Der Südkurier (Eigenschreibweise: SÜDKURIER) ist eine regionale Tageszeitung mit Sitz in Konstanz für die Regionen nordwestlicher Bodensee, Hochrhein und Schwarzwald. Das Blatt erscheint sechs Mal pro Woche im Berliner Format (seit 1. März 2010; davor im Rheinischen Format). Der Verlag gehört seit Ende 2013 vollständig der Mediengruppe Pressedruck, dem Verleger der Augsburger Allgemeinen.
Geschichte Erste Jahre ZeitleisteIn Anlehnung an Schwarzwälder, Engelsing: Zeitbilder. S. 193. 1945 Gründung des Südkuriers 1952 Kauf der Druckerei am Fischmarkt 1974 Kauf Hotel Krone 1977 Anmietung Hotel Hecht 1980 Einstieg der Verlagsgruppe Holtzbrinck 1987 Beteiligung an Radio Seefunk 1990 Aufnahme Produktion in neuer Druckerei 1993 Umzug in neues Verlags- und Redaktionsgebäude 1996 Start Online-Auftritt 2000 Gründung der Arriva GmbHGründung der Media Favoriten GmbH 2008 Übernahme der ka-news GmbH 2010 Eröffnung der neuen DruckereiFormatumstellung 2011 Mehrheitsanteil der Südkurier GmbH geht anMediengruppe Pressedruck 2013 Vollständige Übernahme durch MediengruppePressedruck Johannes Weyl (1904–1989) Ausführlicher zu Weyl siehe Bosch: Zeit der schönen Not. S. 39–57. war von 1926 bis 1944 Redakteur, Chefredakteur, Prokurist und stellvertretender Leiter der Zeitschriftenabteilung im Ullstein Verlag (seit 1934: Deutscher Verlag). Er erhielt Ende August 1945 von der französischen Besatzungsmacht die Lizenz zur Gründung einer Zeitung in Konstanz.Zur Lizenzierung und Gründung siehe Dix: Südkurier. 1945–1952. S. 29–37 sowie Bosch: Zeit der schönen Not. S. 26–29. Der Titel Südkurier leitet sich vom Verbreitungsgebiet im deutschen Süden ab.Jürgen Klöckler: Konstanz, 8. September 1945. In: Stadt Konstanz (Hrsg.): Konstanzer Almanach. Stadler Verlagsgesellschaft, 2021, ISBN 978-3-7977-0758-1, S. 71–73. Das Datum der ersten Ausgabe lautete auf den 8. September, sie wurde bereits am Vortag verkauft.Dix: Südkurier. 1945–1952. S. 33. Bosch: Zeit der schönen Not. S. 29. Weyl gründete 1945 ebenfalls den Südverlag als einen Buchverlag. Teilhaber der ersten Südkurier-Gesellschaft waren – neben Weyl – der Verleger Paul Christiani,Inhaber des Verlags und Technischen Lehrinstituts Dr. Ing. Paul Christiani. Siehe hierzu die Chronik dieses Unternehmens, Abruf am 7. Juli 2017. der Luftschiff-Erbauer Hugo Eckener und der Zentrumspolitiker Carl Diez.Dix: Südkurier. 1945–1952. S. 42 f. Schwarzwälder, Engelsing: Zeitbilder. S. 178; Georg Bräunig: Der Anfang. In: Aus der Gründungszeit des Südkurier. S. 6–9, hier S. 8.
Die Startauflage von 100.000 Exemplaren steigerte sich trotz PapierknappheitDix: Südkurier. 1945–1952. S. 44, 46, 80. rasch auf rund 180.000 Stück zum Jahresende 1949.Dix: Südkurier. 1945–1952. S. 45. Anfänglich erschienen zwei Ausgaben pro Woche mit vier Seiten. Ab September 1948 erschien der Südkurier dauerhaft dreimal wöchentlich, ab Anfang Oktober 1950 viermal, ab Anfang November 1952 fünfmal pro Woche und schließlich ab Anfang November 1953 werktäglich.Dix: Südkurier. 1945–1952. S. 134; Schwarzwälder, Engelsing: Zeitbilder. S. 182.
