mini|hochkant=1|Ansicht von Süd-Ost

Die katholische Pfarrkirche Saint-Michel befindet sich in La Garde-Adhémar, einer französischen Gemeinde im Département Drôme in der Landschaft Dauphiné in der Region Auvergne-Rhône-Alpes. Die Altstadt krönt den aus der Rhoneebene steil aufragenden Hügel, der zirka zwei Kilometer östlich eines Seitenarms der Rhone und etwa zwanzig Kilometer südlich der Stadt Montélimar liegt. mini|Ansicht von Südwesten

Geschichte Die heutige Gemeinde La Garde Adhemar wurde nach den verheerenden Sarazeneneinfällen, vermutlich im 10./11. Jahrhundert, auf dem Gipfel des Hügels gegründet, die vorher an dessen Fuße angesiedelt war. Aus dieser Zeit stammen offensichtlich auch die teils gut erhaltenen Reste der Befestigungsanlagen. Während des Mittelalters war sie eine wichtige Festung der Familie Adhémar.

Noch vor dem Bau der heutigen Kirche bestand auf dem Hügel bereits eine Kapelle, die in einer päpstlichen Bulle aus dem Jahr 1105 als dort befindlich genannt wird.

Die Errichtung der Kirche wird um die Mitte des 12. Jahrhunderts datiert. Sie kann als Paradebeispiel provençalischer Romanik gelten, obgleich sie strenggenommen am Rande der Dauphiné liegt.

Die dem Erzengel Michael geweihte Kirche gehörte zu einem Priorat der Benediktinerabtei in Tournus. Die südseitige Tür im Joch zwei des Seitenschiffs könnte auf ehemalige Konventsgebäude hindeuten, die dort angebaut waren.

Die Kirche ist seit 1862 ein geschütztes Baudenkmal (Monument historique).

Gebäude mini|hochkant|St-Michel de La Garde-Adhémar, Grundriss, Handskizze

Abmessungen ohne Strebepfeiler: aus Grundriss entnommen und hochgerechnet

Länge über alles: 23,10 m Breite Langhaus: 16,40 m Breite Mittelschiff innen: 3,70 m Höhe Mittelschiff: 14 m

Äußere Erscheinung Das helle Werksteinmauerwerk ist überwiegend aus mittelgroßen Formaten im regelmäßigen Verband ohne Mörtel gefügt. Die Bauteilecken und Fensterkanten sind aus größeren Werksteinen in abwechselnder Länge verstärkt. Das südliche Seitenschiff und die Apsiden sind kleinformatiger in regelmäßigem Schichtenverband mit Mörtel gemauert.

Langhaus Das dreischiffige und zweijochige Langhaus reicht von der westlichen Fassade bis zum Querhaus mit Vierung und Glockenturm.

Das Mittelschiff ragt deutlich über die Pultdächer der Seitenschiffe hinaus und ist mit einem Satteldach knapp unter dreißig Grad Neigung abgedeckt. Die Dachflächen sind mit grauen Steinplatten eingedeckt, deren Traufplatten auf einem kräftig ausladenden Traufgesims aufliegen und leicht darüber hinauskragen. Die Sichtseite des Gesimses ist breit abgeschrägt und mit einem dreistufig leicht profilierten Ornament sich wiederholender kleinformatiger geometrischer Formen geschmückt. Die Traufgesimse werden an ihren Enden in Wanddicke waagerecht auf die Fassade herumgeführt und gehen dann in die etwa gleich geformten schrägen Ortganggesimse über, die allerdings mit anderen sehr feingliedrigen floralen Ornamenten dekoriert sind.

mini|hochkant|Langhaus von Süd-West mini|hochkant|links|Fassade und Westapsis Die Obergaden der Südwand des Mittelschiffs weisen mittig in jedem Joch unmittelbar auf den Firsten des Pultdaches ein schlankes rundbogiges Fenster auf, dessen Gewände aufgeweitet sind. Die Obergaden der Nordwand sind gänzlich geschlossen, ein Schutz gegen den kalten Mistral, dem die Kirche wegen ihrer exponierten Lage besonders ausgesetzt ist.

