner tiefen Trauer Ausdruck (Arie Farnace: „Perdona, o figlio amato“).

Szene 7. Farnace versteckt sich, als Berenice mit ihren Soldaten kommt, um das Mausoleum dem Erdboden gleichzumachen. In ihrer Verzweiflung holt Tamiri das Kind aus dem Grabmal, stellt es seiner Großmutter vor und bittet diese um Gnade. Sie zeigt jedoch keinerlei Freundlichkeit für ihren Enkel, sondern sagt sich von ihrer Tochter los und führt das Kind fort.

Szene 8. Nachdem Farnace dies beobachtet hat, verstößt auch er Tamiri wutentbrannt.

Szene 9. Verzweifelt fleht Tamiri die Götter um Mitleid an (Arie Tamiri: „Dividete, o giusti Dei“).

Königliche Zimmer

Szene 10. Selinda fordert Gilade auf, als Beweis seiner Liebe ihren Neffen zu retten. Gilade ist bereit dazu (Arie Gilade: „Quel tuo ciglio languidetto“).

Szene 11. Farnace ist heimlich in den Palast eingedrungen, um Berenice und Pompeo zu töten, und trifft hier auf seine Schwester. Sie rät ihm von diesem gefährlichen Vorhaben ab und teilt ihm mit, dass sich die Reste seines Heeres bereits sammeln und auf ihn warten. Sie selbst werde mit Gilades und Aquilios Hilfe seinen Plan ausführen. Farnace weist dieses Angebot zurück. Er kann seinen Rachedurst kaum zügeln (Arie Farnace: „Spogli pur l’ingiusta Roma“).

Szene 12. Berenice bringt den Knaben zu Pompeo und fordert diesen auf, ihn zu töten. Selinda bittet Pompeo um Gnade für das unschuldige Kind, und auch Aquilio weist darauf hin, dass der römische Adler keine Tauben reiße. Pompeo gibt es in Aquilios Obhut. Der Senat in Rom soll über sein Schicksal entscheiden (Arie Pompeo: „Roma invitta, ma clemente“).

Szene 13. Selinda und Aquilio verstehen nicht, warum Berenice so unerbittlich gegen ihren eigenen Enkel vorgeht. Sie beharrt weiterhin auf ihrem Wunsch nach Rache (Arie Berenice: „Lascierò d’esser spietata“).

Szene 14. Selinda lässt sich von Aquilio noch einmal versichern, dass er für sie kämpfen und dabei ein großes Risiko eingehen wird (Duett Aquilio/Selinda: „Io sento nel petto“).

Dritter Akt

Platz von Herakleia mit Trophäen und anderen Siegeszeichen

Szene 1. Pompeo, Berenice, Gilade und Aquilio versammeln ihre Truppen für die Siegesfeierlichkeiten (Chor: „Giuliva rimbomba“). Da Farnace noch immer nicht gefunden wurde, verlangt Berenice von Pompeo zumindest den Tod seines Sohnes. Dafür will sie ihm die Hälfte ihres Königreichs überlassen (Arie Berenice: „All’or lieta sarò“).

Szene 2. Tamiri lässt Pompeo wertvolle Geschenke überreichen. Sie bittet ihn darum, ihr ihren Sohn zurückzugeben, und bietet ihm ebenfalls ein halbes Reich. Pompeo zeigt sich großherzig. Er akzeptiert ihre Ehrerbietung, weist aber die Geschenke zurück und befiehlt, das Kind freizulassen.

Szene 3. Farnace macht Tamiri noch einmal Vorwürfe, seinen Befehl nicht befolgt zu haben. Es gelingt ihr aber, ihn von der Richtigkeit ihres Handelns und ihrer Liebe zu ihm und dem Kind zu überzeugen (Arie Tamiri: „Forse, o caro, in questi accenti“). Farnace hofft, dass sich das Schicksal noch einmal zu ihren Gunsten wenden werde (Arie Farnace: „Leon feroce“).

Zimmer bei den Gärten

Szene 4. Selinda überredet Gilade, Berenice zu töten (Arie Gilade: „Son vaghi gl’Allori“).

Szene 5. Selinda fordert Aquilio auf, Pompeo zu stürzen und einen anderen König seiner eigenen Wahl einzusetzen (Arie Selinda: „Ti vantasti mio guerriero“).

Szene 6. Aquilio lauert Pompeo auf. Bevor er zuschlagen kann, erscheint Farnace mit derselben Absicht. Beide geraten in Verwirrung und reden sich damit heraus, Pompeo vor einer Schlange verteidigen zu wollen. Pompeo erkennt Farnace nicht. Der behauptet, er sei ein Mitglied von Berenices Garde. Pompeo will sich das von ihr bestätigen lassen.

Szene 7. Berenice lässt Farnaces Tarnung auffliegen und befiehlt, ihn festzunehmen.