Mulda/Sa. (Mulda/Sachsen) ist eine Gemeinde im sächsischen Landkreis Mittelsachsen.

Geographie Mulda liegt etwa 10 Kilometer südlich von Freiberg an der nördlichen Abdachung des Erzgebirges im Tal der Freiberger Mulde, die den Ort von Südosten nach Nordwesten durchfließt. In die Freiberger Mulde münden im Ort zudem der Chemnitzbach und der Zethaubach, jeweils von links.

Gemeindegliederung Zu Mulda/Sa. gehören neben dem Hauptort Mulda die Ortsteile: Helbigsdorf (1. Januar 1994 eingemeindet) Randeck (1. August 1934 eingemeindet) Zethau (1. Januar 1994 eingemeindet)

Nachbargemeinden An Mulda grenzen die Gemeinden Lichtenberg im Norden, Großhartmannsdorf im Westen und Dorfchemnitz im Süden, die Stadt Frauenstein im Osten (alle Landkreis Mittelsachsen) sowie die zum Erzgebirgskreis gehörende Stadt Olbernhau im Südwesten,.

Geschichte mini|links|Erbgericht Mulda (um 1860) links|miniatur|Kirche und Erbgericht mini|hochkant|Evangelische Kirche Mulda Mulda wurde wahrscheinlich zwischen 1160 und 1260 von fränkischen Siedlern als Waldhufendorf gegründet. 1331 wurde ein Petrus de Mulda erwähnt, der Ort selbst wurde 1333 in einem Papier der Stadt Freiberg als Mulda erwähnt. 1419 wurde dem Burggraf von Meißen in einem Lehnsbrief die Obergerichtsbarkeit zuerkannt. Die Bewohner Muldas betrieben in der Vergangenheit hauptsächlich Ackerbau und Viehzucht, wobei vornehmlich Flachs angebaut wurde.

In Helbigsdorf betrieb man in großem Umfang Schafzucht. 1710 lebten dort der Chronik nach einige Strumpfwirker, Uhr- und Geigenmacher.

Randeck gilt als das älteste Uhrmacher- und Geigenbauerdorf des Erzgebirges. Im 19. Jahrhundert wich der Instrumentenbau der Korbflechterei und der Holzwarenherstellung. An der Mulde und ihren zahlreichen Nebenbächen waren einstmals viele Öl- und Mahlmühlen in Betrieb. In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges wurden in Mulda mehrere Häuser und das Rittergut von den Schweden niedergebrannt. Bis 2005 zeugte eine eingemauerte Kanonenkugel im nun eingestürzten Lehngut vom Beschuss „von preußischen Völkern“ (Inschrift unterhalb der Kugel) im Siebenjährigen Krieg. Unter General Kleist wurden sieben Bauernhöfe und sechs Häuser niedergebrannt. Das vorher selbständige Rittergut kam 1920 zu Mulda. Am 1. August 1934 wurde Randeck eingemeindet.Das Sachsenbuch, Kommunal-Verlag Sachsen KG, Dresden, 1943, Seiten 237, 239 Die Gemeinde hieß dann Mulda-Randeck, ab dem 25. Januar 1941 wieder Mulda.Das Sachsenbuch, Kommunal-Verlag Sachsen KG, Dresden, 1943, Seite 237

Heute ist der bauliche Übergang zwischen Mulda und Randeck kaum noch zu erkennen. Am 1. Januar 1994 wurden Zethau und Helbigsdorf Ortsteile von Mulda.

Als im August 2002 bei der sogenannten „Jahrhundertflut“ auch die Freiberger Mulde extremes Hochwasser führte, wurden im Ort große Zerstörungen angerichtet.

Einwohnerentwicklung Im Jahr 1551 wirtschafteten in Mulda 28 besessene Mann und 106 Inwohner. Innerhalb der nächsten 30 Jahre sank die Bevölkerungsgröße, so dass 1581 noch 24 besessene Mann und 47 Häusler gezählt wurden. Bis Mitte des 18. Jahrhunderts veränderte sich diese Zahl kaum noch, es wurden 20 besessene Mann und 50 Häusler gezählt.

bis 1900 1834 842 1871 1.022 1890 1.666 1901 bis 2000 1910 1.536 1925 1.488 1946 2.396 1950 2.381 1964 2.107 1990 3.306 1998 3.236 1999 3.212 2000 3.152 2001 bis 2010 2001 3.100 2002 3.071 2003 3.003 2004 3.017 2005 2.931 2006 2.874 2007 2.810 2008 2.785 2009 2.778 2010 2.706 2011 bis 2020 2011 2.687 2012 2.679 2013 2.617 2014 2.597 2015 2.562 2016 2.567 2017 2.549 2018 2.498 2019 2.484 2020 2.469 ab 2021 2021 2.474 2022 2.439 2023 2.421 1990: Stand zum 3. Oktober, ab 1991 Stand zum 31. Dezember

Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, Daten ab 2010: Einwohnermeldeamt Muldahttps://www.gemeinde-mulda.de/amtsblatt/index.php

Einwohnerzahlen 2010–2013: Amtsblatt Ausgabe 2/2017 S. 2 "Statistischer Jahresrückblick"

Einwohnerzahlen 2014–2023: Amtsblatt Ausgabe 3/2024 S. 2 "Statistischer Jahresrückblick"

Politik

Gemeinderat Seit der Gemeinderatswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die 14 Sitze des Gemeinderates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

