mini|hochkant|Kreuzkirche zu Bonn (2013) mini|Ansicht von Osten (2024) mini|hochkant|Innenansicht mini|Luftaufnahme der Kreuzkirche, im Hintergrund die Hofgartenwiese

Die Kreuzkirche ist eine evangelische Kirche in Bonn. Sie ist seit 1871 die Kirche der Kreuzkirchengemeinde, die zum Kirchenkreis Bonn der Evangelischen Kirche im Rheinland gehört, und zudem die evangelische Stadtkirche von Bonn.Zur Kreuzkirche Mit einer Sitzplatzkapazität von 1200 Sitzplätzen ist sie die größte evangelische Kirche im Rheinland und die größte Kirche in Bonn.Kreuzkirche steht deutschlandweit im Rampenlicht; Bonner General-Anzeiger vom 26. September 2011; bonn-evangelisch.de vom 24. Januar 2010 Die Kreuzkirche steht als Baudenkmal unter Denkmalschutz.

Geschichte Nachdem das Rheinland 1815 preußisch geworden war, wurde 1816 die „Evangelische Gemeinde aller evangelisch-lutherischen und evangelisch-reformierten Bürger“ gegründet. 1817 überließ König Friedrich Wilhelm III. der Gemeinde die Schlosskapelle für den Gottesdienstgebrauch. In der Folgezeit entwickelte sich das evangelische Leben in Bonn, u. a. mit der Eröffnung einer evangelischen Schule, der Gründung des Rheinischen Provinzialausschusses für die Innere Mission in Bonn und der Errichtung der Friedrich-Wilhelm-Stiftung.

Am 15. Dezember 1866 wurde der Grundstein für die Kirche am Kaiserplatz gelegt, die nach Plänen des seinerzeitigen Bonner Universitätsbaumeisters August Dieckhoff entstand.Willy Weyres, Albrecht Mann: Handbuch zur Rheinischen Baukunst des 19. Jahrhunderts 1800–1880. Am 18. Dezember 1871 wurde die Kirche eingeweiht.Peter Jurgilewitsch, Wolfgang Pütz-Liebenow: Die Geschichte der Orgel in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis 1928 erhielt die Kirche die erste große Orgel. 1935 wurde die Kirche renoviert, wobei der neugotische Zierrat weitgehend entfernt wurde.

Nachdem die Kreuzkirche 1944 bei Bombenangriffen zerstört worden war, wurde zunächst eine Notkirche eingerichtet. 1947 erhielt sie den Namen Kreuzkirche. In den Jahren 1951 bis 1954 wurde die Kirche nach Plänen des Trierer Architekten Heinrich Otto Vogel wieder aufgebaut und eingeweiht. Mit der Gestaltung der Innenraumgewölbe als Faltwerk auf schlanken Betonrundpfeilern nimmt er Bezug auf die neugotischen Rippengewölbe der Vorkriegszeit und nimmt Formen vorweg, die er bei der Gestaltung der Langhausgewölbe in der Martinskirche zu Kassel, seinem Hauptwerk, wenige Zeit später verwendet. 1963 erhielt die Kirche ihr neues Geläut. 1967 wurde die Krypta zum Gottesdienstraum umgestaltet.Informationen zur Geschichte

Pfarrer und Pfarrerinnen an der Kreuzkirche Albrecht Wolters 1871–1874Vgl. Heyer: Die Kreuzkirche in Bonn, S. 176 Friedrich Krabb 1871–1885 Ernst Dryander 1874–1883 Walter Bleibtreu 1883–1915 Karl Vieregge 1885–1892 Hugo Stursberg 1886–1912 Karl Pahnke 1892–1900 Karl Cartsburg 1898–1901 Eugen Strauss 1901–1932 Hermann Kremers 1902–1927 Albert Lorenz 1912–1929 Renatus Hupfeld 1916–1925 Friedrich Frick 1926–1951 Helmut Gützlaff 1927–1957 Friedrich Mummenhoff 1930–1957 Herbert Hillert 1932–1963 Wilhelm Winterberg 1957–1973 Karl-Heinz Meier 1958–1965 Gerhard Brandt 1959–1971 Klaus Wollenweber 1968–1988 Klaus Borchert 1972–1981 Joachim Mehlhausen 1973–1976 Karl-Hermann Haverkamp 1977–1980 Dieter Hackler 1981–1991 Edzard Rohland 1981–1992 Manfred Oeming 1988–1991 Gerhard Schaefer 1991–2020 Henning Theurich 1991–2004 Renate Gerhard 1993–2003 Rüdiger Petrat 2004–2022 Ingrid Schneider 2020–2022 (vertretungsweise)Evangelische Kreuzkirchengemeinde Bonn Martin Groeger 2022– Lea Wangen 2022–2023 Margitta Kruppa 2024–

