mini|Der geschäftsführende Vorsitzende seit 2022, Helmut Metzner

Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld (BMH) ist eine mit 11,6 Millionen Euro (Stand: 31. Dezember 2025) ausgestattete Stiftung mit Sitz in Berlin. Ihre Ziele und Aufgaben sind es, an den Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld zu erinnern, Bildungs- und Forschungsprojekte zu fördern und zu initiieren und einer gesellschaftlichen Diskriminierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen sowie queeren Personen (Abkürzung: LSBTTIQ) in Deutschland entgegenzuwirken.

Gestützt auf die Pfeiler Forschung, Bildung und Erinnerung fördert die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld die Erforschung geschlechtlicher und sexueller Diversität sowie der Geschichte der LSBTTIQ, ihrer Diskriminierungen, Repressionen und Verfolgungen, ihrer gesellschaftlichen Emanzipationsprozesse (zum Beispiel Homosexuellenbewegungen) sowie ihres Alltags – vornehmlich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur heutigen Zeit. In ihrer LSBTTIQ-lebensweltorientierten Bildungsarbeit unterstützt die Stiftung unter anderem die Vernetzung von Schulaufklärungsprojekten und Initiativen der Jugend- und Erwachsenenbildung, die sexuelle Vielfalt thematisieren, um die Akzeptanz von LSBTTIQ in Schule und in der Arbeitswelt zu fördern.

Ein zentrales Stiftungsprojekt zur Erinnerung an Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans* und Inter* stellt das Archiv der anderen Erinnerungen dar. Dieses Videoarchiv beinhaltet Lebensgeschichten von LSBTTIQ-Zeitzeugen, die unmittelbar oder mittelbar unter den Folgen des Paragraphen 175 StGB in der frühen Bundesrepublik beziehungsweise des Paragraphen 151 StGB in der DDR gelitten haben. Es entsteht in Zusammenarbeit mit den Bundesländern sowie Archiven, Universitäten und weiteren Einrichtungen und Verbänden.Rainer Hörmann: Gelder für Bundesstiftung zur Gleichstellung Homosexueller bewilligt. In: Samstag ist ein Guter Tag. Das schwule Blog. 12. November 2011, abgerufen am 7. Dezember 2019.

Organisation mini|Der langjährige Vorsitzende Jörg Litwinschuh Grundsätzlich wird ein dauerhafter Erhalt des Stiftungsvermögens erreicht, da lediglich Zinsen und Spenden für den Stiftungszweck eingesetzt werden. Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld ist Mitglied im Bundesverband Deutscher Stiftungen und hat drei Stiftungsorgane: Vorstand, Kuratorium und Fachbeirat.

Am 22. Juni 2016 wurde Jörg Litwinschuh für eine zweite Amtszeit bestellt. Er schied am Ende der Amtszeit im November 2021 aus. Ab da führte das Amt kommissarisch der dienstälteste Referent der Stiftung, Daniel Baranowski. Am 7. April 2022 wurde Helmut Metzner zum geschäftsführenden Vorstand gewählt und trat das Amt am 15. Juni 2022 an.

Kuratorium Das Kuratorium trifft die wesentlichen Beschlüsse der Stiftung und überwacht die Arbeit des Vorstands. Das Kuratorium besteht aus 16 Mitgliedern sowie den vom Deutschen Bundestag benannten Mitgliedern, deren Anzahl ist die kleinstmögliche, bei der jedenfalls jede Fraktion zumindest ein Mitglied benennen kann und die Mehrheitsverhältnisse möglichst gewahrt werden, maximal jedoch neun. Die 16 Mitglieder werden vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (zwei) sowie (je eins) vom Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, Bundesministerium der Finanzen, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Bundesministerium für Bildung und Forschung, Fachverband Homosexualität und Geschichte, Initiative Queer Nations, Jugendnetzwerk Lambda, LesbenRing, Lesben- und Schwulenverband in Deutschland, Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche, Queeres Netzwerk Bundesverband queerer Landesnetzwerke, Berufsverband VK, Wirtschaftsweiber sowie Bundesverband Trans* benannt.mh-stiftung.de, Satzung, abgerufen am 30. Dezember 2024

Es hatte mit Stand vom Januar 2024 folgende Zusammensetzung:

