Lenningen ist eine Gemeinde im Landkreis Esslingen in Baden-Württemberg, die rund zehn Kilometer südlich von Kirchheim unter Teck liegt. Sie gehört zur Region Stuttgart (bis 1992 Region Mittlerer Neckar) und zur Randzone der europäischen Metropolregion Stuttgart. Nach der Fläche ist Lenningen die drittgrößte Gemeinde im Landkreis. Lenningen ist mit seiner gesamten Gemarkung Teil des Biosphärengebiets Schwäbische Alb und des UNESCO Geoparks Schwäbische Alb.

Geographie Geographische Lage mini|Lenninger Tal Lenningen liegt am Rande der Schwäbischen Alb in 397 bis . Auf dem Gemeindegebiet vereinen sich die Gutenberger oder Weiße Lauter und die Schlattstaller oder Schwarze Lauter zur Lauter, die etwa 13 km nordwestlich der Gemeindegrenze in den Neckar mündet.

mini|Schopfloch, Zeichnung von Eduard von Kallee, 1854

Das Gemeindegebiet umfasst die gesamten Täler der zwei Quellflüsse und das obere Tal der aus ihnen entstehenden Lauter, es endet im Westen an der oberen Talkante von Weißer Lauter und Lauter; allein ein ca. ¼ km² großer, kompakt mit dem Ortsteil Hochwang bebauter Nordwestsporn von ihm ragt hier in die etwa hohe Albhochfläche westlich dieses linken Talzugs. Oben an der Südkante der rechten Hochfläche über dem Weißlautertal liegt um der Ortsteil Schopfloch. Auf dieser Seite des rechten Talzugs gehört außerdem der überwiegende Teil der Albfläche zwischen Lauter- und Lindachtal zur Gemeinde. Hier oben liegen jedoch ansonsten nur noch der deutlich kleinere Weiler Krebsstein sowie wenige verstreute Wohnplätze. Dieser größte Teil der Gemeindefläche ist spärlich besiedelt, die übrigen größeren Ansiedlungen liegen sämtlich in den Tälern: Brucken liegt südlich von Owen zwischen der Teck im Nordosten und dem Albsporn Baßgeige dicht im Südwesten vor der Nordwestgrenze der Gemeinde an der ausfließenden Lauter. Östlich von Brucken befindet sich der höchste Punkt der Gemeinde, das Brucker Hölzle mit . Talaufwärts schließt sich Unterlenningen an, in einer breiten Talspinne aus dem Lautertal und zulaufendem Ehnisbach und Kellental, von der Ruine Sulzburg auf einem Spornrest überragt, und danach Oberlenningen, der größte Ort der Gemeinde, in einer kleineren Talspinne, die vom zulaufenden Tobel-, Schmal- und Hirschtal gebildet wird. In der Ostspitze des Weißlautertals liegt Gutenberg, im schmäleren Schwarzlautertal das kleinere Schlattstall.

Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden sind im Osten Wiesensteig (Landkreis Göppingen), im Süden Römerstein und Grabenstetten (beide Landkreis Reutlingen), im Westen Erkenbrechtsweiler, im Nordwesten Owen und im Norden Bissingen an der Teck und Neidlingen (alle Landkreis Esslingen).

Gemeindegliederung mini|Mühle bei Schlattstall im Lautertal, Aquarell von General Eduard von Kallee, 1854 Lenningen besteht aus den sieben Ortsteilen Brucken, Unterlenningen, Oberlenningen, Hochwang, Schlattstall, Gutenberg und Schopfloch bzw. aus den fünf ehemals selbstständigen Gemeinden Gutenberg, Oberlenningen, Schlattstall, Schopfloch und Unterlenningen. Die offizielle Bezeichnung der Ortsteile ist identisch mit den Ortsteilnamen. Sie bilden Wohnbezirke im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung, zudem bilden die Ortsteile Gutenberg und Schopfloch Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher. Zur ehemaligen Gemeinde Gutenberg gehören das Dorf Gutenberg und der Weiler Krebsstein sowie die abgegangenen Ortschaften Auf dem Heiligenberg, Sperberseck und Burg Wuelstein. Zur ehemaligen Gemeinde Oberlenningen gehören das Dorf Oberlenningen und der Gemeindeteil Hochwang sowie die abgegangene Burg Wielandstein. Zur ehemaligen Gemeinde Schlattstall das Dorf Schlattstall. Zur ehemaligen Gemeinde Schopfloch gehören das Dorf Schopfloch und die Häuser Harpprechthaus und Torfgrube. Zur ehemaligen Gemeinde Unterlenningen gehören das Dorf Unterlenningen, der Ort Brucken, die Burg Diepoldsburg und das Gehöft Engelhof sowie die abgegangene Burg Sulzburg.Hauptsatzung der Gemeinde Lenningen, zuletzt geändert am 17. November 2020 (PDF; 32 kB), abgerufen am 23. Juni 2025Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2. S. 199–203

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Lenningen.