An der Kreuzkirche wirkende Kirchenmusiker und Organisten Otto Arndt 1871–1880 Arnold Mendelssohn 1880–1883 Wilhelm Köhler 1883–1912 Wilhelm Seidel 1912–1914 Willy Poschadel 1918–1945 Fritz Heller 1946–1954 Hans Geffert 1954–1979 Johannes Geffert 1980–1997 Karin Freist-Wissing seit 1990 u. a. als Leiterin von Vox Bona Stefan Horz seit 1997

Bekannte Gemeindemitglieder Karl Barth (Presbyter) Hermann Bleibtreu Hans Bonnet (Presbyter) Hermann Brassert (Presbyter) Ernst Heinrich von Dechen J. F. Gerhard Goeters (Presbyter) Antonius H. Gunneweg (Presbyter) Hans Joachim Iwand (Presbyter) Hermann Kunst Berta Lungstras Friedrich Soennecken Guido Westerwelle (Konfirmand)

Ausstattung mini|hochkant|Die Ott-Orgel (mit Schutznetz, 2025) Der Innenraum der Kreuzkirche ist schlicht gehalten und verfügt über wenig Ausstattung.Nähere Informationen zur Ausstattung

Die Chorfenster wurden von Hans Gottfried von Stockhausen (Stuttgart) geschaffen. Sie zeigen Szenen aus dem Leben Jesu, Bilder der Apostel und weitere biblische Szenen.

Der Altar und das Kreuz wurden von Arnold Rickert entworfen. Der Altar ist aus Graubüttelbrunner Muschelkalk. Das Kreuz ist aus Eiche, mit Kupfer beschlagen. Die Wundmale Jesu werden durch rote Halbedelsteine angedeutet. An den Balkenenden finden sich die Symbole der Evangelisten (Mensch, Löwe, Stier, Adler). Im Zentrum befindet sich das Lamm Gottes mit dem Kreuz.

Die Kanzel wurde von Rolf Scheibner gestaltet. Ihr Fuß besteht aus Basalt. Die Kanzel selbst ist mit Messing beschlagen. Sie zeigt in der Mitte Christus als Lehrer der Welt, rechts Moses und links den Apostel Paulus.Heyer: Die Kreuzkirche in Bonn, S. 119

Der Taufstein wurde von Eugen Keller entworfen. Der Sockel besteht aus Basalt, die Taufschale ist mit Goldmosaik ausgelegt. Auf dem Taufstein findet sich eine Darstellung von besiegten Dämonen.

Über dem Hauptportal befindet sich eine große Fensterrose.

Die Orgel wurde von Baurat Heinrich Otto Vogel entworfen. Bemerkenswert sind die Flügeltüren am Orgelprospekt, die von Hans Gottfried von Stockhausen bemalt wurden. Die linke Tür zeigt David, der vor König Saul Harfe spielt. Die rechte Tür zeigt die Posaunen von Jericho.

Orgeln Große Orgel

Die große Orgel der Kreuzkirche wurde 1956 von der Orgelbaufirma Paul Ott (Göttingen) erbaut. Das Schleifladen-Instrument hat 65 Register auf vier Manualen und Pedal. Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Registertrakturen sind elektrisch. Die Koppeln sind wahlweise mechanisch oder elektrisch. Die Orgel wurde 1982 und zuletzt im Jahre 2001 durch die Orgelbaufirma Karl Schuke (Berlin) umfassend renoviert und um eine 4000-fache Setzeranlage erweitert.Nähere Informationen zur Geschichte und Disposition der Orgel, gesehen am 1. September 2011.