Die Seitenschiffe werden von Pultdächern in etwas steilerer Neigung überdeckt, mit Steinplatten wie beim Hauptschiff. Ihre Traufgesimse bleiben allerdings schlicht rechtwinklig ohne Dekoration. Auch diese werden ein Stück waagerecht auf die Fassade herumgeführt. Die Ortgänge der Pultdächer haben Gesimse ähnlichen denen des Hauptdachs. In der Außenwand des südlichen Seitenschiff sind im ersten und zweiten Joch im oberen Wandbereich zwei schlanke rundbogige Fenster ausgespart, die etwa denen des Hauptschiffs entsprechen, die von einem breiten Pfeiler getrennt sind. Im zweiten Joch kommt dazu noch die leicht aus der Jochmitte nach Osten verschobene Tür hinzu. Ihre Öffnung ist rechteckig und wird an ihren Laibungen von langen glatten und recht breiten Werksteinen begrenzt. In die oberen Ecken der Öffnung ragen waagerechte Werksteine hinein, deren Ecken ausgekehlt sind. Oberseitig wird die Türöffnung von einem hohen glatten Sturzbalken überdeckt, der bis auf die Außenkanten der Laibungspfeiler geführt ist. Über dem Sturzbalken ist eine halbkreisförmige Nische in Türöffnungsbreite ausgespart, die von Keilsteinen überdeckt wird.

mini|hochkant|Südportal mini|hochkant|links|Westapsis mit Hauptportal Die Teilung der ersten beiden Joche und des Querhauses werden auf der Wand des südlichen Seitenschiffs durch kräftige Strebepfeiler markiert, deren schräg abgedeckte Oberseiten bis knapp unter die Traufen geführt sind. Durch die nachträglichen Anbauten an das nördliche Seitenschiff sind weder Öffnungen noch Strebepfeiler sichtbar, außer dem westlichen.

Die Westwand, auch Fassade, des Langhauses zeigt außen die innere Gliederung und Ausdehnung der Schiffe und deren Höhen.

Ungewöhnlich für die südfranzösische romanische Architektur ist die Apsis auf der Fassade; ein Motiv, das in der nordalpinen Architektur des frühen Mittelalters verbreitet ist. Ihr Grundriss steht auf einem Halbkreis in fast gleicher Größe der Chorapsis. Sie wird von einem halben Kegeldach in Neigung der Seitenschiffdächer überdeckt. Ihr Traufgesims weist etwa die gleiche Form der des Hauptschiffs auf, ist aber ähnlich floral dekoriert, wie an deren Ortgängen. Die einzige Öffnung in der Westapsis ist die rundbogige des Hauptportals, die seitlich von kantigen Pfeilern und oberseitig durch ein oberfglächenbündiges „Satteldach“ flankiert wird. Die Westapsis bildet hier eine Art Narthex.

Beidseitig dieser Apsis ist in den Kopfwänden der Seitenschiffe etwa mittig je ein schlankes rundbogiges Fenster ausgespart, etwa so groß wie die anderen im Langhaus.

mini|links|Fenster im Giebel der Fassade mini|Traufgesims der Westapsis Oben inmitten der Giebelwand der Fassade zeigt sich das einzige dekorativ gestaltete Fenster der Kirche. Gegenüber der Oberfläche der Fassade etwas zurückspringend ist eine schlanke rundbogige Fensteröffnung ausgespart, deren Gewände aufgeweitet sind. Die seitlichen und oberen Kanten der Öffnung sind in großzügige Wandrückversätze aufgelöst, in die oberflächenbündig eine Archivolte eingelassen ist. Seitlich der Öffnung stehen in den Rückversätzen glatte Säulen, die mit floral dekorierten Kapitellen und profilierten Basen auf quadratischen Plinthen ausgestattet sind. Über den Kapitellen sind kräftige Kämpferplatten aufgelegt, die nur innenseitig auskragen. Die Abschrägungen ihrer unteren Sichtkanten sind feingliedrig profiliert, ihre schmalen Innenseiten werden von senkrechten scharfkantigen Rillen dekoriert, die kammartig aufgereiht sind. Die innere Kante des Archivoltenbogens aus langen gebogenen Keilsteinen ist abgeschrägt und mehrfach profiliert. Die Archivolte wird mit etwas Abstand durch ein dachartiges Gebilde umschlossen, welches beidseitig aus glatten kantigen Pilastern besteht, die bis auf die Obertkante der Kapitelle der Archivolte hinaufreichen und dort von einem pflanzlich dekorierten Kapitell bekrönt werden. Ihre profilierten Basen stehen auf einem Rückversatz der Fassadenwand, der über die ganze Wandbreite reicht. Diese Kapitelle werden von Kämpfern bedeckt, deren Sichtkanten abgeschrägt und feingliedrig dekoriert sind, ähnlich den Ortganggesimsen der Fassade. Auf den Kämpfern enden wieder ähnliche Gesimsprofile die die Archivolte satteldachartig übergeben.

Der Fassadenfirst wird von einem steinernen Kreuz bekrönt, aus einer Art Tatzenkreuz in einem Kreis, von dem acht Strahlen rundum austreten.

