mini|Einstige Ortsmitte des früheren Muldszen: rechts die Scheune des ehemals größten Gasthofes, links die frühere Fleischerei Perewalowo (, ) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad. Er liegt im Norden des Rajon Prawdinsk und gehört zur Mosyrskoje selskoje posselenije (Landgemeinde Mosyr).

Geographische Lage Perewalowo grenzt direkt an das südlich verlaufende Flüsschen Aschwöne (Swine, russisch: Putilowka), nördlich vom Ort verläuft parallel dazu die Ilme (russisch: Borodinka). Der Ort liegt 19 Kilometer nördlich der früheren Kreisstadt Gerdauen (heute Schelesnodoroschny) und 28 Kilometer nordöstlich der heutigen Rajonhauptstadt Prawdinsk (Friedland in Ostpr.).

Verkehr

Durch Perewalowo verläuft die russische Fernstraße R 508 im Abschnitt zwischen Snamensk und Osjorsk. Am östlichen Ortsrand mündet eine Nebenstraße von Sadowoje – an der russischen Fernstraße A 197 gelegen – über Frunsenskoje kommend ein.

Der Ort ist an das öffentliche Linienbusnetz angeschlossen, welches Mulden über die Buslinie 536к Kaliningrad–Mosyr (Königsberg–Klein Gnie) in beide Richtungen jeweils bis zu dreimal täglich mit der Hauptstadt der Oblast verbindet.

Eine Bahnanbindung besteht nicht mehr, seit der Personenverkehr auf dem russischen Streckenabschnitt der Bahnstrecke Toruń–Tschernjachowsk (Thorn–Insterburg) mit der 8 Kilometer entfernten Bahnstation Mosyr-Nowy (ehem. Bahnhof Klein Gnie) im Jahre 2009 eingestellt wurde.

Geschichte Der einstmals MuldszenPerewalowo - Muldszen/Mulden genannte Ort wurde um 1600 von dem Amtshauptmann von Insterburg und späteren Landhofmeister Wolfgang Heinrich Erbtruchsess Freiherr zu Waldburg (aus dem Haus Waldburg-Capustigall) angelegt und als neues Kirchspiel von Insterburg abgetrennt. Der älteste bekannte Ortsname ist Mülschey und wurde im Jahr 1592 belegt. Spätere Schreibweisen waren Molotschen nach 1601, Moldtschen nach 1644, Moldszen vor 1785 sowie Muldzen nach 1820.https://www.bildarchiv-ostpreussen.de/cgi-bin/bildarchiv/suche/show_ortsinfos.cgi?id=57303 Von 1874 bis 1945 war Muldszen Sitz und namensgebender Ort eines neu errichteten AmtsbezirksRolf Jehke, Amtsbezirk Mulden, dem anfangs 20 kommunale Einheiten angegliedert waren und der zum Landkreis Gerdauen im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte.

Im Jahre 1910 zählte Muldszen 362 Einwohner. Am 30. September 1928 wurden die drei Gutsbezirke Berszlack (1938–1945 Bärlack, später russisch: Narwskoje), Klein Astrawischken (1938–1945 Ilmengrund, später russisch: Morosowka) und Nubertshöfen (später russisch: Obuchowo) sowie die vier Landgemeinden Escherwalde (später russisch: Lemechowo), Gomischken (1938–1945 Gomingen, später russisch: Dalneje), Groß Szemblonen (1936–1945 Groß Schemblonen) und Kiauken (1938–1945 Kauken, später russisch: Molodzowo) nach Muldszen eingemeindet. Die Einwohnerzahl stieg bis 1933 auf 928 und betrug 1939 noch 894.

Am 12. Februar 1936 änderte sich die Namensschreibweise von Muldszen in „Muldschen“, und am 3. Juni 1938 (mit amtlicher Bestätigung vom 16. Juli 1938) wurde der Ort in „Mulden“ umbenannt.

Infolge des Zweiten Weltkrieges kam der Ort mit dem nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion und erhielt 1947 den neuen Namen „Perewalowo“.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 ноября 1947 г. «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Verordnung des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR "Über die Umbenennung der Orte des Gebiets Kaliningrad" vom 17. November 1947) Bis 2009 war Perewalowo innerhalb der russischen Oblast Kaliningrad in den Nowo-Bobruiski sowjet (Dorfsowjet Nowo-Bobruisk (Ilmsdorf)) eingegliedert und ist seither – basierend auf einer Struktur- und VerwaltungsreformNach dem Gesetz über die Zusammensetzung und Territorien der munizipalen Gebilde der Oblast Kaliningrad vom 25. Juni/1. Juli 2009, nebst Gesetz Nr. 476 vom 21. Oktober 2004, präzisiert durch Gesetz Nr. 370 vom 1. Juli 2009 – eine von 25 als „Siedlungen“ (possjolok) eingestufte Ortschaften innerhalb der Mosyrskoje selskoje posselenije (Landgemeinde Mosyr) im Rajon Prawdinsk.