Geschichte Überblick Von der Steinzeit zum Mittelalter Die Gemarkung Lenningens war schon in der Steinzeit besiedelt, was durch Hinterlassenschaften anhand von Beilen und Tonscherben nachweisbar ist. Auch aus der Bronze-, Kelten- und Römerzeit gibt es zahlreiche Artefakte. Die heutige Bundesstraße 465 verläuft entlang der alten römischen Straße zwischen Köngen und Donnstetten. Seit 300 n. Chr. drangen die Alemannen ins römische Agri decumates ein und hinterließen auch auf der Gemarkung Lenningens mehrere Reihengräberfelder und Spuren von Eisenverhüttung. Während des Hochmittelalters lag das Gebiet im Herzogtum Schwaben und es sind zu jener Zeit die Siedlungskerne der heutigen Ursprungsgemeinden entstanden. Die Dörfer gerieten im 12. Jahrhundert unter die Herrschaft der Herzöge von Teck, welche sie im Jahre 1387 an die Grafen von Württemberg abtraten. Damit wurden die Dörfer ein Bestandteil Altwürttembergs und waren seither dem Amt in Kirchheim unterstellt.

Neuzeit 1534 befahl der evangelische Herzog Ulrich, dass ganz Württemberg und damit auch die Dörfer auf der Gemarkung Lenningens gemäß dem Prinzip „Cuius regio, eius religio“ von nun an evangelisch sein sollten. Bei der Umsetzung der neuen Verwaltungsgliederung im 1806 gegründeten Königreich Württemberg blieben die Dörfer dem Oberamt Kirchheim zugeordnet. Die Verwaltungsreform während der NS-Zeit in Württemberg führte 1938 zur Zugehörigkeit zum Landkreis Nürtingen. 1945 wurden die Ortschaften Teil der Amerikanischen Besatzungszone und gehörten somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging. Im Zuge der Kreisreform in Baden-Württemberg kamen die Gemeinden 1973 zum Landkreis Esslingen.

Die Gemeinde Lenningen ist am 1. Januar 1975 durch den Zusammenschluss der bis dahin selbständigen Gemeinden Gutenberg, Oberlenningen (mit Hochwang und Schlattstall), Schopfloch und Unterlenningen (mit Brucken) entstanden.

Ortsteile Brucken

Brucken wurde erstmals 1123 urkundlich erwähnt und 1939 nach Unterlenningen eingemeindet. Brucken hat 1043 Einwohner (Stand 30. Juni 2023).

Gutenberg

mini|hochkant|Ortskern von Gutenberg links|60px|Gutenberg mini|Gutenberg: Blick zum Gasthaus Löwen mit Baum. Lavierte Zeichnung von General Eduard von Kallee von 1870. Von 1285 stammt die erste urkundliche Erwähnung Gutenbergs. 1360 erhielt es die Stadtrechte. Im 15. Jahrhundert wurde es – wie Oberlenningen – Sitz eines Stabs, zu dem auch Schopfloch gehörte. Der Dreißigjährige Krieg entvölkerte den Ort so sehr, dass er auch das Stadtrecht wieder verlor. Den Status des Stabsortes konnte Gutenberg aber halten. Die Pfarrkirche Sankt Nikolaus wurde ab 1865 erbaut und am 15. Juli 1866 eingeweiht. Die Kosten beliefen sich auf 20.000 Gulden und wurden zwischen Gutenberg, Krebsstein und Schlattstall geteilt. Dreizehn Pfarrer leiteten die Gemeinde seit 1858.Lichtblick für den Landesbischof. Evangelische Pfarrkirche Sankt Nikolaus in Gutenberg blickt auf 150 Jahre zurück. In: DerTeckbote vom 12. Juli 2016, Seite 19 Gutenberg hat heute 729 Einwohner (Stand 30. Juni 2023).

Das „Alte Pfarrhaus“ wurde 1784 von Kirchenrats-Baumeister Wilhelm Friedrich Goez aus Ludwigsburg erbaut und ist eine Gaststätte.

