miniatur|Titelkarte des Happy-Harmonies-Films Bosko’s Parlor Pranks, 1934 im Zweifarbenverfahren von Technicolor produziert Happy Harmonies (deutsch: fröhliche Harmonien) ist eine Serie von animierten Kurzfilmen, die zwischen 1934 und 1938 von Metro-Goldwyn-Mayer veröffentlicht wurden. Produziert wurden diese Zeichentrickfilme von Hugh Harman und Rudolf Ising, die mit diesen Filmen an ihre früheren Erfolge der Looney Tunes und Merrie Melodies anknüpften und Walt Disneys Silly Symphonies nacheifern wollten. Die 36 Filme entstanden durchgehend in Farbe und mit Ausnahme von Bosko, der in neun der Happy-Harmonies-Filme auftrat, ohne wiederkehrende Figuren. Zwei Filme dieser Reihe, Im Land der Kuscheltiere und The Old Mill Pond, wurden für einen Oscar in der Kategorie „Bester animierter Kurzfilm“ nominiert.

Geschichte Anfang der 1930er Jahre betrieb die Filmgesellschaft Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) kein eigenes Zeichentrickstudio, sondern trat als Verleiher der von Ub Iwerks produzierten Filme auf. Von 1930 bis 1933 wurden Filme mit Flip der Frosch veröffentlicht, auf Flip folgte der weniger populäre Willie Whopper. Enttäuscht von den jüngsten Filmen beendete MGM 1934 den Vertrag mit Iwerks.Michael Barrier: Hollywood Cartoons, S. 167. MGM schloss daraufhin mit den Trickfilmproduzenten Hugh Harman und Rudolf Ising, die bis 1933 für Warner Bros. arbeiteten und dort die Cartoonreihen Looney Tunes und Merrie Melodies entwickelten, einen lukrativen Vertrag ab, der ihnen ein hohes Budget zur Herstellung anspruchsvoller Filme zugestand.Barry Putterman: A Short Critical History of Warner Bros. Cartoons. In: Kevin S. Sandler (Hrsg.): Reading the Rabbit: Explorations in Warner Bros. Animation. Rutgers University Press, New Brunswick 1998, ISBN 0-8135-2537-3, S. 30.

Harman und Ising waren wie zuvor bei Warner Bros. gemeinsam als Produzenten tätig, sie führten aber getrennt Regie und hatten jeweils ihre eigenen Teams. Die erste Produktion für MGM war Isings Kurzfilm The Discontented Canary, der im Juni 1934 fertiggestellt wurde und im September in die Kinos kam. Beginnend mit dem zweiten Film von Harman-Ising, The Old Pioneer, wurden die Cartoons unter dem Titel Happy Harmonies veröffentlicht. Der Name der Filmreihe spielte – wie bereits bei Harmans und Isings Produktionen bei Warner – auf die überaus erfolgreiche Disney-Reihe Silly Symphonies an. Auch stilistisch wurden Disneys Filme mit ihren „gewinnenden Figuren“ und „einfallsreichen Geschichten“ nachgeahmt.Leonard Maltin: Of Mice and Magic: A History of American Animated Cartoons. Plume Books, New York 1980, ISBN 0-452-25993-2, S. 281.

Trotz des im Vergleich zu den Looney Tunes deutlich großzügigeren Budgets wurden für die frühen Happy-Harmonies-Filme oftmals Animationen aus den älteren Filmen von Harman und Ising wiederverwendet. Harman reaktivierte für einige seiner Filme sogar die Figur Bosko, die die Hauptfigur der Looney Tunes bei Warner war, deren Verwertungsrechte aber weiterhin Harman-Ising besaßen.Jeff Lenburg: Who’s Who in Animated Cartoons. Applause Theatre & Cinema Books, New York 2006, ISBN 978-1-55783-671-7, S. 154. Von Anfang an wurden die Happy-Harmonies-Filme in Farbe gedreht, zunächst im Zweifarbenverfahren von Technicolor, da Disney bis September 1935 die Exklusivrechte für die Verwendung des Dreifarbenverfahrens besaß. Beginnend mit The Old Plantation konnten aber auch Harman und Ising das Dreifarbenverfahren einsetzen, das eine größere Farbpalette bot. Verbunden mit der verbesserten Farbgebung wurden auch die Filme natürlicher gestaltet, so erschien Ende des Jahres 1935 Bosko in dem Film Run, Sheep, Run erstmals mit einer realistischen menschlichen Gestalt.Michael Barrier: Hollywood Cartoons, S. 191.