An die Außenwand des nördlichen Seitenschiffs ist fast in ganzer Länge in späterer Zeit ein Anbau von Nebenräumen errichtet worden, dessen Pultdächer teils bis knapp unter die Traufe des Seitenschiffs reichen, teils aber auch mit etwas Abstand unter den Traufen bleiben. mini|hochkant|Chorhaupt mit Vierungsturm von Nord-Ost

Querhaus und Glockenturm Das Querhaus weist keinerlei Überstände seiner Arme gegenüber den Längswänden der Seitenschiffe auf. Ihre Pultdächer und Wände sind Verlängerungen der Seitenschiffe in Form und Material. In der südlichen Außenwand sind zwei rundbogige Fensteröffnungen ausgespart, die denen in der Seitenschiffwand in Joch eins und zwei entsprechen. Auf der nordöstlichen Ecke des Querhauses wird der Strebepfeiler durch ein Treppenhaus mit einer Spindeltreppe ersetzt, dessen Pultdach deutlich über das des Seitenschiffs hinausragt und der oberhalb des Seitenschiffdachs bis gegen den Turm und dann noch weiter hochgeführt ist.

Im Zentrum des Querhauses ragt der Sockel des Vierungsturms hoch hinauf, der einen fast quadratischen Grundriss aufweist, dessen oberer Bereich die Vierungskuppel birgt. Diese befindet sich oberhalb der drei schlanken rundbogigen Fenster auf der Nord-, Ost- und Südseite. Dieser Turmsockel tritt mit seiner Ostwand im Grundriss geringfügig vor die Ostwände der Querhausarme heraus. Er schließt rundum waagerecht ab, in einer Höhe, die über den Mittelschifftraufen fast noch einmal die Höhe der Obergaden erreicht.

Auf dem Turmsockel erhebt sich der eigentliche Glockenturm mit zwei achteckigen Geschossen, von denen vier Seiten geringfügig hinter den Seiten des Sockels zurückspringen.

mini|hochkant|Glockenturm Im unteren Geschoss stehen auf den acht Ecken je eine kräftige dreiviertelrunde glatte Säule, die von einem floral geschmückten Kapitell bekrönt wird. Darüber wird das Kapitell von einem Kämpfer abgeschlossen, dessen Abschrägung feingliedrig dekoriert ist, ähnlich den Gesimsbändern auf der Westfassade. Der Kämpfer knickt in der Mitte jeweils ab, im Winkel der Kanten des Achtecks. Auf den Wandflächen zwischen den Kapitellen und Kämpfern setzen sich diese als Gesimse in gleicher Höhe fort, das aber als abgeschrägtes Kraggesims mit den bekannten feingliedrigen Dekorationen ausgebildet ist. Darunter finden sich in Kapitellhöhe schlichte Profilierungen. Diese berührt der äußere Scheitel der darunter in die Wand eingelassenen Archivolte, aus schlanken halbrunden Pfeilern, die mit floral skulptierten Kapitellen und profilierten Basen ausgestattet sind. Deren auskragende abgeschrägte Kämpfer tragen einen Bogen, deren äußere abgeschrägte Sichtkante wieder wie bekannt feingliedrig dekoriert ist. Hinter den Säulchen treten auf jeder Seite glatte scharfkantige Wandstreifen hervor, die die Klangarkadernöffnung seitlich flankieren. Diese setzen sich oberhalb von schlichten Kämpfern als Bogen fort, der die Öffnung oberseitig abschließt. Zwischen den Laibungen sind drei waagerechte nach außen abgeschrägte Klanglamellen eingespannt.

Das obere Turmgeschoss ist nicht ganz so hoch wie das untere. Die Turmecken werden statt von Säulen mit in der Mitte abgeknickten und mit Kannelierungen geschmückten Pilastern bekleidet, die ebenso tief auftragen wie die Säulen. Auch sie sind mit Kapitellen und Basen ausgestattet, wie die Säulen. Die Kapitelle tragen anstatt Kämpfer ein um den ganzen Turn herum geführtes weit ausladendes Kraggesims, das auf jeder Achteckseite von je drei Kragsteinen unterstützt wird, die vorderseitig ausgekehlt sind. In den Wandfeldern darunter gibt es die fast gleichen, nur weniger hohen Archivolten und Klangöffnungen, wie im ersten Geschoss. Es gibt aber hier nur je zwei Klanglamellen in jeder Öffnung.

Der steinerne Turmhelm besitzt die Form einer achteckigen Pyramide, deren Seiten um etwa 50 Grad geneigt sind. Sie schließen unten mit einem weiteren Kraggesims auf dem Turm an und sind mit Steinplatten eingedeckt. Ihre Kanten werden mit schlanken Rundprofilen markiert, die an ihren unteren Enden auf Platten stehen die von menschlichen Köpfen getragen werden. Die Kugel im First des Helms trägt ein Kreuz aus Metall.