Hochwang

Um Wohnraum für Heimatvertriebene und Flüchtlinge zu schaffen, machte man sich Gedanken über den Bau einer Wohnsiedlung für diese Menschen. Auf der Albhochfläche wurde von der Gemeinde Erkenbrechtsweiler ein Grundstück erworben. Im Jahre 1952 wurde in Hochwang mit dem Wohnungsbau begonnen. Die Siedlung wurde durch eine neugebaute Straße (Hochwanger Steige) erschlossen.

Oberlenningen mini|Martinskirche Oberlenningen links|60px|Oberlenningen Um 1100 wurde Oberlenningen als Lenningen erstmals urkundlich erwähnt. Es unterstand den Herzögen von Teck, die es 1386 an Württemberg verloren. Oberlenningen war Sitz eines Stabs, der untersten Verwaltungsgliederung jener Zeit, der auch für Brucken, Schlattstall und Unterlenningen zuständig war. Das Schlössle Oberlenningen war ein Adelssitz der Schilling von Cannstatt. Das sich auf einer Anhöhe oberhalb der Lauter und über den alten Ortskern erhebende Baudenkmal prägt wesentlich das Ortsbild von Oberlenningen. Oberlenningen hatte Stand 30. Juni 2023 2681 Einwohner.

Schlattstall links|60px|Schlattstall

Die erste urkundliche Erwähnung Schlattstalls stammt von 1384. Es gehörte zum Oberlenninger Stab und wurde am 1. Januar 1971 nach Oberlenningen eingemeindet. In Schlattstall leben heute 168 Menschen (Stand 30. Juni 2023).

Schopfloch mini|Rathaus in Schopfloch links|60px|Schopfloch

1152 wurde Schopfloch urkundlich erwähnt. Es war bis zur Bildung der heutigen Gemeinde Lenningen stets eine eigenständige Gemeinde, gehörte aber seit dem 15. Jahrhundert zum Gutenberger Stab. Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort so sehr zerstört, dass die Einwohnerzahl von 100 auf 40 zurückging. Heute hat Schopfloch 726 Einwohner (Stand 30. Juni 2023).

Unterlenningen links|70px|Unterlenningen

Unterlenningen bildete ursprünglich eine Einheit mit Oberlenningen. 1353 spaltete sich der Ort ab und wurde erst 1975 bei der Bildung der heutigen Gemeinde mit Oberlenningen wiedervereinigt. In Unterlenningen leben 2220 Menschen (Stand 30. Juni 2023).

Religionen Seit der Reformation sind die heutigen Lenninger Ortsteile evangelisch geprägt. Neben den Amtskirchen gibt es in Brucken auch eine Zweigstelle der Liebenzeller Gemeinschaft, die ebenfalls zur evangelischen Landeskirche gehört. In Oberlenningen besteht heute auch wieder eine römisch-katholische Gemeinde. Außerdem gibt es in Oberlenningen und Brucken jeweils eine neuapostolische Gemeinde.

Einwohnerzahlentwicklung Jahr Einwohner¹ 1871 3.294 1880 3.384 1890 3.264 1900 3.375 1910 3.722 1925 3.779 1933 4.077 Jahr Einwohner¹ 1939 4.255 1950 5.756 1961 6.860 1970 7.667 1975 7.775 1980 7.777 1985 7.710 Jahr Einwohner¹ 1990 8.721 1995 8.848 2000 8.679 2005 8.572 2010 8.177 2015 8.026 2020 8.246 ¹ laut Statistischem Landesamt Baden-Württemberg; bis 1970 Volkszählungsergebnisse, ab 1975 Fortschreibungen jeweils zum 31. Dezember des Jahres.

Politik

Verwaltungsverband Lenningen bildet mit Erkenbrechtsweiler und Owen den Gemeindeverwaltungsverband Lenningen.

Gemeinderat In Lenningen wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. Der Gemeinderat in Lenningen besteht nach der letzten Wahl aus den gewählten 19 ehrenamtlichen Gemeinderäten (2019: 18) und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem vorläufigen EndergebnisWahlinformationen auf komm.one. Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019BWVBürgerliche Wählervereinigung Lenningen90,571775,9714GrüneBündnis 90/Die Grünen9,43224,034gesamt100,019100,018Wahlbeteiligung65,05 %60,95 %

Bürgermeister Bürgermeister ist seit 1999 Michael Schlecht. Er wurde 2007, 2015 und 2023 wiedergewählt.

Wappen Blasonierung: „In Blau über von Schwarz und Gold schräg gerautetem Schildfuß ein in Form einer Acht geschlungener silberner Lindenzweig mit beiderseits je drei silbernen Blättern.“