Im Laufe der Jahre wurden die Happy-Harmonies-Filme aufwendiger und qualitativ hochwertiger, was schließlich zu zwei Oscarnominierungen führte. 1936 wurde Rudolf Isings Im Land der Kuscheltiere nominiert, ein Jahr später folgte Hugh Harmans The Old Mill Pond. Beide Male setzte sich aber ein Disney-Film bei den Oscarverleihungen durch. MGM betrachtete die gestiegenen Produktionskosten mit Argwohn, vor allem Harman hatte bei seinem Produktionsstil Probleme, sich an die vertraglichen Vereinbarungen zu halten.Michael Barrier: Hollywood Cartoons, S. 192. Die Filmgesellschaft kündigte schließlich im Februar 1937 den Vertrag mit Harman-Ising. Mit der Veröffentlichung von The Little Bantamweight im März 1938 lief die Happy-Harmonies-Reihe bei MGM aus.

Nach der Trennung von Harman und Ising richtete MGM ein eigenes Animationsstudio ein, das die Produktion von Cartoons übernehmen sollte. Leiter des Studios wurde Fred Quimby, als Regisseure wurden unter anderen William Hanna, ein ehemaliger Mitarbeiter Harmans, sowie der von Warner abgeworbene Friz Freleng verpflichtet. Nachdem sich die als Nachfolgerin der Happy Harmonies konzipierte Cartoonreihe The Captain and the Kids als ein Flop erwies, wurden Harman und Ising im Herbst 1938 zu MGM zurückgeholt.Michael Barrier: Hollywood Cartoons, S. 287–289. Sie setzten aber nicht die Reihe Happy Harmonies fort, sondern entwickelten neue Filme und Figuren. 1939 gelang es Rudolf Ising, mit Barney Bär eine neue Zeichentrickfilmreihe zu etablieren, ihre größten Erfolge feierte die Trickfilmabteilung von MGM aber erst nach dem erneuten und endgültigen Weggang von Harman und Ising zu Beginn der 1940er Jahre mit Tom und Jerry sowie den Filmen von Tex Avery.

Filmografie 1934: The Discontented Canary; Regie: Rudolf Ising 1934: The Old Pioneer; Regie: Rudolf Ising 1934: Tales of the Vienna Woods; Regie: Hugh Harman 1934: Bosko’s Parlor Pranks; Regie: Hugh Harman 1934: Toyland Broadcast; Regie: Rudolf Ising

1935: Hey-Hey Fever; Regie: Hugh Harman 1935: When the Cat’s Away; Regie: Rudolf Ising 1935: The Lost Chick; Regie: Hugh Harman 1935: The Calico Dragon; Regie: Rudolf Ising 1935: Good Little Monkeys; Regie: Hugh Harman 1935: The Chinese Nightingale; Regie: Rudolf Ising 1935: Poor Little Me; Regie: Hugh Harman 1935: Barnyard Babies; Regie: Rudolf Ising 1935: The Old Plantation; Regie: Hugh Harman 1935: Honeyland; Regie: Rudolf Ising 1935: Alias St. Nick; Regie: Rudolf Ising 1935: Run, Sheep, Run; Regie: Hugh Harman 1936: Bottles; Regie: Hugh Harman 1936: The Early Bird and the Worm; Regie: Rudolf Ising 1936: The Old Mill Pond; Regie: Hugh Harman 1936: Two Little Pups; Regie: Rudolf Ising 1936: The Old House; Regie: Hugh Harman 1936: The Pups’ Picnic; Regie: Rudolf Ising 1936: To Spring; Regie: Hugh Harman und William Hanna 1936: Little Cheeser; Regie: Rudolf Ising 1936: The Pups’ Christmas; Regie: Rudolf Ising

1937: Circus Daze; Regie: Hugh Harman 1937: Swing Wedding; Regie: Hugh Harman 1937: Bosko’s Easter Eggs; Regie: Hugh Harman 1937: Little Ol’ Bosko and the Pirates; Regie: Hugh Harman 1937: The Hound and the Rabbit; Regie: Rudolf Ising 1937: The Wayward Pups; Regie: Rudolf Ising 1937: Little Ol’ Bosko and the Cannibals; Regie: Hugh Harman

1938: Little Ol’ Bosko in Bagdad; Regie: Hugh Harman 1938: Pipe Dreams; Regie: Hugh Harman 1938: The Little Bantamweight; Regie: Rudolf Ising

Literatur Michael Barrier: Hollywood Cartoons. American Animation in its Golden Age. Oxford University Press, New York 2003, ISBN 978-0-19-516729-0

Weblinks Happy Harmonies in der Big Cartoon Database (englisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Zeichentrickserie