+letzte GemeinderatswahlenListe202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %Freie Wähler Mittelsachsen e. V.641,4642,0644,6AfD429,0––––CDU215,6641,4642,5Dorfverein Mulda e. V.214,0––––Handel und Gewerbe––19,5212,9FDP––17,1––Wahlbeteiligung75,8 %68,2 %52,4 %

Bürgermeister

Reiner Stiehl wurde 2007 mit 97,9 % der Stimmen zum Bürgermeister gewählt und 2014 mit 98,8 Prozent im Amt bestätigt. Bei der Wahl im März 2021, bei der Stiehl nach 21 Jahren im Amt nicht wieder antrat, setzte sich der parteilose Einzelbewerber Michael Wiezorek mit 62,5 Prozent gegen einen Mitbewerber durch. +letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2021Michael WiezorekWiezorek62,52014Reiner StiehlStiehl98,8200797,9

Wappen Blasonierung: „Durch Göbelschnitt geteilt; vorn in Rot drei silberne Orgelpfeifen, hinten in Gold pfahlweise drei blaue Leinblüten, die mittlere nach Innen versetzt, mit jeweils fünf Blütenblättern und goldenem Butzen, unten in Silber wachsend aus blauem Wellenschildfuß ein schwarzes Mühlrad, im Wellenschildfuß fünf 3:2 stehende silberne Wellen.“Muldaer Anzeiger, Amtsblatt der Gemeinde Mulda/Sa. September 2012, Seite 1.

Das Wappen wurde 2012 vom Kommunalheraldiker Jörg Mantzsch gestaltet. Das Ziel zur Schaffung eines eigenen Wappens bestand darin, alle drei Ortsteile darin vereint zu repräsentieren. Das heißt, für Helbigsdorf steht die Silbermannorgel, für Zethau der Flachs- bzw. der Leinanbau und für Mulda die Nutzung der Wasserkraft entlang der Freiberger Mulde.

Kultur und Sehenswürdigkeiten siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Mulda/Sa. mini|Rittergut Mulda/Sa., Portal Herrenhaus Die Orgel der Kirche Helbigsdorf wurde 1728 vom Orgelbaumeister Gottfried Silbermann fertiggestellt und beeindruckt durch ihren brillanten Klang.

Auf dem Ortsfriedhof von Mulda erinnert eine Grabstätte an einen namentlich bekannten sowjetischen Zwangsarbeiter, der während des Zweiten Weltkrieges nach Deutschland verschleppt wurde.

Im Staatsforstrevier Frauenstein (Forstabteilung 91), 2,5 km südöstlich der Kirche von Mulda, liegen in einem leicht nach Nordosten geneigten Gelände oberhalb des westlichen Steilhanges der Freiberger Mulde die Reste der Wasserburg Mulda und des wüstgefallenen Dorfes Gruene.

Wirtschaft und Infrastruktur mini|Sägewerk Vor dem Bau der Eisenbahn 1875–1884 waren in Mulda mehrere Mühlen, Anbau von Flachs, mehrere Garn- und Leinwandbleichen sowie Handwerksbetriebe bekannt. Im jetzigen Ortsteil Randeck existierte Geigenbauer- und Uhrmacherhandwerk. Durch die Eisenbahn hielt auch die Industrie Einzug – vor allem holzverarbeitende Betriebe prägten den Ort bis zur deutschen Wiedervereinigung 1990. Ein Traditionsunternehmen, das diese Umbruchphase überlebte, ist die 1898 gegründete Manufaktur für Holzstative Berlebach.

Auch Bergbau wurde bis 1754 betrieben, allerdings waren die Ausbeuten gering. Die Reste einer Abraumhalde findet man noch im Ortsteil Randeck am Ortsausgang Richtung Zethau.

Verkehr mini|Bahnhof Mulda um 1900 alternativtext=Impression aus der Kleinbahn-Zeit. Foto April 2026. |mini|Dieses Graffito in Sayda zeigt die Kleinbahnstrecke in Mulda zu einer Zeit, als die Kleinbahn noch in Betrieb war. Links unten die Oma fährt den Enkel (die Enkelin?) spazieren. Foto April 2026. Mulda liegt an der Bahnstrecke Nossen–Moldau. Von 1897 bis 1966 war Mulda Ausgangspunkt der Schmalspurbahn Mulda–Sayda. Im Bahnhof Mulda konnte ein Übergang von Gütern und Personen von der Regelspur erfolgen.

Bildungseinrichtungen Für die Klassenstufen 1 bis 4 gibt es in Mulda eine Grundschule mit Ganztagsangeboten.

Persönlichkeiten Georg Renkewitz (1687–1758), Organist und Orgelbauer Carl Geißler (1802–1868), Kantor, Organist, Musikpädagoge und Komponist Friedrich Klemm (1904–1983), Technikhistoriker und Bibliotheksdirektor des Deutschen Museums in München Kurt Möbius (1908–1993), Chemiker und Feuerwehrfunktionär Helmut Heinze (* 1932), Bildhauer, Professor für Plastik Jürgen Müller (* 1945), Hockeyspieler

Literatur

Die Parochie Mulda. in: G. Buchwald (Hrsg.): Neue Sächsische Kirchengalerie, Ephorie Freiberg. Strauch Verlag, Leipzig 1901, Sp. 353–368 (Digitalisat). Sommerkurort Mulda (Station der Linie Freiberg-Bienenmühle) – einige Notizen zur Orientierung. Mauckisch, Freiberg 1885 (Digitalisat).

Weblinks

Atlas Mittelsachsen

Einzelnachweise

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