Die höchste Einwohnerzahl erreichte das ehemalige Mulden im Jahr 1939 mit 894 gemeldeten Personen. Gegenüber den Einwohnerzahlen der Jahre 1905 (398 Einwohner) und 1910 (362 Einwohner) hat sich diese Zahl 1939 mehr als verdoppelt. Zu begründen ist das Wachstum jedoch überwiegend mit den Eingemeindungen in den 1930er Jahren.

Die im Jahr 1935 etwa 500 Meter westlich der Kirche erbauten acht Siedlungshäuser bildeten die sogenannte Siedlung Mulden und waren bis Kriegsende Teil des Ortes. Nach dem Krieg wurde die Siedlung vom Ort abgetrennt und trägt heute den Namen Bystrjanka (Kaliningrad).

Amtsbezirk Muldszen/Mulden Am 9. April 1874 wurde aus 17 Landgemeinden und drei Gutsbezirken der Amtsbezirk Muldszen (ab 12. Februar 1936 offiziell „Amtsbezirk Muldschen“, ab 8. November 1938 dann „Amtsbezirk Mulden“ genannt) errichtet: Name (bis 1947/1950) Russischer Name Bemerkungen Landgemeinden: Budwischken1938–1945: Oberndorf Linjowo 1928 in die Landgemeinde Schönlinde eingegliedert Escherwalde Lemechowo 1928 in die Landgemeinde Muldszen eingegliedert Gomischken 1938–1945: Gomingen Dalneje 1928 in die Landgemeinde Muldszen eingegliedert Gräbenswalde Pereleski 1893 in die Landgemeinde Groß Potauern eingegliedert Groß Potauern Perekrjostki Groß Szemblonen 1936–1945: Groß Schemblonen -- 1928 in die Landgemeinde Muldszen eingegliedert Ilmsdorf Nowo-Bobruisk Jodeglienen1938–1945: Wiedenau -- 1928 in die Landgemeinde Schönlinde eingegliedert Juganeusaß 1938–1945: Odertal Jurowo Kiauken1938–1945: Kauken Molodzowo 1928 in die Landgemeinde Muldszen eingegliedert Kiehlendorf Tichoje Klein Szemblonen1936–1945: Klein Schemblonen -- 1912 in den Gutsbezirk Nubertshöfen eingegliedert Muldszen1936–1938: Muldschen, 1938–1945: Mulden Perewalowo Petrineusaß Luschki Schönlinde Linjowo Sokallen Perowo 1928 in die Landgemeinde Werschen eingegliedert Werschen Werschiny Gutsbezirke: Berszlack1938–1945: Bärlack Narwskoje 1928 in die Landgemeinde Muldszen eingegliedert Klein Astrawischken1938–1945: Ilmengrund Morosowka 1928 in die Landgemeinde Muldszen eingegliedert Nubertshöfen Obuchowo 1928 in die Landgemeinde Muldszen eingegliedert mini|Ehem. evangelische Kirche Mulden im Jahr 2018 mit Pfarrhaus im Hintergrund mini|Ehem. evangelische Kirche Mulden 2018 mini|Innenansicht der Kirche Muldzsen / Mulden 2018 Am 1. Januar 1945 gehörten noch acht Gemeinden zum Amtsbezirk Mulden: Groß Potauern, Ilmsdorf, Juganeusaß, Kiehlendorf, Mulden, Petrineusaß, Schönlinde und Werschen.

Kirche Kirchengebäude mini|Muldszen / Mulden: ehemaliges Pfarrhaus und Kriegerdenkmal aus dem 1. Weltkrieg Wahrscheinlich stand schon zum Ende des 16. Jahrhunderts in Muldszen eine Kapelle in einfacher Holzbauweise. Die erste Kirche wurde 1603 im Fachwerkstil errichtet.

Im Jahre 1808 wurde diese Kirche durch einen Steinbau ersetzt. Es handelte sich dabei im Grundriss um ein längliches Viereck, das im Westen durch einen quadratischen Turm abgeschlossen war. Der Turm überragte nur wenig das Kirchenschiff. Hohe rechteckige Fenster mit Bleiverglasung ließen Licht in das Kircheninnere, durch das sich lange Emporen an der Nord- und Südseite zogen. Der Kanzelaltar stand im Osten, und auf der Westempore die Orgel.

In den 1930er Jahren wurde noch eine Warmluftheizung eingebaut und das Gestühl umgebaut. Die zweimanualige Orgel erhielt damals elektrischen Antrieb.

Nach 1945 wurde das Gotteshaus unter anderem als Lagerhalle zweckentfremdet und die Fenster wurden zugemauert. Lediglich die Wetterfahne von 1808 ist erhalten geblieben. Im Kirchengebäude selber wurde eine hölzerne Zwischendecke eingezogen. Im Jahr 2015 wurde die Kirche als Lagerhalle bereits aufgegeben und ist seitdem dem Verfall preisgegeben. Das bis vor wenigen Jahren noch fast intakte Dach wies seit 2010 bereits schwere Schäden auf, die Stuckdecke im Innenraum begann sich ebenfalls zu senken. Anfang 2020 brach der Dachstuhl des Kirchenschiffs zusammen, wodurch das Gebäude nunmehr eine Ruine ist.Foto des Gebäudes von Mai 2020 auf http://www.koenigbicycle.ru.

