hochkant|mini|Siegelmarken der APK: Depot-Verwaltung und Ersatz-Bataillon Die Artillerieprüfungskommission, auch Königlich-Preußische Artillerie-Prüfungskommission, war eine 1809 eingerichtete Militärbehörde der Preußischen Armee in Berlin. Die gleiche Behörde hieß in Österreich Artilleriekomitee.

Geschichte Mit den napoleonischen Kriegen und dem Frieden von Tilsit im Juli 1807 wurden entscheidende Reformen im preußischen Heer durchgesetzt. Gerhard von Scharnhorst gab dazu u. a. auch viele Impulse zur Verbesserung des Artilleriewesens. So meinte er, jedem im Artilleriekorps müsse es freistehen, Verbesserungsvorschläge einzureichen, die von einer Kommission zu prüfen wären.Soldat und Technik, Ausgabe 7, 1968, Seite 394

Nachdem im Jahre 1808 die Artillerie der Preußischen Armee unter ihrem neuen Chef, dem Prinzen August von Preußen (1779–1843), neu organisiert worden war, beantragte er, von den Überlegungen Scharnhosts beeinflusst, beim König die Einrichtung einer solchen Kommission:

Am 17. März 1809 erfolgte (Stiftungstag) durch Friedrich Wilhelm III. mit Kabinettsorder die Bildung einer besonderen Kommission für Artillerieangelegenheiten, die von Fall zu Fall einberufen werden sollte.

Deren erster Leiter wurde Prinz August von Preußen.Neuer Nekrolog der Deutschen. Band 5, 5. Jahrgang 1827, 2. Teil, Druck u. Verlag Bernh. Fr. Voigt, Ilmenau 1829, S. 619 f. Im gleichen Jahre übernahm Johann Christian von Pontanus die Leitung. Scharnhorst sollte ebenfalls für die Kommission tätig werden, doch lehnte dieser das Amt wegen Arbeitsüberlastung ab.Gerhard von Scharnhorst. Private u. dienstliche Schriften. Band 5: Leiter der Militärreorganisation: (Preußen 1808–1809). Böhlau Verlag, Köln 2009, ISBN 978-3-412-20066-4, S. 565.

Ohne feste Räumlichkeiten fand die erste Sitzung am 5. April 1809 in der Wohnung des Oberst v. Pontanus statt, in Folge stellte Prinz August Räumlichkeiten in seinem Palais zur Verfügung. Ab 1814 tagte die Kommission in den Räumen einer Büchsenmacherei der Garde-Artillerie. Zunächst wurde nur Montags getagt, was sich rasch änderte, denn die knappe Zeit war für den Arbeitsumfang nicht hinreichend. Mit dem 29. Februar 1816 wurde aus der Kommission per Allerhöchster Cabinetts-Ordre die Artillerieprüfungskommission (A.P.K.), die 1817 eine erste Geschäftsordnung erhielt: Demnach gehörten als ordentliche Mitglieder zunächst ein General, sechst Stabsoffiziere, acht Kapitäne und fünf Leutnants der Kommission an, die aber neben ihrer Tätigkeit für die Kommission noch andere Aufgaben z. B. als Truppenlehrer oder in der Truppe wahrnahmen.

1830 erfolgte eine grundlegende Umgliederung der A.P.K. Verschiedene Nebenaufgaben wie Schulungen, Begutachtungen von Büchern und Rechnungsprüfung wurden abgestoßen. Übrig blieben drei Sektionen: Munitionswesen, Anwendung des Materials und Versuche.

Sie war für die Entwicklung, Erprobung und Beschaffung von Artilleriematerial zuständig. Auch das Auswerten ausländischer Entwicklungen gehörte dazu. Seit April 1883 gliederte sich die Kommission in zwei Abteilungen: Abteilung I (Feldartillerie) und Abteilung II (Fußartillerie). Die Abteilungschefs hatten den Rang und die Gebührnisse eines Regimentskommandeurs. Zur Kommission gehörte eine Versuchs-Abteilung, seit 1867 eine Versuchs-Kompanie, eine Depotverwaltung, eine Mustersammlung sowie ein Ersatz-Bataillon.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Kommission Ende Oktober 1919 aufgelöst. Anschließend richtete man die Inspektion für Waffen der Reichswehr ein, deren Leitung Karl Becker übertragen wurde. Mitte der 1920er Jahre entstand daraus die „Inspektion für Waffen und Gerät“ des Heereswaffenamtes (HWA).

Schießplätze Jungfernheide/Tegel Ab 1824 befand sich neben einem Exerzierplatz auch ein Schießplatz in der damaligen Jungfernheide.Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Potsdam und der Stadt Berlin. Potsdam Januar 1837, S. 114. 1828 verlegte man den Reinickendorfer Artillerie-Schießplatz hierher. Die Beschussversuche fanden bis etwa 1875 auf dem nun als Schießplatz Tegel bezeichneten Gelände statt (hier befindet sich heute der Flughafen Tegel), in Nähe der Spandauer Gewehr- und Munitionsfabriken. Die Reichweiten-Steigerung der Geschütze, Geheimhaltungsgründe und das mittlerweile zu dicht besiedelte Gebiet machte die Einrichtung eines neuen Schießplatzes in Kummersdorf erforderlich.