I Rückpositiv C–g3 1. Quintadena 8′ 2. Gedackt 8′ 3. Prinzipal 4′ 4. Blockflöte 4′ 5. Oktave 2′ 6. Nachthorn 2′ 7. Sifflöte 1′ 8. Nasat ′ 9. Terz ′ 10. Quinte ′ 11. Septime ′ 12. None ′ 13. Scharf IV 14. Rankett 16′ 15. Krummhorn 8′ Tremulant II Hauptwerk C–g3 16. Quintade 16′ 17. Prinzipal 8′ 18. Gemshorn 8′ 19. Koppelflöte 8′ 20. Oktave 4′ 21. Rohrflöte 4′ 22. Quinte ′ 23. Oktave 2′ 24. Großmixtur VI ′ 25. Scharf IV ′ 26. Trompete 16′ 27. Trompete 8′ Zimbelstern III Schwell-Oberwerk C–g3 28. Stillgedackt 16′ 29. Praestant 8′ 30. Spitzgedackt 8′ 31. Dolkan 8′ 32. Schwebung 8′ 33. Prinzipal 4′ 34. Trichterflöte 4′ 35. Praestantflöte 2′ 36. Weitprinzipal 2′ 37. Mixtur IV ′ 38. Zimbel II ′ 39. Dulzian 16′ 40. Trompete 8′ 41. Oboe 8′ 42. Schalmey 4′ Tremulant IV Brust-Schwellwerk C–g3 43. Holzgedackt 8′ 44. Holzflöte 4′ 45. Waldflöte 2′ 46. Prinzipal 2′ 47. Quintflöte ′ 48. Terzzimbel III ′ 49. Baerpfeife 8′ Tremulant Pedal C–f1 50. Prinzipal 16′ 51. Subbass 16′ 52. Quintbass ′ 53. Oktave 8′ 54. Gedackt 8′ 55. Oktave 4′ 56. Hohlflöte 4′ 57. Gemshorn 2′ 58. Schwiegel 1′ 59. Sesquialtera II ′ 60. Rauschpfeife III 4′ 61. Hintersatz V ′ 62. Basszimbel III 1′ 63. Posaune 16′ 64. Trompete 8′ 65. Trompete 4′ Koppeln: I/II, III/II, III/I, I/P, II/P, III/P

Kryptaorgel Die Kryptaorgel wurde seit dem Jahr 2012 geplant. Gleichzeitig wurde eine Spendenaktion gestartet. Sie wurde von der Orgelbauwerkstatt Klais, Bonn gebaut. Das Eröffnungskonzert fand am 1. Oktober 2016 statt.Einladungskarte Disposition und Konzept stammen von Stefan Horz in Zusammenarbeit mit der Orgelbauwerkstatt Klais. Das Instrument basiert auf historischen Vorbildern, die in eine zeitgemäße Formensprache übersetzt werden. In Anlehnung an diese Vorbilder wurde das Instrument mit einer handbetriebenen Schöpfbalganlage ausgestattet. Um dem historisierenden Charakter des Instruments vollends Rechnung zu tragen, ist die Orgel mit einer ungleichstufigen Stimmung versehen. Unterschiedliche Tonarten werden hörbar und fühlbar.

Damit ist im Herzen Bonns in der Krypta der Bonner Kreuzkirche eine Orgel zum Anfassen entstanden, um die man herumgehen und in die man hinein sehen kann. In Führungen und Konzerten können Jung und Alt ganz neue Einblicke gewinnen in das Innere der Orgel. Eine sichtbare Windversorgung erklärt den Weg der Tonerzeugung und visualisiert den Atem der Orgel. Mit Hilfe dieser handbetriebenen Schöpfbalganlage können Besucher aktiv am Entstehen des Orgelklangs mitwirken.Schriftliche Erläuterung vom Orgelbauer Philipp Klais am 23. Oktober 2021

Die Disposition lautet:

