Als Schachtstuhl bezeichnet man eine Konstruktion, die dazu dient, den Schachtausbau im Bereich der einzelnen Anschläge des Schachtes auf besondere Art und Weise zu ersetzen. Zusätzlich soll der Schachtstuhl im Bereich der jeweiligen Füllörter den Fuß des Schachtausbaus abstützen. Durch den Schachtstuhl wird außerdem der jeweilige Anschlag gebildet.

Grundlagen Beim Übergang von der Schachtröhre zur Strecke muss der Bereich um die Schachtröhre größer erstellt werden als der eigentliche Schachtdurchmesser. Diesen Übergangsbereich von der Schachtröhre zur Strecke bezeichnet man als Schachtglocke. Die Schachtglocke muss mit einem besonderen Ausbau erstellt werden. Der Schachtausbau kann aber im Bereich der Füllörter nicht verwandt werden, da es sonst nicht möglich wäre, die Fördergefäße zu beschicken. Auch muss für die Schachtführung eine geeignete Befestigungsmöglichkeit vorhanden sein.

Auf- und Einbau Der Schachtstuhl muss stabil ausgeführt werden und im Durchmesser genügend groß sein, damit die Fördermittel genügend Platz haben und sämtliche Schachteinbauten eingebaut werden können. Der Schachtstuhl hat mit dem Schachtausbau keine tragende Verbindung. Dadurch werden Stauchungen, die auf den Schachtausbau wirken, weitestgehend vom Schachtstuhl ferngehalten. Kommt es dennoch durch Setzungen des Schachtausbaus zur Beschädigung des Schachtstuhles, so führt dies je nach Schwere des Schadens zu Einschränkungen des Förderbetriebes oder zur kompletten Unterbrechung der Schachtförderung. Die Schachtstühle werden entweder aus Holzbalken oder aus Segmenten aus Stahl gefertigt. Schachtstühle aus Holz werden bevorzugt in Blindschächten mit rechteckiger Schachtscheibe eingesetzt. Der Schachtausbau wird dazu mit einer Holzkonstruktion unterstützt. Der hölzerne Schachtstuhl wird aus zwei Gevierten gefertigt, die durch eingezapfte Bolzen in den Ecken miteinander verbunden werden. Diese Konstruktion wird auf ein Fundament aus Mauerwerk gestellt. Schachtstühle aus Holz werden mit Spreizen, die am Ausbau der Schachtglocke befestigt sind, stabilisiert. In Tagesschächten werden bevorzugt Schachtstühle aus Stahl eingebaut. Diese werden auf Fundamente aus Stahlträgern gesetzt.

Einzelnachweise Carl Hellmut Fritzsche: Lehrbuch der Bergbaukunde. Zweiter Band, zehnte, völlig neubearbeitete Auflage, mit 599 Abbildungen, Springer Verlag, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1962, S. 191. Franz Rziha: Lehrbuch der gesamten Tunnelbaukunst. Erster Band. Mit 354 in den Text eingedruckten Holzschnitten, Verlag von Ernst & Korn, Berlin 1867, S. 699, 700.

Walter Bischoff, Heinz Bramann, Westfälische Berggewerkschaftskasse Bochum: Das kleine Bergbaulexikon. 7. Auflage, Verlag Glückauf GmbH, Essen 1988, ISBN 3-7739-0501-7 Fritz Heise, Fritz Herbst: Lehrbuch der Bergbaukunde mit besonderer Berücksichtigung des Steinkohlenbergbaus. Erster Band. Mit 583 Textfiguren und 2 farbigen Tafeln, Verlag von Julius Springer, Berlin 1908, S. 285, 286. Fritz Heise, Fritz Herbst: Lehrbuch der Bergbaukunde mit besonderer Berücksichtigung des Steinkohlenbergbaus. Erster Band, Fünfte verbesserte Auflage, mit 580 Abbildungen und einer farbigen Tafel, Verlag von Julius Springer, Berlin 1923, S. 310, 311. W. Sindern, St. Borowski: Sicherheitstechnische Betrachtungen zu Schachtförderanlagen für den Zugang zu einem zukünftigen geologischen Tiefenlager. Arbeitsbericht NAB 14-75, Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Hrsg.), Wettingen 2014, S. 10, 54, 58, 61. E. Mackensen, R. Richard: Tunnelbau. Die Schachtzimmerung. In: Edmund Heusinger von Waldegg (Hrsg.): Handbuch der Ingenieurwissenschaften in vier Bänden. Erster Band: Vorarbeiten, Erd-, Strassen-, Grund- und Tunnelbau, Verlag von Wilhelm Engelmann, S. 972. Hans Bansen: Der Grubenausbau. Zweite vermehrte verbesserte Auflage, mit 498 Textfiguren, Verlag von Julius Springer, Berlin 1909, S. 331. Carl Hellmut Fritzsche: Lehrbuch der Bergbaukunde. Mit besonderer Berücksichtigung des Steinkohlenbergbaus. Erster Band, zehnte, völlig neubearbeitete Auflage, mit 574 Abbildungen und einer farbigen Tafel, Springer Verlag, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1961, S. 495.

Anmerkungen Als Anschlag bezeichnet man den Übergangsbereich zwischen einer Sohle und dem jeweiligen Schacht. (Quelle: Walter Bischoff, Heinz Bramann, Westfälische Berggewerkschaftskasse Bochum: Das kleine Bergbaulexikon.) Die Bezeichnung Fördermittel ist gemäß der „TAS“ der Oberbegriff für Fördergestelle (Förderkörbe), Fördergefäße (Skips), Förderkübel und -behälter. (Quelle: Technische Anforderungen an Schacht- und Schrägförderanlagen (TAS).) Der Bergmann bezeichnet diese auch als Fördergutträger. (Quelle: Lexikon des Bergbaus. In: Hans Grothe, Hermann Franke (Hrsg.): Lueger Lexikon der Technik.)

Kategorie:Schachtfördertechnik