Jüterbog Im Jahre 1886 begannen auf dem Truppenübungsplatz Jüterbog Schießversuche auf ein nach preußischem und französischem Vorbild errichtetes Festungsziel.Henrik Schulze:

Kummersdorf Ab etwa 1875 wurde der Schießbetrieb auf dem Schießplatz Kummersdorf durchgeführt. Hier entstand nach dem Ersten Weltkrieg die Heeresversuchsanstalt Kummersdorf. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Besetzung des Geländes durch die Rote Armee endete hier der Schießbetrieb.

Präsident Dienstgrad Name DatumDermot Bradley (Hrsg.), Günter Wegner: Stellenbesetzung der Deutschen Heere 1815–1939. Band 1: Die Höheren Kommandostellen 1815–1939. Biblio Verlag, Osnabrück 1990, ISBN 3-7648-1780-1, S. 477 f.GeneralmajorJoachim Friedrich Wilhelm von Oppen27. Februar 1813 bis 19. Oktober 1815GeneralmajorJohann Heinrich Otto von Schmidt28. Februar 1816 bis 24. März 1825GeneralleutnantJohann Carl Ludwig Braun1. Dezember 1828 bis 24. Juli 1832Generalmajor/GeneralleutnantHeinrich von Diest25. Juli 1832 bis 8. November 1847GeneralmajorLudwig von Jenichen18. Dezember 1847 bis 19. März 1849GeneralleutnantKarl Adolf von Strotha29. September 1850 bis 17. Februar 1854Generalmajor/GeneralleutnantAugust Encke27. Juni 1854 bis 26. Juni 1860GeneralleutnantLeopold von Puttkamer10. Juli 1860 bis 18. November 1863Generalleutnant/General der InfanterieEduard von Kunowski4. Februar 1864 bis 27. Februar 1865GeneralmajorRudolf Sylvius Neumann28. Februar 1865 bis 21. März 1868OberstKarl Theodor von Rieff12. Juni 1868 bis 17. Juni 1870OberstleutnantAdolf Siemens18. Juli 1870 bis Juni 1871 (in Vertretung)OberstAugust Wilhelm Willerding4. Dezember 1871 bis 11. November 1872GeneralmajorHermann von Kameke12. November 1872 bis 8. Juni 1874OberstKarl von Ribbentrop9. Juni 1874 bis 1. November 1880Oberst/GeneralmajorRudolf Roerdansz2. November 1875 bis 22. Oktober 1880Oberst/Generalmajor/GeneralleutnantReinhold Sallbach23. Oktober 1880 bis 16. Dezember 1889Generalmajor/GeneralleutnantHermann von Müller17. Dezember 1889 bis 11. April 1890GeneralmajorCarl Schwarz12. April 1890 bis 26. Januar 1892GeneralleutnantErnst Kuhlmann27. Januar 1892 bis 31. März 1895Bay. Generalmajor/GeneralleutnantReinhold Fuchs von Bimbach und Dornheim1. April 1895 bis 27. Juli 1902Generalmajor/GeneralleutnantKarl Kehrer18. August 1903 bis 3. April 1910Generalmajor/GeneralleutnantLudwig Sieger4. April 1910 bis 1. August 1914General der Artillerie z. D.Anton von Kersting2. August 1914 bis 5. Oktober 1916 (Vertreter)GeneralmajorHans Willibald von Schweinitz und Krain9. Oktober 1916 bis 23. September 1917GeneralmajorLouis Mertens29. September 1917 bis 1918GeneralmajorHugo Berlin1918 bis 2. Januar 1919 (Vertreter)GeneralleutnantLudwig Sieger3. bis 29. Januar 1919GeneralmajorMax Jung30. Januar bis 10. Oktober 1919