Manual C–f3 1. Suavial 8′ 2. Bordun 8′ 3. Principal 4′ 4. Holzflöte 4′ 5. Principal 2′ 6. Quinte ′ Pedal C–d1 7. Subbass 16′ Koppel: Man/P Effektregister: Tremulant für das ganze Werk Stimmung: Bach-Kellner

Glocken Das erste Geläut der Kreuzkirche wurde im Jahre 1879 von der Glockengießerei Petit & Gebr. Edelbrock gegossen. Die drei Glocken mit den Schlagtönen a0, c1 und d1 wogen 3.651, 1.974 und 1.356 kg. Nebenbei existierten zwei kleine Glocken für den Uhrschlag, die im Ersten Weltkrieg abgeliefert wurden. Für den Zweiten Weltkrieg wurden die beiden großen Glocken abgenommen, sodass lediglich die kleine Läuteglocke (d1) übrigblieb. Sie überstand die Bombardements des Krieges und wurde nach dem Wiederaufbau 1954 bis zur Anschaffung des neuen Geläuts geläutet.

Die Glocken- und Kunstgießerei Rincker in der hessischen Gemeinde Sinn goss 1963 fünf neue Glocken; die drei großen Glocken haben ähnliche Ausmaße und die gleiche Tonhöhe wie ihre Vorgängerinnen des 19. Jahrhunderts. Das Geläut ist abgestimmt auf nahezu alle Innenstadtkirchen, insbesondere auf das der Münsterbasilika. Am 4. Juni 1966 zur 150-Jahr-Feier der evangelischen Gemeinde Bonn wurde abends um 19 Uhr zum ersten Mal geläutet. Die vorhandene Turmuhr ist nicht mehr über ein Schlagwerk mit den Glocken verbunden. Alle Glocken hängen in einem monumentalen vierstöckigen Stahlglockenstuhl an geraden Stahljochen. Aus statischer Sicht wurden für alle Glocken Gegenpendel installiert. Im Jahre 2011 wurden die vier vorhandenen Schallfenster auf die ursprüngliche Höhe vergrößert und mit eichenen Schalljalousien versehen, um sich dem historischen Äußeren anzunähern und die Akustik der Glockenstube zu verbessern.

Glocke Name (Funktion) Durchmesser Masse Schlagton(HT-) 1 Liebe (Kreuzglocke) 1830 mm 3606 kg a0 −4 2 Hoffnung 1558 mm 2300 kg c1 −2 3 Glaube 1383 mm 1605 kg d1 −3 4 Freude (Taufglocke) 1230 mm 1151 kg f1 −1 5 Friede (Vaterunserglocke) 1100 mm 831 kg g1 −2

Mittags um 12 Uhr und abends um 18 Uhr erfolgt das Gebetläuten mit den Glocken 4 und 3. Freitags um 15 Uhr zur Sterbestunde Christi läutet die große Glocke. Zur Wochenschlussandacht werden um 17:50 Uhr die Glocken 5, 4 und 2 geläutet. Eine halbe Stunde vor Beginn des Hauptgottesdienst an Sonn- und Feiertagen erfolgt ein Vorläuten, was in der Regel durch die Glocken 4, 3 und 2 erfolgt. Das Zusammenläuten bis Gottesdienstbeginn übernehmen die Glocken 4, 3, 2 und 1; Glocke 5 wird an Festtagen ergänzt. Sie selbst wird auch zum Vaterunser geläutet. Die große Glocke läutet am Karfreitag alleine, Glocke 4 zu Taufen.

Einzelnachweise

Literatur Peter Jurgilewitsch, Wolfgang Pütz-Liebenow: Die Geschichte der Orgel in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis. Bouvier Verlag, Bonn 1990, ISBN 3-416-80606-9, S. 25–30. Helmut Heyer: Die Kreuzkirche in Bonn: Entstehung und Schicksal der evangelischen Stadtkirche. Röhrscheid, Bonn 1988, ISBN 3-7928-0584-7.

Weblinks

Website der Kirchengemeinde

Kreuzkirche Bonn, Kreuzkirche Kreuzkirche Bonn Kategorie:Südstadt (Bonn)