Vorsitzender: Marco Buschmann (Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz) stellv. Vorsitzende: Ruth Schröder (Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz) Jörn Thießen (Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, Stellvertreterin: Juliane Rapp-Lücke) Corinna Westermann (Bundesministerium der Finanzen, Stellvertreter: Sven Asmussen) Marc Nellen (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Stellvertreterin: Ina-Marie Blomeyer) Annette Steinich (Bundesministerium für Bildung und Forschung, Stellvertreterin: Daniela Schmidt) Anke Hennig (Deutscher Bundestag, Fraktion der SPD, Stellvertreterin: Anna Kassautzki) Jan Plobner (Deutscher Bundestag, Fraktion der SPD, Stellvertreterin: Falko Droßmann) Jens Spahn (Deutscher Bundestag, Fraktion der CDU/CSU, Stellvertreterin: Elisabeth Winkelmeier-Becker) Jan-Marco Luczak (Deutscher Bundestag, Fraktion der CDU/CSU) Max Lucks (Deutscher Bundestag, Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Stellvertreterin: Tessa Ganserer) Jürgen Lenders (Deutscher Bundestag, Fraktion der FDP, Stellvertreterin: Ria Schröder) Kathrin Vogler (Deutscher Bundestag, Fraktion DIE LINKE, Stellvertreter: Jan Korte) Michael Schön (Fachverband Homosexualität und Geschichte, Stellvertreter: Klaus Sator) Jan Feddersen (Initiative Queer Nations e. V. (IQN)) Almut Schneider (Initiative Queer Nations e. V. (IQN)) Emily Schunk (Jugendnetzwerk Lambda, Stellvertreterin: Oska Jacobs) Kathrin Schultz (LesbenRing, Stellvertreterin: Juliane Rosin) Axel M. Hochrein (Lesben- und Schwulenverband in Deutschland) Alva Träbert (Lesben- und Schwulenverband in Deutschland) Thomas Beckmann (Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche, Stellvertreter: Thomas Pöschl) Nico Kerski (QueerNetz.de e. V., Stellvertreterin: Lioba Martin) Markus Wagner (Berufsverband VK e. V., Stellvertreter: Dennis Terhoeven) Steffi Grimm (Wirtschaftsweiber e. V., Stellvertreterin: Simone Allard) Conny-Hendrik Schälicke (Bundesverband Trans*, Stellvertreter: Frank Krüger)

Die beiden Kuratoriumsmitglieder der „Initiative Queer Nations e. V.“ und des „Lesben- und Schwulenverbands in Deutschland“ haben bei Abstimmungen jeweils eine gemeinsame Stimme im Gremium.

Fachbeirat Der mit Beratungsaufgaben betraute Fachbeirat setzt sich überwiegend aus namhaften Vertreterinnen und Vertretern der Wissenschaft und des Bildungsbereichs zusammen, die mit den Stiftungszwecken in Bezug stehen. Er wird vom Kuratorium für vier Jahre gewählt. Das Gremium setzt sich seit 3. Juli 2024 wie folgt zusammen:

Vorsitzende: Annette Güldenring (Deutsche Gesellschaft für Sexualforschung, Fachärztin Psychiatrie und Psychotherapie) Stellv. Vorsitzender: Pierre Thielbörger (Ruhr-Universität Bochum, Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht (IFHV)) Sabine Balke (i.d.a. – Dachverband deutschsprachiger Frauen / Lesbenarchive, -bibliotheken und -dokumentationsstellen) Ulrich Baumann (Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas) Nina Degele (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Institut für Soziologie) Norman Domeier (Universität Stuttgart, Historisches Institut) Marcel Hackbart (Fachhochschule des Mittelstands) Rainer Herrn (Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft) Rebecca Knecht (Queere Bildung e. V.) Martin Lücke (Freie Universität Berlin, Didaktik der Geschichte) Anna Katharina Mangold (Europa-Universität Flensburg, European Studies) Julia Noah Munier (Universität Stuttgart, Historisches Institut) Karen Nolte (Universität Heidelberg) Kirsten Plötz (Historikerin) Martin Podszus (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg) Heiner Schulze (Schwules Museum, Berlin) Michael Schwartz (Institut für Zeitgeschichte) Lucie Veith (Intergeschlechtliche Menschen e. V.) Heinz-Jürgen Voß (Hochschule Merseburg) Miriam Yildiz (IU Internationale Hochschule Düsseldorf) Layla Zami (Freie Universität Berlin)