Kirchengemeinde Die Kirchengemeinde Muldszen/Mulden – der Ort war seit Bestehen mehrheitlich evangelischer Konfession – mit seinem weitflächigen KirchspielKirchspiel Muldszen/Mulden wurde 1601 gegründet. Bis dahin kam alle zwei Wochen ein Pfarrer aus Insterburg per Pferd durch die Große Wildnis zur Beichte am Sonnabend und zum Gottesdienst am Sonntag.

Der Pfarrsprengel Muldszen war mit 40 Orten das größte Kirchspiel im Landkreis Gerdauen und umfasste den nördlichen Teil des Kreisgebietes. Im Norden grenzte es an den Staatsforst, in nordwestlicher Richtung an den Landkreis Wehlau und in nordöstlicher Richtung an den Landkreis Insterburg.

Bis 1945 war das Kirchspiel Muldszen/Mulden in den Kirchenkreis Gerdauen innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union eingegliedert.

Heute liegt Perewalowo – wie bereits im 16. Jahrhundert! – wieder im Einzugsgebiet der Kirchengemeinde in Tschernjachowsk, die sich in den 1990er Jahren neu formiert hat. Sie gehört zur ebenfalls neu errichteten Propstei Kaliningrad innerhalb der Evangelisch-Lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER).

Kirchspielorte Zum Kirchspiel Muldszen/Mulden gehörten bis 1945 Abgleich mit Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 458: Name (bis 1947/1950) Russischer Name Name (bis 1947/1950) Russischer Name Berszlack1938–1945: Bärlack Narwskoje Klein Astrawischken1938–1945: Ilmengrund Morosowka Bokellen Frunsenskoje Klein Ilmsdorf Ochotnitschje Budwischken1938–1945: Oberndorf Bystrjanka Klein Potauern Solowjowo Eberswalde NN.kein russischer Name bekannt Klein Schönlinde NN. EschengrundKreis Insterburg NN. Klein Szemblonen NN. Escherwalde Lemechowo Lönkendorf Prudki Gomischken1938–1945: Gomingen Dalneje Mauenfelde Kljutschi Gräbenswalde Pereleski Mauenwalde Metschnikowo (Groß) Astrawischken 1938–1945: Astrau Krasnoje Miggenthal Mendelejowo Groß Potauern Perekrjostki Neu Astrawischken1938–1945:Neu Astrau NN. (Groß) Schönlinde Linjowo Nubertshöfen Obuchowo Groß Szemblonen1936–1945: Groß Schemblonen NN. Pempienen1938–1945: Hufenwald NN. Grüntann Lasarewo Petrineusaß Luschki Ilmsdorf Nowo-Bobruisk Reimerischken1938–1945: Reimershof Tumanowo Jodeglienen1938–1945: Wiedenau NN. Rosenthal Schelesnowo Juganeusaß938–1945: Odertal Jurowo Schneiderin Bejosowka Kiauken1938–1945: Kauken Molodzowo Sokallen Perowo Kiehlendorf Tichoje Werschen Werschiny

Pfarrer Zwischen 1601 und 1945 amtierten in Muldszen/Mulden 24 GeistlicheFriedwald Moeller, Altpreußisches Evangelisches Pfarrerbuch von der Reformations bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, Seite 98–99: Paul Hoffmann, 1601–1606 Jacob Malichius, 1606–1607 Andreas Sperber, 1608–1618 Johann Dembovius, 1618–1619 Gregorius Kewnick, 1620–1626 Gabriel Fuchs, 1626–1637 George Regge, 1637–1650 Melchior Ditzel, 1649–1653 Johann Arendt, 1653–1664 Johann Titius, 1664–1686 Friedrich Stein, 1686–1737 Gottfried Schumacher, 1737–1786 Daniel Wahl, 1787–1796 George Benjamin Kuwert, 1796–1832 Johann Heinrich Nadrowski, 1833–1847 Carl Ludwig Hesse, 1848–1869 Carl Wilhelm Schieritz, 1869–1893 Wilhelm Depner, 1893–1902 Gustav Liedtke, 1903–1909 Ludwig Rosenow, 1909–1916 Fritz Penschuk, 1917–1925 Ernst Wenger, 1925–1930 Oskar Foellmer (Superintendent), 1931–1941 Ludwig Friedrich Theodor Eicke, 1943–1945

Weitere Sehenswürdigkeiten In Perewalowo sind östlich neben der Kirche das frühere Pfarrhaus sowie das Kriegerdenkmal zu Ehren der Gefallenen des Ersten Weltkrieges, allerdings ohne Inschriftentafel, erhalten. 2012 wurde ein gepflasterter Weg von der Straße zum Denkmal angelegt.