Bekannte Mitglieder mini|Otto Schulz: Denkmal für die Gefallenen der Artillerie-Prüfungskommission 1914–1918 In alphabetischer Reihenfolge Max Bauer (1869–1929), Oberst und Abteilungschef bei der Obersten Heeresleitung, Militärschriftsteller, Orden Pour le Mérite mit Eichenlaub, Mitglied 1899–1902Buchbeschreibung mit Biografie: Der große Krieg in Feld und Heimat. Erinnerungen und Betrachtungen von Oberst Bauer Max Born (1882–1970), Physiker und Nobelpreisträger, forschte in der Kommission an Schallmessverfahren zur Ortung feindlicher Geschütze Kraft zu Hohenlohe-Ingelfingen (1827–1892), preußischer General der Artillerie, Militärschriftsteller, ab 1868 Mitglied Walter Jellinek (1885–1955), ab 1917 MitgliedLandesarchiv Baden-Württemberg: Biografie Leo Löwenstein (1879–1956), deutscher Physiker und Chemiker, zuletzt Hauptmann, Erfinder der Schallmessung, legte 1913 der Kommission ein Verfahren zur „Auffindung des Ortes von schallerzeugenden Gegenständen“ vor. Die Kommission führte Tests zur Vervollkommnung des Verfahrens auf dem Truppenschießplatz Kummersdorf durchGünter Nagel: Erfinder, Industriemanager, jüdischer Offizier und Politiker. Das Lebenswerk des Dr. Leo Löwenstein. In: Jahrbuch für brandenburgische Landesgeschichte. 68. Band (2017), S. 181–224 und Günter Nagel: Lauschangriff auf Artillerie. In: Märkische Oderzeitung. Brandenburger Blätter Nr. 226 vom 26. Oktober 2012, S. 10. Johann Emanuel Ludwig (1758–1823), ab 1810 MitgliedGerhard von Scharnhorst. Private u. dienstliche Schriften. Band 5: Leiter der Militärreorganisation: (Preußen 1808–1809). Böhlau Verlag, Köln 2009, ISBN 978-3-412-20066-4, S. 478. Ludger Mintrop (1880–1956), für die Kommission auf dem Gebiet der Schallmesstechnik tätigProfessor Dr. Dr. h. c. Ludger Mintrop zum Gedenken. In: Seismos-Echo. Nr. 2 / 1956. Joseph von Radowitz (1797–1853), preußischer General und Staatsmann, 1814 erster Lehrer der Mathematik und der Kriegswissenschaften an der Kadettenanstalt zu Kassel, ab 1823 militärischer Lehrer des preußischen Prinzen Albrecht, ab 1828 Mitglied der obersten Militärstudienbehörde, Lehrer an der Kriegsschule und Mitglied der Kommission, ab 1830 Chef des Generalstabs der Artillerie Julius Schuster, gilt als der erste hauptamtlich beschäftigte Wissenschaftshistoriker in Deutschland, ab 1915 wissenschaftlicher HilfsarbeiterGerd Simon, Ulrich Schermaul: (PDF) Wilhelm Schwinning (1874–1955), deutscher Metallurg und Mitglied seit 1909 Daniel Friedrich Gottlob Teichert (1796–1853), Major der Artillerie, Abgeordneter in der Frankfurter Nationalversammlung 1848/49, später Oberstleutnant im preußischen Kriegsministerium Richard Wille (1841–1911), Generalmajor, Militärschriftsteller, seit 1865 im Kriegsministerium und bei der Kommission, Direktor der Artilleriewerkstatt in Spandau sowie Vorsteher des Artilleriekonstruktionsbüros in Spandau

Verwaltungsgebäude mini|Verwaltungsgebäude der APK um 1909 Zwischen 1893 und 1895 ließ das Militär-Bauamt Berlin VII unter der Leitung des Geheimen Oberbaurates Bernhardt und des Architekten WieczorekStatistische Nachweisungen über bemerkenswerte, in den Jahren 1890 bis 1899 vollendete Hochbauten der preußischen Garnison-Bauverwaltung. In: Beilage zur Zeitschrift für Bauwesen, Vol. LII (1902), . Rand-Nummer 39, S. 78–81. ein neues Verwaltungsgebäude in der damaligen Kaiserallee – heute Bundesallee – errichten.Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt: Die Kommission nutzte das Gebäude bis 1918.

Die am Staatsstreich vom 20. Juli 1944 beteiligten Offiziere Erich Hoepner und Henning von Tresckow arbeiteten hier.

Nach dem Wiederaufbau des im Zweiten Weltkrieg beschädigten Gebäudes erfolgte am 17. April 1950 die Wiedereröffnung als Bundeshaus Berlin. Bis 1990 befand sich hier der Sitz des Bevollmächtigten der Bundesregierung in Berlin sowie die Berliner Vertreter von Bundesministerien.

Bilder (2014)

Literatur Hugo Denecke: Geschichte der Königlich Preußischen Artillerie-Prüfungskommission. (aus Anlass der Feier ihres hundertjährigen Bestehens), Berlin 1909. Denkschrift Schießversuche. (= Mitteilungen der Artillerie-Prüfungs-Kommission. 13). Geheime Denkschrift über die Schießversuche gegen das Festungsziel auf dem Schießplatz Jüterbog in der Zeit vom 22. Oktober bis 10. Dezember 1886, am 20. September 1887 und am 13.–15. Dezember 1887. Mit 12 Tafeln und 12 Lichtdruckbildern. Reichsdruckerei, Berlin 1892.

Weblinks

Infos u. Geschichte (engl.), diverse Abbildungen (9. Januar 2014)

Einzelnachweise

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