Geschichte Im November 2010 hatte der Haushaltsausschuss des Bundestages – entsprechend dem Koalitionsvertrag vom Oktober 2009 – 10 Millionen Euro als Startkapital für die Gründung der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld bewilligt. Vorausgegangen waren ein Beschluss des Bundestages vom Jahr 2000 unter der rot-grünen Bundesregierung sowie ein Gesetzentwurf der FDP im Jahr 2003. Die Gründung der Stiftung hat nach dem Beschluss der Bundesregierung am 27. Oktober 2011 stattgefunden. Die Realisierung des Vorhabens geschah unter Federführung von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Jörg Litwinschuh wurde am 10. November 2011 zum Vorstand der Stiftung bestellt. Das Kuratorium der Stiftung hat am 27. Februar 2012 die Stiftungsordnung beschlossen. Am 22. Juni 2016 wurde Litwinschuh für eine zweite Amtszeit bestellt.

Stiftungsprojekte (Auswahl) und Förderungen Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld verwirklicht ihre satzungsmäßigen Zwecke durch eigene Aktivitäten sowie durch finanzielle Förderung von Projekten Dritter. Von 2012 bis 2024 bewilligte die Stiftung 888.437,72 Euro an Fördermitteln für 213 Projekte.dserver.bundestag.de, Drucksache 20/14098, Fragen zur Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, 4. Dezember 2024, abgerufen am 30. Dezember 2024mh-stiftung.de, Externe Projektförderungen der BMH 2012-2025, abgerufen am 30. Dezember 2024

Archiv der anderen Erinnerungen Die Bundesstiftung startete 2013 unter dem Namen Archiv der anderen Erinnerungen (AdaE) ein Videoarchiv mit Zeitzeugen-Interviews und mit individuellen Erfahrungen und Erinnerungen zu LSBTTIQ-Lebensgeschichten seit den 1950er und 1960er Jahren. Queer.de berichtete in diesem Zusammenhang über die Vereinbarung einer Kooperation mit dem Land Berlin. Um die Interviews auch für die politische Bildungsarbeit zu nutzen, hat die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld ein Pilotprojekt initiiert. In Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Didaktik der Geschichte an der Freien Universität Berlin, dem Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, dem Spinnboden – Lesbenarchiv und Bibliothek, dem Center für Digitale Systeme und der Agentur für Bildung wurden anhand von vier Interviews webbasierte Bildungsmodule entwickelt. Aus den mehrstündigen Interviews, die Wolfgang Lauinger, Anna Thomann, Harm-Peter Dietrich († 2025) und Maria Sabine Augstein der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld gewährten, entstanden verdichtete Filmfassungen. Sie verdeutlichen die Auswirkungen des § 175 StGB auf die Lebenssituation und Lebenserfahrung der Zeitzeugen. Sie stehen auf der Webseite der BMH zur Verfügung.

Fußball für Vielfalt, Fußball gegen Homophobie

Der Fußball-Sport hat gerade erst begonnen, sich dem Problem der Homophobie in den eigenen Reihen professionell zu stellen: Einen positiven und offenen Umgang mit der Homosexualität von aktiven Sportlern gibt es bisher kaum. Bereits im März 2010 hat Jörg Litwinschuh, der sich seit über 20 Jahren in der Lesben- und Schwulenbewegung engagiert, das Expertennetzwerk „Fußball gegen Homophobie“ gegründet. 2012 übertrug er die Rechte an der Marke „Fußball für gegen Homophobie“ kostenlos an die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld. Die Stiftung kann mit ihren Bildungs-, Forschungs- und Evaluations-Maßnahmen dort ansetzen, wo es am wichtigsten ist: in der Trainerausbildung, im Jugendtraining, bei den Funktionären, bei den Fans und nicht zuletzt bei den Eltern der Jugendlichen. Die Initiative, die im Verlauf in „Fußball für Vielfalt, Fußball gegen Homophobie“ umbenannt wurde, zielt darauf ab, Funktionäre, Sportler, Trainer, Schiedsrichter, Vereine, Fanclubs, Eltern von jungen Sportlern, Sponsoren, Wissenschaftler und Medien zu vernetzen. Eine Errungenschaft dieses Projektes ist eine Berliner Erklärung für die Vielfalt im Fußball und gegen Homophobie, die seit dem 17. Juli 2013 von 61 (Stand: Oktober 2016) (Bundesliga-)Vereinen und -Verbänden, Unternehmen und Institutionen unterzeichnet wurde. Thomas Hitzlsperger ist inzwischen Botschafter der Initiative geworden.

Hirschfeld-Tage