Der Südkurier war als parteipolitisch ungebundenes Blatt konzipiert.Georg Bräunig: Der Anfang. In: Aus der Gründungszeit des Südkurier. S. 6–9, hier S. 6; Dix: Südkurier. 1945–1952. S. 52 f. Er sah sich rasch politischem Druck von Parteien ausgesetzt, die noch nicht über eine eigene Parteipresse verfügten. Das traf insbesondere auf die Gruppierung Neues Deutschland – Antifaschistische Bewegung für demokratischen Aufbau in der französischen Zone zu.Dix: Südkurier. 1945–1952. S. 62–66. Das Ergebnis der Wahlen in Frankreich vom 21. Oktober 1945 – die Kommunisten gingen als stärkste Partei aus ihr hervor – wirkte sich auf die Pressepolitik in der französischen Besatzungszone aus. Die Besatzungsmacht verfügte nun, dass Vertreter von vier Parteien führend in Redaktion und herausgebende Gesellschaft des Südkurier einzogen (Hermann Fiebing, Hermann Dörflinger, Karl Julius Großhans, Rudi Goguel und Friedrich Munding). Weyl wurde im Januar 1946 von der weiteren Mitarbeit als Verleger beziehungsweise Redakteur ausgeschlossen.Zu diesem Konflikt siehe Dix: Südkurier. 1945–1952. S. 57–76. Schwarzwälder, Engelsing: Zeitbilder. S. 184 f. Am 29. Dezember 1948 endete diese Episode:Zu den Schwierigkeiten und dem Scheitern der zweiten, politisch gefärbten Südkurier-Gesellschaft siehe Dix: Südkurier. 1945–1952. S. 77–94. Die französische Besatzungsmacht widerrief die Auflösung der ersten Südkurier-Gesellschaft und löste die zweite auf. Weyl erhielt die Lizenz zurück, der Südkurier ging mit Wirkung zum 1. Februar 1949 wieder in seine Hände über.Dix: Südkurier. 1945–1952. S. 94 f; Schwarzwälder, Engelsing: Zeitbilder. S. 185 f.
1949 bis 1979 ChefredakteureSchwarzwälder, Engelsing: Zeitbilder. S. 200. September 1945–Februar 1946Fritz Harzendorf 1946–1949Redaktionsausschuss mit Vertreternvon vier Parteien Sommer 1949Herbert C. Goldscheider 1949–Mai 1950Otto Häcker 1952–1966Alfred Gerigk 1966–1987Franz Oexle 1988–August 1994Gerd Appenzeller September 1994–2005Werner Schwarzwälder 2005–Januar 2010Thomas Satinsky Juni 2010–September 2010André Uzulis Seit Oktober 2010Stefan Lutz
1949 erreichte der Südkurier Leser in einem Verbreitungsgebiet, das im Norden bis in den Schwarzwald, im Osten bis Lindau und Wangen sowie im Westen bis an den Hochrhein reichte. In diesem Gebiet betrieb er zu diesem Zeitpunkt 19 Geschäftsstellen.Udo Kairies: Der Neuanfang der Presse in der französischen Besatzungszone. In: Arbeitsgemeinschaft Französische Zone. Rundbrief, Nr. 117-2/2005, S. 3–27, hier S. 11. Abruf am 7. Juli 2017.
Am 5. April 1952 erwarb der Südkurier die Druckerei, in der er bislang gedruckt wurde.Schwarzwälder, Engelsing: Zeitbilder. S. 186. Details zu den rechtlichen und politischen Hintergründen bei Dix: Südkurier. 1945–1952. S. 109–116. Der älteste Teil des Komplexes Marktstätte 4Informationen über das Gebäude in der Datenbank Bauforschung/Restaurierung des Landesamtes für Denkmalpflege Baden-Württemberg, Abruf am 7. Juli 2017. / Am Fischmarkt 5 in Konstanz wurde zwischen 1958 und 1964 umgebaut. In diesem Zusammenhang wurde 1959 eine neue Rotation errichtet.Schwarzwälder, Engelsing: Zeitbilder. S. 186 f. Regional entwickelte sich das Druckhaus zu einem Vorreiter der Drucktechnik, vor allem im Vierfarbdruck.Schwarzwälder, Engelsing: Zeitbilder. S. 187. 1965 erreichte die Zahl der Abonnenten die Marke 100.000.Schwarzwälder, Engelsing: Zeitbilder. S. 188.
Nach der Kreisreform in Baden-Württemberg von 1973 dehnte der Südkurier sein Verbreitungsgebiet aus. Das geschah durch Lokalausgaben, unter anderem für Titisee-Neustadt und Friedrichshafen.Schwarzwälder, Engelsing: Zeitbilder. S. 188 f. Das Unternehmen erweiterte in Konstanz seine Raumkapazitäten durch Kauf des benachbarten Hotel Krone (1974) und Anmietung des Hotel Hecht (1977).Schwarzwälder, Engelsing: Zeitbilder. S. 193.
Der absehbare Medienwandel – Privat-Hörfunk und Privat-Fernsehen waren in der Diskussion –, die ungelöste Nachfolgefrage sowie erwartbare Kostensteigerungen ließen Weyl seit Mitte der 1970er Jahre nach einem Partner Ausschau halten.Schwarzwälder, Engelsing: Zeitbilder. S. 191 f. 1979 schien dieser gefunden zu sein: Johannes Weyl war sich mit Georg von Holtzbrinck über den Einstieg von dessen Verlagsgruppe einig, zunächst als Minderheitsgesellschafter, später als Mehrheitsgesellschafter.Schwarzwälder, Engelsing: Zeitbilder, S. 192.
