miniatur|hochkant|Dorfkirche miniatur|Dorfgemeinschaftshaus
Reisdorf ist ein Ortsteil der Landgemeinde Stadt Bad Sulza im Nordosten des Landkreises Weimarer Land.
Lage Reisdorf liegt südlich von Eckartsberga und westlich von Auerstedt unmittelbar an der Bundesstraße 87 am Nordostrand des Thüringer Beckens.Nördlich des Orts verläuft die Pfefferminzbahn, auf der zurzeit nur sporadisch Güterzüge fahren.
Die Buslinie 286 der PVG Weimarer Land verbindet den Ort mit Apolda bzw. Eckartsberga.
Geschichte Namensherkunft Der örtlichen Überlieferung nach stammt der Name Reisdorf von einer Reisigbinderfamilie, welche in der „Rollse“ (kleiner langgezogener Hain zwischen Reisdorf und Auerstedt, bildet die natürliche Grenze der beiden Ortschaften) Besen band. Aus Reisigdorf wurde im Laufe der Zeit Reisdorf.
Ortsgeschichte Zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird Reisdorf als Ruoduckestorph zwischen 881 und 889 in einen Zehntverzeichnis der Abtei Hersfeld. Es gehörte dem Herzog Otto dem Erlauchten von Sachsen. 1074 kam Rudichisdorf zur Eckartsburg, Im 14. Jahrhundert war das Dorf zweigeteilt, wobei das Unterdorf an das Kloster Pforta gekommen war, das Oberdorf jedoch zu den Wettinern, unter Verwaltung durch die Vogtei Gebstedt.. Die Vogtei Gebstedt stand später unter der Verwaltung des ernestinischen Amts Roßla,Johann Ernst Fabri: Geographie für alle Stände. Theil 1, Band 4: Welcher die Fortsetzung und den Beschluß vom Obersächsischen Kreise enthält. Schwickert, Leipzig 1793, S. 35 f. welches beim Aussterben der Linie Sachsen-Altenburg im Jahr 1672 an Sachsen-Weimar kam und seit 1741 zu Sachsen-Weimar-Eisenach gehörte.
Ein Verzeichnis von 1556 nennt 55 Einwohner mit Namen. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Gemeinde schwer mitgenommen und auch durch die Pest verloren 77 Einwohner das Leben, sodass im Jahr 1642 nur noch 42 Personen zu zählen waren. 14 Häuser waren zerstört.
Im Zuge der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt (letzteres liegt nur wenige Kilometer von Reisdorf entfernt) im Jahr 1806 stand Reisdorf zwar nicht im Mittelpunkt des Kampfgeschehens, jedoch gab es in der unmittelbaren Umgebung zahlreiche Verwüstungen. Im in der Gemeinde aufbewahrten Kirchenbuch aus dieser Zeit finden sich noch heute die vom damaligen Pfarrer kurz nach Ende der Schlacht gemachten Aufzeichnungen über diese Begebenheiten.Kirchenbuch der Gemeinde Reisdorf, 1806.
Bei der Verwaltungsreform des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach kam Reisdorf im Jahr 1850 zum Verwaltungsbezirk Weimar II und juristisch zum Justizamt Apolda.Amtsgerichtsbezirks Apolda. In: Paul Lehfeldt: Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens. Grossherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach. Band 2 = Heft 1 und 13/14: Verwaltungsbezirk Apolda. Amtsgerichtsbezirke Jena, Allstedt, Apolda und Buttstädt. Gustav Fischer, Jena 1892, S. 307 ff. Seit 1920 gehört der Ort zu Thüringen. Im Ersten Weltkrieg hatte Reisdorf 27 Gefallene zu beklagen, im Zweiten Weltkrieg 30.
Am 31. Dezember 2012 wurde Reisdorf zusammen mit weiteren Gemeinden in die Stadt Bad Sulza eingegliedert.StBA: Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2012
Einwohnerentwicklung Entwicklung der Einwohnerzahl (jeweils 31. Dezember): 1994: 361 1995: 358 1996: 346 1997: 341 1998: 337 1999: 337 2000: 335 2001: 336 2002: 348 2003: 338 2004: 347 2005: 332 2006: 323 2007: 324 2008: 318 2009: 308 2010: 308 2011: 320 2013: 299 2024:288 Datenquelle 1994 bis 2011: Thüringer Landesamt für Statistik Datenquelle ab 2013: Webseite der Stadt Bad Sulza
Politik Letzter Bürgermeister der Gemeinde war Dirk Schütze (SPD), er wurde am 6. Juni 2010 gewählt und löste damit den bisherigen Amtsinhaber Egon Brandt (CDU) ab.Dirk Lorenz-Bauer: Bürgermeisterwahlen: Sensation in Reisdorf. In: Thüringer Allgemeine, vom 7. Juni 2010. Aufgerufen am 21. Dezember 2016.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke Dorfkirche Reisdorf Kriegerdenkmal in Form einer Stele für die gefallenen Dorfbewohner der beiden Weltkriege im Ortszentrum.Onlineprojekt Gefallenendenkmäler
Vereine Emstal Heimatbund Reisdorf (EHR) Deutsches Rotes Kreuz, Ortsverein Reisdorf Freiwillige Feuerwehr Reisdorf Fortuna Rettungsdienst e. V.
Literatur Ruth-Barbara Schlenker: "Bei uns darheeme in Nauscht! Plaudereien aus Neustedt und Reisdorf", = Reihe Pfarrscheune 12, Apolda 2020, ISBN 978-3-949026-06-5
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Weimarer Land Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Weimarer Land) Kategorie:Geographie (Bad Sulza) Kategorie:Ersterwähnung im 9. Jahrhundert Kategorie:Gemeindeauflösung 2012