1980 bis 1995 mini|Südkurier / Druckerei Konstanz Nach dem Kauf von 25 Prozent der Anteile 1980Patrick Eich: Dekaden unter der Lupe. S. 103. verlief der Einstieg von Holtzbrinck nicht reibungslos, sondern beschäftigte die Gerichte solange, bis das Oberlandesgericht Karlsruhe 1985 entschied, die Verträge zur Übernahme durch das Stuttgarter Verlagshaus seien rechtens. Zum Jahresende 1985 legte Weyl altershalber seine Tätigkeit als Herausgeber und Geschäftsführer der Südkurier GmbH nieder.Südkurier GmbH. Die Streitigkeiten im Gesellschafterkreis sind beendet. Bei der Konstanzer Regionalzeitung ist der Generationswechsel eingeleitet. In: Handelsblatt, 16. Januar 1986.
Zwei von der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck bestellte Geschäftsführer modernisierten das Verlagskonzept des Südkuriers, seine Unternehmensstrukturen und die Produktionsbedingungen. Zugleich senkten sie die Kosten. 1986 erfolgte im Konstanzer Gewerbegebiet „Oberlohn“ der Spatenstich für eine neue Druckerei, die erste Südkurier-Ausgabe wurde dort am 6. Februar 1990 gedruckt. 1990 übernahm Holtzbrinck den Südkurier vollständig.Siehe die , Abruf am 13. Juli 2017.
Um Redaktion und Verlag einerseits sowie Druck andererseits räumlich zusammenzuhalten, bezog der Südkurier 1993 ein neues Verlagsgebäude, das seither mit der Druckerei wieder einen baulichen Gesamtkomplex bildet.Schwarzwälder, Engelsing: Zeitbilder. S. 192–197 und S. 204.
Insgesamt entwickelte sich das Regionalblatt bis Mitte der 1990er Jahre zu einem Medien- und Dienstleistungsunternehmen, das neben Tageszeitungen auch Anzeigenblätter und viele andere Druckerzeugnisse herstellte. Auch die Zustellung von Zeitungen und Prospekten gehörte – organisiert als eigene GmbH – dazu. Überdies stieg die Südkurier-Unternehmensgruppe 1987 mit einer Beteiligung an Radio Seefunk in den Hörfunk ein; 2018 wurde sie veräußert.Schwarzwälder, Engelsing: Zeitbilder. S. 203.Informationen auf der Website www.suedkurier-medienhaus.de, Abruf am 13. Juli 2017. 1992 gründete der Südkurier das Callcenter Auf Draht, das sich auf das Verlagswesen konzentrierte.Information zur Gründung und Spezialisierung gemäß der Website des Unternehmens, Abruf am 26. Juli 2016.
Seit 1996 1996 startete das Medienhaus seine Tätigkeit als Internet-Dienstleister und Content Provider mit dem Online-Dienst SKOL.de (Abkürzung für SüdKurier OnLine). Dies mündete im Jahr 2000 in die Gründung einer neuen Tochter, der Media Favoriten GmbH, die SKOL.de zunächst zum regionalen Portal ausbaute, ab 2002 jedoch darauf setzte, Inhalte des Südkuriers online verfügbar zu machen; im April 2003 wurde SKOL.de in www.suedkurier.de umbenannt.Kudlich, Meyer-Lucht: Fallstudie Südkurier.de. S. 228, 234. Patrick Eich: Dekaden unter der Lupe. S. 106. Seit 2003 ist der Südkurier ebenfalls als ePaper verfügbar.Kudlich, Meyer-Lucht: Fallstudie Südkurier.de. S. 235.
Anfang 1999 übernahm der Südkurier die damals seit 15 Jahren bestehende psg – Presse- und Verteilservice Baden-Württemberg GmbH, ein Direktzustellunternehmen. Im selben Jahr erfolgte die Gründung von Anzeiger Südwest, um das Geschäft mit Anzeigenblättern zu organisieren.Siehe die Gründungsinformationen auf moneyhouse.de, Abruf am 26. Juli 2017. Südkurier und Badischer Verlag gründeten 2000 die Arriva GmbH, um die gemeinsamen Logistikkapazitäten der Zeitungsausträger für die Postzustellung zu nutzen.Verlage konkurrieren mit der Post. In: Handelsblatt, 27. Dezember 2000. 2007 wurde Arriva an die Pin-Gruppe veräußert;Pin-Gruppe kauft Arriva – Zustellung in bewährter Form. In: Badische Zeitung, 5. Oktober 2007. im Oktober 2008 kauften Badischer Verlag und Südkurier das Unternehmen zurück.Klaus Riexinger: Komplett gedreht – Post AG verteidigt hartnäckig ihre Privilegien – zulasten des Wettbewerbs. In: Badische Zeitung. 8. März 2009. Zum 1. Juli 2008 übernahm das Medienhaus die Mehrheit an der ka-news GmbH, die die Karlsruher Online-Tageszeitung ka-news herausgibt..
Ende Februar 2010 wurde die Eröffnung der neuen Druckerei gefeiert. Seither erfolgt der Druck der Zeitung auf einer Maschine, die kein Wasser mehr benötigt (Hersteller: Koenig & Bauer). Zeitgleich stellte die Zeitung auf das Berliner Format um.Jörg-Peter Rau: In: Südkurier, 27. Februar 2010, abgerufen am 19. Juli 2017. Seit 2010 ist zudem die Nutzung von Südkurier-Apps für mobile Anwendungen möglich.